Who sampled who? – Türchen #08: "Nur Mir" von Sabrina Setlur

Schon seit die HipHop-​Kultur noch in den Kin­der­schu­hen steck­te, sind Sam­ples ein essen­zi­el­ler Teil von ihr. Von alten Klas­si­kern bis hin zu aktu­el­len Chart­hits las­sen sich in unzäh­li­gen Songs Ele­men­te aus bereits exis­tie­ren­den Wer­ken fin­den. Wem erging es noch nicht so, dass er beim Musik­hö­ren über einen bekann­ten Sound gestol­pert ist und sich dar­auf­hin den Kopf über des­sen Her­kunft zer­bro­chen hat? Oft beginnt damit eine span­nen­de Suche nach der Ori­gi­nal­auf­nah­me quer durch die Musik­his­to­rie. Aus die­sem Grund stel­len wir uns in unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der die Fra­ge "Who sam­pled who?" und öff­nen täg­lich ein neu­es Tür­chen: Wir prä­sen­tie­ren Euch 24 ver­schie­de­ne deut­sche Rap­songs und betrach­ten die Sam­ples, wel­che sich dar­in verbergen.

 

 

Bricht man die Kunst des Sam­plings her­un­ter, besteht sie im Grun­de dar­in, dass sich Musiker:innen an Fremd­ma­te­ri­al bedie­nen und die­ses für die eige­ne Musik ver­wen­den. Sam­ples wer­den mal rück­wärts abge­spielt, mal gepitcht, zer­hackt oder ein­fach unver­än­dert in ein neu­es Stück ein­ge­fügt. Solch eine Sample-​Nutzung geschieht nicht sel­ten unge­fragt. Dann kann es vor­kom­men, dass sich die Urheber:innen beschwe­ren – wie im Fal­le von Kraft­werk, die sich wegen Sabri­na Set­lurs Tracks "Nur Mir" mit Moses Pel­ham anlegten.

1997 erschien besag­ter Song – pro­du­ziert von Moses Pel­ham, bei des­sen Label 3p die Rap­pe­rin damals unter Ver­trag stand. Auf dem Song zu hören: ein zwei Sekun­den lan­ger Loop aus dem 1977 erschie­ne­nen "Metall auf Metall", einem Stück der Elektronik-​Pioniere Kraft­werk. Mit dem Sam­ple, das aus metal­li­schen Rhyth­men besteht, beginnt "Nur Mir" beglei­tet von lei­sen Syn­the­si­zern. Wür­de es spä­ter im Song ein­set­zen, wäre es im rest­li­chen Instru­men­tal womög­lich unter­ge­gan­gen. Doch die­se zwei Sekun­den Loop soll­ten einen der größ­ten Urhe­ber­rechts­strei­te der deut­schen Musik­ge­schich­te aus­lö­sen. 1999 klag­ten Mit­glie­der von Kraft­werk erst­mals gegen Moses Pel­ham und sein Team. Der Fall ging dar­auf­hin zwan­zig Jah­re lang durch alle Instan­zen – so befass­te sich sogar der Euro­päi­sche Gerichts­hof damit. Mal ent­schie­den die Gerich­te für Kraft­werk, mal für Moses Pel­ham. Im Vor­der­grund stand immer die Fra­ge, wel­che Frei­hei­ten Musiker:innen beim Sam­pling zuge­spro­chen wer­den kön­nen, ohne die Rech­te der Urheber:innen zu verletzen.

Bei der letz­ten Ent­schei­dung vom April 2020 beschloss der Bun­des­ge­richts­hof, dass selbst die Ver­wen­dung kleins­ter Musik­fet­zen, soll­ten sie erkenn­bar sein, der Erlaub­nis der Urheber:innen bedarf. Im nächs­ten Schritt wird sich das Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg noch ein­mal mit dem Fall befas­sen. Eine die­ses Jahr in Kraft getre­te­ne Geset­zes­än­de­rung des Urhe­ber­rechts pro Sam­pling könn­te den Streit viel­leicht end­lich zu einem Abschluss bringen.

(Tim Herr)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)