Who sampled who? – Türchen #09: "Nautilus" von Shindy

Schon seit die HipHop-​Kultur noch in den Kin­der­schu­hen steck­te, sind Sam­ples ein essen­zi­el­ler Teil von ihr. Von alten Klas­si­kern bis hin zu aktu­el­len Chart­hits las­sen sich in unzäh­li­gen Songs Ele­men­te aus bereits exis­tie­ren­den Wer­ken fin­den. Wem erging es noch nicht so, dass er beim Musik­hö­ren über einen bekann­ten Sound gestol­pert ist und sich dar­auf­hin den Kopf über des­sen Her­kunft zer­bro­chen hat? Oft beginnt damit eine span­nen­de Suche nach der Ori­gi­nal­auf­nah­me quer durch die Musik­his­to­rie. Aus die­sem Grund stel­len wir uns in unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der die Fra­ge "Who sam­pled who?" und öff­nen täg­lich ein neu­es Tür­chen: Wir prä­sen­tie­ren Euch 24 ver­schie­de­ne deut­sche Rap­songs und betrach­ten die Sam­ples, wel­che sich dar­in verbergen.

 

 

Shin­dy ist dafür bekannt, in sei­ner Musik mit Refe­ren­zen und Quer­ver­wei­sen um sich zu wer­fen. Beson­ders sei­ne mitt­ler­wei­le drei Jah­re alte Plat­te "Dra­ma" ist gefühlt eine ein­zi­ge Hom­mage an die frü­hen 2000er Jah­re. Dies sticht deut­lich bei "Nau­ti­lus", der drit­ten Sin­gle des Albums, heraus.

Zu Beginn des Songs ist die Stim­me von Star-​Produzent Tim­ba­land zu hören: "It's been a long time, we shouldn't have left you without a dope beat to step to." Die Original-​Aufnahme des in "Nau­ti­lus" ver­bau­ten Vocalsam­ples stammt aus "Try Again" von Aali­yah – der Lead­sin­gle des Sound­tracks zum Film "Romeo Must Die" aus dem Jahr 2000. Zugleich ist "Try Again" der erfolg­reichs­te Hit der ver­stor­be­nen R 'n' B-​Legende. Dar­um ist es nicht wei­ter ver­wun­der­lich, dass sich Shin­dy, Nico Chia­ra und OZ bei der Pro­duk­ti­on von "Nau­ti­lus" an die­sem Song bedient und ihn dar­über hin­aus als musi­ka­li­sche Vor­la­ge ver­wen­det haben. Doch auch Refe­ren­zen an wei­te­re Stars der frü­hen 00er Jah­re tau­chen im Song auf. So ist das ori­en­ta­lisch anmu­ten­de Strei­chers­am­ple eine ein­deu­ti­ge Anspie­lung an 50 Cents "Can­dy Shop" aus dem Jahr 2003. Pas­send zur Line "Rapp' von oben her­ab so wie 50 Cent im Clip zu 'In Da Club'", las­sen sich dann auch ein kur­zer Drum­loop und ein Vocalsam­ple aus dem ers­ten gro­ßen Hit von 50 finden.

Shin­dy bezieht sich nicht nur mit den gewähl­ten Sam­ples auf die 2000er Jah­re. Auch im Video und in den Lyrics des Songs fin­den sich neben strah­lend wei­ßen Nike Air For­ce 1 und Sean John-​Jogginghosen unzäh­li­ge Quer­ver­wei­se auf die Zeit um die Jahr­tau­send­wen­de – auch aus dem deut­schen Rap. So sind etwa die letz­ten Lines des zwei­ten Parts eine Anspie­lung auf den Song "Chart­brea­ker" der Mas­si­ven Tönen. Damit gelingt es Shin­dy auf spek­ta­ku­lä­re Wei­se, dass eine gan­ze HipHop-​Ära im kol­lek­ti­ven Hör­ge­dächt­nis bleibt.

(Nico Matu­ro)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)