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Adventskalender

24 Jahre deutscher Rap in Tracks: Türchen #06 – Kool Savas (2002)

24 Tür­chen, 24 Jah­re deut­sche Rap-​Geschichte – in unse­rem Advents­ka­len­der las­sen wir die letz­ten Jah­re anhand aus­ge­wähl­ter Tracks Revue pas­sie­ren. Heu­te: "Der bes­te Tag mei­nes Lebens" von Kool Savas aus dem Jahr 2002.

Es ist kalt, es ist grau, es gibt immer noch Coro­na. Die idea­le Zeit also, um Tag für Tag bei unse­rem Advents­ka­len­der mit­zu­fie­bern. Wie­der wer­fen wir einen Blick zurück auf die letz­ten 24 Jah­re: Wel­che Mei­len­stei­ne gab es? Wel­che Momen­te sorg­ten dafür, dass deut­scher Rap ein­fluss­rei­cher wur­de denn je? Weil uns Alben zu ein­fach sind (und wir sie schon hat­ten, sie­he hier), haben wir uns die­ses Jahr dran­ge­macht und den jeweils einen Track gesucht, der die Sze­ne über sein Erschei­nungs­jahr hin­aus ent­schei­dend geprägt hat. Jeden Tag stel­len wir Euch somit – ange­fan­gen 1997 – einen Song vor, der ent­we­der durch sei­nen Sound, sei­nen Inhalt oder sei­ne Form unse­rem Lieb­lings­gen­re sei­nen Stem­pel auf­ge­drückt hat.

 

2002: Kool Savas – Der bes­te Tag mei­nes Lebens

Der Sinn des Lebens ist, dei­nem Leben ein' Sinn zu geben.

Die Welt hat­te "lang genug gewar­tet, dass ein Album erscheint" vom wohl meist gehyp­ten deut­schen Rap­per sei­ner Zeit. Im Novem­ber 2002 war es dann so weit. "Der bes­te Tag mei­nes Lebens" von Kool Savas wur­de releast und stieg direkt auf Platz sechs der deut­schen Album­charts ein. Der Titel­track über­rasch­te dabei genau­so wie die gesam­te Platte.

Wäh­rend der "King of Rap" noch zu Beginn sei­ner Kar­rie­re über­wie­gend bedenk­li­che Tex­te rapp­te, änder­te sich das mit zuneh­men­dem Bekannt­heits­grad. Ein Wan­del, an dem sich eini­ge aktu­ell gefei­er­te Rap­per defi­ni­tiv ein Bei­spiel neh­men soll­ten. Waren die Erwar­tun­gen vor dem Debüt­al­bum noch von Batt­le­tracks wie "LMS" und "Schwu­le Rap­per" geprägt, kam mit die­sem Release dann doch alles anders. Der Titel­track hät­te dabei nicht bes­ser gewählt wer­den kön­nen. "Der bes­te Tag mei­nes Lebens" steht exem­pla­risch für einen reflek­tier­te­ren S-​A-​V. War die­ser bis­her neben sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Tech­nik am Mic vor allem durch homo­pho­be und sexis­ti­sche Lines auf­ge­fal­len, teil­te er sei­ner Hörer­schaft nun mit, mehr Zeit mit der Fami­lie zu ver­brin­gen. Abge­se­hen von einem Zusatz­track ist das Lied der letz­te Anspiel­punkt des Albums, wirkt also bei­na­he wie die Zusam­men­fas­sung einer Plat­te, die sich eher dem Sinn des Lebens wid­met als Bit­ches und Wack MCs. Gepaart mit der radio­taug­li­chen Hook von Valez­ka und Mel­beatz' unver­kenn­ba­rer Pro­duk­ti­on schafft Kool Savas hier etwas, das zuvor schier unmög­lich schien: Er lie­fert die Vor­la­ge für den har­ten Unter­grund, sich zur Abwechs­lung auch mal von einer mensch­li­chen Sei­te zu zeigen.

Essah galt in Deutsch­land jah­re­lang als der unan­ge­foch­te­ne "King of Rap". Und "Der bes­te Tag mei­nes Lebens" war wohl der Durch­bruch auf dem Weg zu die­sem Titel. "Mach, was du willst und hol' immer das Bes­te aus jedem Tag", emp­fiehlt er dem Hörer und setz­te dies zugleich per­fekt um. Genau damit schuf er den wahr­schein­lich prä­gends­ten Song 2002.

(Blan P)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)