GReeeN

Der deut­sche Rap­kos­mos ist in der letz­ten Deka­de immens gewach­sen. Vor ein paar Jah­ren ist die Anzahl an viel gefei­er­ten Künst­lern noch durch­aus über­schau­bar gewe­sen, jedoch haben die­se auch eini­ges an Auf­merk­sam­keit erhal­ten. Heut­zu­ta­ge fin­den eine Men­ge MCs trotz sta­bi­len Sup­ports eher am Ran­de der Sze­ne statt und fal­len damit weni­ger auf. GRee­eN ist aktu­ell einer von die­sen Rap­pern: Obwohl der Mann­hei­mer mitt­ler­wei­le knapp 150 000 Fol­lo­wer auf Insta­gram ver­zeich­net und eini­ge sei­ner Songs die Mil­lio­nen­mar­ke auf You­Tube und Spo­ti­fy kna­cken, scheint ein beacht­li­cher Teil der Rapland­schaft nur wenig über ihn zu wis­sen. Das soll sich durch das aktu­el­le Release ändern: Mit der Unter­stüt­zung des inter­na­tio­nal agie­ren­den Reggae- und Dancehall-​Labels Irie­vi­bra­ti­ons Records ver­öf­fent­licht der ambi­tio­nier­te Musi­ker sein zwei­tes Stu­dio­al­bum "Sma­ragd". Der Musik­ver­lag hat in der Ver­gan­gen­heit mit erfolg­rei­chen Inter­pre­ten wie RAF Camo­ra oder Kon­shens zusam­men­ge­ar­bei­tet. Im Inter­view haben wir mit GRee­eN dar­über gespro­chen, wie es zu die­ser Zusam­men­ar­beit kam. Außer­dem hat uns der Mann in grün berich­tet, wes­halb er Can­na­bis als ein Werk­zeug zum krea­ti­ven Schaf­fen bezeich­net und was sei­ne Gedan­ken über die letz­te Euro­pa­wahl und die damit ver­bun­de­nen poli­ti­schen Ereig­nis­se in Deutsch­land sind.

MZEE​.com: Du zeigst dich häu­fig als sehr natur­ver­bun­den. Wie hast du die Ergeb­nis­se der ver­gan­ge­nen Euro­pa­wahl im Hin­blick auf die Grü­nen wahr­ge­nom­men?

GRee­eN: Ich fin­de es schon posi­tiv, dass die Grü­nen so einen star­ken Zuwachs bekom­men haben. Aber ob sie die Rich­ti­gen sind? Wel­che Par­tei ist schon die rich­ti­ge? Ich glau­be, dass bei jeder Par­tei noch viel auf­ge­ar­bei­tet wer­den muss auch bei den Grü­nen. Aber ich fand es ein­fach schön, dass man jetzt eine Pro­test­be­we­gung ins Land geru­fen hat und vie­le die kon­ser­va­ti­ven Par­tei­en nicht gewählt haben. Und auch nicht aus Pro­test dage­gen irgend­ei­ne scheiß rech­te Par­tei! Es muss gene­rell noch viel pas­sie­ren.

MZEE​.com: Es gibt wahr­schein­lich auch nicht die eine Par­tei, der man unein­ge­schränkt zustim­men möch­te.

GRee­eN: Ich fin­de zum Bei­spiel Die PARTEI klas­se. (lacht) Die haben auch ein Wer­be­vi­deo, in dem man sieht, wie die gan­zen Welt­mee­re zer­fickt wer­den. Fand ich super­geil. Da muss eh was gemacht wer­den. Ich mei­ne … (über­legt) … irgend­wer muss ja mit der Schei­ße anfan­gen und wenn die ers­ten euro­päi­schen Län­der sehr viel für die Umwelt tun, müs­sen frü­her oder spä­ter hof­fent­lich auch Indi­en, die USA und Chi­na nach­zie­hen. Das sind ja die größ­ten Sün­den­bö­cke der Welt.

MZEE​.com: Glaubst du denn, dass eine Satire-​Partei auch einen nach­hal­ti­gen, poli­ti­schen Impact haben kann?

GRee­eN: Ich glau­be, das kann sich dahin bewe­gen, Stück für Stück. Jetzt ist alles noch so sar­kas­tisch und wird nicht ganz ernst genom­men. Aber ich den­ke, dass die Leu­te eben nicht unbe­dingt nach Macht stre­ben, um damit Aner­ken­nung zu bekom­men. Ich den­ke, in der PARTEI sind wirk­lich Men­schen mit Wer­ten, denen Anse­hen nicht so wich­tig ist. Wer weiß, wohin sich das ent­wi­ckelt. Viel­leicht leben die sich sogar ein und sagen, dass sie es doch ernst neh­men, weil sie mer­ken, dass es voll ihr Ding ist. (lacht) Es sind kei­ne Men­schen, die sich bewusst für die Poli­tik ent­schie­den haben, die wol­len nicht der nächs­te Bun­des­kanz­ler wer­den. Die gan­zen Idio­ten machen das ja, weil sie Aner­ken­nung und Macht wol­len. Des­we­gen gibt es auch so weni­ge gute Poli­ti­ker – die haben meis­tens ihre Wer­te ver­lo­ren, fin­de ich. Alle zu ego­is­tisch, zu viel Kapi­ta­lis­mus, Wirt­schaft und alles ande­re ist scheiß­egal. Nach dem Mot­to: "Wenn ich's nicht mache, wer sonst?"

MZEE​.com: Dabei muss ich an Rezos Video zur CDU den­ken, das du auch geteilt hast. Er ist ja jemand, der über­haupt nicht in dem poli­ti­schen Kos­mos zu ver­or­ten ist, aber eine enor­me Wel­le geschla­gen hat. Wie hast du die Reak­tio­nen der Par­tei­en dar­auf wahr­ge­nom­men?

GRee­eN: Kri­tik­fä­hig sieht anders aus, oder? (lacht) Ich habe Rezo direkt Props gege­ben. Wir haben schon vor einem hal­ben Jahr hin- und her­ge­schrie­ben. Da hat­te er mich auch gefragt, ob ich bei die­sem offe­nen Video-​Statement-​Brief mit­ma­chen will – ich habe natür­lich direkt ja gesagt und konn­te dabei mit­wir­ken. Fand ich sehr cool, dass er mir die Mög­lich­keit dafür gebo­ten hat. Das waren ja weit über 70 You­Tuber und ich war der ein­zi­ge Musi­ker. Die Reak­tio­nen der Par­tei­en waren in bei­den Fäl­len zurück­wei­send und aus­wei­chend – das nor­ma­le poli­ti­sche Gela­ber, ne? Schön in die Rhetorik-​Schule gehen und den unan­ge­neh­men Fra­gen aus­wei­chen, das kennt man ja. Bloß gut aus­drü­cken und nichts Fal­sches sagen. Das geht mir so auf die Eier. Da müs­sen ande­re Leu­te her und kei­ne komi­schen, sozi­al inkom­pe­ten­ten Voll­spas­ten, die sich sowie­so für was Bes­se­res hal­ten. Die­ser Phil­ipp Amt­hor, das ist so ein arro­gan­ter Wich­ser. Wo kommt der denn her? Der kommt aus der Krei­de­zeit oder aus einem Reagenz­glas. Der ist für die Poli­tik gezüch­tet wor­den. Klar fei­ert den jeder 60-​jährige Poli­ti­ker, der wirkt ja auch schon wie ein 60-​jähriger Poli­ti­ker, obwohl er 26 ist. Da geht es aber eigent­lich über­haupt nicht ums Aus­se­hen. Wenn der redet und man ihn ein­fach mal beob­ach­tet … (über­legt) Die Arro­ganz sprüht aus ihm her­aus, sowas habe ich sel­ten gese­hen. Rich­tig arro­gan­ter Dreck­sack.

MZEE​.com: Glaubst du, dass die Poli­tik all­ge­mein ein Pro­blem damit hat, jun­ge Men­schen ernst zu neh­men?

GRee­eN: Ja, voll­kom­men. Jun­ge Men­schen kön­nen doch eh nur YouTube-​Videos dre­hen. Ernst neh­men die uns schon lan­ge nicht mehr. Ich glau­be, das ist so die Internet-​Generation. Wenn die Poli­ti­ker all die Zom­bies sehen, wie sie den gan­zen Tag nur in ihre Han­dys rein­schau­en, da ver­liert man als alter Zeit­ge­nos­se viel­leicht den Respekt vor den jun­gen Leu­ten – die kön­nen ja eh nicht mehr nach­den­ken. Doch sie haben sich geirrt, da rumort etwas. Das wird deren Unter­gang sein. Aber das sind eh alles Oppor­tu­nis­ten. Die wer­den ihren Kurs ändern und ver­su­chen, mehr Klima-​Ziele anzu­ge­hen. Ich glau­be, das hat schon etwas Posi­ti­ves ange­sto­ßen. Die jun­gen Leu­te wer­den auch irgend­wann älter und sich dar­an erin­nern, was die CDU und die ande­ren Kon­ser­va­ti­ven ver­an­stal­tet haben. Das wird wie ein Bume­rang zurück­kom­men – ich freue mich dar­auf. An Rezo wird man sich hof­fent­lich noch lan­ge erin­nern, das hat­te ja schon fast etwas Hel­den­haf­tes. Er hat auch in mir etwas ange­sto­ßen. Ich bin schon immer an Poli­tik und Umwelt inter­es­siert, aber durch mei­ne Musik-​Karriere lebe ich zugleich in mei­nem Ego-​Zentrum. Da ver­su­che ich, mei­ne eige­nen Zie­le vor­an­zu­brin­gen. Näm­lich auch ein Sprach­rohr zu wer­den, mit einer rie­si­gen Reich­wei­te, damit ich genau sowas machen kann, was Rezo da gestar­tet hat. Das war schon immer mein Wunsch neben der Musik. Ich stre­be nicht nach Macht, aber ich möch­te, dass die Medi­en und die Poli­tik nicht alles bestim­men dür­fen. Ich möch­te, dass You­Tuber und Musi­ker ihre Reich­wei­te sinn­voll ein­set­zen kön­nen. Das will ich durch die Musik errei­chen.

MZEE​.com: Dei­ne Klick- und Fol­lo­wer­zah­len sind in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen, viel­leicht bist du ja auf einem guten Weg zu dei­nem Ziel.

GRee­eN: Und das, ohne etwas zu kau­fen! (lacht) Der Baum wird immer grö­ßer. Es ist kein Rake­ten­schuss wie bei einem Mero, aber wir wis­sen ja auch, wo das her­kommt. Bei mir ist das ein gesun­des Wachs­tum, ich lau­fe kei­nem Trend hin­ter­her. Ich mache ande­re Musik, als es gera­de ange­sagt ist. Jeder Rap­per in Deutsch­land, der noch vor drei, vier Jah­ren nor­ma­len Deutschrap gemacht hat, macht heut­zu­ta­ge die­sen Afrotrap- und Dancehall-​Shit, den halt alle machen. Das siehst du in jedem Land: Schau nach Spa­ni­en, schau nach Frank­reich, schau nach Kroa­ti­en – die machen alle den­sel­ben Scheiß, ein rie­sen­gro­ßer Ein­heits­brei. Sehr musi­ka­lisch, es klingt auch super, aber unter­schei­den sich die Künst­ler von­ein­an­der? Das kann ich höchs­tens an der anders klin­gen­den Stimm­far­be fest­ma­chen. Ich nen­ne es "Copy and Paste"-Mucke, aber es sei allen gegönnt. Die kön­nen ja ger­ne mit dem Trend schwim­men und erfolg­reich sein. Ich stre­be nach etwas Lang­fris­ti­gem. Wenn man sei­nen eige­nen Sound kre­iert wie Ramm­stein oder Peter Fox, dann kann man auch noch in zehn Jah­ren sehr vie­le Tickets ver­kau­fen.

MZEE​.com: Glaubst du, dass du von den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen auch nach­hal­tig pro­fi­tie­ren kannst? Du hat­test ja schon immer Reggae-​Einschläge in dei­ner Musik und auf der aktu­el­len Plat­te "Sma­ragd" sind auch Dancehall-​Elemente vor­han­den.

GRee­eN: Defi­ni­tiv, ich will da auch gar kei­nen haten. Ich fin­de es groß­ar­tig, dass ich mich von der Mas­se sogar abhe­ben kann. Wie du schon sagst, die­ser Reggae-​Touch ist sowie­so die gan­ze Zeit in mei­ner Mucke vor­han­den. Jetzt habe ich auch ein paar Dancehall-​Beats benutzt, aber ich sin­ge da ganz anders drauf. Das fin­de ich wie­der geil, wenn ich mal einen som­mer­li­chen Dancehall-​Beat benut­ze, aber ganz anders auf den Beat ein­ge­he. Feie­re ich wirk­lich hart.

MZEE​.com: Dein Album wird über das inter­na­tio­na­le Reggae- und Dancehall-​Label Irie­vi­bra­ti­ons Records ver­öf­fent­licht. Wie kam die Zusam­men­ar­beit zustan­de?

GRee­eN: Die Jungs ver­an­stal­ten ein­mal jähr­lich ein Fes­ti­val, das East­rock Fes­ti­val in Öster­reich. Dafür haben die mich gebucht. Sie haben vor­ab auf Face­book gefragt, wel­che Acts sich die Leu­te wün­schen und da haben ganz vie­le Leu­te mei­nen Namen geschrie­ben. Die Ver­an­stal­ter hat­ten vor­her noch nichts von mir gehört, haben sich den GRee­eN dann mal rein­ge­zo­gen und gemerkt, dass es voll geil passt. (lacht) Ich habe denen zuge­sagt und sie im Gegen­zug zu einem nahe­ge­le­ge­nen Auf­tritt von mir ein­ge­la­den, weil ich wuss­te, dass wir uns ein paar Wochen spä­ter eh auf dem Fes­ti­val tref­fen wür­den. Die Jungs mein­ten, dass sie auch ein Ton­stu­dio in Wien haben und ich dort unver­bind­lich vor­bei­kom­men könn­te. Das habe ich dann ein­fach gemacht, wir haben uns ken­nen­ge­lernt und konn­ten uns direkt gut rie­chen. Man­che Men­schen triffst du und im ers­ten Moment weißt du genau: "Da ist irgend­was. Da ist eine Ver­bun­den­heit." Bei den rich­ti­gen Men­schen muss nicht mal ein Wort gewech­selt wer­den – die triffst du, gibst denen die Hand, sie lächeln dich an und es ist wie Lie­be auf den ers­ten Blick. Das gibt es auch bei Freund­schaf­ten, pas­siert aber so sel­ten, vor allem, wenn du schon 30 bist. Wann lässt du schon außen­ste­hen­de Men­schen in dei­nen inne­ren Kreis? Wir haben dann zunächst ein­fach so ein Jahr mit­ein­an­der abge­han­gen, ich habe dort mei­ne EP "Ach du grü­ne Neu­ne" auf­ge­nom­men. Sie haben die ers­ten Tracks abge­mischt, wir waren zusam­men auf Tour und auch im Urlaub. Das war aber wirk­lich kom­plett unver­bind­lich, das ging locker zwölf Mona­te so. Es hat sich dann alles gefügt, es ist ein­fach pas­siert. Das ist mir sehr viel wert. Jetzt kommt mein Album bei denen raus und ich muss sagen, dass die zwei wirk­lich eine gro­ße Berei­che­rung für mich sind. Ich hat­te Ange­bo­te von jedem Major-​Label, das du dir vor­stel­len kannst. Vor­schüs­se, auf die jeder ande­re Rap­per wahr­schein­lich direkt ange­sprun­gen wäre. Mir geht es jetzt in die­sem Fall gar nicht so um das Label, wir wer­den sowie­so noch unser eige­nes grün­den, das ist jetzt nur aus Zeit­grün­den über Irie­vi­bra­ti­ons Records erschie­nen. Mir ist es wich­tig, Men­schen zu haben, mit denen ich an einem Strang zie­hen kann und mit denen man mensch­lich auf einer Wel­len­län­ge ist. Ich saß mit A&Rs von War­ner, Sony und Uni­ver­sal an einem Tisch, die alle mit Ange­bo­ten um sich geschmis­sen haben. Ich bin stolz dar­auf, dass Geld mir am wenigs­ten wich­tig im Leben ist und ich da hohe Sum­men abge­lehnt habe – und ich rede wirk­lich von geis­tes­krank hohen Sum­men, sodass ich eigent­lich nicht mehr arbei­ten gehen müss­te. Ich bin für deut­sche Ver­hält­nis­se so arm auf­ge­wach­sen und hat­te eigent­lich nie mehr als 100 Euro auf mei­nem Kon­to, ich brau­che das nicht für die Glück­se­lig­keit. Es ist ja auch so, dass ich in der Musik­sze­ne ohne Res­sour­cen ziem­lich weit gekom­men bin. Kei­ne Labels, Bud­gets, kras­se Stu­di­os – nichts davon. Wenn du zehn Jah­re hart dar­an arbei­test und der Plan dann auf­ge­gan­gen ist, du plötz­lich pro Abend 2 000 Leu­te siehst – egal in wel­cher Stadt du spielst – obwohl du kei­nen Hit oder Hype hast, dann sage ich: Mein Traum ist in Erfül­lung gegan­gen. Ich bin glück­lich.

MZEE​.com: Das ist schon bemer­kens­wert, wenn man bedenkt, dass du in der HipHop-​Szene eher weni­ger Beach­tung bekommst. Möch­test du da über­haupt statt­fin­den?

GRee­eN: Ja, eigent­lich schon. Es ist die Geburts­stun­de mei­ner Musik-​Karriere. Ich bin schon immer Hip­Hop gewe­sen, mit Cypress Hill und Tupac auf­ge­wach­sen. Dann kam mit 13, 14 Aggro Ber­lin und ich zie­he mir bis heu­te alles rein, was releast wird. Ich kon­su­mie­re Deutschrap zwar nicht im Auto, aber ich höre mir alles an und bin auf eine Art ein Rie­sen­fan davon. Schon des­we­gen seh­ne ich mich danach, weil ich eben aus die­ser Sze­ne kom­me. Ich habe mit Rap begon­nen, habe aber schnell gemerkt, dass ich nicht wie Rap klin­ge – es ist zwar sehr melo­disch, aber Gesang ist es auch nicht. Es ist immer etwas dazwi­schen gewe­sen. Eine Mischung aus Peter Fox und Jan Delay, aber trotz­dem ein kom­plett eige­ner Stil. So wirk­lich weiß ich auch nicht, war­um ich in der HipHop-​Szene nie ganz ange­kom­men bin. Ob das noch der Fuß­ab­druck des JBBs ist und man mich dies­be­züg­lich nicht ernst neh­men kann, weil ich es gewagt habe, bei Juli­ens­Blog­Batt­le mit­zu­ma­chen? (lacht) Das ist das Lächer­lichs­te, das ich jemals gehört habe. Ich fin­de ja mitt­ler­wei­le auch bei Hip​hop​.de, 16bars oder auf diver­sen ande­ren Sei­ten statt, aber es geht eher lang­sam vor­an. Akzep­tanz ver­spü­re ich da weni­ger, kei­ne Ahnung, wor­an es liegt. Aber ich boxe mich da eh raus und selbst, wenn nicht: Ich habe mei­nen eige­nen Kos­mos, in dem ich funk­tio­nie­re. Irgend­wann wird die HipHop-​Szene aber noch auf­ge­mischt. Viel­leicht nicht mit GRee­eN, aber mit einem ande­ren Pro­jekt. Dazu irgend­wann spä­ter noch mehr. GRee­eN macht jetzt sei­nen Reggae-​HipHop-​Shit, ich lie­be die­se Mischung und fah­re wei­ter mei­nen eige­nen Style.

MZEE​.com: Laut dem Pres­se­text zu "Sma­ragd" möch­test du mit­un­ter dein Kön­nen als Song­wri­ter unter Beweis stel­len. Auf wel­chen Text oder wel­che Zei­len bist du beson­ders stolz?

GRee­eN: Oh, da wür­de ich dir am liebs­ten direkt alle auf­zäh­len – logi­scher­wei­se. Ein ganz star­ker Track ist "Honey Rider", auf dem ich gei­le Flows und Reim­struk­tu­ren habe, auch vom musi­ka­li­schen Aspekt her. Wenn es aber nur um den Inhalt und die Emo­tio­nen geht, fin­de ich "Adler" ein­fach wahn­sin­nig fett. Bei "Autos­tra­da" fin­de ich den zwei­ten Ver­se rich­tig geil, da habe ich ein paar ita­lie­ni­sche Wör­ter ein­flie­ßen las­sen. Aber da kann man sich immer ganz schlecht ent­schei­den. Ich fin­de "Wun­der­schö­nes Wesen" auch wahn­sin­nig krass, super star­ker Text. Rein emo­tio­nal ist aber "Adler" schon mein klei­nes Baby.

MZEE​.com: Gibt es da her­vor­ste­chen­de Zei­len, die dir beson­ders gefal­len?

GRee­eN: Ja, zum Bei­spiel: "Ich bin glück­lich mit dir, ich bin glück­lich allei­ne. Ich küs­se dei­ne Stirn, ich brau­che wohl bei­des" oder "Ich brau­che dich, doch ich brau­che auch mich". Mich berührt das selbst auch sehr. Bei einem Track wie "Adler" wei­ne ich, wäh­rend ich sin­ge. Aus Schön­heit fließt mir da die eine oder ande­re Trä­ne die Wan­ge her­un­ter, ich bin in der Hin­sicht ein total emo­tio­na­ler Mensch. Ich lie­be das so sehr und ver­göt­te­re es total. Es ist wah­re Lie­be zwi­schen mir und Musik, ich habe eine ganz star­ke Ver­bin­dung zu Melo­di­en und Musik an sich.

MZEE​.com: In einem Video-​Statement hast du Can­na­bis als Werk­zeug für dein krea­ti­ves Schaf­fen bezeich­net und sprichst dich für die Lega­li­sie­rung aus. Kannst du die­se Ver­bin­dung ohne Gras nicht auf­bau­en?

GRee­eN: Doch, sehr sogar. Meis­tens ist es so: Ich wache mor­gens auf und bin nüch­tern, weil ich nicht von mor­gens bis abends kon­su­mie­re. Das ist ein Trug­schluss, ich bin kein Vorzeige-​Kiffer. Ich rau­che Can­na­bis schon sehr lan­ge und wür­de auch behaup­ten, dass ich ohne die­se Pflan­ze kein Musi­ker gewor­den wäre. Wenn ich mor­gens auf­ste­he, schrei­be ich nüch­tern mei­nen Text. Wenn ich den dann geschrie­ben habe und einen Beat fin­de, auf den der Text passt, zie­he ich mir meis­tens einen Joint rein und sin­ge. Da kommt dann das Can­na­bis ins Spiel: Es inten­si­viert alles, du fühlst viel mehr. Selbst ein lang­wei­li­ger, tot gehör­ter Beat wird wie­der zum Leben erweckt. Du kannst mit neu­en Ohren hin­hö­ren und hast einen neu­en Zugang. Das ist auch der Grund, wes­halb ich Can­na­bis kon­su­mie­re – ich bin dann so in mei­nem Tun­nel und es gibt nur mich und die Musik. Ich kann stun­den­lang die­sen einen Text sin­gen, ohne dass es lang­wei­lig wird. Wenn ich das ohne Gras mache, bin ich nach 15 Minu­ten fer­tig und das reicht dann auch. Ich bin all­ge­mein vol­ler Ener­gie, möch­te eigent­lich den gan­zen Tag drau­ßen rum­lau­fen und irgend­was ande­res machen, als auf mei­nem Stuhl zu sit­zen und irgend­wel­che Songs zu schrei­ben und zu rap­pen. Ich glau­be, Can­na­bis bremst mei­ne kör­per­li­che Ener­gie und lässt sie ins Geis­ti­ge ein­drin­gen. Des­we­gen ist es bei mir so eine Mischung: einer­seits nüch­tern, aber zugleich auch Can­na­bis als Werk­zeug, um eine ande­re Per­spek­ti­ve zu haben oder her­un­ter­zu­kom­men. Die Geduld zu haben, sich stun­den­lang mit einem Text und einem Beat zu befas­sen das schaf­fe ich bekifft viel eher. Nüch­tern bin ich viel zu schnell, da brau­che ich viel­leicht eine hal­be Stun­de, um einen Track zu schrei­ben und wei­te­re 15 Minu­ten, um den auf­zu­neh­men.

MZEE​.com: Hast du sel­ber schon nega­ti­ve Erfah­run­gen mit Mari­hua­na gemacht?

GRee­eN: Ich habe natür­lich auch schon einen geraucht und war dann so stoned, dass ich gar nichts mehr gemacht habe. Can­na­bis hat sehr vie­le Nach­tei­le und da wer­de ich in mei­nen Lie­dern in Zukunft noch drü­ber reden. Da gibt es dann natür­lich die typi­sche Antriebs­lo­sig­keit. Eine Sache wie Para­noia kam bei mir sehr sel­ten vor und das hängt auch davon ab, was für Gras man raucht. Wenn das alles regu­liert wäre, wir unser eige­nes Can­na­bis anbau­en könn­ten und nicht die­ses hoch­ge­züch­te­te Zeug aus Hol­land rau­chen müss­ten, gäbe es auch weni­ger Pro­ble­me. Die­ses viel zu THC-​haltige Gras kann ja nur faul machen, Para­noia her­vor­ru­fen oder Psy­cho­sen offen­le­gen. Rich­tig schlim­me Erfah­run­gen habe ich kei­ne gemacht. Ich bin mit mir selbst krass im Rei­nen und dabei mein eige­ner Psy­cho­lo­ge. Wenn sowas kom­men soll­te, dann weiß ich auch, wie ich mich beru­hi­gen kann. Ich bin gene­rell im Geist sehr sta­bil, des­we­gen kann ich nicht von irgend­wel­chen Erfah­run­gen berich­ten – außer, dass ich ein­ge­schla­fen bin, so mit dem Joint im Mund. (lacht)

MZEE​.com: Bevor du als Solo-​Artist aktiv gewor­den bist, hast du mit dei­nem Part­ner "Der Rote" die Crew "die­Zwei" gebil­det. Pas­send zur Ver­gan­gen­heit habe ich dir ein Zitat des Schrift­stel­lers Ulrich Ercken­brecht mit­ge­bracht: "Früh­wer­ke sind Stroh­feu­er oder Kamin­feu­er." – Wel­che Gefüh­le weckt dein künst­le­ri­sches Früh­werk in dir?

GRee­eN: Es kommt dar­auf an, wel­che Lie­der ich von die­Zwei höre. Es gibt Songs, bei denen mir das Herz auf­geht und ich mir den­ke, dass ich eine neue Ver­si­on auf­neh­men soll­te. Das ist wie eine Art Tage­buch für mich: Was habe ich vor zehn Jah­ren gedacht? Was hat mich beschäf­tigt? Es ist unfass­bar inter­es­sant, das zu hören. Kri­tisch sehe ich, dass ich damals mei­ne Stim­me nicht unter Kon­trol­le hat­te. Ich fin­de mei­nen alten Stuff im Hin­blick auf Flow, Takt­ge­fühl, Melo­di­en und Rei­me ziem­lich geil. Über den Inhalt lässt sich teil­wei­se strei­ten. Was ich da manch­mal von mir gege­ben habe … (lacht) Aber das Schlimms­te ist für mich mei­ne Stimm­far­be. Ich konn­te über­haupt nicht damit umge­hen. Das ist dann eher so ein Kamin­feu­er. (lacht) Ein paar Lie­der kann man da echt in den Kamin schmei­ßen. War­um habe ich da mei­ne Stim­me so ver­stellt? Spin­ne ich, oder was? Das kann ich mir teil­wei­se echt nicht anhö­ren. Ich habe immer mal wie­der ver­sucht, mei­ne Stim­me anders zu ver­stel­len, ohne Fil­ter zu benut­zen. Nur durch manu­el­les Drü­cken in der Stim­me, wie Bonez das bei­spiels­wei­se auch macht. Das habe ich vor zehn, zwölf Jah­ren auch immer wie­der ver­sucht und es 2016 end­lich kom­plett sein las­sen. Ich habe mir mein Album "Ver­ges­se­nes König­reich" noch mal ange­hört und dach­te mir: "War­um hat mir das kein Mensch gesagt?" Ich habe nur ein ein­zi­ges Mal ein Feed­back von einem ent­fern­ten Bekann­ten bekom­men, der mein­te, dass ich sau geil rap­pe, ihm mei­ne Stimm­far­be aber nicht gefällt. Die Per­son hat­te so recht. Ich habe mei­ne Stim­me so ekel­haft und künst­lich durch das Drü­cken ver­stellt. Seit­dem ich mich davon gelöst habe, läuft es viel bes­ser.

MZEE​.com: Auf dei­nen Soci­al Media-​Kanälen sieht man dich immer wie­der mit dei­ner Fami­lie. Stan­den dei­ne Ver­wand­ten von Anfang an hin­ter dir und dei­ner Musik?

GRee­eN: Mei­ne Mut­ter, ja. Mei­ne Schwes­ter auch, die ist eben­falls so eine Träu­me­rin. Mein Bru­der und mein Vater sind die Rea­lis­ten in der Fami­lie. Ich sage immer, dass ich bei­de Sei­ten geerbt habe – den Rea­lis­mus von mei­nem Vater, aber eine noch grö­ße­re Por­ti­on Nai­vi­tät und Träu­me­rei von mei­ner Mut­ter. Ich glau­be, dass die­se Kom­bi­na­ti­on Träu­me wahr wer­den lässt. (lacht) Der Rea­list in mir rea­li­siert mei­ne Träu­me. Ich bin ein Schei­dungs­kind und eher mit zwei Geschwis­tern und einer Mama auf­ge­wach­sen. Ich bin ein abso­lut selbst­stän­di­ger Mann und hat­te kei­ne Vater­rol­le, die mir Gren­zen auf­ge­zeigt hat. Mei­ne Mut­ter hat das zwar immer ver­sucht, aber wir hat­ten schon eine sehr lan­ge Lei­ne und konn­ten tun, was wir woll­ten. Es gab aber auch kei­ne finan­zi­el­le Unter­stüt­zung, dafür war ein­fach kein Geld da. Wir muss­ten immer selbst schau­en, wie wir zurecht­ka­men. Ich bin sehr dank­bar dafür, weil ich dadurch selbst­stän­dig gewor­den bin. Das hört sich komisch an, aber ich brau­che nie­man­den, um mei­ne Zie­le zu errei­chen. Ich will die aller­dings gar nicht allei­ne errei­chen.

(Jens Paep­ke)
(Fotos: Arthur Rewak)