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Die bes­ten Alben, Momente und Persönlichkeiten 2015

Zum Ende des Jahres standen uns noch einmal 19 Rapper Antwort auf die Frage, welches Album, welcher Moment und welche Persönlichkeit der Deutschrapszene das Jahr 2015 für sie geprägt haben. Auch für uns war 2015 ein besonderes Jahr, denn MZEE.com kam zurück – nicht als Shop, sondern als Online-Magazin. Für die zahlreichen positiven Resonanzen, die wir von Euch hierfür erhalten haben, möchten wir uns herzlich bedanken. Bis zum 11. Januar 2016 befinden wir uns ab jetzt im Urlaub. Eure Anfragen und Kommentare, E-Mails und Privatnachrichten werden bis dahin leider auf eine Beantwortung warten müssen. Allen Lesern wünschen wir an dieser Stelle einen guten Rutsch ins neue Jahr – wir sehen uns 2016 an dieser Stelle mit weiteren spannenden Formaten.

 

Ali As: "Amnesia" & "Mama" waren die beiden Alben, bei denen ich mitbekommen habe, wie viel harte Arbeit dahinter war. Umso schöner war es zu sehen, dass beide Alben sehr gut bei den Hörern ankamen. Besonders für ELI hat es mich sehr gefreut. Das Splash! 2015 war eindrucksvoll – zumal ich dieses Jahr wohl am häufigsten als Special Guest auf der Bühne zu sehen war. Dann gab es einen unglaublichen Studiomoment, der aber erst nächstes Jahr eine tragende Rolle spielen wird. Ich würde sagen, dass KC Rebell und Namika dieses Jahr richtig abgeräumt haben.

Al Kareem: Das beste Album des Jahres ist für mich "Spielverderber" von Mauli. Hier werden endlich wieder Names gedroppt und das ist doch, was wir im Endeffekt alle hören wollen. Dazu noch auf den krassesten Beats von Morten, wobei Mauli, glaube ich, auch selbst co-produziert hat. Jedenfalls sehr gelungen. Den besten Kool Savas-Vers 2015 findet man auch auf diesem Album. Frechdachs-Modus mit sehr viel dahinter – hier wird nicht so viel Spaß gemacht, was sehr wichtig ist. Außerdem hat er die besten Videos gedreht, nur "VERGE$$E NIE" von der K$F ist noch besser. Wenn du mich vor ein paar Monaten gefragt hättest, hätte ich wahrscheinlich "What's Goes?" von den Orsons gesagt. Der Part von Maeckes auf "Lass uns chillen", der Solo-Song von Tua, der Weed-Song von Kaas, die Anglizismen-Spits von Bartek und dann noch diese ganzen Jägermeister-Hits, wow! Die Produktionen wurden von Tua geleitet, dazu muss man nicht viel mehr schreiben. Er ist einer der größten Künstler, die wir in Deutschland haben. Beim „besten Moment“ kann ich ja eigentlich nur was ganz Persönliches sagen. Ich fand die Studioabrissparty von Morten und Marvin zu krass und gleichzeitig auch ein wenig traurig. Im Lempart Records-Studio wurden mehr Hits aufgenommen und Joints gekifft als sonst wo und ich hab' hier die besten Menschen aus Berlin kennengelernt. Augen werden an dieser Stelle geküsst. Persönlichkeit des Jahres ist für mich Holy Modee – zum ersten Mal auf dem Splash! 2015 Songs von ihm gehört. Zum ersten Mal "Dewit" gehört und sehr überzeugt gewesen. Dann hab' ich mir zu Hause auf SoundCloud alles von ihm gegeben und bin krass drauf hängen geblieben. Er ist sehr musikalisch, setzt Autotune als einer von wenigen sehr gut ein, hat als Person krass Charisma und ist kurz gesagt ein sehr guter Künstler. Vielleicht zu früh, ihn für sein Lebenswerk auszuzeichnen, aber wen sollte ich jetzt bitte sonst nennen?! Man sollte ihn als Beispiel nehmen, wenn man unbedingt über Cloudrap und so einen Quatsch reden möchte, weil er der Krasseste ist, was diesen Freshman-Shit angeht. Nicht Goony oder MontanaMax. Er ist mein persönlicher Newcomer des Jahres und nächstes Jahr dann von euch allen. Viel kein Spass!

Audio88&Yassin: Wir nehmen diese Frage einfach mal zum Anlass, einen Toast auf K.I.Z auszusprechen. Diese vier Persönlichkeiten des Schlandraps haben nicht nur das beste Album 2015 gemacht – isso! –, sondern auch die normalste Tour in diesem Jahr gespielt. Wir können das beurteilen, da wir dabei waren und unsere eigenen zwei Tourneen in diesem Jahr zum direkten Vergleich heranziehen können. Ihr seid super sweete Dudes, mit denen der Turn Up nie unreal wird! Danke für die Rummelbummsdisco in diesem Jahr und für das Asyl im Bunker. Danke für das GEMA-Cash und danke, dass auf eurer Dem-verpassen-wir-irgendwann-mal-einen-Stich-Liste die gleichen Namen stehen wie auf unserer. Aus diesen und vielen anderen Gründen möchten wir euch diesen MZEE.com-Beitrag von ganzem Herzen widmen. Nico, Maxim, Tarek und Sil-Yan: Ihr seid spitze!

Blut & Kasse: 2015 war für Deutschrap ein sehr abwechslungsreiches Jahr. Es gab meiner Meinung nach fast schon zu viele Releases, wodurch einige starke komplett untergingen, andere dafür extrem glänzten. Zu Anfang des Jahres empfand ich eine Art Orientierungslosigkeit der Szene. Viele kamen mit dem neuen The Weeknd-/Drake-Sound nicht klar und suchten somit ihr Glück beim alten Boom bap. Andere wie Ali As fühlten wohl, dass es genau ihr Ding ist. Und so klangen dann auch deren Alben. Sein Album beispielsweise ist bei der "Szene" sehr gut angekommen. Meiner Meinung nach auch zu Recht, obwohl der Sound nicht so mein Ding ist. K.I.Z und Marsimoto haben bös abgeliefert und fielen mir durch gute Ideen sowie frischen Sound auf. Ein Sido hat das Radio übernommen und zusammen mit Cro einen Platz für Deutschrap frei gemacht. Herausstechen konnte bei all dem Heckmeck allerdings ganz klar die Sparte Straßenrap. Neben Leuten wie Ché & A, Manuellsen, Fard, Schwesta Ewa oder Vega gab es einen Olexesh, der mit sehr hohem Output plus Eminem-Style-Flows und 385i im Rücken auf sich aufmerksam machte und mein Mega-Hammer-Brett-Album "Machermodus" – mein Ernst. Außerdem Hanybal, der durch seine direkte, schamlose Attitüde alle Augen auf sich zog und Haftbefehl, der mit den Azzlackz die Clubs dominierte. Aber meiner Meinung nach konnten zwei Namen das Jahr voll für sich beanspruchen. Meine Namen des Jahres: Xatar und die 187 Strassenbande. Xatars Vergangenheit und Geschäftssinn, kombiniert mit neuem, technisch versiertem Rapsound ließen mich seinen Namen überall lesen. AON ist seit 2015 nicht mehr wegzudenken. Er hat sich eingepflanzt und verbreitet, war selbst in allen Mainstream-Medien präsent. Seine Geschichte ist grandios. Da kommt keiner dran vorbei. Mich persönlich freut es, wenn so jemand dann noch Wert auf Qualität legt und diesen HipHop-Traum hat. Das spürt man! Die 187 Strassenbande hat meiner Meinung nach das Jahr geprägt und der Rapwelt gezeigt, wie man das Internet zu nutzen hat. In ihrem Fall hat man gelernt, dass man sich auch ohne große Hollywood-Moves erfolgreich zeigen kann. Sie präsentieren ihren Lifestyle ungeschnitten roh und lassen die Fans daran teilhaben. Womöglich ist das ein neuer, oder vielleicht sogar der neue Weg für Labels und Musiker weltweit. Vorraussetzung dafür ist ein unterhaltsamer Lebensstil. Plus, ganz wichtig: Man sollte "echt" sein. Das ist HipHop und es funktioniert. Bei der Silla-Tour haben wir unter anderem den 187-Sampler im Tourbus gepumpt. Einfach komplett Brett! Ebenso wie das darauffolgende Album "Obststand" von LX & Maxwell. Die Beats sind passend zu deren Stil etwas Eigenes, die Raps alle sauber. Die Reime sitzen und die Themen passen. Also ein Paket vom Feinsten. Gzuz hat mit "Ebbe und Flut" dann noch einen draufgesetzt und für mich dieses Jahr zu seinem gemacht. Chapeau! Hinzu kommt natürlich noch, dass es unzählige Comebacks gibt und gab. Auch nicht zu verachten. Ich konnte noch keins durchhören, aber es sind bestimmt weniger Enttäuschungen dabei als umgekehrt. Aktuell, auf der Zielgeraden, kommt der Frankreich-Style-Trap auf uns zu ... Mal sehen, ob er sich durchsetzen wird. Bin gespannt! Das war Deutschrap 2015 aus meiner Sicht!

Credibil: Mein Moment war als Vorgruppe bei Casper auf dem Red Bull Tourbus vor 7.000 Menschen in München. Ein euphorischer Moment einfach. Der Bruder zersägt gerade alles. Ich bin sehr dankbar, dass ich dabei sein durfte. Album: "To Pimp A Butterfly". Kendrick hat bewiesen, dass man nach einem "perfekten" Album noch ein "perfektes" Album kreieren kann. Ein ganz anderes Gefühl, aber jedes für sich super. Persönlichkeit: Ahzumjot. Wir kannten uns schon etwas länger, aber haben dieses Jahr das erste Mal gemeinsam gearbeitet. Währenddessen habe ich ihn und seine Person kennengelernt ... Was er durchgemacht hat, was er gerade durchmacht: Ich bewundere ihn und seine Haltung. In vielen Punkten ein waschechtes Vorbild. Ich habe in ihm einen guten Freund gefunden.

Crystal F: Der prägendste Moment des Jahres sagt für mich ehrlich gesagt schon genug über dieses relativ langweilige Deutschrapjahr aus. Denn es war das Floppen von Olli Banjo aka Wunderkynd. Nur vorneweg, ich kenne Olli Banjo nicht persönlich und da gibt es keine Vorgeschichte, aber ich habe so eine extreme Abneigung gegen ihn aufgrund seiner öffentlichen Darstellung. Als die ersten Videos zu seinem Projekt Wunderkynd erschienen sind, konnte man seinen Augen und Ohren kaum trauen, solch eine konstruierte, langweilige, auf Massenkompatibilität getrimmte und vor allem komplett beschissene Musik war das. Aber hey, er hat Pornodarstellerinnen in seinem Video, das wird's schon richten. Nicht mal seine eigenen Fans haben die Scheiße angenommen. Jedenfalls wurden da alle Register gezogen, um das Ganze zu pushen. Das endete dann in der katastrophalen Teilnahme am Bundesvision Song Contest, wo der gute Olli dann nicht nur von der Rapszene und seiner eigener Fanbase, sondern von ganz Deutschland die Zertifizierung zur größten Scheiße zurzeit bekam. Nicht mal das Bundesland, für das er antrat, hat ihm gute Punkte gegeben. Dann kam sein Album-Release und ich war gespannt, ob diese Rotze wirklich von irgendwem gekauft wird. Wurde sie nicht. Als die Charts der Woche bekanntgegeben wurden, war ich gerade in der Türkei und saß voller Vorfreude auf meine Schadenfreude vorm Handy. Dann kam die Nachricht: Wunderkynd nicht in den Top 100. Wäre ich in Deutschland gewesen, hätte ich für meine Freunde eine Nicht-Chart-Party geschmissen. Das bedeutet, dass ein Projekt, in welches das Label locker über 100.000 Euro reingesteckt hat, sich nicht einmal 1000 Mal verkauft hat. Es wird halt doch nicht jede Scheiße gekauft und ich hoffe, der Olli hat seinen Vorschuss gespart, um ihn dann zurückzahlen zu können. Ansonsten halt' ich ihm vielleicht bei mir 'ne Stelle als Putzfrau frei. Das war echt einer der schönsten Momente in Deutschrap 2015. Das beste deutsche Rapalbum dieses Jahr ist mit Abstand "Erste Welt" von zero/zero. Eigenständige Musik mit guten Texten und einer Eingänglichkeit, wie man sie ansonsten vielleicht noch bei einer M.I.A. findet. Weit ab von diesem entweder wie Casper, Haftbefehl oder Drake klingenden Sound, den fast ausnahmslos die ganze Szene so präsentiert hat. Meine Persönlichkeit dieses Jahr ist Graphizzle Novizzle, der gezeigt hat, wie humorlos viele Rapper sind und sich lächerlich machen, indem sie auf seine Karikaturen total angepisst reagiert haben.

Djin: Ich habe jetzt wirklich länger darüber nachgedacht und muss sagen, dass ich kein Album finde, bei dem das Wort "geprägt" wirklich wie die Faust aufs Auge passt. "Alles Brennt" von Zugezogen Maskulin, "Hurra die Welt geht unter" von K.I.Z und "What's Goes?" von den Orsons: Das waren so die drei Alben, die mir im Kopf geblieben sind beziehungsweise die ich viel gehört habe und auch alle ihre Highlights haben. Mir haben auch die Sachen von Fatoni und Dexter sehr gut gefallen. Aber als so dick wie beispielsweise ein "Russisch Roulette" von Hafti empfinde ich sie alle dann doch wieder nicht. Da hat objektiv betrachtet vielleicht LGoony mit seinem "Grape Tape" am meisten geprägt. Das ist halt eine neue aufstrebende Generation. Generell sieht man überall die G.U.D.G. und allein im Sprachgebrauch kann man deutlich einen Einfluss auf die gesamte Szene sehen. Ich finde, ein schöner Moment war das RBA-Battle von Cro. Auch insofern prägend, als dass man nicht alles zu ernst nehmen sollte und sich selber nicht zu wichtig. Fand ich sehr cool. Ansonsten ist das Splash! ja immer der Moment des Jahres. Die prägendste Persönlichkeit war, denke ich, tatsächlich Moneyboy. Wie gesagt, durch den Sprachgebrauch und generell diese Attitüde, die er an den Tag legt und die sich irgendwie überall ein bisschen einnistet. Ansonsten ist Falk Schacht immer sehr wichtig, wie ich finde. Gerade jetzt auch durch den Film und natürlich sein sonstiges Wissen, das er droppt, als wäre es nuffin.

EstA: Für mich persönlich war das Album des Jahres "VI" von Sido. Allein produktionstechnisch entsprach es genau meinem Geschmack. DJ Desue hat da echt unglaubliche Beats rausgehauen. Es gibt wenige Alben, auf denen ich so hängen geblieben bin, wie es bei diesem gewesen ist. "VI" hat zudem wieder Sidos krasse Entwicklung in den letzten Jahren unterstrichen, was ihn auch zu meiner persönlichen "Deutschrap-Person" des Jahres 2015 macht. Vom "Arschficksong" zu "Astronaut", ohne dass man das Gefühl hat, er hätte nur ansatzweise seinen Arsch verkauft. Auf der anderen Seite geht es mir natürlich auch wie vielen anderen Musikhörern in Deutschland. "Astronaut" wird im Radio rauf und runter gespielt und ich habe den Song längst totgehört. Dennoch muss man Sido einfach Respekt dafür zollen, was und vor allem dass er in den letzten Jahren immer wieder abgeliefert hat. Mein persönlicher Deutschrap-Moment im Jahr 2015 war die Ankündigung meines am 12. Februar 2016 kommenden Albums "BestA". Nach zweieinhalb Jahren Abstinenz und vielen privaten Höhen und Tiefen bin ich sehr stolz, wieder Musik auf diesem Level machen zu können. Mit SiNCH habe ich einen der krassesten Produzenten in Deutschland gewinnen können. Ich bin sehr gespannt, wie das Album bei den Leuten ankommt, und freue mich extrem auf 2016. Als deutscher Rapper und vor allem als großer Deutschrap-Fan ist es doch einfach unglaublich, was momentan so passiert. Auf weitere erfolgreiche Jahre für deutschen Rap!

Fabian Römer: Mich hat dieses Jahr der Erfolg von MoTrip extrem gefreut. Wir hatten ungefähr zeitgleich die Endphase unserer Albumproduktionen und waren auch im gleichen Studio unterwegs. Ich fand es krass, wie viel da am Ende noch weggerockt wurde. "So wie du bist" ist halt auch einfach zwischen Tür und Angel entstanden – als Außenstehender war das verrückt zu beobachten, wie viele Sachen sich an diesem Abend gefügt haben. Was sein Auto, äh ... Album angeht, feier' ich vor allem die ersten paar Songs sehr. Und "Alien" hätte unbedingt aufs Album gemusst. Bestes Lied!

Fatoni: 2015 habe ich mich sehr um meine eigenen Releases gedreht, vor allem um das Album mit Dexter. Mit meiner eigenen Arbeit bin ich schon mal zufrieden: Ich bin der "Kyng" momentan. Aber auch einige andere Platten fand ich sehr gut. Zum Beispiel: Zugezogen Maskulin – "Alles Brennt", Audio88&Yassin – "Normaler Samt", Die Orsons – "What's Goes?", K.I.Z – "Hurra die Welt geht unter", Antilopengang – "Abwasser", JuseJu – "Angst & Amor", Mauli – "Spielverderber", Veedel Kaztro & Mels – "Fenster zur Strasse", Doz9 & Torky Tork – "T9" ... Ich hasse solche Listen eigentlich und mache jetzt selber so eine, obwohl die Frage eigentlich eine ganz andere war. Na ja, egal. Mein persönlicher HipHop-Moment 2015 war die "25 Jahre Main Concept"–Party in der Muffathalle in München. Wasi fragte mich zehn Minuten davor, ob ich nicht mit ihm seinen Klassiker "Nichtsnutz" performen könnte. Ich hatte ihn ein paar Wochen vorher bei 16bars im Format "Most wanted Bars" performt, das hatte er gesehen ...

Holy Modee (Cosmo Gang): Deutschrap?

Kool Savas: Als Album möchte ich an dieser Stelle auf jeden Fall "Daemon" von Laas Unltd. nennen. Auch, wenn es bis jetzt noch nicht veröffentlicht wurde, ist es 2015 entstanden und ich habe den Entwicklungsprozess komplett miterlebt. Ich bewundere den Mut, mit dem Laas trotz ständigem Gegenwind und Haterei aus verschiedensten Ecken dieses Album auf die Beine gestellt hat. Das Album ist gänzlich frei von Beleidigungen und Lügen – und genau deswegen ist es so stark geworden. Ich habe ihm gesagt: "Wenn du die Wahrheit sagst, bist du immer im Recht, solange es fair bleibt." Kurz nachdem die ersten Songs veröffentlicht wurden, kamen die ersten Anrufe bei seinem Label. Das zeigt, dass es Unbehagen verbreitet, dass da jemand kommt und, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, die Fakten auf den Tisch legt. Das Album ist keine Abrechnung, sondern mehr ein transparenter Einblick in die krummen Dinger, die hinter den Kulissen der sogenannten "Szene" passieren. Für mich ist es mit "Grau" von Tua eines der persönlichsten und dadurch stärksten Alben der letzten Jahre. 
Der prägendste Moment des Jahres war für mich das Rap4Good-Festival. Wir haben es geschafft, eine friedliche und außergewöhnliche Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Ohne Security und ohne Riesen-Egos standen hier verschiedenste Crews und Rapper aus allen Bereichen gemeinsam auf einer Bühne. Von KC Rebell und Ryan Leslie über Genetikk und Curse hin zu Raf Camora und vielen mehr. Ohne große Bürokratie und Bullshit. Ich bin den Künstlern sehr dankbar dafür, dass sie das möglich gemacht haben. Und zu den Persönlichkeiten: Einige der Rapjournalisten und Medien haben in diesem Jahr ihre Chance gewittert, auf Xavier einzutreten – wissentlich, dass sie aufgrund der negativen Stimmen ihm gegenüber in den großen Medien ein leichtes "Opfer" gefunden haben. Das ist, um es hart auszudrücken, fast schon eine Bully-Einstellung. Während unsere Steuergelder in den Krieg fließen, attackiert man, statt Stellung zu wirklich hässlichen politischen Ereignissen zu beziehen, einen Menschen wie Xavier. Und das in Hoffnung auf ein paar Likes und etwas Anerkennung. Menschen, die sich mit Bullen anlegen und Gesetze missachten, behaupten plötzlich, Xavier sei anti-demokratisch und gefährlich. Das ist in meinen Augen die höchste Form von "mit zweierlei Maß messen" …

LGoony: Für die Szene kann ich leider nicht sprechen. Ich habe mir einfach viel zu wenig angehört, um das zu beurteilen. Mein persönliches Deutschrapjahr haben auf jeden Fall die neuen Alben von Zugezogen Maskulin und Crack Ignaz geprägt. Da hat man richtig gemerkt, dass doch mal frischer Wind in die Szene kommen kann. Außerdem habe ich auch die "El Camino"-EP von Harry Quintana sehr gefeiert, besonders weil ich seit Jahren Prinz Harry-Fan bin und lange vergeblich auf ein Release warten musste. Bei Personen ist die Antwort schon viel einfacher. Die Jungs von Live from Earth haben deutschen Rap 2015 definitiv so sehr geprägt wie niemand anderes. Sie haben Künstlern wie Ignaz, Yung Hurn und mir eine riesige Fläche geboten, ein Label gegründet und mehrere Veranstaltungen organisiert. Und das alles aus purer Liebe zur Musik, ohne Profit und als ganz normale Menschen ohne irgendwelche Vorteile. Das finde ich unfassbar inspirierend und ich bin mir sehr sicher, dass dieser Name in den nächsten Jahren weiterhin die Szene aktiv verändern wird. Ich hoffe, ich kann da auch meinen Teil zu beitragen.

Montez: Für mich war der wichtigste Moment des Jahres das Release meines Albums "Für immer und eh weg". Wir haben so viele Jahre daran gearbeitet und es war ein sehr schwerer und langer Weg, aber dieses Jahr Silvester muss ich endlich keine leeren Versprechungen mehr machen, dass mein Album "dann nächstes Jahr" kommt. (grinst) Und die Person, die dieses Jahr für mich persönlich am meisten geprägt hat, ist Kool Savas. Ich war zum zweiten Mal mit ihm auf Tour und abgesehen davon, dass ich auf dem riesigen Event Rap4Good auch selber spielen durfte, ist das Ganze einfach eine Wahnsinnsveranstaltung, die er da ins Leben gerufen hat und die dazu auch noch extrem erfolgreich war.

Pimf: 2015 war auf jeden Fall ein vernünftiges Jahr für Deutschrap. "Yo, Picasso" von Dexter & Fatoni fällt mir spontan als starkes Album ein – wohl auch, weil es noch nicht so lange her ist. Im Frühjahr fand ich "Normaler Samt" ziemlich gut! Darüber hinaus verdienen, auch wenn es keine Deutschrapalben sind, "Midnite Ride" von Brenk Sinatra und "From the Life of a Good-For-Nothing" von Juju Rogers hier auch noch ein paar Shoutouts. Eine klassische Persönlichkeit des Jahres hab' ich nicht, finde aber hier könnte man Jakarta Records als Label, welches zu 99,9 Prozent geilen Scheiß veröffentlicht hat, hervorheben. Mein persönlicher Moment des Jahres war natürlich die Veröffentlichung meines ersten Albums, verbunden mit einer furchtbar aufregenden Zeit und 'ner Menge neuer Erfahrungen.

Prezident: War ein unspannendes Deutschrapjahr. Sieht man ja an den viel zu wenigen und allesamt recht kurzen Jahresrückblicken, die jetzt alle bringen. Ist natürlich nicht sonderlich originell zu sagen, dass man vornehmlich Amirap hört. Aber dieses Jahr, in dem unter anderem Young Thug, Bones, Lil Herb und Vince Staples durchgestartet beziehungsweise so richtig bei mir angekommen sind und Ka, Curren$y, Kendrick Lamar, A$AP Rocky, A$AP Ferg, Action Bronson, Gangsta Boo, French Montana und Waka Flocka allesamt zwischen durchhörens- und ausrastenswert abgeliefert haben, ist wenig Deutschrap durchgedrungen. So richtig zwingend fand ich eigentlich nur Haftbefehl, von singulärer Konstanz her mittlerweile sicherlich in den Top 5 der besten Rapper aller Zeiten hierzulande. Ansonsten hat Xatar abgeliefert und bei Gzuz mochte ich zumindest die Videos. Das Album muss ich noch nachholen bei Gelegenheit. Im Untergrund vornehmlich Langeweile. Gibt auch mittlerweile genug Leute, die erdigen Battlerap auf 90er-Jahre-Boom-bap-Beats ballern, so Zeug braucht kein vernünftiger Mensch mehr bis mindestens 2020. Schaufel & Spaten sind aber noch die Spannendsten in diesem Subgenre. Morlockks neues "Eiserner Besen"-Tape hab' ich noch nicht gehört. Überhaupt nie mehr nötig nach Dende war ironischer Mittelstandsrap mit lustigen Themen und ernsten Zwischentönen. Gold Rogers Album war aber ganz cool. Ansonsten ist noch die EP von Said in Erinnerung geblieben.

Vega: Leider gab es kein Album, das mich wirklich über einen längeren Zeitraum gefesselt und begleitet hat. Es gab aber ein paar Releases, auf denen mich einzelne Songs bewegt haben, zum Beispiel KC Rebells "Fata Morgana" oder Blut & Kasses "Machermodus". Ich fand Rap4Good als Moment und Savas als Kopf der Geschichte sehr inspirierend und vor allem ehrenwert. 150.000 Euro für einen guten Zweck zu sammeln – ich glaube, in dieser Größenordnung hat ein Rapper das noch nicht geschafft.

3Plusss: Mein Moment des Jahres war, als ich mit Nobodys Face im Studio saß und er mir das erste Mal das neue Marsimoto-Album vorgespielt hat. Ich bin zum einen großer Fan, zum anderen gibt es da auf dem Song "Tischtennisplatte" die Line "Wenn du dich fragst, worum geht's in diesem Song – dann hast du Hiphop nicht verstanden!" Ich hab' mich gegrüßt und sehr geehrt gefühlt. Die Deutschrap-Platte, die mich dieses Jahr am meisten abgeholt hat, war wohl "Alles brennt" von Zugezogen Maskulin. Zwei "alte Bekannte" von mir, die im Vorfeld einen saumäßigen Hype auf ihr Debütalbum hatten und bei denen ich es wahnsinnig spannend fand, in welche Richtung sie sich entwickeln würden. Ich hab' vorher schon in Bruchstücke vom Album reinhören können, aber als das Video zum Titelsong online ging, wusste ich endgültig, dass es jetzt knallen wird. Persönlichkeit des Jahres ist Fler für mich. Gründe sollten klar sein.

(Kris­tina Scheu­ner & Florence Bader)