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Die bes­ten Alben, Momente und Persönlichkeiten 2015

Zum Ende des Jahres stan­den uns noch ein­mal 19 Rapper Antwort auf die Frage, wel­ches Album, wel­cher Moment und wel­che Persönlichkeit der Deutschrapszene das Jahr 2015 für sie ge­prägt ha­ben. Auch für uns war 2015 ein be­son­de­res Jahr, denn MZEE​.com kam zu­rück – nicht als Shop, son­dern als Online-​Magazin. Für die zahl­rei­chen po­si­ti­ven Resonanzen, die wir von Euch hier­für er­hal­ten ha­ben, möch­ten wir uns herz­lich be­dan­ken. Bis zum 11. Januar 2016 be­fin­den wir uns ab jetzt im Urlaub. Eure Anfragen und Kommentare, E-​Mails und Privatnachrichten wer­den bis da­hin lei­der auf eine Beantwortung war­ten müs­sen. Allen Lesern wün­schen wir an die­ser Stelle ei­nen gu­ten Rutsch ins neue Jahr – wir se­hen uns 2016 an die­ser Stelle mit wei­te­ren span­nen­den Formaten.

 

Ali As: "Amnesia" & "Mama" wa­ren die bei­den Alben, bei de­nen ich mit­be­kom­men habe, wie viel harte Arbeit da­hin­ter war. Umso schö­ner war es zu se­hen, dass beide Alben sehr gut bei den Hörern an­ka­men. Besonders für ELI hat es mich sehr ge­freut. Das Splash! 2015 war ein­drucks­voll – zu­mal ich die­ses Jahr wohl am häu­figs­ten als Special Guest auf der Bühne zu se­hen war. Dann gab es ei­nen un­glaub­li­chen Studiomoment, der aber erst nächs­tes Jahr eine tra­gende Rolle spie­len wird. Ich würde sa­gen, dass KC Rebell und Namika die­ses Jahr rich­tig ab­ge­räumt ha­ben.

Al Kareem: Das be­ste Album des Jahres ist für mich "Spielverderber" von Mauli. Hier wer­den end­lich wie­der Names ge­droppt und das ist doch, was wir im Endeffekt alle hö­ren wol­len. Dazu noch auf den kras­ses­ten Beats von Morten, wo­bei Mauli, glaube ich, auch selbst co-​produziert hat. Jedenfalls sehr ge­lun­gen. Den bes­ten Kool Savas-​Vers 2015 fin­det man auch auf die­sem Album. Frechdachs-​Modus mit sehr viel da­hin­ter – hier wird nicht so viel Spaß ge­macht, was sehr wich­tig ist. Außerdem hat er die bes­ten Videos ge­dreht, nur "VERGE$$E NIE" von der K$F ist noch bes­ser. Wenn du mich vor ein paar Monaten ge­fragt hät­test, hätte ich wahr­schein­lich "What's Goes?" von den Orsons ge­sagt. Der Part von Maeckes auf "Lass uns chil­len", der Solo-​Song von Tua, der Weed-​Song von Kaas, die Anglizismen-​Spits von Bartek und dann noch diese gan­zen Jägermeister-​Hits, wow! Die Produktionen wur­den von Tua ge­lei­tet, dazu muss man nicht viel mehr schrei­ben. Er ist ei­ner der größ­ten Künstler, die wir in Deutschland ha­ben. Beim „bes­ten Moment“ kann ich ja ei­gent­lich nur was ganz Persönliches sa­gen. Ich fand die Studioabrissparty von Morten und Marvin zu krass und gleich­zei­tig auch ein we­nig trau­rig. Im Lempart Records-​Studio wur­den mehr Hits auf­ge­nom­men und Joints ge­kifft als sonst wo und ich hab' hier die bes­ten Menschen aus Berlin ken­nen­ge­lernt. Augen wer­den an die­ser Stelle ge­küsst. Persönlichkeit des Jahres ist für mich Holy Modee – zum ers­ten Mal auf dem Splash! 2015 Songs von ihm ge­hört. Zum ers­ten Mal "Dewit" ge­hört und sehr über­zeugt ge­we­sen. Dann hab' ich mir zu Hause auf SoundCloud al­les von ihm ge­ge­ben und bin krass drauf hän­gen ge­blie­ben. Er ist sehr mu­si­ka­li­sch, setzt Autotune als ei­ner von we­ni­gen sehr gut ein, hat als Person krass Charisma und ist kurz ge­sagt ein sehr gu­ter Künstler. Vielleicht zu früh, ihn für sein Lebenswerk aus­zu­zeich­nen, aber wen sollte ich jetzt bitte sonst nen­nen?! Man sollte ihn als Beispiel neh­men, wenn man un­be­dingt über Cloudrap und so ei­nen Quatsch re­den möchte, weil er der Krasseste ist, was die­sen Freshman-​Shit an­geht. Nicht Goony oder MontanaMax. Er ist mein per­sön­li­cher Newcomer des Jahres und nächs­tes Jahr dann von euch al­len. Viel kein Spass!

Audio88&Yassin: Wir neh­men diese Frage ein­fach mal zum Anlass, ei­nen Toast auf K.I.Z aus­zu­spre­chen. Diese vier Persönlichkeiten des Schlandraps ha­ben nicht nur das be­ste Album 2015 ge­macht – isso! –, son­dern auch die nor­malste Tour in die­sem Jahr ge­spielt. Wir kön­nen das be­ur­tei­len, da wir da­bei wa­ren und un­sere ei­ge­nen zwei Tourneen in die­sem Jahr zum di­rek­ten Vergleich her­an­zie­hen kön­nen. Ihr seid su­per sweete Dudes, mit de­nen der Turn Up nie un­real wird! Danke für die Rummelbummsdisco in die­sem Jahr und für das Asyl im Bunker. Danke für das GEMA-​Cash und danke, dass auf eu­rer Dem-​verpassen-​wir-​irgendwann-​mal-​einen-​Stich-​Liste die glei­chen Namen ste­hen wie auf un­se­rer. Aus die­sen und vie­len an­de­ren Gründen möch­ten wir euch die­sen MZEE.com-Beitrag von gan­zem Herzen wid­men. Nico, Maxim, Tarek und Sil-​Yan: Ihr seid spitze!

Blut & Kasse: 2015 war für Deutschrap ein sehr ab­wechs­lungs­rei­ches Jahr. Es gab mei­ner Meinung nach fast schon zu viele Releases, wo­durch ei­nige starke kom­plett un­ter­gin­gen, an­dere da­für ex­trem glänz­ten. Zu Anfang des Jahres emp­fand ich eine Art Orientierungslosigkeit der Szene. Viele ka­men mit dem neuen The Weeknd-​/​Drake-​Sound nicht klar und such­ten so­mit ihr Glück beim al­ten Boom bap. Andere wie Ali As fühl­ten wohl, dass es ge­nau ihr Ding ist. Und so klan­gen dann auch de­ren Alben. Sein Album bei­spiels­weise ist bei der "Szene" sehr gut an­ge­kom­men. Meiner Meinung nach auch zu Recht, ob­wohl der Sound nicht so mein Ding ist. K.I.Z und Marsimoto ha­ben bös ab­ge­lie­fert und fie­len mir durch gute Ideen so­wie fri­schen Sound auf. Ein Sido hat das Radio über­nom­men und zu­sam­men mit Cro ei­nen Platz für Deutschrap frei ge­macht. Herausstechen konnte bei all dem Heckmeck al­ler­dings ganz klar die Sparte Straßenrap. Neben Leuten wie Ché & A, Manuellsen, Fard, Schwesta Ewa oder Vega gab es ei­nen Olexesh, der mit sehr ho­hem Output plus Eminem-​Style-​Flows und 385i im Rücken auf sich auf­merk­sam machte und mein Mega-​Hammer-​Brett-​Album "Machermodus" – mein Ernst. Außerdem Hanybal, der durch seine di­rekte, scham­lose Attitüde alle Augen auf sich zog und Haftbefehl, der mit den Azzlackz die Clubs do­mi­nierte. Aber mei­ner Meinung nach konn­ten zwei Namen das Jahr voll für sich be­an­spru­chen. Meine Namen des Jahres: Xatar und die 187 Strassenbande. Xatars Vergangenheit und Geschäftssinn, kom­bi­niert mit neuem, tech­ni­sch ver­sier­tem Rapsound lie­ßen mich sei­nen Namen über­all le­sen. AON ist seit 2015 nicht mehr weg­zu­den­ken. Er hat sich ein­ge­pflanzt und ver­brei­tet, war selbst in al­len Mainstream-​Medien prä­sent. Seine Geschichte ist gran­dios. Da kommt kei­ner dran vor­bei. Mich per­sön­lich freut es, wenn so je­mand dann noch Wert auf Qualität legt und die­sen HipHop-​Traum hat. Das spürt man! Die 187 Strassenbande hat mei­ner Meinung nach das Jahr ge­prägt und der Rapwelt ge­zeigt, wie man das Internet zu nut­zen hat. In ih­rem Fall hat man ge­lernt, dass man sich auch ohne große Hollywood-​Moves er­folg­reich zei­gen kann. Sie prä­sen­tie­ren ih­ren Lifestyle un­ge­schnit­ten roh und las­sen die Fans daran teil­ha­ben. Womöglich ist das ein neuer, oder viel­leicht so­gar der neue Weg für Labels und Musiker welt­weit. Vorraussetzung da­für ist ein un­ter­halt­sa­mer Lebensstil. Plus, ganz wich­tig: Man sollte "echt" sein. Das ist HipHop und es funk­tio­niert. Bei der Silla-​Tour ha­ben wir un­ter an­de­rem den 187-​Sampler im Tourbus ge­pumpt. Einfach kom­plett Brett! Ebenso wie das dar­auf­fol­gende Album "Obststand" von LX & Maxwell. Die Beats sind pas­send zu de­ren Stil et­was Eigenes, die Raps alle sau­ber. Die Reime sit­zen und die Themen pas­sen. Also ein Paket vom Feinsten. Gzuz hat mit "Ebbe und Flut" dann noch ei­nen drauf­ge­setzt und für mich die­ses Jahr zu sei­nem ge­macht. Chapeau! Hinzu kommt na­tür­lich noch, dass es un­zäh­lige Comebacks gibt und gab. Auch nicht zu ver­ach­ten. Ich konnte noch keins durch­hö­ren, aber es sind be­stimmt we­ni­ger Enttäuschungen da­bei als um­ge­kehrt. Aktuell, auf der Zielgeraden, kommt der Frankreich-​Style-​Trap auf uns zu … Mal se­hen, ob er sich durch­set­zen wird. Bin ge­spannt! Das war Deutschrap 2015 aus mei­ner Sicht!

Credibil: Mein Moment war als Vorgruppe bei Casper auf dem Red Bull Tourbus vor 7.000 Menschen in München. Ein eu­pho­ri­scher Moment ein­fach. Der Bruder zer­sägt ge­rade al­les. Ich bin sehr dank­bar, dass ich da­bei sein durfte. Album: "To Pimp A Butterfly". Kendrick hat be­wie­sen, dass man nach ei­nem "per­fek­ten" Album noch ein "per­fek­tes" Album kre­ieren kann. Ein ganz an­de­res Gefühl, aber je­des für sich su­per. Persönlichkeit: Ahzumjot. Wir kann­ten uns schon et­was län­ger, aber ha­ben die­ses Jahr das er­ste Mal ge­mein­sam ge­ar­bei­tet. Währenddessen habe ich ihn und seine Person ken­nen­ge­lernt … Was er durch­ge­macht hat, was er ge­rade durch­macht: Ich be­wun­dere ihn und seine Haltung. In vie­len Punkten ein wasch­ech­tes Vorbild. Ich habe in ihm ei­nen gu­ten Freund ge­fun­den.

Crystal F: Der prä­gendste Moment des Jahres sagt für mich ehr­lich ge­sagt schon ge­nug über die­ses re­la­tiv lang­wei­lige Deutschrapjahr aus. Denn es war das Floppen von Olli Banjo aka Wunderkynd. Nur vor­ne­weg, ich kenne Olli Banjo nicht per­sön­lich und da gibt es keine Vorgeschichte, aber ich habe so eine ex­treme Abneigung ge­gen ihn auf­grund sei­ner öf­fent­li­chen Darstellung. Als die ers­ten Videos zu sei­nem Projekt Wunderkynd er­schie­nen sind, konnte man sei­nen Augen und Ohren kaum trauen, solch eine kon­stru­ierte, lang­wei­lige, auf Massenkompatibilität ge­trimmte und vor al­lem kom­plett be­schis­sene Musik war das. Aber hey, er hat Pornodarstellerinnen in sei­nem Video, das wird's schon rich­ten. Nicht mal seine ei­ge­nen Fans ha­ben die Scheiße an­ge­nom­men. Jedenfalls wur­den da alle Register ge­zo­gen, um das Ganze zu pus­hen. Das en­dete dann in der ka­ta­stro­pha­len Teilnahme am Bundesvision Song Contest, wo der gute Olli dann nicht nur von der Rapszene und sei­ner ei­ge­ner Fanbase, son­dern von ganz Deutschland die Zertifizierung zur größ­ten Scheiße zur­zeit be­kam. Nicht mal das Bundesland, für das er an­trat, hat ihm gute Punkte ge­ge­ben. Dann kam sein Album-​Release und ich war ge­spannt, ob diese Rotze wirk­lich von ir­gend­wem ge­kauft wird. Wurde sie nicht. Als die Charts der Woche be­kannt­ge­ge­ben wur­den, war ich ge­rade in der Türkei und saß vol­ler Vorfreude auf meine Schadenfreude vorm Handy. Dann kam die Nachricht: Wunderkynd nicht in den Top 100. Wäre ich in Deutschland ge­we­sen, hätte ich für meine Freunde eine Nicht-​Chart-​Party ge­schmis­sen. Das be­deu­tet, dass ein Projekt, in wel­ches das Label lo­cker über 100.000 Euro rein­ge­steckt hat, sich nicht ein­mal 1000 Mal ver­kauft hat. Es wird halt doch nicht jede Scheiße ge­kauft und ich hoffe, der Olli hat sei­nen Vorschuss ge­spart, um ihn dann zu­rück­zah­len zu kön­nen. Ansonsten halt' ich ihm viel­leicht bei mir 'ne Stelle als Putzfrau frei. Das war echt ei­ner der schöns­ten Momente in Deutschrap 2015. Das be­ste deut­sche Rapalbum die­ses Jahr ist mit Abstand "Erste Welt" von zero/​zero. Eigenständige Musik mit gu­ten Texten und ei­ner Eingänglichkeit, wie man sie an­sons­ten viel­leicht noch bei ei­ner M.I.A. fin­det. Weit ab von die­sem ent­we­der wie Casper, Haftbefehl oder Drake klin­gen­den Sound, den fast aus­nahms­los die ganze Szene so prä­sen­tiert hat. Meine Persönlichkeit die­ses Jahr ist Graphizzle Novizzle, der ge­zeigt hat, wie hu­mor­los viele Rapper sind und sich lä­cher­lich ma­chen, in­dem sie auf seine Karikaturen to­tal an­ge­pisst re­agiert ha­ben.

Djin: Ich habe jetzt wirk­lich län­ger dar­über nach­ge­dacht und muss sa­gen, dass ich kein Album finde, bei dem das Wort "ge­prägt" wirk­lich wie die Faust aufs Auge passt. "Alles Brennt" von Zugezogen Maskulin, "Hurra die Welt geht un­ter" von K.I.Z und "What's Goes?" von den Orsons: Das wa­ren so die drei Alben, die mir im Kopf ge­blie­ben sind be­zie­hungs­weise die ich viel ge­hört habe und auch alle ihre Highlights ha­ben. Mir ha­ben auch die Sachen von Fatoni und Dexter sehr gut ge­fal­len. Aber als so dick wie bei­spiels­weise ein "Russisch Roulette" von Hafti emp­finde ich sie alle dann doch wie­der nicht. Da hat ob­jek­tiv be­trach­tet viel­leicht LGoony mit sei­nem "Grape Tape" am meis­ten ge­prägt. Das ist halt eine neue auf­stre­bende Generation. Generell sieht man über­all die G.U.D.G. und al­lein im Sprachgebrauch kann man deut­lich ei­nen Einfluss auf die ge­samte Szene se­hen. Ich finde, ein schö­ner Moment war das RBA-​Battle von Cro. Auch in­so­fern prä­gend, als dass man nicht al­les zu ernst neh­men sollte und sich sel­ber nicht zu wich­tig. Fand ich sehr cool. Ansonsten ist das Splash! ja im­mer der Moment des Jahres. Die prä­gendste Persönlichkeit war, denke ich, tat­säch­lich Moneyboy. Wie ge­sagt, durch den Sprachgebrauch und ge­ne­rell diese Attitüde, die er an den Tag legt und die sich ir­gend­wie über­all ein biss­chen ein­nis­tet. Ansonsten ist Falk Schacht im­mer sehr wich­tig, wie ich finde. Gerade jetzt auch durch den Film und na­tür­lich sein sons­ti­ges Wissen, das er droppt, als wäre es nuffin.

EstA: Für mich per­sön­lich war das Album des Jahres "VI" von Sido. Allein pro­duk­ti­ons­tech­ni­sch ent­sprach es ge­nau mei­nem Geschmack. DJ Desue hat da echt un­glaub­li­che Beats raus­ge­hauen. Es gibt we­nige Alben, auf de­nen ich so hän­gen ge­blie­ben bin, wie es bei die­sem ge­we­sen ist. "VI" hat zu­dem wie­der Sidos krasse Entwicklung in den letz­ten Jahren un­ter­stri­chen, was ihn auch zu mei­ner per­sön­li­chen "Deutschrap-​Person" des Jahres 2015 macht. Vom "Arschficksong" zu "Astronaut", ohne dass man das Gefühl hat, er hätte nur an­satz­weise sei­nen Arsch ver­kauft. Auf der an­de­ren Seite geht es mir na­tür­lich auch wie vie­len an­de­ren Musikhörern in Deutschland. "Astronaut" wird im Radio rauf und run­ter ge­spielt und ich habe den Song längst tot­ge­hört. Dennoch muss man Sido ein­fach Respekt da­für zol­len, was und vor al­lem dass er in den letz­ten Jahren im­mer wie­der ab­ge­lie­fert hat. Mein per­sön­li­cher Deutschrap-​Moment im Jahr 2015 war die Ankündigung mei­nes am 12. Februar 2016 kom­men­den Albums "BestA". Nach zwei­ein­halb Jahren Abstinenz und vie­len pri­va­ten Höhen und Tiefen bin ich sehr stolz, wie­der Musik auf die­sem Level ma­chen zu kön­nen. Mit SiNCH habe ich ei­nen der kras­ses­ten Produzenten in Deutschland ge­win­nen kön­nen. Ich bin sehr ge­spannt, wie das Album bei den Leuten an­kommt, und freue mich ex­trem auf 2016. Als deut­scher Rapper und vor al­lem als gro­ßer Deutschrap-​Fan ist es doch ein­fach un­glaub­lich, was mo­men­tan so pas­siert. Auf wei­tere er­folg­rei­che Jahre für deut­schen Rap!

Fabian Römer: Mich hat die­ses Jahr der Erfolg von MoTrip ex­trem ge­freut. Wir hat­ten un­ge­fähr zeit­gleich die Endphase un­se­rer Albumproduktionen und wa­ren auch im glei­chen Studio un­ter­wegs. Ich fand es krass, wie viel da am Ende noch weg­ge­rockt wurde. "So wie du bist" ist halt auch ein­fach zwi­schen Tür und Angel ent­stan­den – als Außenstehender war das ver­rückt zu be­ob­ach­ten, wie viele Sachen sich an die­sem Abend ge­fügt ha­ben. Was sein Auto, äh … Album an­geht, feier' ich vor al­lem die ers­ten paar Songs sehr. Und "Alien" hätte un­be­dingt aufs Album ge­musst. Bestes Lied!

Fatoni: 2015 habe ich mich sehr um meine ei­ge­nen Releases ge­dreht, vor al­lem um das Album mit Dexter. Mit mei­ner ei­ge­nen Arbeit bin ich schon mal zu­frie­den: Ich bin der "Kyng" mo­men­tan. Aber auch ei­nige an­dere Platten fand ich sehr gut. Zum Beispiel: Zugezogen Maskulin – "Alles Brennt", Audio88&Yassin – "Normaler Samt", Die Orsons – "What's Goes?", K.I.Z – "Hurra die Welt geht un­ter", Antilopengang – "Abwasser", JuseJu – "Angst & Amor", Mauli – "Spielverderber", Veedel Kaztro & Mels – "Fenster zur Strasse", Doz9 & Torky Tork – "T9" … Ich hasse sol­che Listen ei­gent­lich und ma­che jetzt sel­ber so eine, ob­wohl die Frage ei­gent­lich eine ganz an­dere war. Na ja, egal. Mein per­sön­li­cher HipHop-​Moment 2015 war die "25 Jahre Main Concept"–Party in der Muffathalle in München. Wasi fragte mich zehn Minuten da­vor, ob ich nicht mit ihm sei­nen Klassiker "Nichtsnutz" per­for­men könnte. Ich hatte ihn ein paar Wochen vor­her bei 16bars im Format "Most wan­ted Bars" per­formt, das hatte er ge­se­hen …

Holy Modee (Cosmo Gang): Deutschrap?

Kool Savas: Als Album möchte ich an die­ser Stelle auf je­den Fall "Daemon" von Laas Unltd. nen­nen. Auch, wenn es bis jetzt noch nicht ver­öf­fent­licht wurde, ist es 2015 ent­stan­den und ich habe den Entwicklungsprozess kom­plett mit­er­lebt. Ich be­wun­dere den Mut, mit dem Laas trotz stän­di­gem Gegenwind und Haterei aus ver­schie­dens­ten Ecken die­ses Album auf die Beine ge­stellt hat. Das Album ist gänz­lich frei von Beleidigungen und Lügen – und ge­nau des­we­gen ist es so stark ge­wor­den. Ich habe ihm ge­sagt: "Wenn du die Wahrheit sagst, bist du im­mer im Recht, so­lange es fair bleibt." Kurz nach­dem die ers­ten Songs ver­öf­fent­licht wur­den, ka­men die ers­ten Anrufe bei sei­nem Label. Das zeigt, dass es Unbehagen ver­brei­tet, dass da je­mand kommt und, ohne ein Blatt vor den Mund zu neh­men, die Fakten auf den Tisch legt. Das Album ist keine Abrechnung, son­dern mehr ein trans­pa­ren­ter Einblick in die krum­men Dinger, die hin­ter den Kulissen der so­ge­nann­ten "Szene" pas­sie­ren. Für mich ist es mit "Grau" von Tua ei­nes der per­sön­lichs­ten und da­durch stärks­ten Alben der letz­ten Jahre. 
Der prä­gendste Moment des Jahres war für mich das Rap4Good-​Festival. Wir ha­ben es ge­schafft, eine fried­li­che und au­ßer­ge­wöhn­li­che Veranstaltung auf die Beine zu stel­len. Ohne Security und ohne Riesen-​Egos stan­den hier ver­schie­den­ste Crews und Rapper aus al­len Bereichen ge­mein­sam auf ei­ner Bühne. Von KC Rebell und Ryan Leslie über Genetikk und Curse hin zu Raf Camora und vie­len mehr. Ohne große Bürokratie und Bullshit. Ich bin den Künstlern sehr dank­bar da­für, dass sie das mög­lich ge­macht ha­ben. Und zu den Persönlichkeiten: Einige der Rapjournalisten und Medien ha­ben in die­sem Jahr ihre Chance ge­wit­tert, auf Xavier ein­zu­tre­ten – wis­sent­lich, dass sie auf­grund der ne­ga­ti­ven Stimmen ihm ge­gen­über in den gro­ßen Medien ein leich­tes "Opfer" ge­fun­den ha­ben. Das ist, um es hart aus­zu­drü­cken, fast schon eine Bully-​Einstellung. Während un­sere Steuergelder in den Krieg flie­ßen, at­ta­ckiert man, statt Stellung zu wirk­lich häss­li­chen po­li­ti­schen Ereignissen zu be­zie­hen, ei­nen Menschen wie Xavier. Und das in Hoffnung auf ein paar Likes und et­was Anerkennung. Menschen, die sich mit Bullen an­le­gen und Gesetze miss­ach­ten, be­haup­ten plötz­lich, Xavier sei anti-​demokratisch und ge­fähr­lich. Das ist in mei­nen Augen die höchste Form von "mit zwei­er­lei Maß mes­sen" …

LGoony: Für die Szene kann ich lei­der nicht spre­chen. Ich habe mir ein­fach viel zu we­nig an­ge­hört, um das zu be­ur­tei­len. Mein per­sön­li­ches Deutschrapjahr ha­ben auf je­den Fall die neuen Alben von Zugezogen Maskulin und Crack Ignaz ge­prägt. Da hat man rich­tig ge­merkt, dass doch mal fri­scher Wind in die Szene kom­men kann. Außerdem habe ich auch die "El Camino"-EP von Harry Quintana sehr ge­fei­ert, be­son­ders weil ich seit Jahren Prinz Harry-​Fan bin und lange ver­geb­lich auf ein Release war­ten mus­ste. Bei Personen ist die Antwort schon viel ein­fa­cher. Die Jungs von Live from Earth ha­ben deut­schen Rap 2015 de­fi­ni­tiv so sehr ge­prägt wie nie­mand an­de­res. Sie ha­ben Künstlern wie Ignaz, Yung Hurn und mir eine rie­sige Fläche ge­bo­ten, ein Label ge­grün­det und meh­rere Veranstaltungen or­ga­ni­siert. Und das al­les aus pu­rer Liebe zur Musik, ohne Profit und als ganz nor­male Menschen ohne ir­gend­wel­che Vorteile. Das finde ich un­fass­bar in­spi­rie­rend und ich bin mir sehr si­cher, dass die­ser Name in den nächs­ten Jahren wei­ter­hin die Szene ak­tiv ver­än­dern wird. Ich hoffe, ich kann da auch mei­nen Teil zu bei­tra­gen.

Montez: Für mich war der wich­tigste Moment des Jahres das Release mei­nes Albums "Für im­mer und eh weg". Wir ha­ben so viele Jahre daran ge­ar­bei­tet und es war ein sehr schwe­rer und lan­ger Weg, aber die­ses Jahr Silvester muss ich end­lich keine lee­ren Versprechungen mehr ma­chen, dass mein Album "dann nächs­tes Jahr" kommt. (grinst) Und die Person, die die­ses Jahr für mich per­sön­lich am meis­ten ge­prägt hat, ist Kool Savas. Ich war zum zwei­ten Mal mit ihm auf Tour und ab­ge­se­hen da­von, dass ich auf dem rie­si­gen Event Rap4Good auch sel­ber spie­len durfte, ist das Ganze ein­fach eine Wahnsinnsveranstaltung, die er da ins Leben ge­ru­fen hat und die dazu auch noch ex­trem er­folg­reich war.

Pimf: 2015 war auf je­den Fall ein ver­nünf­ti­ges Jahr für Deutschrap. "Yo, Picasso" von Dexter & Fatoni fällt mir spon­tan als star­kes Album ein – wohl auch, weil es noch nicht so lange her ist. Im Frühjahr fand ich "Normaler Samt" ziem­lich gut! Darüber hin­aus ver­die­nen, auch wenn es keine Deutschrapalben sind, "Midnite Ride" von Brenk Sinatra und "From the Life of a Good-​For-​Nothing" von Juju Rogers hier auch noch ein paar Shoutouts. Eine klas­si­sche Persönlichkeit des Jahres hab' ich nicht, finde aber hier könnte man Jakarta Records als Label, wel­ches zu 99,9 Prozent gei­len Scheiß ver­öf­fent­licht hat, her­vor­he­ben. Mein per­sön­li­cher Moment des Jahres war na­tür­lich die Veröffentlichung mei­nes ers­ten Albums, ver­bun­den mit ei­ner furcht­bar auf­re­gen­den Zeit und 'ner Menge neuer Erfahrungen.

Prezident: War ein un­span­nen­des Deutschrapjahr. Sieht man ja an den viel zu we­ni­gen und al­le­samt recht kur­zen Jahresrückblicken, die jetzt alle brin­gen. Ist na­tür­lich nicht son­der­lich ori­gi­nell zu sa­gen, dass man vor­nehm­lich Amirap hört. Aber die­ses Jahr, in dem un­ter an­de­rem Young Thug, Bones, Lil Herb und Vince Staples durch­ge­star­tet be­zie­hungs­weise so rich­tig bei mir an­ge­kom­men sind und Ka, Curren$y, Kendrick Lamar, A$AP Rocky, A$AP Ferg, Action Bronson, Gangsta Boo, French Montana und Waka Flocka al­le­samt zwi­schen durchhörens- und aus­ras­tens­wert ab­ge­lie­fert ha­ben, ist we­nig Deutschrap durch­ge­drun­gen. So rich­tig zwin­gend fand ich ei­gent­lich nur Haftbefehl, von sin­gu­lä­rer Konstanz her mitt­ler­weile si­cher­lich in den Top 5 der bes­ten Rapper al­ler Zeiten hier­zu­lande. Ansonsten hat Xatar ab­ge­lie­fert und bei Gzuz mochte ich zu­min­dest die Videos. Das Album muss ich noch nach­ho­len bei Gelegenheit. Im Untergrund vor­nehm­lich Langeweile. Gibt auch mitt­ler­weile ge­nug Leute, die er­di­gen Battlerap auf 90er-​Jahre-​Boom-​bap-​Beats bal­lern, so Zeug braucht kein ver­nünf­ti­ger Mensch mehr bis min­des­tens 2020. Schaufel & Spaten sind aber noch die Spannendsten in die­sem Subgenre. Morlockks neues "Eiserner Besen"-Tape hab' ich noch nicht ge­hört. Überhaupt nie mehr nö­tig nach Dende war iro­ni­scher Mittelstandsrap mit lus­ti­gen Themen und erns­ten Zwischentönen. Gold Rogers Album war aber ganz cool. Ansonsten ist noch die EP von Said in Erinnerung ge­blie­ben.

Vega: Leider gab es kein Album, das mich wirk­lich über ei­nen län­ge­ren Zeitraum ge­fes­selt und be­glei­tet hat. Es gab aber ein paar Releases, auf de­nen mich ein­zelne Songs be­wegt ha­ben, zum Beispiel KC Rebells "Fata Morgana" oder Blut & Kasses "Machermodus". Ich fand Rap4Good als Moment und Savas als Kopf der Geschichte sehr in­spi­rie­rend und vor al­lem eh­ren­wert. 150.000 Euro für ei­nen gu­ten Zweck zu sam­meln – ich glaube, in die­ser Größenordnung hat ein Rapper das noch nicht ge­schafft.

3Plusss: Mein Moment des Jahres war, als ich mit Nobodys Face im Studio saß und er mir das er­ste Mal das neue Marsimoto-​Album vor­ge­spielt hat. Ich bin zum ei­nen gro­ßer Fan, zum an­de­ren gibt es da auf dem Song "Tischtennisplatte" die Line "Wenn du dich fragst, worum geht's in die­sem Song – dann hast du Hiphop nicht ver­stan­den!" Ich hab' mich ge­grüßt und sehr ge­ehrt ge­fühlt. Die Deutschrap-​Platte, die mich die­ses Jahr am meis­ten ab­ge­holt hat, war wohl "Alles brennt" von Zugezogen Maskulin. Zwei "alte Bekannte" von mir, die im Vorfeld ei­nen sau­mä­ßi­gen Hype auf ihr Debütalbum hat­ten und bei de­nen ich es wahn­sin­nig span­nend fand, in wel­che Richtung sie sich ent­wi­ckeln wür­den. Ich hab' vor­her schon in Bruchstücke vom Album rein­hö­ren kön­nen, aber als das Video zum Titelsong on­line ging, wusste ich end­gül­tig, dass es jetzt knal­len wird. Persönlichkeit des Jahres ist Fler für mich. Gründe soll­ten klar sein.

(Kris­tina Scheu­ner & Florence Bader)