High Five: 04 /​ 19 – mit u.a. Die Orsons, Azad & SSYNIC

Der Deutschrap­zir­kus ist ein umtrie­bi­ger Schau­platz. Zwi­schen all den Pro­mo­pha­sen und Album­ver­öf­fent­li­chun­gen kann man schon ein­mal den Blick fürs Detail ver­lie­ren. Des­halb stel­len wir jeden Monat an die­ser Stel­le die klei­nen, fei­nen High­lights vor, die abseits des Album-​Korsetts Beach­tung ver­die­nen. In den Kate­go­ri­en State­ment, Video, Song, Instru­men­tal und Line prä­sen­tie­ren unse­re Redak­teu­re hand­ver­le­se­ne Schmuck­stü­cke. Egal, ob nun ein beson­ders per­sön­li­cher Bezug, eine wich­ti­ge Mes­sa­ge oder ein run­des musi­ka­li­sches Gesamt­pa­ket den Anlass bie­ten. Hier wird ein tie­fer Ein­blick in ein­zel­ne Facet­ten der Rap­welt gebo­ten. Fünf Höhe­punk­te – klatscht in die Hän­de für unse­re "High Five"!

 

State­ment: Kollegah-​Fanbase

Für gewöhn­lich ste­hen an die­ser Stel­le State­ments, die uns posi­tiv oder nega­tiv auf­ge­fal­len sind. Die­se stam­men meist von ein­zel­nen Akteu­ren. In die­sem Monat aber han­delt es sich eher um das State­ment eines Kol­lek­tivs: der Kol­le­gah-Fan­ba­se – oder zumin­dest eines beacht­li­chen Teils der­sel­ben. Denn augen­schein­lich gibt es für sie doch noch Hoff­nung. Für ein über­teu­er­tes Trai­nings­pro­gramm und ein Buch vol­ler frag­wür­di­ger Kalen­der­sprü­che waren die Fans des "Bos­ses" noch zu haben. Doch mit sei­nem letz­ten Stunt schoss Felix Blu­me dann den Vogel ab. Er woll­te unter dem Titel "Alpha Offen­si­ve" ein Coaching-​Event aus­rich­ten, das den Teil­neh­mern die Kennt­nis­se zum Erfolg ver­sprach. Tickets gab es in einem Preis­rah­men von knapp 200 bis zu voll­kom­men ver­rück­ten 2.500 Euro. Das waren auch der ein­ge­schwo­re­nen Anhän­ger­schaft ein paar Krö­ten zu viel. Die Fol­ge war ein mit­tel­gro­ßer Shit­s­torm, der schließ­lich sogar in der Absa­ge des Events mün­de­te. Schön zu sehen, dass Kol­les Fans sich doch nicht alles gefal­len las­sen. Natür­lich gibt es immer noch vie­le, die den Halb­ka­na­di­er nach wie vor als Halb­gott ver­eh­ren. Doch wur­de mit die­ser Akti­on Kol­le­gahs Masche für eine Men­ge Men­schen – dar­un­ter bis­lang treue Fans – als hei­ße Luft ent­larvt.

 

Die Orsons - Ewig­keit im Loop (Offi­ci­al Video)

Video: Die Orsons – Ewig­keit im Loop

Fehl­trit­te gehö­ren zum Leben nun mal dazu. Auch bei den Orsons war nicht immer alles Gold, was glänz­te. Auf "Ewig­keit im Loop" bli­cken die vier daher auf ihre ganz per­sön­li­chen Pein­lich­kei­ten zurück, die sie mit dem ent­spre­chen­den Bild­ma­te­ri­al aus der Ver­gan­gen­heit bele­gen. Den Anfang macht Tua. Für ihn ist der Song "Horst und Moni­ka", den sie auch beim Bun­des­vi­si­on Song Con­test per­formt haben, auf­grund der "dümm­li­chen Zei­len über Trans­gen­der" nicht mehr ver­tret­bar. KAAS bereut den Splash!-Auftritt, bei dem er mit Money Boy anein­an­der gera­ten war, nach­dem die­ser die Büh­ne geen­tert hat­te. Maeckes hin­ge­gen hin­ter­fragt die Sinn­haf­tig­keit des "Jetzt"-Videos, indem er es im Lite­ral Video-​Style aus­ein­an­der­nimmt. Und Bar­tek erin­nert sich dar­an zurück, wie er betrun­ken ein Inter­view von Visa Vie und Cro gecrasht hat. Dass sich Rap­per so reflek­tiert mit Feh­lern aus ihrer Ver­gan­gen­heit aus­ein­an­der­set­zen, gibt es nicht all­zu oft. Wenn das dann auf der­art krea­ti­ve Art und Wei­se pas­siert, ist das umso bes­ser.

 

AZAD - DIESER WEG (OFFICIAL VIDEO)

Song: Azad – Die­ser Weg

2004 erschien das Album "Der Bozz" von Azad, das zugleich das ers­te Release sei­nes eige­nen Labels Bozz Music mar­kier­te. 15 Jah­re spä­ter wur­de nun der Nach­fol­ger "Der Bozz 2" mit "Die­ser Weg" als ers­ten Vor­bo­ten ange­kün­digt. Nach dem letz­ten Album "NXTLVL" aus dem Jahr 2017, das stark von Trap geprägt war, hat man mög­li­cher­wei­se erwar­tet, dass der Stil des Vor­gän­gers mit den Ein­flüs­sen des eben genann­ten Lang­spie­lers kom­bi­niert wür­de. Statt­des­sen besinnt sich der Frank­fur­ter auf sei­ne Wur­zeln und rappt auf einem besinnlich-​atmosphärischen Beat von Gorex von sei­nem Wer­de­gang: wie er zu dem Mann wur­de, der er heu­te ist, und wel­che Feh­ler er auf sei­nem Weg gemacht hat. Die Scrat­ches von DJ Rafik am Ende tra­gen dazu bei, dass man sich in die frü­hen 2000er Jah­re zurück­ver­setzt fühlt. Mit der letz­ten Plat­te stell­te er unter Beweis, dass er mit aktu­el­len Trends mit­hal­ten kann. Mit "Die­ser Weg" zeigt er, dass der alte Azad auch 2019 noch am Leben ist und Bock hat. Des­halb ver­dient er sich damit den Song des Monats.

 

Apa­che 207 - KEIN PROBLEM (Offi­ci­al Video)

Instru­men­tal: Apa­che 207 – Kein Pro­blem (prod. by Worst­beatz)

Apa­che 207 hat bereits im Jahr 2018 eini­ge Songs ver­öf­fent­licht – im letz­ten Monat leg­te er mit sei­nem Song "Kein Pro­blem" nach. Neben ihm als Künst­ler und dem Video zum Song ist auch das Instru­men­tal höchst spek­ta­ku­lär. Im Ver­gleich zu ande­ren aktu­el­len Pro­duk­tio­nen sticht die­ses näm­lich beson­ders her­aus. Denn bei der von Worst­beatz gebau­ten Instru­men­tie­rung han­delt es sich kei­nes­wegs um einen typi­schen HipHop-​Beat. Viel­mehr erin­nert sie an die 90er und die zu die­ser Zeit auf­kom­men­de Eurodance-​Welle mit einer Pri­se HipHop-​Einfluss, wel­cher vor allem durch das Drum­set trans­por­tiert wird. Eine dump­fe Kick und der kla­re, prä­gnan­te Sound der Sna­re ergän­zen die ver­spiel­te Grund­me­lo­die per­fekt. Hin­zu kom­men noch Synthie-​Sounds sowie elek­tro­ni­sche Strei­cher, die im Wech­sel dafür sor­gen, dass Span­nungs­kur­ven inner­halb des Instru­men­tals auf­ge­baut wer­den. Die­ser Beat ist nicht nur zum Kopf­ni­cken geeig­net, denn er ist eben­so tanz­bar und in sei­ner Mach­art ein­ma­lig.

 

Ssyn­ic vs. Mei­di | ALPHA ROYALE FINALE TOPTIER TAKEOVER

Line: SSYNIC – Alpha Roya­le Fina­le

Der Ein­spruch von dem mäch­tigs­ten Mann im deut­schen Rap …
Kann eini­ges echt ver­ka­cken.

"Ich lass' den Part jetzt raus und ihr könnt euch euren Ein­druck von ihm sel­ber machen." – Die­se Wor­te von SSYNIC fie­len im Fina­le des Alpha Roya­les. Es war ein äußerst kon­tro­ver­ses Batt­le, aller­dings weni­ger auf­grund des Inhalts, als viel mehr wegen des umstrit­te­nen Aus­gangs und der Fra­ge, ob der Sie­ger nicht bereits zuvor fest­stand. All dies soll hier jedoch gar nicht bespro­chen wer­den – genau­so wenig wie die Fra­ge, ob Kol­le­gah tat­säch­lich "der mäch­tigs­te" oder ein­fach nur der frag­wür­digs­te oder pro­ble­ma­tischs­te Mann die­ser Sze­ne ist. Statt­des­sen sol­len SSYNICs Zei­len her­vor­ge­ho­ben wer­den, um die Grund­pro­ble­ma­tik des Tur­niers auf­zu­zei­gen und zu hin­ter­fra­gen, ob es dem Writ­ten Battle-​Sport über­haupt gut­tut, wenn er zum rei­nen Zwe­cke der Pro­mo­ti­on genutzt wird. Denn von För­de­rung kann wohl kaum die Rede sein, wenn Kol­le­gah mit­ten in einer Dar­bie­tung laut­stark sei­nen Unmut äußert. Obwohl bei eben­die­ser Ver­an­stal­tung der Satz "Seid mal jetzt alle ruhig!" glei­cher­ma­ßen Auf­for­de­rung wie Zei­chen für respekt­vol­len Umgang mit der Künst­ler­leis­tung dar­stellt. Und auch wenn die von SSYNIC dar­auf­hin per­form­ten Zei­len sicher­lich vor­be­rei­tet waren, so sagt es doch sehr viel über die Kom­pe­tenz Kol­le­gahs als Ver­an­stal­ter und sei­nen tat­säch­li­chen Respekt gegen­über der Sze­ne aus, wenn Künst­ler Rebut­tals vor­be­rei­ten, um poten­zi­el­le Zwi­schen­ru­fe des Gast­ge­bers damit aus­zu­kon­tern. Ob man per­sön­lich nun SSYNIC oder Mei­di für den Sie­ger des Batt­les hält – kei­ne ande­re Text­stel­le dürf­te die Aus­ein­an­der­set­zung so per­fekt zusam­men­ge­fasst und glei­cher­ma­ßen geprägt haben wie die­se.

(Flo­ri­an Peking, Tho­mas Lin­der, Micha­el Col­lins, Dzer­ma­na Schön­ha­ber, Dani­el Fersch)
(Gra­fi­ken von Puffy Punch­li­nes, Dani­el Fersch)