Roger Rekless – Über die Natur der Dinge

Machia­vel­li wird sich zei­gen in den Lob­bys und Gangs …
Die in Anzü­gen hän­gen, um dann die Copies zu ver­brenn'.

Wenn man eine Per­son getrost als Mul­ti­ta­lent bezeich­nen kann, dann ist das Roger Rekless. Was sich David Mayon­ga – so sein bür­ger­li­cher Name – alles auf die Fah­ne schrei­ben kann, ist mehr als beacht­lich. Er ist stu­dier­ter Päd­ago­ge, DJ, Pro­du­zent, Mode­ra­tor, Autor – und eben auch Rap­per. Der Münch­ner hat bereits viel erlebt und daher auch viel zu sagen. Über sich selbst, das Leben und die Gesell­schaft. Oder wie er es for­mu­liert: "Über die Natur der Din­ge".

Das zehn Tracks umfas­sen­de Werk, wel­ches kom­plett von Maniac pro­du­ziert wur­de, ist nicht gera­de leich­te Kost. Rekless zeigt sich dar­auf sehr tief­grün­dig, fast schon phi­lo­so­phisch, indem er Fra­gen stellt wie: "Wer bin ich und wer will ich sein?" Des Wei­te­ren arbei­tet er viel mit Meta­phern, die dem Hörer eine Men­ge Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum bie­ten. Die­ser Spiel­raum ist es auch, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht und einen immer wie­der zum Grü­beln bringt. Sein inhalt­li­ches Spek­trum ist dabei sehr viel­fäl­tig. Mal geht es um das Auf­wach­sen in Mün­chen, wie bei "Weder Stra­ße noch Block", mal um die "Nach­kom­men". Er setzt sich aber auch mit dem Pro­blem einer xeno­pho­ben Welt­an­schau­ung aus­ein­an­der, was man auf "Ficken Sie sich" hören kann. Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist der Track "Sink oder schwimm". Hier zeigt sich Rekless' Talent für wort­ge­wand­te und klu­ge Tex­te. Er beschreibt dar­in die Ent­wick­lung der Gesell­schaft, in der man den Chau­vi­nis­mus ver­ges­sen soll. Denn am Ende ist jeder Mensch "ein Teil von dem glei­chen Orga­nis­mus". Die gesell­schafts­kri­ti­sche The­ma­tik in Kom­bi­na­ti­on mit der ein­ge­hen­den Hook macht den Song zu einem ech­ten High­light.

"Über die Natur der Din­ge" ist kei­nes die­ser Alben, bei dem die Tracks sofort im Kopf hän­gen blei­ben. Es ist viel­mehr eines, bei dem der Hörer dazu gezwun­gen wird, sich mit den Tex­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen. Das könn­te für den ein oder ande­ren viel­leicht eine abschre­cken­de Wir­kung haben. Wer aller­dings Lust auf Musik zum Nach­den­ken hat, für den ist die Plat­te genau rich­tig.

(Tho­mas Lin­der)