Die besten Alben, Momente und Persönlichkeiten 2017

Zum Ende des Jah­res stan­den uns abschlie­ßend 29 Rap­per Rede und Ant­wort auf die Fra­ge, wel­ches Album, wel­cher Moment und wel­che Per­sön­lich­keit der Deutschrap­sze­ne das Jahr 2017 für sie geprägt haben. 365 auf­re­gen­de Tage lie­gen hin­ter uns: Bau­sa war mit sei­nem Track "Was du Lie­be nennst" wochen­lang die Num­mer Eins der deut­schen Single-​Charts, "Jung, bru­tal, gut­aus­se­hend 3" von Kol­le­gah und Farid Bang ging acht Tage vor Release Gold und an Künst­lern wie Trett­mann oder Hai­y­ti kam man auch nicht vor­bei. Wir sind gespannt, was das kom­men­de Jahr alles zu bie­ten hat. Bis zum 8. Janu­ar 2018 befin­den wir uns nun aber erst­mal im Urlaub. Eure Anfra­gen und Kom­men­ta­re, E-​Mails und Pri­vat­nach­rich­ten wer­den bis dahin lei­der auf eine Beant­wor­tung war­ten müs­sen. Allen Lesern wün­schen wir an die­ser Stel­le ein fröh­li­ches Weih­nachts­fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

Audio88 & Yas­sin: Erstaun­li­cher­wei­se fällt die Wahl zum Album des Jah­res sehr leicht, obwohl wir selbst 2017 kein neu­es gemacht haben. "Ich und mein Bru­der" von Mäd­ness & Döll ist jetzt schon ein zeit­lo­ser Klas­si­ker, eine tech­nisch mehr als ver­siert insze­nier­te Nabel­schau, deren Groß­ar­tig­keit aber nicht nur von per­fek­tio­nis­ti­scher Pattern-​Mathematik lebt, son­dern viel­mehr von ech­tem Gefühl und scho­nungs­lo­ser Ehr­lich­keit. So soll­te Rap sein! Aus­füh­ren­der Pro­du­zent des Album des Jah­res war übri­gens die­ser Yas­sin. Cha­peau an die IUMB GbR! Des­halb tei­len sich Mäd­ness & Döll auch brü­der­lich den Titel der Per­sön­lich­keit des Jah­res. Glück­wunsch! Die Lis­te der prä­gen­den Momen­te gestal­tet sich hin­ge­gen etwas schwie­ri­ger, da es schlicht zu vie­le waren. Wir konn­ten 2017 mit unse­rem 8-​Track-​Album "Hal­le­lu­ja" vom Vor­jahr auf aus­ver­kauf­te Zusatz­tour gehen, haben auf so ziem­lich jedem Fes­ti­val gespielt, auf unse­rem eige­nen Label Nor­ma­le Musik "Stern­zei­chen Hass" ver­öf­fent­licht und, und, und. Die zwei größ­ten Momen­te lie­gen aber in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit! Zum einen haben wir 2017 noch sehr viel Zeit und Arbeit in das Re-​Release unse­rer ers­ten Alben gesteckt und alles auf links gedreht, alles neu abmi­schen, neu mas­tern und neu gestal­ten las­sen und uns so mit "Die Her­ren­ge­de­cke" ein wei­te­res Denk­mal gesetzt, wel­ches ihr seit dem 15.12. in eurem Kin­der­zim­mer errich­ten dürft. Zum ande­ren war der größ­te Moment aber auf jeden Fall Die Nor­ma­le Weih­nachts­mes­se im Hei­mat­ha­fen Neu­kölln in Berlin …

Azzi Memo: Die­ses Jahr kamen echt gute Alben auf den Markt – ob Capo, Nimo, RIN oder Kalim. Deutschrap war noch nie so stark wie in den letz­ten zwei Jah­ren. Das war aber noch nicht alles. Da geht noch viel mehr. Aber wenn Haft kommt … dann wer­den sich alle warm anzie­hen müs­sen. Deutschrap posi­tio­niert sich neu. Ob Ber­lin, Frank­furt, Stutt­gart oder Ham­burg. Es gibt vie­le New­co­mer. Für mich gab es nicht den einen Moment für 2017. Es wur­den vie­le Rekor­de gebro­chen und vie­le Kol­le­gen haben den Gol­da­ward bekom­men, was sehr erfreu­lich ist. Ich gön­ne es jedem. Ich freue mich schon auf das neue Jahr!

Chi­ma Ede: Ich muss sagen, dass für mich Trett­mann in allen Kate­go­rien abge­räumt hat. Sein Album fand ich größ­ten­teils echt nice und es ist auch ein­fach schö­ne Musik, die ich ger­ne höre. Der für mich schöns­te Moment war, als er dann beim Neo Maga­zin Roya­le mit dem klei­nen Orches­ter ein paar Songs per­formt hat. Ich hab's ihm in die­sem Moment von Her­zen gegönnt.

Enoq: 2017 neigt sich dem Ende zu und wie jedes Jahr füh­len sich etli­che Blog­ger, Bran­chen­sei­ten und selbst­er­nann­te Musik­ex­per­ten dazu beru­fen, die ver­gan­ge­nen Mona­te Revue pas­sie­ren zu las­sen und ihre ganz per­sön­li­chen High­lights zu küren. In Rubri­ken wie "Bes­ter Künst­ler", "Bes­tes Album", "Bes­ter New­co­mer", "Bes­tes Video" wer­den fach­kun­di­ge Gen­re­lieb­ha­ber dazu auf­ge­ru­fen, ihre Mei­nung durch simp­les Aus­wäh­len ihres Favo­ri­ten aus einer vor­ge­ge­be­nen Lis­te, wel­che auch der geist­reichs­te Nean­der­ta­ler safe ver­steht, kund­zu­tun. Anstatt die­se wie üblich in einer der etli­chen Kom­men­tar­spal­ten zu hin­ter­las­sen, die meist mehr Unter­hal­tungs­wert erlan­gen, als das kom­men­tier­te Video selbst. Selbst­ver­ständ­lich kann man auch bei den Best Ofs und Jah­res­hit­lis­ten sei­ne per­sön­li­che Note in Form eines Kom­men­ta­res hin­ter­las­sen. Der geneig­te Zuschau­er kann sich ein Bild der teil­neh­men­den Wäh­ler­schaft machen, wenn er sich in gewohn­ter Manier durch geis­ti­ge Hin­ter­las­sen­schaf­ten à la "JBG3 IHr HHu­Renn­sö­ne" oder "Doit­schrap kan sich fik­ken" scrollt. Der ein oder ande­re Nach­hil­fe­leh­rer dürf­te sei­nen ehe­ma­li­gen Schütz­ling anhand sei­nes Slangs direkt wie­der­erken­nen … Ich möch­te bewusst kei­nen bes­ten Künst­ler oder ähn­li­ches wäh­len, da Musik für mich immer vom Moment abhän­gig ist, in dem ich die­se höre. Grund­sätz­lich gebe ich jedem Song eine Chan­ce, sei­nen Weg in mein Ohr, viel­leicht sogar in mein Herz, zu fin­den. Die meis­ten musi­ka­li­schen Hin­ter­las­sen­schaf­ten kom­men aller­dings nicht ein­mal über den ers­ten Part und ver­stum­men in der Regel vor der Hook. Nichts­des­to­trotz gab es in die­sem Jahr zwi­schen pein­li­chen Rap­beefs mit Groß­fa­mi­li­en, schein­bar end­los wir­ken­den Standard-​Trap-​Songs von Schul­ab­bre­chern in Fuß­ball­tri­kots und mit Gucci-​Umhängetäschchen – mit dem gefühl­ten Voka­bu­lar eines Vor­schul­kinds – und Kos­tüm tra­gen­den Faschings­rap­pern, die auf Car­li­to Bri­gan­te machen, ein paar musi­ka­li­sche Ergüs­se, die bei mir hän­gen geblie­ben sind. Anfang des Jah­res dropp­te ich mit "Zu schön um klar zu sein" mei­nen ers­ten Lang­spie­ler, wel­cher für mich mein per­sön­li­ches musi­ka­li­sches High­light 2017 dar­stellt. Ich ver­teuf­le nie­man­den, der ande­rer Mei­nung ist. Geschmä­cker sind bekann­ter­ma­ßen und zum Glück ver­schie­den. Allem vor­an freue ich mich sehr über das neue T9-​Album "Plas­tik aus Gold". Tor­ky Tork und Doz9 sind für mich ein per­fekt ein­ge­spiel­tes Team und ich hal­te gro­ße Stü­cke auf die­se bei­den – in mei­nen Augen Aus­nah­me­ta­len­te! Zudem freue ich mich, dass der Boy Dex­ter aus sei­nem Pro­du­zen­ten­ka­buff auf fly­en Socken ans Mic steppt. Hash­tag Top­typ! Die Hook, die mir per­sön­lich den größ­ten Ohr­wurm in die­sem Jahr bescher­te, kam von Bonez MC, RAF Camo­ra, Trett­mann und Bau­sa mit dem Song "Bei Nacht": "Heu­te Hono­lu­lu Baby, mor­gen Paris …" In den Genuss, das von allen so sehr gehyp­te Trettmann-​Album zu hören, bin ich bis dato noch nicht gekom­men. Aller­dings fin­de ich sei­nen Song "Grau­er Beton" wirk­lich sehr stark und gön­ne dem alten Hasen all die Lob­prei­sun­gen, die der­zeit auf ihn nie­der­pras­seln. Sei­ne Zusam­men­ar­beit mit Kitsch­Krieg ergibt eine musi­ka­lisch per­fek­te Sym­bio­se und bil­det in mei­nen Ohren eine neue Sound­äs­the­tik, die eine will­kom­me­ne Abwechs­lung zu den der­zeit eher ein­heit­li­chen Trap-​Nuancen ist. BRKN hat mit dem Stück "Ein­zim­mer­vil­la" einen gei­len Song inklu­si­ve Video kre­iert, der mich eben­falls ange­spro­chen hat und hän­gen­ge­blie­ben ist. Der Typ macht für mich den Unter­schied zwi­schen einem Rap­per und einem Musi­ker. Einer der für mich größ­ten Sym­pa­thie­trä­ger in die­sem Gen­re ist Pedaz. Ich fei­er' sei­ne Pott-​Attitüde und der Song "23 Km/​h" hat mich sehr zum Schmun­zeln gebracht. Vom Vibe her hat mich der Scheiß von Fid Mel­la & Jamin gecatcht. Den Song "Civic" und ihr gemein­sa­mes Album kann ich wirk­lich sehr emp­feh­len. Shit iz dope! Die Brü­der Mäd­ness & Döll haben mit "Ich und mein Bru­der" eben­falls ein gei­les Album gezau­bert. Die Jungs sind nicht nur pri­vat mehr als duf­te Typen, sie zer­rei­ßen live wie kaum ein ande­rer und sind Rap von der Soh­le bis zum Schei­tel! Was den Stree­tre­al­ness­fak­tor angeht, gefal­len mir die Sachen von Haze. Der Typ kommt nicht nur sym­pa­thisch rüber, ich nehm' ihm den Scheiß auch ab, den er zu Papier bringt. Am meis­ten über­rascht und gefreut hat mich die Ankün­di­gung von dem Atzen Brenk Sina­tra, der in die­sem Jahr mit einem Urge­stein des Ami Rap – MC Eiht – ein Bom­ben­al­bum abge­lie­fert hat und an einem gemein­sa­men Pro­jekt mit Said arbei­tet. Das Ding wird Feu­er! Ich muss an die­ser Stel­le noch OG Kee­mo erwäh­nen. Sein Vibe und Hun­ger ist genau das, was man heut­zu­ta­ge lei­der häu­fig ver­misst. Deli­very gepaart mit Kön­nen! Im Übri­gen waren da noch Lak­mann, Mega­loh, Ahzum­jot, Chi­ma Ede, Cashmo, Syla­bil Spill, Retro­gott, Shacke One, Qua­me und Team Avant­gar­de, um nur ein paar zu nen­nen, die die­ses Jahr ein paar gei­le Din­ger abge­ris­sen haben und in Zukunft mit Sicher­heit noch von sich hören las­sen wer­den. Zu guter Letzt möch­te ich jedem, der die­sen Mann noch nicht kennt, Maxat ans Herz legen. Der Typ hat mich von Grund auf über­zeugt. Sowohl musi­ka­lisch, als auch mensch­lich. Sein Album "Zu Fuß" kann ich jedem, der auf guten, ehr­li­chen Rap steht, mit bes­tem Gewis­sen emp­feh­len. Sup­por­tet den Mann. Er und eure Ohren haben es mehr als ver­dient! In die­sem Sin­ne: Deutschrap ist bei Wei­tem nicht tot, auch wenn das eini­ge böse Zun­gen behaup­ten. Er fängt gera­de erst an, sei­ne Viel­sei­tig­keit unter Beweis zu stel­len, auch wenn das manch­mal schwer zu glau­ben ist bei all dem Ein­heits­brei, der größ­ten­teils den Weg in unse­re Laut­spre­cher fin­det. Macht was euch gefällt und nicht der brei­ten Mas­se. Seid real zu euch selbst und habt Respekt vor­ein­an­der. Ich bin gespannt auf 2018 und freue mich auf neue Ohr­wür­mer, ungläu­bi­ges Kopf­schüt­teln und vor allem gute Musik! Kommt gut ins neue Jahr und passt auf euch auf!

Felix Krull: Für mich war das High­light 2017 defi­ni­tiv das splash!, auf dem ich völ­lig über­ra­schend Sido und Savas in die Arme gelau­fen bin und bei­de eupho­risch mein­ten, dass sie mei­ne Musik total fei­ern. Ich habe mir frü­her als Tee­nie immer vor­ge­stellt, wie ich mit den gro­ßen Stars abhän­ge und sie um Rat fra­gen kann etc. (grinst) Also no homo, aber ich hab' damals sogar echt mal geträumt, wie ich mit Sido und 50Cent chil­le und so – der Augen­blick war dem­nach irgend­wie total sur­re­al und einer der ganz gro­ßen Momen­te mei­nes Lebens. On top hat mein Feature-​Song "End­ma­gna­ten" mit Prinz Pi den sel­ben Stel­len­wert, das kann ich auch immer noch nicht ganz fas­sen! Für mich geht ein magi­sches Jahr zu Ende und ich bin mega gespannt, was 2018 alles bringt. (lächelt)

Füf­fi: 2017 gab es ja super viel Kram, aber nach­hal­tig hat mich am meis­ten die­ses Dis­sy­the­kid "Fynn" EP-​Film-​Projekt beschäf­tigt. Von den Sounds über die fil­mi­sche Pro­duk­ti­on bis hin zum mis­an­thro­pi­schen Mind­sta­te hat das krass in mei­ne 2017er-​Stimmung gepasst. Defi­ni­ti­ver Game­ch­an­ger. Den alles ver­än­dern­den Deutschrap­mo­ment 2017 gab es für mich glaub' ich nicht so wirk­lich. Aber ich fin­de es über­wit­zig, dass sich Mau­li und Stai­ger gefun­den haben. In einer idea­len Welt ver­die­nen die bei­den ihre eige­ne Netflix-​Serie. Eine der wich­tigs­ten Deutschrap-​Persönlichkeiten in mei­nem pri­va­ten Kos­mos ist defi­ni­tiv Kex Kuhl. Abge­se­hen von sei­nen beacht­li­chen Kümmerer-​Skills, wenn man sich zum Bei­spiel auf dem splash! ein biss­chen zu sehr gegönnt oder im Prince Charles die fal­schen Leu­te ange­pö­belt hat, hat mich die­ses Jahr nichts so kon­se­quent unter­hal­ten wie sei­ne Instagram-​Storys! Abso­lu­tes High­light, als er von einer Fle­der­maus in sei­nem Wohn­zim­mer ange­grif­fen wur­de. Kex Kuhl ist qua­si einer der weni­gen Grün­de, war­um ich mor­gens über­haupt die Moti­va­ti­on ent­wick­le, mein Smart­pho­ne anzu­schal­ten. Dan­ke dafür!

Galv: Das abso­lu­te High­light ist für mich "Cam­pur", das zwei­te Album von DJ Holz­kra­wat­te und sei­nem Bro­ther Samu­el Anto­ni­us – bei­de 22 Jah­re jung! Das Ding erstreckt sich gen­re­über­grei­fend über Jazz, Dub, House und Funk und ist in kom­plet­ter Eigen­re­gie der jun­gen Musi­ker pro­du­ziert und auch releast wor­den. Dahin­ter steckt so viel Talent und pure Moti­va­ti­on … völ­lig out­stan­ding! Außer­dem hat Aus­nah­me­ta­lent Tupam­a­ru end­lich sei­nen ers­ten 16er auf Vinyl dar­auf ver­ewigt und mein gelieb­ter DJ Roo­kie das Intro zer­cut­tet. Galv-​Features sind auch zwei drauf. Auf 300 Stück limi­tiert und nur bei den Jungs abzu­grei­fen, defi­ni­tiv ein Future Classic!

grim104: Wel­ches Album hat das Jahr 2017 am meis­ten geprägt? Das prä­gends­te Album ist wahr­schein­lich Kendrick Lamars "DAMN", aber weil das alle sagen, ist es natür­lich Jay Zs "4:44". Liegt natür­lich dar­an, dass ich eh ein Jay Z-​Fan bin – im Sin­ne von "Fin­de ich cool, aber frag mich jetzt bit­te nicht nach mei­ner Lieb­lings­li­ne auf 'Blue­print'" – und, dass er mit "4:44" ein schö­nes, nack­tes, ehr­li­ches Album gemacht hat, das zwar immer noch die­sen Business-​Swagger hat, sich aber auch mit der Welt außer­halb beschäf­tigt. Der schöns­te Moment ist der absur­de Dia­log zwi­schen DJ Aka­de­miks und den Migos, der in 100 Jah­ren als Thea­ter­stück auf­ge­führt wer­den wird:
"I ain't left off Bad and Bou­jee … You think I'm left off Bad and Boujee."
"Say again?"
"You say, I'm left off Bad and Boujee."
"What you say?"
"You say, I'm left off Bad and Boujee."
"Yeah!"
"Do it look like I'm left off Bad and Boujee?"
Per­sön­lich­kei­ten des Jah­res sind Manu­ell­sen wegen radi­ka­ler Unver­söhn­lich­keit und Fler wegen radi­ka­ler Versöhnlichkeit.

John Known: Mein Album des Jah­res ist Dex­ters "Haa­re nice, Socken fly". Die Leich­tig­keit, die die Plat­te mit sich bringt und die unwi­der­steh­li­che Nah­bar­keit, die ein­her­geht mit den Tracks, hat end­lich mal ehr­li­che, unver­schnör­kel­te, posi­ti­ve Vibes unter die Leu­te gebracht. Lan­ge kei­nen Song mehr so oft auf Dau­er­schlei­fe gehört wie "Rob­by Bub­ble". Ich glau­be, beein­flusst hat die Plat­te mich den­noch recht wenig, Beats waren eh mein Geschmack, Dex­ter ist kein mir unbe­kann­ter MC, aber auch gene­rell gab's 2017 nichts, was ich nicht auch schon pro­biert habe mit mei­ner Musik. Ein wahr­lich gro­ßer Ein­fluss waren mei­ne Pro­du­zen­ten, die ihr Game in die­sem Jahr wei­ter fes­tig­ten und mir unglaub­li­che Grund­la­gen bezie­hungs­wei­se Beats gelie­fert haben. Unter­hal­tend hin­ge­gen fand ich die JBG-​Promophase, die irgend­wo zwi­schen RTL2-​Humor und gna­den­lo­ser Kon­ti­nui­tät ein­fach da war. Ich wür­de nie behaup­ten, ich wür­de mich an Boss und Ban­ger ori­en­tie­ren, was die Musik angeht – aber sie beherr­schen das Promo-​Game recht gut! Bemer­kens­wert fand ich, mit wel­cher Kraft Ham­burg für Deutschrap rele­van­ter denn je gewor­den ist, ohne an frü­he­re Szene-​Vorreiter anzu­knüp­fen. Natür­lich haben die alten Hasen hier und da noch ihre Fin­ger im Spiel, aber der Wind weht frisch! Ach, und 2018 ist John Known.

John­ny Kathar­sis: Wel­ches Deutschrap-​Album hat für mich per­sön­lich das Jahr 2017 geprägt? Puh. An ande­rer Stel­le habe ich gesagt, dass ich das Shacke One-​Album gut fin­de. Aber ich will ja nicht immer das Glei­che erzäh­len. Ich habe mich sehr gefreut, dass Gos­sen­boss mit Zett 2017 ein Album raus­ge­bracht hat. Mit "100 Kilo schlech­ter Rap" und sei­nen ande­ren Hits ist er dann auch zusam­men mit Des­troy Degen­hardt getourt. Auf der Tour habe ich hin und wie­der Sup­port gemacht. Das war immer gut. Vie­le, vie­le amü­san­te Men­schen. "100 Kilo schlech­ter Rap" ist übri­gens kom­plett von Mon­kay pro­du­ziert. Ein sehr guter Pro­du­cer aus Dres­den, mit dem ich zusam­men eines mei­ner Fav-​Alben raus­ge­bracht habe: "Kathar­sis & Mon­kay – 1984". Der prä­gends­te Moment 2017 war für mich Sta­ge­di­ven in Leip­zig. Bestimmt auf 'nem Gossenboss-​Konzert. Kann mich an den Rah­men nicht mehr genau erin­nern. Viel ver­schim­mert in letz­ter Zeit. Aber gern gehe ich auch in die Inter­net­rea­li­tät. Dann wür­de ich sagen, der Moment, in dem ich auf "Hei­kos Welt" gesto­ßen bin. Fragt nicht, seht's euch selbst an. Das waren jetzt nur posi­ti­ve Momen­te. Nega­ti­ver Moment: Als einer mei­ner Lieb­lings­rap­per dann auch was mit Trap pro­biert hat. Zurück zum Posi­ti­ven: Als mir Ste­ri­lO­ne aus Wien – Staub Audio Engi­nee­ring – das Mas­ter mei­nes Band­al­bums "Ele­fan­ten" geschickt hat. Alles in super Sound und fer­tig fürs Press­werk in Leip­zig. Gleich­zei­tig kam noch das fet­te Cover der Plat­te von Jes­si, der Lay­ou­te­rin. Und die prä­gends­te Per­sön­lich­keit war Paw­cut. Ein­fa­cher Grund: Paw­cut macht sehr gute Musik. Er hat so viel guten Stuff am Start. Was er allein schon an Solo-​Releases raus­ge­hau­en hat. Wirk­lich geil. Und dann fin­det man ihn dau­ernd in irgend­wel­chen Credits als Mas­ter, Mix oder sonst was von Plat­ten, die man gera­de fei­ert. Und dann frag' ich ihn danach und er so: "Ja, da war ich auch dabei." Checkt ihn ein­fach auf Spo­ti­fy ab und dann kauft sei­ne Sachen in Anfassgröße.

Jonas Pla­tin: Das bes­te Album hat mit Abstand Cro abge­lie­fert. Das ist musi­ka­lisch ein­fach so gut durch­dacht und mei­len­weit von allem, was je im Deutschrap gedroppt wur­de, ent­fernt, dass ich mich ernst­haft fra­ge, wie ein ein­zel­ner Künst­ler sowas zu Stan­de bekommt. Man beden­ke, dass er laut eige­ner Aus­sa­ge alles selbst pro­du­ziert hat. Einen Top-​Moment habe ich nicht. Hal­te vor allem die­se Streiterei-​Versöhnungs-​Geschichten hin­ter den Kulis­sen für Promo-​Schwachsinn. Der Rap­per mit dem größ­ten Impact war defi­ni­tiv RIN. Auch wenn mich sein Album ins­ge­samt nicht über­zeugt hat, waren die meis­ten Single-​Auskopplungen so gut und zurecht gehy­pet, dass er sei­nen kom­plett strai­gh­ten und mini­ma­lis­ti­schen Style in ganz Deutsch­land eta­blie­ren konnte.

Juse Ju: Ufo361 hat mei­ner Mei­nung nach den größ­ten Kra­ter in 2017 hin­ter­las­sen. Klar hat­te er sei­nen ers­ten Hype schon 2016, aber 2017 war wirk­lich … jaja­ja­ja­ja­ja­ja­ja­ja­ja­ja … ja. Ful­mi­nant an ihm ist, dass er Straßen-​Chabs, Trap-​Kids und Alt-​HipHopper glei­cher­ma­ßen mit sei­nem dazed'em Sound und sei­nem ver­bal­ler­tem Style abge­holt hat. Und dann noch jedes Video wie ein Hero­in getränk­ter Rockstar-​Traum. Das is ill. Das hat seit Haft­be­fehl kei­ner mehr geschafft. Mei­nen HipHop-​Moment hat­te ich die­ses Jahr beim DLTLLY Tit­le Match zwi­schen Nedal Nib und Lyri­co im Lido in Ber­lin. Nach den ers­ten zwei Run­den hät­te ich schwö­ren kön­nen, dass Lyri­co das Ding holt. Dann packt Nedal in der drit­ten Run­de eine per­sön­li­che Schie­ne aus, die ich nicht von ihm erwar­tet hät­te und dreht das Ding noch aus der Ser­pen­ti­ne zum Sieg. Schaut es euch auf You­Tube an. Das bes­te Album ist für mich das, das ich am meis­ten gehört habe und das war – Ach­tung: Lang­wei­lig! – Trett­mann "#DIY". Aber was soll man machen? Grown Man Swag. Ich mag das. Trotz­dem Props auch noch an Negro­man für "Sequel" und an Celo & Abdi für "Dia­spo­ra". Ach ja und Mr. Schna­bel hat­te ein star­kes Come­back … Spaaaß! (lacht)

KAAS: Für mich war das High­light Trett­manns "#DIY". Super Plat­te! Stimmt alles.

Lak­mann: Mich hat schon lan­ge kein Album mehr in mei­nem Stil geprägt. Ich den­ke, dass ich mei­ne Selbst­fin­dungs­pha­se abge­schlos­sen habe und mich nur noch in klei­nen Berei­chen wei­ter ent­wi­ckel'. Aber um mög­lichst nah dran zu blei­ben, kann ich sagen, dass ich alle Vide­os von Kalims "Thron­fol­ger" gese­hen und sei­ne Songs am meis­ten geklickt habe. Die alten Sachen auch, aber die neu­en eben­so. Trotz­dem hat es mich nicht geprägt, son­dern gefreut. Wel­cher Moment war für mich beson­ders ein­präg­sam? Ich schät­ze mal aus musi­ka­li­scher Sicht, ja? Dann kann ich die Untouch­a­ble und Lak­mann Relea­se­par­ty nen­nen sowie zig ande­re Kon­zer­te. Sor­ry, die­ses Jahr ging so schnell rum, dass ich even­tu­ell erst in ein bis zwei Jah­ren bes­ser resü­mie­ren kann. Und wel­che Per­sön­lich­keit der Deutschrap­sze­ne des Jah­res 2017 für mich am ein­prä­gends­ten war? Hä? Say whaaaaat?! Ich fand es klas­se von Sig­gi und Savas, dass die mich bei Roy­al Bun­ker gefea­turet haben und ver­brin­ge ger­ne Zeit mit ihnen. Die sind ham­mer­lus­tig, gera­de in der Kom­bo. Und auch hier gilt, wie in der ers­ten Fra­ge, dass ich zu alt bin, als dass mich noch jemand beson­ders prägt … Im Gegen­teil: Ich fin­de, dass Sav, Sido, aber auch ich jeder auf sei­ne Wei­se die jün­ge­ren Leu­te beein­flusst … oder auch nicht. Nichts ist schlim­mer als Unmündigkeit.

LGo­o­ny: Für mich haben die­ses Jahr ganz klar Kitsch­Krieg und Trett­mann geprägt. Es ist super erfri­schend zu sehen, dass sich gute Musik auch heu­te noch durch­set­zen kann und das ganz ohne rie­sen Image­kam­pa­gne, Pro­mo, Club­song oder Label. Sogar mit nur einem ein­zi­gen Musik­vi­deo. Ich durf­te selbst Zeu­ge der Arbeits­wei­se sein und war sehr fas­zi­niert, dass das alles in einer WG ent­steht. Auf­nah­men in der Abstell­kam­mer. Moni­tor­bo­xen im Küchen­re­gal und so wei­ter. Umso mehr freut es mich natür­lich, dass es so läuft bei ihnen. Ich fin­de auch geil, dass sie die­ses Premiumboxen-​Ding wie­der zurück an den Ursprung gebracht haben. Näm­lich gei­ler Mehr­wert für den Fan und nicht Mit­tel zum Zweck für eine gute Chart­plat­zie­rung. Denen ist das egal und sie ver­kau­fen die Box ein­fach in ihrem eige­nen Shop, was gar nicht für die Charts zählt. Ich den­ke, dass das, was sie die­ses Jahr gemacht haben, vie­le Artists moti­vie­ren wird, mal wie­der mehr Risi­ko ein­zu­ge­hen. Und sie sind der leben­de Beweis, dass man nicht bei einem Label signen muss, um erfolg­reich zu sein und, dass man nicht Gold gehen muss, um rele­vant zu sein. Das alles macht "#DIY" zu einem der wich­tigs­ten deut­schen Relea­ses der letz­ten Jahre.

Marz: Post Malo­nes Album "Stoney" kam zu spät für den Rück­blick 2016, daher nehm' ich's in die­sem Jahr rein. Zumal mir auf Alb­um­län­ge auch nicht viel ein­fällt. Trett­mann muss man nicht noch­mal nen­nen, "Im Modus" war nur ein Mix­tape und Kendrick ist mehr als ein Album des Jah­res. Beim Moment pend­le ich zwi­schen dem Isaiah Rashad-​Konzert in FFM im April, dem splash!-Wochenende und eini­gen groß­ar­ti­gen Momen­ten, die wir bei Auf­trit­ten oder auf Tour mit der Band erle­ben durf­ten. Zu ers­tens: Aus­nah­me­künst­ler mit bes­ter Live­an­sa­ge bis­lang. Zu Zwei­tens: Sehr gelun­ge­nes Jubiläums-​splash! mit mei­nem per­sön­li­chen Fan­boy­mo­ment wäh­rend der Nas-​Show. Zu Drit­tens: Danko! Die Per­sön­lich­keit 2017 ist für mich Lak­mann, ein­fach weil er ist, wie er ist. So ein Ori­gi­nal tut dem gan­zen Spiel­chen schon sehr gut. Er hat jetzt, wenn ich mich nicht irre, in vier Jah­ren vier Alben raus­ge­bracht, stei­gert sich auf Plat­te wie auch Live immer noch und wird wohl auch nicht damit auf­hö­ren, soweit ich weiß. (grinst)

Mau­li: Die Wahl zum Album des Jah­res fiel nicht leicht, aber letz­ten Endes fiel sie auf SERO – "Future" oder "Holy". Weiß nicht mehr genau, wie es hieß, nur noch, dass es sei­ner Zeit total vor­aus war und die meis­ten Kri­ti­ker wahr­schein­lich noch fünf, sechs Jähr­chen dar­an knab­bern wer­den. Defi­ni­tiv ein Geheim­tipp, den man im Auge behal­ten soll­te. Der Moment des Jah­res ist noch gar nicht so lang her. Ich saß Anfang Okto­ber beim legen­dä­ren Trash­Mon­day – #Trash­Mon­day – und hör­te nichts Böses ahnend das wohl bes­te, per­sön­lichs­te, aber auch här­tes­te Album aus Ekos bis­he­ri­ger Kar­rie­re: "König von Deutsch­land". Wäh­rend des Tracks "Der Bes­te" fie­len bereits in den ers­ten zwei Parts alle Kinn­la­den im Raum run­ter, weil Eko es nicht nur schafft, alle Rei­me auf "Mai Tai" in einem Part – 1. Part – unter­zu­brin­gen, son­dern auch einen völ­lig wil­den Buch­sta­bierstyle erfin­det – 2. Part. Als dann auch noch der drit­te Part rein­klatsch­te und ich nach zwei Zei­len bemerk­te, dass er nicht, wie vor­erst gedacht auf tür­kisch rappt, son­dern R-​Ü-​C-​K-​W-​Ä-​R-​T-​S, wuss­te ich: Mein Deutschrap­mo­ment 2017 fin­det soeben statt. Da man sich bei der Per­sön­lich­keit des Jah­res 2017 zwi­schen Bau­sa und RIN ent­schei­den muss, neh­me ich RIN. Ich find' Bau­sa zwar musi­ka­li­scher und fand sein Album auch bes­ser als RINs, aber er hat sich das Jahr ein­fach geschnappt und es war unmög­lich für ein­ge­fleisch­te Clubszene-​It-​Boys wie mich, um sei­ne Songs im Club her­um­zu­kom­men. Find's eine enor­me Leis­tung auf einem Album 7/​8 Songs zu haben, die garan­tiert auf jeder HipHop-​Party auf­ge­legt wer­den. Daher mei­ne Per­sön­lich­keit des Jahres.

Nura (SXTN): An Sil­ves­ter bin ich zu Mel­beatz gezo­gen, die noch 'n Zim­mer frei hat­te bei sich und seit dem Tag hat sie so krass mein Leben ver­än­dert. Sie ist mein Men­tor, mei­ne bes­te Freun­din, mei­ne Schwes­ter und die stärks­te Per­son, die ich ken­ne. Wir sind auf einer Wel­len­län­ge, viben zusam­men und haben bei­de den­sel­ben Humor. Ihre Mei­nung ist mir sehr wich­tig, sie ist unglaub­lich talen­tiert und wir kön­nen auch noch zusam­men Mucke machen. Old­school trifft New­school und wird unschlagbar.

ODMGDIA (stell­ver­tre­tend Dol­lar John): Eigent­lich hören wir bei­de echt sel­ten Deutschrap. Eigent­lich fast nur, wenn einer aus unse­rem Bekannten- oder Freun­des­kreis etwas ver­öf­fent­licht. Den­noch habe ich mal geguckt, wel­ches Deutschrap-​Release bei mir die meis­ten Klicks die­ses Jahr hat­te. Neben einem revo­lu­tio­nä­ren Album namens "Eat Shit Or Try Dying", wel­ches ich mal außen vor gelas­sen habe, kam bei mir an zwei­ter Stel­le Kalims "Thron­fol­ger". Recht vie­le Fea­tures, aber ein sau­gei­ler Kalim, den ich bis­her so noch nicht kann­te. Ein spe­zi­el­ler Moment fällt mir nicht ein, aber ich den­ke mal, dass die Top Fünf aus­schließ­lich Momen­te aus der Instagram-​Story von Bonez waren. "Her­aus­ra­gends­te Per­son" ist auch wie­der eine schwe­re Fra­ge. Aber ich den­ke, auch hier sind es die Jungs von 187. Ich hab' die anfäng­li­chen Sachen vor min­des­tens zehn Jah­ren mega abge­fei­ert, wie glaub' ich jeder aus Ham­burg, der damals irgend­was mit Graf­fi­ti und Hip­Hop am Hut hat­te. Mitt­ler­wei­le hör' ich eher ver­ein­zelt mal einen Track. Man muss schon sagen, auch wenn es abge­dro­schen klingt, dass die Jungs sich echt nicht ver­än­dert haben. Bezüg­lich unse­rer Musik waren übri­gens die cools­ten Momen­te der splash!-Auftritt mit Kex Kuhl, der Support-​Auftritt bei Kara­te Andi, bei dem wir end­lich mal wie­der ein paar neue Sachen zei­gen konn­ten, die auf dem kom­men­den Album zu hören sind. Shou­tout an die beiden.

OG Kee­mo: Neben unse­rem eige­nen ers­ten Release war für uns Kalims "Thron­fol­ger" das kras­ses­te Album des Jah­res. Mie­se Beats und dass der Kerl rap­pen kann, ist schon seit "5 Kro­nen" klar. Irgend­wie so das Album, das man sich von Kalim gewünscht hat. Ein biss­chen ent­täuscht waren wir von RINs "Eros". Irgend­wie hat es sich so ange­fühlt, als wäre die gan­ze Lei­den­schaft und Zeit nur in die Sin­gle­aus­kopp­lun­gen geflos­sen und die rest­li­chen Songs wur­den – husch, husch – noch hin­ge­hau­en, um das gan­ze Album zu fül­len. Ein Tape mit Songs wie "Black­out", "Dizzee Ras­cal Type Beat" und "Dover­street" hät­te gereicht und defi­nitv über­zeugt. 2017 hat Laas Unltd. bei EGJ gesignt. Wenn das nicht das reprä­sen­ta­tivs­te Bei­spiel für ein ver­rück­tes Deutschrap­jahr ist, weiß ich auch nicht.

Pedaz: Cros "tru" ist ein­fach ein neu­es Level an Musik im Deutschrap. Mike, Shnee­zin und Vod­di von den 257ers sind für mich die Per­sön­lich­kei­ten 2017. Sie haben mich ein­fach mit auf ihre Tour genom­men, alles Erdenk­li­che für mich gege­ben … und ein­fach drauf geschis­sen, wie bekannt sie sind oder ob es passt. Bes­te Jungs. Gera­de Jungs. Mei­ne Jungs. Der Moment war Savas' Anruf, ob ich mit auf sei­ne Tour will.

Pil­lath: Um ehr­lich zu sein, gab es kei­nen Moment und kei­ne Per­son, die mir 2017 beson­ders in Erin­ne­rung geblie­ben ist. Aller­dings fand ich das Album "Maxi­mum" von KC und Sum­mer überragend.

Pilz: Mei­ne ers­te eige­ne Tour gespielt zu haben, war in die­sem Jahr mein Lieb­lings­mo­ment. Damit mei­ne ich nicht nur die Kon­zer­te an sich. Ich habe in klei­nen Clubs gespielt und konn­te mei­ne Anhän­ger­schaft ken­nen ler­nen. Mein Lieb­lings­al­bum kommt die­ses Jahr von SXTN. Die bei­den haben die­ses Jahr abge­ris­sen und sich ihren Erfolg ver­dient. Die prä­gends­te Per­son für mich ist auch in 2017 Mar­cus Stai­ger. Ich mag, dass da jemand Teil unse­rer Sze­ne ist – uns also ver­steht – und zeit­gleich sehr aktiv für das Gute kämpft, ohne dabei Men­schen zu ver­ur­tei­len, die das nicht in die­ser Form tun.

Pimf: Den Moment und die Per­sön­lich­keit 2017 möch­te ich ger­ne zusam­men­fas­sen. Lei­der war das in die­sem Jahr für mich ein sehr trau­ri­ger Anlass. Pro­di­gy ist kein deut­scher Rap­per. Aber die­ser Typ hat uns, als gesam­te deut­sche Sze­ne, ein­fach so krass beein­flusst. Pro­di­gy gehört zu mei­nen abso­lu­ten Lieb­lings­rap­pern und Mobb Deep sind, seit­dem ich irgend­wie HipHop-​sozialisiert bin, eine abso­lu­te Kon­stan­te in mei­nem Leben. Ihm gebührt ein­fach eine Erwäh­nung an die­ser Stel­le … Rest in Peace! Am häu­figs­ten hab ich die­ses Jahr wahr­schein­lich "Zu schön um klar zu sein" von Enoq gehört. Auch Dex­ter, Mar­vin Game und Mäd­ness & Döll haben gei­le Plat­ten gemacht. Aber das Special-​Shoutout des Jah­res geht an Cro. Ein wahn­sin­ni­ges Album mit Klassikerpotenzial.

Tes­to: Wel­ches Album hat das Jahr 2017 am meis­ten geprägt? Trett­mann – "#DIY". Wel­cher Moment? Farid und Fler ver­tra­gen sich. Und wel­che Per­sön­lich­keit der Deutschrap­sze­ne? Mr.Wixa der Disskönig.

Tom Tha­ler: Mein Deutschrap-​Album des Jah­res ist "tru" von Cro. Musi­ka­lisch eine unfass­ba­re Wei­ter­ent­wick­lung und gera­de auf Produktions- und Melo­dien­ebe­ne auf einem eige­nen Level. Ich hab' mir gedacht, dass er neue Wege gehen wird, aber dass er so krass ablie­fert, hät­te ich nicht erwar­tet. Ich bin ein gro­ßer Fan von epi­schen Konzert-​Intros. Da war für mich der Beginn der Casper-​Stadion-​Show zu "Lang Lebe Der Tod" ganz weit vor­ne. Außer­dem natür­lich das Sier­ra Kidd-​Hotbox-​Interview. Gro­ßes Kino. Eine der span­nends­ten Ent­wick­lun­gen die­ses Jahr hat für mich Bau­sa hin­ge­legt. Vom Sze­ne­tipp zum Num­mer Eins-​Künstler in 'nem hal­ben Jahr ist schon 'ne Haus­num­mer. "Was du Lie­be nennst" fei­er ich null, aber "Baron" und "Trop­fen" gehö­ren für mich zu den Tracks des Jah­res. Er hat halt auch musi­ka­lisch rich­tig was auf dem Kas­ten. Den wer­den wir alle noch lan­ge hören, denk' ich!

Trett­mann: Deutschraps Album des Jah­res kann ich nicht sagen, war für mich nicht da. Ich habe Tracks gefei­ert, aber gan­ze Alben nicht. Inter­na­tio­nal war es SZA – was für ein ver­dammt gutes Album, Wahn­sinn. Es wächst für mich mit jedem Hören nach wie vor wei­ter. Mein Rap­mo­ment des Jah­res war einer, an dem ich betei­ligt war, bezie­hungs­wei­se bei dem dabei sein durf­te. splash! 2017: Gzuz, Kitsch­Krieg und ich schrei­ben die feh­len­den Parts zu "Knö­chel­tief" gemein­sam am See in Fer­ro­po­lis und neh­men das Ding dann direkt im splash!-Mag/Casio G Shock-​Studio auf. Gän­se­haut. Bis heu­te. Ganz beson­de­rer Moment für mich und mei­ne Kar­rie­re. Deutschrap 2017 gehör­te sowas von Bonez MC. Da kam und kommt kei­ner dran vor­bei. Ich glau­be, die Leu­te ver­ken­nen manch­mal ein biss­chen, was für ein groß­ar­ti­ger Künst­ler und Geschäfts­mann Bonez ist. Bes­ter Typ.

Waving The Guns: Wir haben wäh­rend des ver­gan­ge­nen Jah­res eine Men­ge Zeit im Auto ver­bracht und dadurch Zeit genug gehabt, viel Musik zu hören. Dau­er­bren­ner waren "Sam­pler 4" von der 187 Stras­sen­ban­de und – wie schon im letz­ten Jahr – "Apo­ka­lyp­se Jetzt" und "Kapi­ta­lis­mus Jetzt". Durch die Men­ge der Live-​Auftritte ist es auch ziem­lich schwie­rig für uns, einen ein­zel­nen, sprich "den" Moment 2017 für uns fest­zu­le­gen. Daher sagen wir mal, wird mor­gen (Anm. d. Red.: gemeint ist der 15.12.2017) wohl der bes­te Moment des Jah­res sein, wenn wir im Astra Kul­tur­haus unser bis­her größ­tes Kon­zert spie­len wer­den. Wich­tigs­te Per­sön­lich­keit ist ver­mut­lich Pöbel MC. Er hat uns zusam­men mit DJ Flex­schei­be wäh­rend der bei­den Handfrak-​Touren als Support-​Act beglei­tet und damit maß­geb­lich dazu bei­getra­gen, dass die Liveper­for­mance noch­mal auf ein ganz ande­res Level geho­ben wurde.

3Plusss: 2017 war super­schwach. Zuge­zo­gen Mas­ku­lin, OG Kee­mo, Casper – mehr hab' ich aus dem Jahr nicht län­ger als einen Tag gehört, wenn über­haupt. Die per­ma­nen­te Prä­senz von allen, ob per Musik oder Instagram-​Story, ging mir tie­risch auf die Eier. Hab' die­ses Jahr mehr gese­hen und gehört, als ich eigent­lich woll­te, und es hat fast über­all an Per­sön­lich­keit oder Ideen gefehlt. Und kaum Bereit­schaft etwas zu wagen, obwohl der Kar­ren noch rollt. Auf der einen Sei­te die "Old­school", die auf der Stel­le tritt, das mit "real blei­ben" recht­fer­tigt und sich ewig fett an den Lor­bee­ren ver­gan­ge­ner Tage frisst. Auf der ande­ren Sei­te die "New­school", über­for­dert vom eige­nen Erfolg, visi­ons­los, ohne etwas zu erzäh­len. So fühlt es sich an. Dazwi­schen Rap­me­di­en, die sich immer mehr als Mar­ke ver­ste­hen, und Fans, die jeden Tag neu pro­gram­miert wer­den. Alles sehr sta­tisch und robo­ter­haft. Am aller­schlimms­ten sind die, die sich ganz krampf­haft über Eng­stir­nig­keit auf­re­gen, aber dann doch nur klein­geis­ti­ge Krit­ze­lei­en über sich und ihr Team und ihre Kla­mot­ten und sons­ti­ge Belang­lo­sig­kei­ten hin­krie­gen – ob auf Twit­ter oder im Track. Inter­views hab' ich die­ses Jahr fast kei­ne geschaut. In den aller­meis­ten Fäl­len ent­we­der plum­pe Selbst­dar­stel­lung, mani­pu­la­ti­ve Hirn­wä­sche oder gro­be Zeit­ver­schwen­dung. Ich bin immer noch Fan. Ich will begeis­tert wer­den. Erzähl mir etwas. Irgend­et­was. Von dir. Sag mir nichts, nur weil du denkst, dass ich das hören will. Tu nichts, nur weil du hoffst, dass dann jemand für dich klatscht. Und wenn du bei­des weg­lässt und dann nix mehr bleibt – dann lass es doch, du Spast. Nur so ein Gedanke.

(Kris­tina Scheu­ner, Fabi­an Tho­mas & Lukas Päckert)
(Bil­der von Dani­el Fersch)