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Fabian Römer

Vom rap­pen­den "Wunderkind" im Internet mit viel zu gro­ßem "Mundwerk" hin zum "Studentenrapper" (und das, oh­ne stu­diert zu ha­ben) – und dann? Vier Jahre lang zog si­ch F.R. nach dem Release von "Ganz nor­ma­ler Wahnsinn" zu­rück. Das Jubiläumskonzert an­läss­li­ch ei­ner be­reits zehn Jahre an­dau­ern­den Rapkarriere soll­te ei­ne Art "Abschluss" des al­ten Wegs dar­stel­len. Zu ge­tak­tet war der Releasefluss am Ende und zu ähn­li­ch die letz­ten bei­den Platten. Nun, vier Jahre und ei­nen Namenswechsel spä­ter, mel­de­te si­ch Fabian Römer vor ei­ni­gen Monaten je­doch zu­rück. "Kalenderblätter" heißt sein ak­tu­el­les Album und die mu­si­ka­li­sche Neuorientierung scheint end­gül­tig voll­zo­gen zu sein. Klar, dass der ge­bür­ti­ge Braunschweiger für die­sen mu­ti­gen Schritt nicht nur Lob, son­dern auch Kritik aus den Reihen der Deutschrapszene ern­te­te. Aber ist das, was der frü­he­re F.R. heu­te macht, über­haupt no­ch Rap? "Die Frage stellt si­ch für mi­ch gar nicht", er­klärt der Künstler uns im Interview über sei­ne letz­te Platte. Natürlich ist es das. Und Rap macht glück­li­ch. Warum? Das – und die ein oder an­de­re wei­te­re in­ter­es­san­te Antwort – ent­nehmt Ihr un­se­rem Interview …

MZEE​.com: Ein biss­chen bist du ja der ewi­ge Newcomer Rapdeutschlands. Erst ein "rich­ti­ger Newcomer" als auf­stre­ben­des Gesicht der Deutschrapszene. Dann lan­ge Zeit der jüngs­te er­folg­rei­che Rapper Deutschlands. Und in dem Moment, in dem du qua­si "das rich­ti­ge Alter" für ei­nen an­er­kann­ten Rapper hast, ent­schei­dest du, ei­nen neu­en Weg zu ge­hen, schließt dich jah­re­lang ein und kommst mit neu­er Musik um die Ecke. Das al­les im Zuge dei­ner Selbstverwirklichung in­ner­halb ei­ner klei­nen Szene. Zu Beginn des­halb ei­ne ele­men­ta­re Frage: Macht Rap glück­li­ch?

Fabian Römer: Es macht auf je­den Fall glück­li­ch. Ich wür­de sa­gen, dass je­de Leidenschaft in ir­gend­ei­ner Art und Weise glück­li­ch ma­chen soll­te. Und wenn die­se Leidenschaft, die ein­fach Spaß macht, dann auch no­ch da­zu führt, dass du dei­ne Miete zah­len kann­st, ist sie na­tür­li­ch no­ch schö­ner. Deswegen wür­de ich auf je­den Fall sa­gen, dass Rap glück­li­ch macht. Ich merk' das wit­zi­ger­wei­se auch im Alltag, wenn ich mal zwei, drei Wochen lang kei­ne Musik ma­che und nicht rum­rap­pe, –sin­ge oder kei­ne Studiozeit ha­be. Oder wenn ich ge­ra­de kei­ne Promophase ha­be, in der ich Sachen per­for­me. Das ist wohl so wie bei Leuten, die re­gel­mä­ßig Sport ma­chen, ih­ren Trainingsplan nicht ein­hal­ten und dann mer­ken, dass ir­gend­et­was fehlt. Ich bin dann je­des Mal to­tal er­leich­tert und glück­li­ch, wenn ich wie­der Musik ma­chen kann.

MZEE​.com: Hat das manch­mal schon ei­ne Art Suchtverhalten?

Fabian Römer: Wenn ich jetzt ge­zwun­gen wä­re, ein Jahr lang nichts zu ma­chen, wür­de si­ch das be­stimmt nicht nur kör­per­li­ch, son­dern auch see­li­sch auf mi­ch aus­wir­ken. Aber so rich­tig süch­tig war ich viel­leicht eher bei mei­nen Anfangsschritten, mit 12, 13 Jahren, wo ich mi­ch kom­plett von der Welt ab­ge­kap­selt ha­be. Als ich nur das ge­macht hab', to­tal im Wahn war und je­den Tag Songs ana­ly­siert ha­be. Zu der Zeit hab' ich auch fast je­den Tag ge­free­sty­led. Diese Anfangseuphorie hat si­ch mit der Zeit ein biss­chen ge­legt – das ist auch gut so. Aber na­tür­li­ch bin ich in dem, was ich ma­che, trotz­dem no­ch ein Nerd und das muss man ja auch sein, um's gut und ge­wis­sen­haft aus­üben zu kön­nen.

MZEE​.com: Kommen wir ge­nau­er auf dei­nen neu­en Weg zu spre­chen. Wie lan­ge hast du den Wunsch da­na­ch, dich als Künstler neu zu de­fi­nie­ren, in dir ge­tra­gen, bis du ihn in die Tat um­ge­setzt hast? Gab es ei­nen aus­schlag­ge­ben­den Punkt in die­ser Geschichte, an dem du dir ge­dacht hast: jetzt oder nie?

Fabian Römer: Diesen aus­schlag­ge­ben­den Punkt gab es ei­gent­li­ch nicht, aber ich gu­ck' im­mer von Album zu Album. Nach "Ganz nor­ma­ler Wahnsinn" 2011 hat­te ich ein­fach das Gefühl, dass ich mir mal wie­der ein paar grund­sätz­li­che Fragen stel­len soll­te, weil ich bis da­hin wirk­li­ch ei­nen sehr durch­ge­tak­te­ten Releaserhythmus hat­te. Mit 14 kam mein ers­tes Album und da­na­ch im­mer ein neu­es im Zwei-​Jahres-​Rhythmus. "Ganz nor­ma­ler Wahnsinn" so­gar di­rekt ein Jahr nach dem vor­he­ri­gen. Und ge­ra­de Anfang der 20er ge­hen ja sehr vie­le Leute im­mer auf Reisen oder che­cken an­de­re Sachen aus. Bei mir war das ähn­li­ch. Was ich bis da­hin er­reicht hat­te, woll­te ich mir in die Vitrine stel­len – das "10 Jahre F.R."-Konzert war für mi­ch schon ei­ne Art Abschluss. Eigentlich ei­ne wun­der­schö­ne Zeit, aber auch ein klei­ner Cut, weil ich mir dach­te, dass es Zeit für was Neues wä­re. Nicht im Sinne von: "Ich muss jetzt al­les kom­plett um­krem­peln", weil ich der Meinung bin, dass auch no­ch viel von mei­ner da­ma­li­gen Musik in den neu­en Sachen steckt. Das lässt si­ch auch gar nicht ver­leug­nen. Aber da­durch, dass seit dem letz­ten Album so viel Zeit ver­gan­gen ist, ist es auch lo­gi­sch, dass das jetzt an­ders klingt.

MZEE​.com: Du hast in den letz­ten Jahren nicht nur an dei­ner ei­ge­nen Karriere ge­ar­bei­tet, son­dern dich auch ein we­nig mit Songwriting be­schäf­tigt. Wie bist du da­zu ge­kom­men?

Fabian Römer: Da bin ich ir­gend­wann mal ins kal­te Wasser ge­wor­fen wor­den, weil mein da­ma­li­ger Manager der Meinung war, ich soll­te un­be­dingt mal aus­pro­bie­ren, für an­de­re Leute Sachen zu schrei­ben. Dann kam ich in so ein Songwriting-​Camp. Davor hat­te ich rie­si­ge Angst, weil ich zu­vor im­mer al­lei­ne in mei­nem Kämmerchen Texte ge­schrie­ben ha­be. Aber in dem Moment, in dem man merkt, dass es ei­gent­li­ch to­tal schön ist, si­ch mit Leuten über Sprache und Texte aus­zu­tau­schen, stellt man fest, dass das ei­ne Fähigkeit ist, die man auch für an­de­re ein­set­zen kann. Das macht ex­trem viel Spaß. Ich hab' vor ein paar Tagen er­st mit Chima ge­schrie­ben – das ist ein ge­stan­de­ner Mann und wenn du ne­ben dem sitzt und er dir was aus sei­nem Leben er­zählt, ist das ex­trem viel wert. Beim Songwriting ist es wie bei vie­len an­de­ren Sachen: Es gibt Schattenseiten, wenn du ab und zu merk­st, dass das an si­ch schon kras­se Fabrikarbeit sein kann. Aber es gibt auch ganz schö­ne und na­tür­li­che Seiten.

MZEE​.com: Gerade hast du er­wähnt, dass du es lan­ge Zeit ge­wohnt warst, min­des­tens al­le zwei Jahre ein neu­es Album zu lie­fern und ei­ne Tour zu spie­len. Hast du dich ein Stück weit un­ter Druck ge­setzt ge­fühlt, jetzt wie­der et­was re­leasen zu müs­sen?

Fabian Römer: Klar, wenn man das ei­nem Wirtschaftsanalytiker ge­zeigt hät­te, hät­te der nach ei­nem Jahr auf je­den Fall ge­sagt: "Junge, pass auf, das ist ein schnell­le­bi­ges Geschäft. Mach mal hin." Aber die­sen Druck von au­ßen hab' ich ehr­li­ch ge­sagt we­nig ge­spürt. Natürlich kriegt man ab und zu Nachrichten und liest Kommentare von Leuten, die sa­gen, dass man end­li­ch mal wie­der et­was ma­chen soll. Doch so krass ge­trie­ben ha­be ich mi­ch nicht ge­fühlt. Ich war in der Endphase schon froh, als ich wie­der et­was in der Hand hat­te, weil ich ja auch ewig an den Songs ge­ar­bei­tet hab'. Aber ich ha­be ja nie auf­ge­hört, Musik zu ma­chen – ich hab' ein­fach ex­trem vie­le Demoversionen auf­ge­nom­men und war glück­li­ch dar­über, ir­gend­wann ei­ne Entscheidung ge­trof­fen zu ha­ben. Das ist auch das Geile an der Endphase ei­ner Produktion: Dass du ri­go­ro­ser Entscheidungen triffst als in der gan­zen Phase zu­vor, in der du ein­fach nur ru­mei­er­st. Beim Musikmachen ist es ja nicht so, dass du ein Lämpchen ne­ben dem Computer hast, das ir­gend­wann grün leuch­tet, wenn der Song fer­tig ist. (lacht) Es ist im­mer ei­ne Entscheidung. Du kann­st nicht ra­tio­nal sa­gen, dass ein Song fer­tig ist.

MZEE​.com: Sind wäh­rend der Produktionsphase auch Songs ent­stan­den, die am Ende gar nicht auf "Kalenderblätter" ge­lan­det sind?

Fabian Römer: Ich ha­be schon Songs aus al­len Phasen auf dem Album. Zum Beispiel "Nach dir": Das ist der äl­tes­te, der ist Mitte 2012 ent­stan­den. Den hab' ich ir­gend­wann zwar no­ch mal neu auf­ge­nom­men, aber der ist fast so ge­blie­ben, wie er zu Beginn war. Der neu­es­te Track ist ein, zwei Wochen vorm Mastering ent­stan­den. Ich hab' al­so aus al­len Phasen et­was mit­ge­nom­men. Ich bin ein Recycler und glau­be, dass vie­le Dinger, die ich in der Zeit ge­macht ha­be, so nicht raus­kom­men wer­den, ich aber mit Sicherheit no­ch ein­mal den Kern auf­grei­fe. Wenn ich ei­nen Song ma­che, muss da­für schon im­mer ei­ne Rechtfertigung vor­han­den sein. Manchmal mer­ke ich nach ei­nem hal­ben Jahr ein­fach, dass ich man­ches doch no­ch mal an­ders an­ge­hen könn­te. Aber die Grundideen ver­su­ch' ich schon al­le ir­gend­wann mal raus­zu­hau­en.

MZEE​.com: Hast du wäh­rend dei­ner Karriere als F.R. lan­ge da­mit ge­kämpft, et­was zu ver­än­dern und gab es Ängste, die dich viel­leicht ei­ne Weile da­von ab­ge­hal­ten ha­ben, ei­ne neue Richtung ein­zu­schla­gen?

Fabian Römer: Eigentlich nicht. Mir wird auch im­mer wie­der ge­sagt, dass al­le mei­ne Alben sehr un­ter­schied­li­ch sind. Wenn man si­ch die Sachen an­hört, äh­nelt "Vorsicht, Stufe" viel­leicht no­ch am ehes­ten "Wer bist du?", aber an si­ch sind al­le Alben ziem­li­ch un­ter­schied­li­ch. Jetzt nicht nur we­gen mei­ner Stimmveränderung. Das liegt, glau­be ich, dar­an, dass ich nie ein Album ko­pie­ren woll­te. Deswegen hat­te ich auch nie das Gefühl, ir­gend­ei­ner Rolle ge­recht wer­den zu müs­sen. Gerade, weil man mi­ch auch im­mer so schwer de­fi­nie­ren konn­te. Klar, zu "Rap braucht Abitur"-Zeit war ich viel­leicht mal kurz der Schülerrapper, aber ei­gent­li­ch hat­te ich im­mer ein re­la­tiv schwam­mi­ges Image. Auf mei­nen Alben wa­ren ja im­mer Battlesongs, Themensongs und per­sön­li­che­re Sachen. Deshalb war es wohl schwer, mi­ch in ei­ne Schublade zu ste­cken, der ich dann ge­recht wer­den mus­s­te.

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MZEE​.com: Siehst du dar­in viel­leicht auch ei­nen Nachteil? An si­ch ist es ja gut, viel­schich­tig zu sein, aber die Leute brau­chen oft doch ei­ne Art Image, an dem sie si­ch ori­en­tie­ren kön­nen.

Fabian Römer: Wenn man das aus der Erfolgssicht sieht, ist es ver­mut­li­ch im­mer bes­ser, wenn du je­mand bist, der re­la­tiv leicht zu iden­ti­fi­zie­ren ist. Cro ist da­für ein Paradebeispiel, oh­ne das ab­wer­ten zu wol­len. Da passt al­les zu­sam­men: Man merkt in Interviews, dass er ein lo­cke­rer, jun­ger Dude ist und halt sei­ne Mucke macht. So 'ne Schiene, auf die man mi­ch re­du­zie­ren könn­te und wo man sa­gen könn­te: "Dafür steht F.R.", … das gab's nie und das gibt es auch auf dem ak­tu­el­len Album nicht. Von dem Gedanken, dass das so sein muss, hab' ich mi­ch ir­gend­wann auch ver­ab­schie­det. Manche kön­nen das und wenn das de­ckungs­gleich mit der Person ist, ist's auch geil, aber bei mir ist das schwer mög­li­ch.

MZEE​.com: Auch, wenn al­le Alben von dir bis­her im­mer sehr un­ter­schied­li­ch wa­ren, wa­ren die Vorgänger des ak­tu­el­len Releases zu­min­dest Rap-​lastiger. Dazu hast du nun auch no­ch dei­nen Namen ge­än­dert. Für uns ist das schon ei­ne Art Neuorientierung. Gibt es den al­ten F.R. denn no­ch?

Fabian Römer: Ich will das nicht aus­schlie­ßen. Klar ist das ein wit­zi­ges Gedankenspiel, so ein Alter Ego mit F.R. zu ha­ben, wie ein Marteria Marsimoto hat. Dass ich ir­gend­wann mal wie­der den F.R. aus­pa­cke. Das ist auf je­den Fall ei­ne Möglichkeit, aber wenn du mi­ch jetzt in die­ser Situation fragst, wür­de ich eher nein sa­gen, weil ich die Initialien auch aus ei­nem Grund aus­ge­schrie­ben und die Sachen, die mir ge­fal­len ha­ben, mit­ge­nom­men hab'. Ich bin auch als Fabian Römer in kei­nem Korsett. Vielleicht ist das nächs­te Album auch wie­der ein biss­chen za­cki­ger, was die Raps an­geht, aber ich kann's trotz­dem un­ter Fabian Römer lau­fen las­sen. Das ist das Schöne: Dass ich mir kein an­de­res Pseudonym ge­ben mus­s­te. Ich hei­ße jetzt eben so wie vor­her auch schon und hab' nur die an­de­ren Buchstaben ran­ge­hängt. Natürlich steckt da mehr Veränderung drin als in den vor­he­ri­gen Alben, aber das liegt gar nicht mal an ei­ner be­wuss­ten Entscheidung, son­dern ein­fach dar­an, dass viel mehr Zeit ver­gan­gen ist als zwi­schen den Alben da­vor.

MZEE​.com: Hattest du wäh­rend dei­ner Neuorientierungsphase von F.R. zu Fabian Römer ir­gend­wann mal das Gefühl, dass es viel­leicht doch kei­ne gu­te Idee war, F.R. auf­zu­ge­ben?

Fabian Römer: Ich hat­te mir das schon gut über­legt un­d­vor dem Jubiläumskonzert auch schon an­ge­teasert: "Leider hört si­ch F zum R nicht so schön an, viel­leicht nenn' ich mi­ch bald ein­fach Fabian Römer." Das war 2012 und da war mir schon ziem­li­ch klar, dass ich das ma­chen will. Der Hauptgrund war ein­fach, dass ich F.R. als Namen grau­en­haft fin­de und nie moch­te. Da bin ich tat­säch­li­ch raus­ge­wach­sen. Irgendwann ist man halt in ei­ner Spirale – die Leute ken­nen dich und dei­nen rich­ti­gen Namen und dann denk­st du dir: "Ach, komm …" Aber es ist na­tür­li­ch auch nicht so, dass man je­den Tag auf­wacht und denkt: "Mein Gott, ist das ein scheiß Name." (lacht)

MZEE​.com: Es gab für dei­ne Stiländerung ja nicht nur Lob in­ner­halb der Deutschrapszene. Wie hast du die Kritik an dei­ner mu­si­ka­li­schen Neuorientierung emp­fun­den?

Fabian Römer: Uns als Team war im Vorhinein schon klar, dass es al­le mög­li­chen Reaktionen ge­ben wird. Interessant ist da na­tür­li­ch die Gewichtung: Nehm' ich vie­le Leute mit oder sa­gen sie, dass sie nichts mehr da­mit an­fan­gen kön­nen? Und das hab' ich doch re­la­tiv po­si­tiv wahr­ge­nom­men. Die Leute, auf die man be­son­ders viel Wert legt, sind na­tür­li­ch die, die in der Vergangenheit schon viel in dich in­ves­tiert und auch dei­ne al­ten Alben ge­kauft ha­ben, auf den Konzerten wa­ren und so wei­ter. Da hab' ich schon das Gefühl, vie­le mit­ge­nom­men zu ha­ben. Natürlich sind auch neue da­zu­ge­kom­men und ein paar ab­ge­sprun­gen.

MZEE​.com: Dein ak­tu­el­les Album wirkt stel­len­wei­se sehr au­to­bio­gra­fi­sch. Im Zuge des­sen wür­de ich ger­ne wis­sen, ob du dir de­in all­täg­li­ches Leben in ei­nem Kalender no­tier­st oder gar Tagebuch schreib­st und dar­aus auch Inhalte für dei­ne Texte ent­neh­men kann­st.

Fabian Römer: Ich ha­be nie Tagebuch ge­schrie­ben. Ich ha­be lan­ge auch kei­ne Kalenderkultur am Start ge­habt. (lacht) Mir ist aber auf­ge­fal­len, dass man al­lein durch den Arbeitskalender viel re­kon­stru­ie­ren kann, wenn man da ein biss­chen zu­rück­scrollt. Das ist ja auch wie ei­ne Art Tagebuch – na­tür­li­ch nicht mit ro­man­ti­schen Themen ge­füllt, aber man hat zu­min­dest sei­ne Termine und weiß, was zu der Zeit ge­ra­de an­ge­sagt war. Das hilft meist auch ziem­li­ch viel. Und man darf auch Instagram und Facebook nicht ver­ges­sen. So sehr man die auch schmä­hen kann, ist das für ei­nen sel­ber na­tür­li­ch auch ein gu­ter Rückblick. Je nach­dem, wie au­then­ti­sch man si­ch dar­stellt. (lacht)

MZEE​.com: Du machst wahr­schein­li­ch auch vie­le Fotos auf Tour und hast die dann in dei­nem Handy ein­ge­spei­chert, oder? Das ist ja auch ein gu­ter Rückblick.

Fabian Römer: Total. Ich hab' als Bildschirmschoner auch ganz vie­le Tourfotos von mei­ner Crew aus lang ver­gan­ge­ner Zeit, ge­mischt mit neu­en Sachen. Da freu' ich mi­ch auch nach der Tour wie­der drauf, das auf­zu­sto­cken. Ich selbst bin aber je­mand, der fast nie Fotos macht. Zu Instagram muss ich mi­ch sel­ber knech­ten, aber auch im Urlaub. Selbst wenn ich mal zwei Monate in Thailand bin, schie­ße ich kein ein­zi­ges Foto. (lacht)

MZEE​.com: Apropos au­to­bio­gra­fi­sch: Wie viel Inhalt dei­nes Albums han­delt denn tat­säch­li­ch von dir und wie viel ist aus­ge­dacht oder dreht si­ch um das Leben an­de­rer Personen?

Fabian Römer: Das ist schon haupt­säch­li­ch mei­ne Gefühlswelt. Ich glau­be, es gibt Songs, bei de­nen es ganz of­fen­sicht­li­ch auf der Hand liegt, dass sie au­to­bio­gra­fi­sch sind – zum Beispiel "Zimmer oh­ne Zeit". Es gibt aber auch Songs, von de­nen man den­ken könn­te, die sind mit Absicht all­ge­mei­ner ge­schrie­ben. Aber selbst ein Titel wie "Blauwalherz" ist für mi­ch ex­trem per­sön­li­ch, nur eben in ei­nem Bild ver­packt und des­we­gen auf ei­ne an­de­re Art und Weise an­ge­gan­gen. Und klar gibt's auch vert­rak­te Sachen wie "Kein Mensch mehr", das dann ein­fach Storytelling ist, aber die meis­te Zeit über ist es schon … ich wür­de jetzt nicht sa­gen "au­to­bio­gra­fi­sch", aber an mei­ne Gefühlswelt an­ge­lehnt.

MZEE​.com: Gerade im Rap wird be­son­ders viel Wert dar­auf ge­legt, dass man es "re­al keept", au­ßer es ist of­fen­sicht­li­ch, dass ein Rapper si­ch ein Image aus­ge­dacht hat. Darf man dei­ner Meinung nach Geschichten er­zäh­len, die es so nicht im ei­ge­nen Leben gab und die den­no­ch echt wir­ken?

Fabian Römer: Klar. Soll je­der ma­chen, wie er will. Kunst kennt kei­ne Grenzen – so platt das auch klingt. Punkt.

MZEE​.com: Wie weit fühl­st du dich denn mo­men­tan zur Deutschrap-​Szene zu­ge­hö­rig? Eher we­ni­ger oder gar mehr denn je?

Fabian Römer: Schwierig … Ich war nie ein Szeneheld, der ir­gend­ei­nem Camp zu­ge­hört, son­dern mehr Einzelgänger-​mäßig un­ter­wegs. Ich hat­te na­tür­li­ch mit vie­len an­de­ren Künstlern zu tun und bin cool mit ih­nen, aber ei­ne Außenwahrnehmung hab' ich dar­über nie de­fi­niert. So ist das ei­gent­li­ch im­mer no­ch. Ich glau­be, dass we­ni­ger Stöcke in Ärschen ste­cken als da­mals und hät­te ich so ein Album vor vier Jahren ge­macht, wä­re es viel­leicht no­ch kon­tro­ver­ser ge­we­sen, ob das nun no­ch Rap sei. Aber ich fin­de, es ist ein kras­ses deut­sches Phänomen, in­fra­ge zu stel­len, ob das jetzt ein Rapalbum ist oder nicht. Das ist es für mi­ch auf je­den Fall. Bei ei­nem Drake wür­de man doch auch nie an­zwei­feln, dass er ein Rapper ist. Und wenn er ein Album raus­bringt, ist das halt ein Rapalbum – auch, wenn er 30 Prozent oder no­ch mehr Gesangsanteil drauf hat als ich. Deshalb stellt si­ch die Frage für mi­ch ein­fach gar nicht.

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MZEE​.com: Auf dei­ner Single "Zimmer oh­ne Zeit" er­zähl­st du da­von, wie du dei­ne Jugend mit Rap ver­bracht hast und da­mit, dei­ne ei­ge­ne Musik zu per­fek­tio­nie­ren. Hattest du im Nachhinein je­mals das Gefühl, ei­nen Teil dei­ner Jugend ver­passt zu ha­ben, weil du nicht das ge­macht hast, was "al­le" ma­chen?

Fabian Römer: Auf je­den Fall. Ich konn­te die­ses Nerdtum na­tür­li­ch ein biss­chen kom­pen­sie­ren, weil ich viel un­ter­wegs war. Ich hab' mit 13, 14, 15 schon viel von Deutschland ge­se­hen, des­we­gen konn­te ich nie ein aut­his­ti­sches Kind wer­den, das nur im Zimmer sitzt und kei­nen Kontakt zur Außenwelt hat. Das hat viel auf­ge­fan­gen. (lacht) Aber klar: Ich war nicht auf ir­gend­wel­chen LAN-​Partys oder hab' den ein oder an­de­ren Geburtstag ver­passt. Ich war nie der Außenseiter, aber auch nie der um­trie­bi­ge Klassenheld. Wie ge­sagt: Ich glau­be, dass ich durch die Musik viel auf­fan­gen konn­te und ha­be dar­um auch nicht das Gefühl, no­ch mal ei­ne zwei­te Jugend durch­le­ben zu müs­sen.

MZEE​.com: Aus der be­sag­ten Single stammt auch das fol­gen­de Zitat: "Und komm' ich heut mal zu Besuch, ist hier nichts mehr wirk­li­ch gleich, doch je­der Winkel setzt Erinnerungen frei. Stell' den Wecker vor die Tür, häng' die Uhr von der Wand – dann ist es fast, als würd' es im­mer no­ch so sein." Wenn es das "al­te" Zimmer oh­ne Zeit nicht mehr gibt, das dir laut mei­ner Interpretation ja auch den Platz für de­in krea­ti­ves Schaffen und Sein ge­ge­ben hat – wie bist du dann bei der neu­en Platte vor­ge­gan­gen? Hast du dir ein neu­es Zimmer oh­ne Zeit ge­sucht?

Fabian Römer: Den Platz an si­ch gibt es ei­gent­li­ch nicht. Das ist halt meist mei­ne Wohnung oder das Studio. Ich bin bis zu die­sem Punkt, an dem ei­ne krea­ti­ve Explosion kommt, ein­fach ein Sammler. Ich schreib' gar nicht so viel. Es gibt wirk­li­ch Leute, die si­ch je­den zwei­ten Tag hin­set­zen und ein­fach drauf los schrei­ben, um si­ch auf Trab zu hal­ten. Das könn­te ich über­haupt nicht. Ich bin je­mand, der ganz vie­le Handynotizen hat und ir­gend­wann fü­gen die si­ch zu et­was Schlüssigem zu­sam­men, von dem ich den­ke: Das ist jetzt ei­nen Song wert. Und dann komm' ich bes­ten­falls in ei­nen Rausch und schrei­be ganz schnell ganz viel. Aber das kommt gar nicht so häu­fig vor.

MZEE​.com: Könntest du dich denn da­zu zwin­gen, ein Lied zu schrei­ben? Wenn du dich zum Beispiel mit an­de­ren im Studio ver­ab­re­dest, um ei­nen neu­en Song zu ma­chen?

Fabian Römer: Beim Text ist das schwie­ri­ger, bei der Musik viel in­tui­ti­ver. Das kann­st du im­mer ma­chen. Ich kann mi­ch für mor­gen mit mei­nem Produzenten ver­ab­re­den und sa­gen: "Ey, lass uns doch mal ir­gend­wie flas­hen und Mucke ma­chen". Das ist über­haupt kein Problem. Dann sit­zen wir da, klim­pern ein biss­chen rum und dann ist re­la­tiv schnell in­tui­tiv was da. Manchmal ist es ge­ra­de bei Popkünstlern auch so, dass die ein­fach ir­gend­wel­che Melodien oh­ne Text ein­sin­gen und dann schon mal ein Layout ha­ben. Ein Gefühl von ei­nem Song, ein paar Akkorde und ih­re Gedanken dar­über. Ich mag oft die an­de­re Variante – dass ich zu­er­st ei­ne Zeile ha­be und dann ver­su­che, die in ein Melodiekorsett zu brin­gen. Aber ich kenn' auch ei­ne Menge Leute, die das an­ders ma­chen, ge­ra­de im Amerikanischen.

MZEE​.com: Wie lan­ge reift im Durchschnitt ein Song von dir? Hast du viel­leicht no­ch Texte von vor drei, vier Jahren, die du im­mer­no­ch nicht voll­endet be­kom­men hast?

Fabian Römer: Ja. Das sind dann eben haupt­säch­li­ch Sachen, die ich ir­gend­wann schon mal auf­ge­nom­men ha­be, aber nie von der Umsetzung über­zeugt war. Von de­nen den­ke ich, dass sie ei­gent­li­ch Potenzial ha­ben, aber der Moment no­ch nicht ge­kom­men ist, an dem ich das Rätsel zu 100 Prozent ge­löst ha­be. Aber das ist oft gar nicht mal bei Texten der Fall, son­dern bei Produktionen. Wenn ich mal auf mei­ne Tracklist gu­cke: Bei "Nach dir" ist das ex­trem ge­flutscht. Der Song war in ei­nem hal­ben Tag fer­tig – da hat­ten wir die­ses Piano am Start, das die gan­ze Zeit durch­läuft, und da wa­ren wir uns ei­nig, dass es ge­n­au das rich­ti­ge Gefühl kon­ser­viert. Das war wie der Heilige Gral: Bloß nicht mehr an­fas­sen und ver­su­chen, es zu über­po­du­zie­ren. (lacht) Weil man dann na­tür­li­ch auf Ideen kom­men kann, wie bei­spiels­wei­se das Klavier no­ch mal aus­zu­tau­schen. Es gibt aber auch Songs wie "Übersommern", von de­nen wir un­glaub­li­ch vie­le Versionen ge­macht ha­ben. Daran ha­ben wir uns die Zähne aus­ge­bis­sen und es gibt ganz vie­le Demos da­von mit ver­schie­de­nen Arrangements, Beats und teil­wei­se Texten. In ir­gend­ei­ner Nacht-​und-​Nebel-​Aktion wur­de das dann fer­tig­ge­stellt. Es gibt schon har­te Kämpfe und es gibt Songs, die ganz ea­sy von der Hand ge­hen.

MZEE​.com: Ist man zum Release dann nicht manch­mal auch un­glaub­li­ch von ei­nem Song ge­nervt, wenn man so lan­ge dar­an ge­ar­bei­tet hat?

Fabian Römer: Kurz nach der Produktion ist das so, aber in­zwi­schen ist wie­der ge­nug Zeit ver­gan­gen. Ich hab' mein Album fast gar nicht ge­hört. In ei­ner Tour-​Vorbereitung freu' ich mi­ch dann zum Beispiel so­gar, die Dinger mal wie­der zu hö­ren. Man geht ja auch in die Projekte der Songs, um ein­zel­ne Spuren zu ex­por­tie­ren, da­mit zum Beispiel der Gitarrist weiß, wie und was er spie­len muss. Da sieht man dann no­ch mal die DNA der Songs und wie de­tail­reich das al­les ei­gent­li­ch ist. Ich hab' auch vor, ir­gend­wann mal von ein, zwei Liedern von mir Stems, al­so Einzelspuren, zur Verfügung zu stel­len. Einfach, um den Leuten mal zu zei­gen, wie so ein Lied auf­ge­baut ist und wie vie­le Spuren teil­wei­se in ei­nem Stück Musik ste­cken. Die Band Phoenix hat das zum Beispiel bei ih­rem Album "Wolfgang Amadeus Phoenix" ge­macht. Da ha­ben si­ch man­che Produzenten, glau­be ich, auch schon Drums und Spuren ge­klaut be­zie­hungs­wei­se ge­sam­plet. (lacht) Sowas find' ich im­mer krass in­ter­es­sant, das werd' ich be­stimmt ir­gend­wann mal ma­chen.

MZEE​.com: Kommen wir noch­mal zu dei­ner Jugend und Kindheit zu­rück. Bevor du dich da­zu ent­schie­den hast, die Musik vor­er­st zu dei­nem Beruf zu ma­chen: Was woll­test du be­ruf­li­ch ge­se­hen wer­den? Und was ist heu­te de­in Plan B, wenn es mit der Musik ganz und gar nicht mehr klappt?

Fabian Römer: Es war nie ei­ne Entscheidung. Das ist ja das Verrückte. Ich hab's ein­fach ge­macht und ir­gend­wann Geld da­mit ver­dient. Das ist heu­te im­mer no­ch so. Ich geh' to­tal naiv durchs Leben und den­ke: "Ach, geil, ich kann schon wie­der ein Jahr da­von le­ben". (lacht) Einen Plan B hab' ich über­haupt nicht. Ich wüss­te auch nicht, was ich son­st ma­chen soll­te. Natürlich knüpft man Kontakte und ich hab' ir­gend­wie Ahnung in die­ser Medienbranche, ken­ne Labels und wür­de im Worst Case be­stimmt ir­gend­wo un­ter­kom­men. Aber ich ha­be nie ei­ne Entscheidung ge­trof­fen, das zu mei­nem Beruf zu ma­chen. Irgendwann ist es da­zu ge­wor­den und das ist auch ein to­ta­ler Segen. Beruf soll­te im bes­ten Fall auch im­mer Berufung sein und wenn du das von dem, was du machst, sa­gen kann­st, ist das wun­der­schön.

MZEE​.com: Du hast auch nie an­ge­fan­gen zu stu­die­ren, oder?

Fabian Römer: Nee. Das ist auch ei­ne Spirale. Man sagt si­ch, dass man nächs­tes Jahr an­fängt, macht dann aber doch wie­der ein Album. Ich bin auch so ein "Ganz oder gar nicht"-Mensch, das ist das Problem. Ich hät­te kei­nen Bock, ein Studium ne­ben­bei zu ma­chen, auch wenn ich die Zeit ha­be. Diesen Mittelweg hat­te ich da­mals mit der Schule lan­ge ge­nug und war dann froh, da raus zu sein.

MZEE​.com: Nimmst du das als Glück wahr oder ist das zu sehr zur Normalität ge­wor­den?

Fabian Römer: Heute kann ich das et­was mehr wert­schät­zen. Damals konn­te ich das viel we­ni­ger ge­nie­ßen. Als ich par­al­lel no­ch Schule hat­te, war ein Splash!-Auftritt eher ei­ne Problembewältigung. Mir hat das na­tür­li­ch Spaß ge­macht, aber ich hab' di­rekt nach Abschluss des Konzerts schon an die nächs­te Aufgabe ge­dacht. Mittlerweile ist es schon so, dass ich Sachen mehr ge­nie­ße und Vorfreude ent­wi­ckel'. In ei­nem Alter von 25 Jahren lernt man na­tür­li­ch auch ganz an­de­re Lebensqualitäten ken­nen. Irgendwie ist es trotz­dem im­mer­no­ch so, dass man si­ch als Außerirdischer fühlt, wenn man sagt: "Ich bin Rapper und ja, ich kann zu 80 Prozent des Jahres selbst be­stim­men, wann ich auf­ste­he". Das ist schon ein un­glaub­li­cher Luxus, den man zu sel­ten zu schät­zen weiß, aber ich ver­su­che, mi­ch ab und an dar­an zu er­in­nern. Wenn ich ir­gend­wann bei der Müllabfuhr lan­de und je­den Tag um fünf Uhr mor­gens auf­ste­hen muss – dann weiß ich die Vergangenheit auf je­den Fall zu schät­zen. (lacht)

MZEE​.com: Bevor wir zum Schluss kom­men, wür­den wir ger­ne noch­mal das Realkeeper-​Thema von vor­hin auf­grei­fen: Könntest du ein Album un­ter dei­nem Namen rap­pen und ver­öf­fent­li­chen, das an­de­re Leute für dich ge­schrie­ben hät­ten?

Fabian Römer: Man muss da dif­fe­ren­zie­ren. Es gibt Künstler, für die Texte wirk­li­ch maß­ge­schnei­dert wer­den, die da­zu über­haupt nichts sa­gen und das ein­sin­gen. Aber die­ses Songwriting an si­ch, bei dem du mit an­de­ren Leuten in ei­nem Raum sitzt und 'nen Text schreib­st, fin­de ich über­haupt nicht ver­werf­li­ch. Bei mei­nem Album war es so, dass ich es wirk­li­ch kom­plett al­lei­ne ge­schrie­ben hab'. Ich hat­te ab und zu mal ein Brainstorming mit ei­ner gu­ten Freundin von mir – Jen Bender von Großstadtgeflüster. Das hat mir teil­wei­se auch Inspiration ver­schafft, aber das fin­de ich beim Songwriting auch wich­tig. Dass man no­ch Inspiration von an­de­ren Sachen be­kommt. Ich hat­te zum Beispiel auch ei­ne Kreativsession in ei­nem Haus am See in Mecklenburg-​Vorpommern. Da hat­ten wir uns für zwei Wochen ein­ge­mie­tet und ich hab' nach und nach im­mer wie­der neue Leute ein­ge­la­den. Die wa­ren dann auch Teil die­ses Songwriting-​Prozesses. Wir ha­ben dann ein­fach über Musik ge­quatscht und das war ein un­glaub­li­ch tol­ler Austausch. Ich fin­de, Texte müs­sen nicht im­mer ganz al­lein im Kämmerchen ent­ste­hen. Ich bin halt so groß ge­wor­den und da­durch, dass ich sehr früh da­mit an­ge­fan­gen ha­be, bin ich na­tür­li­ch sehr ner­dig dar­in und hab' mei­ne ei­ge­ne Linie. Aber fin­de auch über­haupt nichts Schlechtes dar­an, wenn si­ch Leute Hilfe ho­len.

MZEE​.com: Du hast auf dei­ner Facebookseite mo­na­te­lang Zeilen an­de­rer Musiker ge­teilt, die dir per­sön­li­ch am Herzen lie­gen. Zum Abschluss des Interviews wä­re es schön, wenn du uns de­in per­sön­li­ches Lieblingszitat dei­nes ei­ge­nen Albums nen­nen könn­test und kurz er­zäh­len wür­dest, war­um es sol­ch ei­ne Bedeutung für dich hat.

Fabian Römer: Ja, das ist ei­ne Rubrik, die heißt "Worte zum Sonntag". Irgendwann bin ich auf die Idee ge­kom­men, dass es mir Spaß ma­chen könn­te, mein Interesse an Texten mit der Welt zu tei­len. Das sind nicht nur Raptexte, son­dern al­les Mögliche. Von mei­nem Album mag ich be­son­ders den C-​Teil von "Das Beste kommt no­ch". (rappt) "Der Horizont ist wie ein klei­nes Kind, ver­steckt si­ch et­was un­ge­schickt hin­ter Mauern und Wolken, aber ein Teil von ihm ist im­mer zu se­hen". Ich find' das Bild wit­zig und das will ich auch gar nicht er­klä­ren – das ist, glau­be ich, selbst­er­klä­rend, aber ei­ne Zeile, die ich sehr mag.

(Florence Bader & Pascal Ambros)

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