Who sampled who? – Türchen #23: "Esperanto" von Freundeskreis

Schon seit die HipHop-​Kultur noch in den Kin­der­schu­hen steck­te, sind Sam­ples ein essen­zi­el­ler Teil von ihr. Von alten Klas­si­kern bis hin zu aktu­el­len Chart­hits las­sen sich in unzäh­li­gen Songs Ele­men­te aus bereits exis­tie­ren­den Wer­ken fin­den. Wem erging es noch nicht so, dass er beim Musik­hö­ren über einen bekann­ten Sound gestol­pert ist und sich dar­auf­hin den Kopf über des­sen Her­kunft zer­bro­chen hat? Oft beginnt damit eine span­nen­de Suche nach der Ori­gi­nal­auf­nah­me quer durch die Musik­his­to­rie. Aus die­sem Grund stel­len wir uns in unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der die Fra­ge "Who sam­pled who?" und öff­nen täg­lich ein neu­es Tür­chen: Wir prä­sen­tie­ren Euch 24 ver­schie­de­ne deut­sche Rap­songs und betrach­ten die Sam­ples, wel­che sich dar­in verbergen.

 

 

Als Freun­des­kreis 1999 ihr zwei­tes Album "Espe­ran­to" ver­öf­fent­lich­ten, war "That Ain't my Style" von The Main Ingre­dient bereits fast ein Vier­tel­jahr­hun­dert alt. Mit sei­ner emo­ti­ons­ge­la­de­nen und zugleich unauf­dring­li­chen Art beinhal­te­te der Soul-​Track jedoch genau das rich­ti­ge Sam­ple, um Max Her­res Meta-​Lyrik über Rap als uni­ver­sel­le Spra­che einer neu­en Genera­ti­on musi­ka­lisch zu untermauern.

"That Ain't my Style" wur­de bereits in zahl­rei­chen ver­schie­de­nen Songs von Künstler:innen aus diver­sen Län­dern ver­wen­det. Neben "Espe­ran­to" gehö­ren dazu auch Pro­duk­tio­nen für US-​Rapper wie Masta Ace, Fred­die Gibbs oder Hell Razah. Zum Ein­satz kommt in den meis­ten Fäl­len dabei nahe­zu aus­schließ­lich das thea­tra­li­sche Intro der Sample-​Quelle. Kein Wun­der, denn die­ses besticht durch ein rol­len­des, glas­kla­res und jaz­zi­ges Pia­no in Kom­bi­na­ti­on mit dezen­tem Schlag­zeug, spo­ra­disch ein­ge­setz­ten Blä­sern und sam­ti­gen Strei­chern. Dadurch ent­steht eine hol­ly­woo­drei­fe Stim­mung, die prä­de­sti­niert ist, Emo­tio­nen bei den Hörer:innen zu erzeu­gen. Die poe­ti­schen Tex­te von Max Her­re, in denen er gemein­sam mit Sän­ge­rin Débo­rah die deut­sche Spra­che mit Bau­stei­nen in Fran­zö­sisch, Spa­nisch, Ita­lie­nisch und natür­lich Espe­ran­to kom­bi­niert, tun dazu ihr Übri­ges. Die musi­ka­li­sche Unter­ma­lung des Deutschrap-​Klassikers, die sowohl Emo­tio­na­li­tät als auch Cool­ness ver­mit­telt, passt auch des­halb per­fekt zu "Espe­ran­to", da Max' Lyrics eben­falls zwi­schen die­sen bei­den Polen mäan­dern. Dabei muss man gar nicht alles ver­ste­hen, was er rappt. Denn durch eben­die­se Kom­bi­na­ti­on kommt auch so sehr viel bei den Hörer:innen des Titel­tracks von Freun­des­kreis' zwei­tem Album an.

Dass sich "That Ain't my Style" im Lau­fe der Zeit so gro­ßer Beliebt­heit erfreu­en wür­de, ahn­ten die Band­mit­glie­der um Cuba Goo­ding Sr. 1975 wohl kaum. Wenn auch unbe­wusst, schu­fen sie dabei jedoch eine Inspi­ra­ti­ons­quel­le für Künstler:innen ver­schie­de­ner Genera­tio­nen und Her­kunfts­län­der und somit ein Zeug­nis für die alles ver­ei­nen­de Spra­che der Musik. Ganz im Sin­ne des Kon­zepts der Plan­spra­che "Espe­ran­to", die 1887 von Lud­wik Lej­zer Zamen­hof mit dem uto­pi­schen Ziel erschaf­fen wur­de, sämt­li­che Gren­zen zu über­win­den und den Welt­frie­den zu sichern. Ein schö­ner Gedan­ke, den Freun­des­kreis in ihrer gleich­na­mi­gen Sin­gle per­fekt ver­ar­bei­tet haben.

(Stef­fen Bauer)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)