24 Jahre deutscher Rap in Tracks: Türchen #21 – RIN (2017)

Es ist kalt, es ist grau, es gibt immer noch Coro­na. Die idea­le Zeit also, um Tag für Tag bei unse­rem Advents­ka­len­der mit­zu­fie­bern. Wie­der wer­fen wir einen Blick zurück auf die letz­ten 24 Jah­re: Wel­che Mei­len­stei­ne gab es? Wel­che Momen­te sorg­ten dafür, dass deut­scher Rap ein­fluss­rei­cher wur­de denn je? Weil uns Alben zu ein­fach sind (und wir sie schon hat­ten, sie­he hier), haben wir uns die­ses Jahr dran­ge­macht und den jeweils einen Track gesucht, der die Sze­ne über sein Erschei­nungs­jahr hin­aus ent­schei­dend geprägt hat. Jeden Tag stel­len wir Euch somit – ange­fan­gen 1997 – einen Song vor, der ent­we­der durch sei­nen Sound, sei­nen Inhalt oder sei­ne Form unse­rem Lieb­lings­gen­re sei­nen Stem­pel auf­ge­drückt hat.

 

2017: RIN – Bros

Ich geh' raus mit mei­nen Jungs heu­te, Baby!

Dass RIN ein Phä­no­men im Deutschrap ist, muss wohl nicht wei­ter aus­ge­führt wer­den. Nahe­zu alles, was der Rap­per macht, wird zum Erfolg – das gilt sowohl für sei­ne Relea­ses als auch für sei­ne gefrag­ten Live-​Auftritte. Mit "Bros" ver­öf­fent­lich­te er vor mehr als drei Jah­ren einen Song, mit dem er zum ers­ten Mal die Tanz­flä­chen sowie Radio­sen­der des Lan­des eroberte.

Am 06. Mai 2017 erblick­te die Sin­gle inklu­si­ve Musik­vi­deo das Licht der Welt. Sie war der drit­te Vor­bo­te für RINs Debüt­al­bum, wel­ches noch im sel­ben Jahr erschien. "EROS" war sein ers­tes Release, nach­dem er das Ber­li­ner Künst­ler­kol­lek­tiv Live From Earth ver­las­sen hat­te, um beim neu gegrün­de­ten Label Divi­si­on Record­ings anzu­heu­ern. Der Track "Bros" wur­de durch Pro­du­zent Minh­ten­do mit einem fröhlich-​poppigen Sound­ge­rüst ver­se­hen und funk­tio­niert nicht nur musi­ka­lisch gut, son­dern ver­mit­telt auch ein ganz bestimm­tes Lebens­ge­fühl, das sich durch eine Leich­tig­keit und Unbe­küm­mert­heit aus­zeich­net. Die Mes­sa­ge: die Zeit mit sei­nen Freun­den zu genie­ßen, ohne dar­an zu den­ken, was mor­gen ist. Egal, ob beim Live-​Gig, im Club oder auf den Trep­pen davor mit "zehn Packun­gen Marl­bo­ro Gold und ein[em] Gin" – wenn "Bros" durch die Musik­bo­xen oder Han­dy­laut­spre­cher ertönt, ist gute Lau­ne vorprogrammiert.

RIN hat mit "Bros" eine mas­sen­taug­li­che Hym­ne für sei­ne Jungs und sein Umfeld erschaf­fen, mit der sich vie­le Hörer iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Wäh­rend damals die Hook­li­ne "Ich geh' raus mit mei­nen Jungs heu­te" beim Fei­ern oder auf Kon­zer­ten laut­stark mit­ge­rappt wur­de, wer­den sich heu­te vie­le infol­ge der Corona-​Situation einen solch unbe­schwer­ten und aus­ge­las­se­nen Abend mit Freun­den herbeisehnen.

(Moritz Frie­den­berg)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)