Der Kolibri & Zac Bronski – Bluescreen

So vie­le Rap­per hier. So weni­ge, die dran ver­die­nen.

Laut Wiki­pe­dia gibt es ins­ge­samt 368 ver­schie­de­ne Koli­bri­ar­ten. Eine, die bis­her jedoch unter dem Radar der Orni­tho­lo­gen flog und auch noch rappt, ist Der Koli­bri. Der Untergrund-​Rapper hat sich schon durch meh­re­re Batt­le­tur­nie­re gekämpft, eine gute Figur beim Moment of Truth-​Contest gemacht und ver­schie­de­ne Relea­ses mit sei­nem Part­ner Zac Bron­ski ver­öf­fent­licht. Von einem ursprüng­lich eher old­schoo­li­gen Sound hat er sich inzwi­schen in weit­aus moder­ne­re Gefil­de bege­ben. Und mit "Blue­s­creen" ver­öf­fent­licht er nun sein ers­tes Album, das in eben­die­sen Gefil­den ange­sie­delt ist.

Die­se Vibes ver­dankt Der Koli­bri vor allem Zac Bron­ski. Der lie­fert auf "Blue­s­creen" die sat­ten Syn­thie­beats, wel­che die Stim­mung der Lyrics des selbst ernann­ten Melan­cho­li­kers per­fekt ein­fan­gen. Glei­cher­ma­ßen zie­hen die teils ver­träum­ten Instru­men­tals den Hörer aber auch stark in ihren Bann. Ab und an ein paar Vocalsam­ples und Saxo­phon­klän­ge holen einen stets wie­der auf den Boden der Rea­li­tät, bevor es zu abge­spa­cet wird. Ähn­li­ches gilt auch für die Parts des Koli­bris auf der Plat­te: Mal erzählt er von sei­nem Hust­le als Artist und fron­tet die nicht näher benann­te Kon­kur­renz, mal gibt er sich – mit dazu pas­sen­den Effek­ten auf der Stim­me – kom­plett dem Beat hin wie auf "Dro­pout". Die­se gro­ße Abwechs­lung wäre bei gera­de mal acht Tracks gar nicht nötig, macht den Lang­spie­ler aber auch nicht zu inkon­se­quent. Im Gegen­teil, das musi­ka­li­sche Gesamt­bild lässt einen kon­stan­ten roten Faden erken­nen. Zac Bron­ski und Der Koli­bri sind eben nicht erst seit ges­tern ein ein­ge­spiel­tes Team. Das merkt man.

Auf "Blue­s­creen" setzt Der Koli­bri zum Flug an und flat­tert auf­ge­regt durch sei­ne The­men und Styles – eben­so wie der gleich­na­mi­ge Vogel durch die Luft. Trotz­dem wirkt sein Debüt­al­bum wie aus einem Guss und weiß sowohl inhalt­lich als auch musi­ka­lisch zu über­zeu­gen. So ein Klein­od wie die­ses muss man zwi­schen all den Mainstream-​Alben ledig­lich erst fin­den und ihm das Gehör schen­ken, das es ver­dient.

(Lukas Päck­ert)