Antilopen Gang – Abbruch Abbruch

Und wenn ihr nicht so dumm wärt, wär' 'Piz­za' kein Hit.

Mit dem Tod des Mit­glieds NMZS hat­te die Anti­lo­pen Gang im Jahr 2013 den Tief­punkt ihres Wer­de­gangs erreicht. Der dar­aus neu gezo­ge­ne Wil­le, wei­ter­hin gemein­sam Musik zu machen, führ­te zu einem Signing beim Label JKP der Toten Hosen und drei Alben, wovon das letz­te sogar die Spit­ze der deut­schen Album­charts errei­chen konn­te. Wo ande­re das Hand­tuch gewor­fen hät­ten, mau­ser­ten sich die Anti­lo­pen schein­bar zur neu­en Deutschrap-​Vorzeigegruppe. Und nun, im Jahr 2020? "Abbruch Abbruch"!

In ers­ter Linie geht es auf dem neu­en Werk um Abgren­zung. Dan­ger DanKol­jah und Panik Pan­zer distan­zie­ren sich jedoch nicht nur von ihnen frem­den Strö­mun­gen, son­dern auch von eige­nen Irr­we­gen. Dabei wird sowohl mit der Kiffer-​Vergangenheit humor­voll abge­rech­net als auch mit der unbe­ab­sich­tig­ten Anbie­de­rung an die gesell­schaft­li­che Mit­te durch den Song "Piz­za" auf ihrem letz­ten Album. Man ist eben nicht nur den ande­ren, son­dern auch sich selbst gegen­über kon­se­quent. Das größ­te Feind­bild auf "Abbruch Abbruch" sind aller­dings toxi­sche Männ­lich­keits­bil­der. Statt wie die Kon­kur­renz den nächs­ten ein­sei­ti­gen Song gegen die böse Ex-​Freundin auf­zu­neh­men, wer­den auf "Trenn dich" in rei­fer Manier die Vor­tei­le einer not­wen­di­gen Tren­nung beschrie­ben. Und anstel­le von mit­tel­al­ter­lich sexis­ti­schen Erobe­rungs­fan­ta­sien beschrei­ben die drei Rap­per auf "Bang Bang" authen­tisch ihre ers­ten, von gesell­schaft­li­chem Druck gepräg­ten, nega­ti­ven sexu­el­len Erfah­run­gen. Der Track hät­te Deutschrap und sei­nen puber­tie­ren­den Hörern schon vor Jah­ren gut getan, kommt aber auch für die inzwi­schen her­an­ge­wach­se­nen nicht zu spät.

"Abbruch Abbruch" ist eine erwach­se­ne Plat­te, auf der die Anti­lo­pen Gang zeigt, dass es manch­mal am bes­ten ist, sich treu zu blei­ben, indem man sich nicht treu bleibt. Der selbst- und gesell­schafts­kri­ti­sche Humor ist geblie­ben, die rich­ti­gen The­men wer­den behan­delt und die Musik ist nach wie vor auf qua­li­ta­tiv sehr hohem Niveau. Kann so wei­ter­ge­hen.

(Micha­el Col­lins)