Johnny Rakete – Trauriger Junge mit Rauch in der Lunge

Seit Jah­ren schon hab' ich mei­nen Todes­wunsch erkannt.
Man, ich tausch­te Ambi­ti­on gegen Dro­gen­sucht und Angst.

John­ny Rake­te ist mitt­ler­wei­le ziem­lich lan­ge im Rap-​Business unter­wegs. Inner­halb von sechs Jah­ren lie­fer­te er fünf EPs ab, die das Bild eines Kiffer-​Rappers zeich­ne­ten. Sei­ne Musik, meh­re­re A cappella-​Battles und Fern­seh­auf­trit­te fes­tig­ten die­ses Image immer wei­ter. Mit sei­nem Debüt­al­bum will er nun zei­gen, dass er mehr als die­se eine Rol­le inne­hat und sein Sound facet­ten­rei­cher ist, als bis­her ange­nom­men.

Der Titel "Trau­ri­ger Jun­ge mit Rauch in der Lun­ge" fasst die prä­gen­den The­men der Plat­te ziem­lich prä­zi­se zusam­men. Es geht ums Kif­fen, um Selbst­zwei­fel, Depres­si­on und wie sich die­se Din­ge gegen­sei­tig bedin­gen. Das bedeu­tet auch, dass er sei­nen eige­nen Gras­kon­sum durch­aus kri­tisch betrach­tet und kom­men­tiert. Im Ver­gleich zu vie­len ande­ren Rap­pern ist das eine ange­neh­me Abwechs­lung. Sei­ne sehr per­sön­li­chen Tex­te sind selbst­re­flek­tiert, machen John­ny nah­bar und las­sen den Hörer mit­füh­len. Dass die Beschäf­ti­gung mit der eige­nen Unzu­läng­lich­keit dabei leicht repe­ti­tiv wirkt, stört nicht wirk­lich, denn mit nur neun Songs bleibt das Album kurz­wei­lig und ist ent­spannt durch­hör­bar. Allein der Track "Fan­cy" sticht her­aus. Hier­bei wird jedoch ein wenig zu viel Kiffer-​Kitsch ver­mit­telt – mit Zei­len wie: "Ich sag', für dich hör' ich das Kif­fen auf. Du lachst und fängst direkt an, eine Tüte zu bau'n." Beat­t­ech­nisch ist "TJMRIDL" gewohnt stark. Dafür sorgt der Pro­du­zent Haw­kO­ne, der den Rap­per schon lan­ge beglei­tet. Er lie­fert sou­ve­rä­ne Boom bap-​Beats, die jeweils mit ver­schie­de­nen Intro- und Outro-​Samples einer Anime-​Serie ver­se­hen sind.

"Trau­ri­ger Jun­ge Mit Rauch In Der Lun­ge" ist der Beweis, dass John­ny Rake­te mehr kann, als sein Image ihm auf­drückt. Natür­lich bleibt Gras­kon­sum ein The­ma, doch der Blick in das düs­te­re Innen­le­ben des Für­thers steht im Vor­der­grund. Lässt man sich auf die trü­be Stim­mung des Albums ein, fin­det man Tief­gang und Vibes, die glaub­wür­dig sind und einen mit­zie­hen kön­nen.

(Jakob Zim­mer­mann)