Last but released: 12 /​ 18 – Falk & Khacoby, Nemo & Horst Wegener

Monat für Monat bringt die deut­sche Rap­sze­ne mehr Releases her­vor, als ein ein­zel­ner Mensch über­haupt hören kann. Auch uns als Redak­ti­on geht es da nicht anders. So fal­len bei der Flut an Neu­erschei­nun­gen immer wie­der Wer­ke unter den Tisch, denen man lie­bend gern noch sei­ne Auf­merk­sam­keit geschenkt hät­te. Letz­te­res möch­ten wir hier­mit machen und Euch genau die Plat­ten näher­brin­gen, die ansons­ten viel­leicht nicht so sehr im Fokus ste­hen. Kurz und knapp vor­ge­stellt am Ende jedes Monats, sind die­se Wer­ke "Last but released".

 

Falk & Kha­co­by – FAKH

Falk und Kha­co­by kennt man, wenn man sich ein wenig mit der Batt­ler­ap­sze­ne beschäf­tigt. Denn die zwei und eini­ge ihrer Crew­mit­glie­der aus dem Team Rei­ben sind sowohl bei DLTLLY als auch im VBT aktiv. Nun könn­te man gera­de von den bei­den eine EP erwar­ten, die nur so vor Punch­li­nes strotzt. Natür­lich sind die­se auch zahl­reich auf "FAKH" vor­han­den, jedoch gibt die EP inhalt­lich viel mehr her als rei­nen Batt­lerap. Die bei­den über­zeu­gen nicht nur mit äußerst star­kem Flow, son­dern auch mit guten Tex­ten und Humor. So erzäh­len sie zum Bei­spiel auf "Ärger" sym­pa­thisch von all­tags­ty­pi­schen Pro­ble­men wie der Aus­ein­an­der­set­zung bei der ARGE mit der "Alten hinter'm Schreib­tisch" oder GEZ-​Schulden. Neben dem Rap sind auch die Beats äußerst hörens­wert, denn sie sind auf­grund der ver­schie­de­nen Pro­du­cer sehr abwechs­lungs­reich. Es ent­steht den­noch ein run­des Klang­bild wie aus einem Guss. "FAKH" ist ein klei­nes, aber fei­nes Release und zählt defi­ni­tiv zur Kate­go­rie "Wie­so nur eine EP?" – abso­lut hörens­wert.

 

Nemo – Als wäre es nicht egal

Wir haben Nemo gefun­den! Okay, der­ar­ti­ge Sprü­che hat er sicher­lich noch nie gehört und fin­det sie dem­entspre­chend auch nach wie vor wit­zig – dabei tut man dem Künst­ler Unrecht, wenn man ihn ledig­lich auf sei­nen fischi­gen Namens­vet­ter redu­ziert. Schließ­lich beweist Nemo auf sei­ner neu­en EP "Als wäre es nicht egal" durch­aus musi­ka­li­sches Geschick und ein Ver­ständ­nis dafür, die rich­ti­gen Wor­te zu fin­den. Zusam­men mit Pro­du­cer Miles Schel­ler pro­biert der Rap­per sich mal auf knar­zen­den, mal eher schumm­ri­gen, teil­wei­se boom-​bapigen, dann wie­der recht melo­diö­sen Syn­thie­beats aus und rappt dabei mit bestechen­der Ehr­lich­keit über Rap, sein Umfeld und vor allem sich selbst. So zeich­net er nicht nur ein recht exak­tes Bild sei­nes Bli­ckes auf die Sze­ne, son­dern gewährt dem Hörer auch unge­wöhn­lich inti­me Ein­bli­cke in sein Innen­le­ben und die posi­ti­ven wie nega­ti­ven Ver­än­de­run­gen, die er durch­leb­te. Doch gera­de die­se scho­nungs­lo­se Selbst­kri­tik ist es, wel­che die Tracks des New­co­mers so inter­es­sant und emp­feh­lens­wert macht und über die rap­t­ech­nisch viel­leicht noch etwas man­geln­de Rou­ti­ne mehr als hin­weg­se­hen lässt. Denn im Gegen­satz zum ani­mier­ten Clownfisch-​Pendant hat die­ser Nemo sich selbst defi­ni­tiv längst gefun­den.

 

Horst Wege­ner – Mein Name ist Horst

Bei Horst Wege­ner wer­den wohl die wenigs­ten an einen dun­kel­häu­ti­gen jun­gen Mann Anfang 20 den­ken. Um einen sol­chen han­delt es sich jedoch bei dem Rap­per mit dem Namen, der das Bild eines Man­nes her­vor­ruft, der bereits etwas älter ist und eben kei­nen Migra­ti­ons­hin­ter­grund hat. Das nimmt Horst auch zum Anlass, besag­te Dis­kre­panz zwi­schen Erwar­tung und Rea­li­tät auf dem auto­bio­gra­fi­schen Titel­track der EP "Mein Name ist Horst" zu the­ma­ti­sie­ren. Als gebür­ti­ger Ecua­do­ria­ner kennt er All­tags­ras­sis­mus nur zu gut. So rappt und singt er auf der gesam­ten Ver­öf­fent­li­chung unter ande­rem über den Man­gel an sozia­ler Gerech­tig­keit sowie sei­ne gro­ße Lie­be – die Musik. Auch wenn er ein durch­aus talen­tier­ter Song­wri­ter ist, der eini­ges zu sagen und erzäh­len hat, ist die instru­men­ta­le Unter­ma­lung der ein­zel­nen Tracks den­noch die größ­te Stär­ke der EP. Hier domi­nie­ren orga­ni­sche und souli­ge Klän­ge, die auf solch hohem Niveau hier­zu­lan­de nach wie vor Man­gel­wa­re sind. Die­se stam­men neben Golow und DJ Vito von einer gesam­ten Band, die ihren Job defi­ni­tiv ver­steht. Alles in allem han­delt es sich bei "Mein Name ist Horst" jeden­falls um ein amt­li­ches Release, das auf mehr hof­fen lässt.

(Dzer­ma­na Schön­ha­ber, Dani­el Fersch, Stef­fen Bau­er)