History-​Adventskalender: Türchen #23 – Bonez MC & RAF Camora (2016)

Wenn es drau­ßen lang­sam wie­der käl­ter wird und sich das Jahr dem Ende neigt, blickt man selbst ja ger­ne mal zurück und lässt die ver­gan­ge­nen Tage Revue pas­sie­ren. Wir möch­ten mit unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der einen Blick zurück­wer­fen – von heu­te bis hin zu den Anfän­gen von Hip­Hop in Deutsch­land. Sprich: knapp ein Vier­tel­jahr­hun­dert deut­scher Rap. Eine Sze­ne, die Mit­te der 90er unter ande­rem "direkt aus Rödel­heim" kam, aus dem "Fens­ter zum Hof" klet­ter­te, sich "vom Bord­stein zur Sky­line" auf­schwang und "zum Glück in die Zukunft" reis­te, um sich letzt­lich zwi­schen ein paar "Pal­men aus Plas­tik" nie­der­zu­las­sen. Kein Ele­ment der hie­si­gen HipHop-​Kultur dürf­te in all den Jah­ren einen so gewal­ti­gen Wan­del, so vie­le Höhen und Tie­fen, so vie­le Erfol­ge und Miss­erfol­ge durch­lebt haben wie Rap. Genau die­se Ent­wick­lung inner­halb der letz­ten 24 Jah­re möch­ten wir nun für Euch skiz­zie­ren, indem wir jedes Jahr anhand eines Albums dar­stel­len, wel­ches – unse­rer Mei­nung nach – nicht nur das ent­spre­chen­de Ver­öf­fent­li­chungs­jahr, son­dern auch die Sze­ne all­ge­mein nach­hal­tig präg­te.

 

2016: Bonez MC & RAF Camo­ra – Pal­men aus Plas­tik

1 000 Fotos im Suff, was für 'ne Kar­rie­re.

Mit "Pal­men aus Plas­tik" haben Bonez MC und RAF Camo­ra wohl eines der ein­fluss­reichs­ten HipHop-​Releases der letz­ten Jah­re ver­öf­fent­licht. Nicht nur der 187-Mythos erreich­te mit die­sem Album sei­nen abso­lu­ten Zenit. Viel­mehr wirk­te es, als bestän­de die deut­sche Rap­sze­ne in den Fol­ge­mo­na­ten aus kaum etwas ande­rem als Rhyth­men im Kari­bikstyle und an Reg­gae erin­nern­de Autotune-​Flows. Grund genug, um ein­mal genau­er auf den ver­spä­te­ten Som­mer­hit aus 2016 zurück­zu­bli­cken.

All­zu über­rascht waren die Fans wohl nicht, als Bonez und RAF "Pal­men aus Plas­tik" ankün­dig­ten, hat­ten sich doch schon vie­le von ihnen seit Songs wie "Mario­ana" ein Album von Bonez im Reggaeton-​Stil gewünscht. Als der Track "Geschich­te" auf RAFs Album "Ghøst" zum abso­lu­ten Erfolg wur­de, schien die wei­te­re Zusam­men­ar­beit beschlos­se­ne Sache zu sein. Mit wahn­sin­nig guten Pro­duk­tio­nen und den sich häu­fen­den Ohr­wür­mern konn­ten die bei­den mit ihrem Kollabo-​Album schließ­lich voll und ganz über­zeu­gen. RAFs Musi­ka­li­tät und Bonez' gano­ven­haf­ter Flair pass­ten zusam­men wie Topf und Deckel. Songs wie "Vapo­ri­zer" mit Trett­mann kamen so gut an, dass die­se Kon­stel­la­ti­on seit­her immer wie­der für ein­zel­ne Tracks zusam­men­fand. Kurz gesagt: "Pal­men aus Plas­tik" hät­te kaum bes­ser sein kön­nen. Zuge­ge­ben, zwei Jah­re spä­ter mit mas­sig Tritt­brett­fah­rern, die den Sound  zu imi­tie­ren ver­such­ten, kann man dem Album etwas kri­ti­scher gegen­über­ste­hen. Trotz­dem muss man fai­rer­wei­se sagen, dass der Hype immer noch nicht unbe­grün­det ist. "Ohne mein Team" kommt nach wie vor auf jeder Par­ty gut an und gene­rell machen die Songs der Plat­te ein­fach Spaß.

"Pal­men aus Plas­tik" hat sich mit sei­nem star­ken Ein­fluss und der Tat­sa­che, dass es ein­fach ein extrem gutes Werk ist, sicher­lich einen Platz in der Hall of Fame für deut­sche Rap­mu­sik ver­dient. Auch wenn jeder von uns bestimmt schon mal zum Aus­druck gebracht hat, er kön­ne es nicht mehr hören, ver­miest es wohl auch in ein paar Jah­ren den Wenigs­ten die Stim­mung, wenn der DJ einen Song aus dem Album auf­le­gen soll­te. Die Defi­ni­ti­on eines Klas­si­kers.

(Stef­fen Uphoff)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)