History-​Adventskalender: Türchen #19 – Cro (2012)

Wenn es drau­ßen lang­sam wie­der käl­ter wird und sich das Jahr dem Ende neigt, blickt man selbst ja ger­ne mal zurück und lässt die ver­gan­ge­nen Tage Revue pas­sie­ren. Wir möch­ten mit unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der einen Blick zurück­wer­fen – von heu­te bis hin zu den Anfän­gen von Hip­Hop in Deutsch­land. Sprich: knapp ein Vier­tel­jahr­hun­dert deut­scher Rap. Eine Sze­ne, die Mit­te der 90er unter ande­rem "direkt aus Rödel­heim" kam, aus dem "Fens­ter zum Hof" klet­ter­te, sich "vom Bord­stein zur Sky­line" auf­schwang und "zum Glück in die Zukunft" reis­te, um sich letzt­lich zwi­schen ein paar "Pal­men aus Plas­tik" nie­der­zu­las­sen. Kein Ele­ment der hie­si­gen HipHop-​Kultur dürf­te in all den Jah­ren einen so gewal­ti­gen Wan­del, so vie­le Höhen und Tie­fen, so vie­le Erfol­ge und Miss­erfol­ge durch­lebt haben wie Rap. Genau die­se Ent­wick­lung inner­halb der letz­ten 24 Jah­re möch­ten wir nun für Euch skiz­zie­ren, indem wir jedes Jahr anhand eines Albums dar­stel­len, wel­ches – unse­rer Mei­nung nach – nicht nur das ent­spre­chen­de Ver­öf­fent­li­chungs­jahr, son­dern auch die Sze­ne all­ge­mein nach­hal­tig präg­te.

 

2012: Cro – Raop

Leu­te sagen zu mir:
'Cro, das Genie' …

Die Sin­gle "Easy" von Cro war der Start­schuss einer außer­ge­wöhn­li­chen Kar­rie­re. Sel­ten wur­de ein rap­pen­der New­co­mer in der Ver­gan­gen­heit so schnell so erfolg­reich. Mit sei­nem 2012 erschie­ne­nen Album "Raop" bewies der Pan­da­mas­ken­trä­ger, dass er mehr war als ein One-​Hit-​Wonder. Viel mehr. Denn Cros Sound zwi­schen Pop und Rap trug zu gro­ßen Tei­len dazu bei, dass das Melo­di­sche Ein­zug im deut­schen Rap hielt.

Mitt­ler­wei­le ist es kaum noch vor­stell­bar, doch als der Wer­de­gang des Stutt­gar­ters begann, wur­de er für sei­ne Musik in der Sze­ne viel­fach ange­fein­det. Wo heu­te jeder Zwei­te ver­sucht, mit­tels Auto­tu­ne einen ein­gän­gi­gen Refrain zu kre­ieren, war pop­pi­ger Gesang in Rap­songs im Jahr 2012 rela­tiv ver­pöhnt. Mit "Raop" änder­te sich das. Sei­nem Durch­bruch "Easy" folg­ten wei­te­re Hits wie "Du" oder "Ein­mal um die Welt", die auch im sonst so rap­kri­ti­schen Radio rauf und run­ter lie­fen. Zuge­ge­ben: Cros Tex­te und The­men auf sei­nem Debüt­al­bum sind nicht gera­de von Tief­gang geprägt. Doch ist "Raop" eine Plat­te voll von anste­cken­der, jugend­li­cher Ener­gie – und die­se konn­te durch den damals neu­ar­ti­gen Sound­ent­wurf zün­den. Das Album beinhal­tet Ohr­wür­mer, die noch bis heu­te ins kol­lek­ti­ve Musik-​Gedächtnis gebrannt sind. Es ist zu gro­ßen Tei­len leicht­fü­ßi­ge Gute-​Laune-​Musik, die im Som­mer 2012 genau den Nerv der Zeit traf. Zusätz­lich zeig­te der jun­ge Künst­ler mit "Ein Teil" bereits im Ansatz, dass er sogar zu weit­aus mehr fähig ist und wahr­lich berüh­ren kann.

"Raop" ist eines der gro­ßen Releases des deut­schen Raps, auch wenn das eini­gen Heads noch immer nicht gefal­len dürf­te. Cro hat mit sei­nem Debüt­al­bum die Wei­chen dafür gestellt, dass Sprech­ge­sang inzwi­schen ein der­ar­ti­ges Mas­sen­pu­bli­kum erreicht und kom­mer­zi­ell erfolg­reich ist. Und er hat mit sei­nem melo­di­schen Ansatz den Sound der heu­ti­gen Sze­ne ent­schei­dend mit­ge­prägt.

(Flo­ri­an Peking)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)