High Five: 03 /​ 18 – mit u.a. Ahzumjot, MC Bomber & YAYA

Der Deutschrap­zir­kus ist ein umtrie­bi­ger Schau­platz. Zwi­schen all den Pro­mo­pha­sen und Album­ver­öf­fent­li­chun­gen kann man schon ein­mal den Blick fürs Detail ver­lie­ren. Des­halb stel­len wir jeden Monat an die­ser Stel­le die klei­nen, fei­nen High­lights vor, die abseits des Album-​Korsetts Beach­tung ver­die­nen. In den Kate­go­ri­en State­ment, Video, Song, Instru­men­tal und Line prä­sen­tie­ren unse­re Redak­teu­re hand­ver­le­se­ne Schmuck­stü­cke. Egal, ob nun ein beson­ders per­sön­li­cher Bezug, eine wich­ti­ge Messa­ge oder ein run­des musi­ka­li­sches Gesamt­pa­ket den Anlass bie­ten. Hier wird ein tie­fer Ein­blick in ein­zel­ne Facet­ten der Rap­welt gebo­ten. Fünf Höhe­punk­te – klatscht in die Hän­de für unse­re "High Five"!

 

MC BOMBER - Die Bro­cken­ex­pe­di­ti­on /​ Teil 1 (Die Mis­si­on)

State­ment: MC Bom­ber

Das ers­te Musik­vi­deo wird ver­öf­fent­licht, ver­bun­den mit der Ankün­di­gung einer über­teu­er­ten Pre­mi­um Edi­ti­on, die natür­lich "voll­ge­packt" und "die bes­te Box der Welt" wird. Gar­niert wird die Pro­mo­pha­se zahl­lo­ser deut­scher Rap­per dann am bes­ten noch mit vor­ge­täusch­tem Beef und ellen­lan­gen Interview-​Arien, damit der Wir­bel um die Musik auch garan­tiert zum Popcorn-​Kino wird. Das alles gilt mitt­ler­wei­le oft­mals als Usus im Deutschrap. Umso inter­es­san­ter und wich­ti­ger ist es, wenn Künst­ler einen ande­ren Weg gehen. Das hat MC Bom­ber für sei­ne aktu­el­le Plat­te getan: Er greift all die­se Ele­men­te auf, par­odiert sie und münzt sie in ein eige­nes Kon­zept um. So führt er selbst kei­ne Gesprä­che mit der Pres­se, son­dern schnei­det sich ein­fach in Musik­clips und die berühm­tes­ten Inter­views. Dabei ver­zich­tet er fast gänz­lich dar­auf, die Limi­ted Box anzu­prei­sen, son­dern stellt in ers­ter Linie sei­ne Musik in den Vor­der­grund. Das endet viel­leicht nicht in der reich­wei­ten­stärks­ten Art, sei­ne Musik zu bewer­ben, aber defi­ni­tiv ist es die unter­halt­sams­te Vari­an­te im Monat März – und eine erfri­schend ande­re noch dazu.

 

🤣 AHZUMJOT - WIEDER NICHT DEIN JAHR

Video: Ahzum­jot – Wie­der nicht dein Jahr

Die bes­ten Musik­vi­de­os sind die, bei denen der Inhalt auch genau zu dem passt, was im Song erzählt wird. Bei der immer wie­der­keh­ren­den Line "Das wird schon wie­der nicht dein Jahr" in Ahzum­jots Track ist es – wenn wir mal ehr­lich sind – aber schon recht schwie­rig, das Gan­ze ent­spre­chend zu visua­li­sie­ren. Doch sie­he da: Der Rap­per selbst kommt mit einer simp­len und doch tref­fen­den Idee um die Ecke. Das Video zu "Wie­der nicht dein Jahr" ist eine Anein­an­der­rei­hung von Pri­vat­auf­nah­men, die ver­mut­lich aus diver­sen Fail Com­pi­la­ti­ons auf You­Tube stam­men. Ganz nach dem Mot­to "Scha­den­freu­de ist die schöns­te Freu­de" kommt einem mit Ahzum­jot auf den Ohren bei vie­len die­ser Clips der Gedan­ke: Ja, das ist defi­ni­tiv nicht sein Jahr. Ein wun­der­ba­res Bei­spiel dafür, ein wohl per­fek­tes Video zu einem Song zu prä­sen­tie­ren, ohne dass es dabei gleich aus­sieht wie ein Kino­film.

 

Young Kril­lin & Crack Ignaz - Pino Gri­gio (Offi­ci­al Video) (Prod. Fid Mel­la)

Song: Young Kril­lin & Crack Ignaz – Pino Gri­gio

März im Jahr 2018: Statt dem Beginn eines mil­den Früh­lings erle­ben wir das Come­back das eis­kal­ten Win­ters. Nach einem Blick aus dem Fens­ter ist die Stim­mung schnell im Kel­ler. Doch Mit­te des Monats dann die Ret­tung: Young Kril­lin und Crack Ignaz ver­öf­fent­li­chen "Pino Gri­gio". Es ist ein als Musik kon­ser­vier­ter Son­nen­strahl, der trie­fend von ent­spann­tem Swag unser Inners­tes erwärmt. Mit der Hym­ne auf den fran­zö­si­schen Wein lie­fern die bei­den Öster­rei­cher nichts weni­ger als einen vor­ge­zo­ge­nen Som­mer­hit. Ein­mal mehr wird ein­drucks­voll unter Beweis gestellt, wie eng Ösi-​Mundart mit zeit­ge­nös­si­scher Wavy­ness ver­wo­ben sein kann. Wäh­rend Ignaz K.s Part strai­ght nach vor­ne geht, ist Kril­lins ver­schmitz­ter Laidback-​Style vor allem auf text­li­che Poin­ten aus­ge­legt. Unter­malt wird das Duo dabei von Fid Mel­las Beat, der dank geschmei­di­ger Sam­ples und fun­ky Melo­di­en die Stim­mung per­fekt ein­fängt. Das alles gip­felt in einer abge­spa­ce­ten Ohrwurm-​Hook, die wohl noch häu­fig auf diver­sen pri­va­ten Wein­ver­kos­tun­gen gegrölt wer­den wird.

 

YAYA – Turnt (splash! Mag Pre­mie­re)

Instru­men­tal: YAYA – Turnt

Für die Beat-​Fetischisten unter den Lesern wird das nichts Neu­es sein, aber was da im Schat­ten von MPM unter dem Namen "KO-​OP" so pas­siert, soll­te man sich nicht ent­ge­hen las­sen. Denn über eben genann­te Com­mu­ni­ty erschei­nen in letz­ter Zeit rich­tig dope Produzenten-​Releases. Jüngs­te Ent­de­ckung ist in die­sem Zusam­men­hang YAYA, ein Produzenten-​Duo mit äußerst eige­nem, ange­neh­men Sound. So über­zeugt zum Bei­spiel der Track "Turnt" von ihrer Debüt-​EP durch die Kom­bi­na­ti­on von chil­li­gen Retro-​Vibes und futu­ris­ti­schen Trap-​Einflüssen. Im Hin­ter­grund klatscht noch sanft die Sna­re, ab und an wird ein kur­zes Vocalsam­ple ein­ge­spielt – da ist alles dabei, ohne dass der Beat gleich über­la­den wirkt. Das führt zu Kopf­ni­cken, aber auch zu ent­spann­tem Zurück­leh­nen und Wir­ken­las­sen. Erfri­schend anders ist die gesam­te "Crack EP" der bei­den Köl­ner sowie beson­ders "Turnt", das damit sehr zu emp­feh­len und so auch unser Instru­men­tal des Monats ist.

 

Line: Anti­fuchs – 1989

Jun­ger Fuchs – ich mach' es ein­fach wie ein Mann:
Ich rock' die Schei­ße fett und kraul' mir dann am Sack.

Deut­scher Rap hat ein Pro­blem. Gut, zuge­ge­ben – deut­scher Rap hat ver­dammt vie­le Pro­ble­me, doch eines der nach wie vor auf­fäl­ligs­ten ist wohl, dass es sich bei der Sze­ne um eine rei­ne Män­ner­do­mä­ne han­delt. Da ist es dann kein Wun­der, dass eben­die­se mas­ku­li­ne Vor­herr­schaft auch aller­lei Sym­pto­me wie frau­en­ver­ach­ten­de Inhal­te und einen omni­prä­sen­ten Sexis­mus mit sich bringt. Dabei gibt es eigent­lich eine rela­tiv simp­le Lösung die­ses Pro­blems und Anti­fuchs bringt die­ses auf dem Track "1989" ihres neu­en Albums "Sto­la" genau auf den Punkt. Denn mehr ist es im Grun­de nicht, was Rap­pe­rin­nen tun müs­sen: es ein­fach genau­so machen. Sich ihren ver­dien­ten Platz in der Sze­ne holen. Schließ­lich gibt es sie: talen­tier­te Künst­le­rin­nen wie Tice, Pilz, Soo­kee, Fiva oder eben Anti­fuchs, die es in Sachen Style und Fähig­kei­ten pro­blem­los mit den männ­li­chen Kol­le­gen auf­neh­men und daher auch ger­ne mal den King of Rap zitie­ren dür­fen. Je mehr Rap­pe­rin­nen zum Mikro grei­fen und "ein­fach die Schei­ße rocken", des­to schnel­ler haben auch die mas­ku­lins­ten unter den Mas­ku­li­nen kei­ne ande­re Wahl mehr, als die Sze­ne mit ihnen zu tei­len. Bis dann letzt­lich auch klar ist, dass es kei­nen Unter­schied macht, ob man nun "wie ein Mann" oder "wie eine Frau" rappt – solan­ge guter Rap dabei raus­kommt.

(Sven Aumil­ler, Stef­fen Uphoff, Flo­ri­an Peking, Lukas Päck­ert, Dani­el Fersch)