Pillath – Onkel der Nation

Schei­ße!
Ich geh' nicht, ich blei­be.

Ziem­lich genau ein Jahr nach sei­nem Come­back wagt Ruhrpott-​Urgestein und "Feu­er über Deutschland"-Legende Pil­lath den nächs­ten musi­ka­li­schen Wurf. Unter dem Titel "Onkel der Nati­on" ver­öf­fent­lich­te er Ende Janu­ar sein zwei­tes Solo­al­bum.

Wie es sei­ne Art ist, fackelt er nicht lang und stürmt nach ein wenig Real­talk – beglei­tet vom Schlacht­ruf "Ich hol' mein Hak!" – direkt drauf­los. Die­se Zei­le ist bezeich­nend für den gesam­ten Lang­spie­ler, denn es geht genau um ein The­ma: Geld. Aller­dings nicht inhalt­lich, son­dern auf­grund der viel zu sche­ma­ti­schen Art, mit der die­ses Album pro­du­ziert wur­de. Man nimmt ein­fach das kom­plett glei­che Kon­zept wie bei "Onkel Pil­lo" und setzt es wie neu auf. An die­ser Stel­le soll­te man viel­leicht erwäh­nen, dass es ein durch­aus net­ter Ansatz ist, Nost­al­gie beim Hörer wecken zu wol­len. Die sim­pel gehal­te­nen, zum Teil herr­lich rohen Beats, gepaart mit bis­wei­len rich­tig star­ken Pun­ch­li­nes und Pil­laths extrem drü­cken­den Flow all das lässt den Hörer noch ein­mal im Dipset-​Himmel des letz­ten Jahr­zehnts schwe­ben. Zwei­fels­oh­ne lobens­wert, doch nicht auf Alb­um­län­ge. Ein, zwei Songs für die Leu­te, die davon gar nicht genug bekom­men kön­nen, hät­ten es locker getan. Denn mitt­ler­wei­le leben wir in einer Zeit, in der ande­re Ansprü­che gel­ten. Das zu fla­che Kon­zept von "Onkel der Nati­on" lei­det bei lan­ger Spiel­dau­er unter zu vie­len dahin­ge­zweck­ten Zei­len. Dass dar­aus eine gewis­se Ein­tö­nig­keit ent­ste­hen kann, war dem Schal­ker viel­leicht durch­aus bewusst – also muss hier und da etwas Auf­lo­cke­rung her. Dafür wird wenig inno­va­tiv mal ein Song mit obli­ga­to­ri­scher Gesangs­hook, mal eine fast schon main­stream­mä­ßi­ge Tira­de über das Soci­al Media-​Verhalten man­cher Men­schen ein­ge­streut.

"Onkel der Nati­on" ist ein kom­plett offen­sicht­li­ches Kon­zept­al­bum. Der einst gro­ße Pil­lath schwankt zwi­schen einer Prä­sen­ta­ti­on, die man eher als "Onkel einer Gene­ra­ti­on" bezeich­nen soll­te, und dem Bei­men­gen von bereits erprob­ten The­men­tracks. Ein solch simp­les Rezept ist lei­der ein­fach nicht mehr zeit­ge­mäß.

(Ben­ja­min Boro­witza)