Adventskalender: Türchen #12 Helen Fares & Johann Voigt

Und wie­der neigt sich ein prall gefüll­tes HipHop-​Jahr dem Ende zu. Um es gebüh­rend abzu­schlie­ßen, stell­ten wir rele­van­ten Per­sön­lich­kei­ten der deut­schen HipHop-​Szene vier Fra­gen zu den ver­gan­ge­nen Mona­ten. Egal, ob Jour­na­list, Rap­per, Pro­du­zent oder ande­re, dem Hip­Hop nahe­ste­hen­de Künst­ler – sie alle ver­ra­ten uns ihre per­sön­li­chen High­lights aus 2019. Zudem beant­wor­te­ten sie uns eine wei­te­re Fra­ge, um auch das ver­gan­ge­ne Jahr­zehnt noch ein­mal Revue pas­sie­ren zu las­sen. Somit las­sen wir nicht nur ein ein­zel­nes Jahr, son­dern gleich eine gan­ze Deka­de fei­er­lich aus­klin­gen. Wir wün­schen unse­ren Lesern sowie allen Lieb­ha­bern und Prot­ago­nis­ten der Kul­tur eine besinn­li­che Weih­nachts­zeit.

 

Helen Fares

MZEE​.com: Wel­ches Album aus die­sem Jahr war dein abso­lu­ter Favo­rit?

Helen Fares: Mein Lieb­lings­al­bum schwankt zwi­schen dem von Yas­sin und dem von Tua. Ich fin­de bei­de sehr bewe­gend. Die haben mich krass abge­holt, mich intel­lek­tu­ell sti­mu­liert, aber mir trotz­dem Rap, Gesang und gute neue Sounds gege­ben. "Tua" und "YPSILON" sind sehr weit oben auf mei­ner Lieblingsalben-​Liste.

MZEE​.com: Und wer ist dei­ne Per­sön­lich­keit des Jah­res der deut­schen Rap­sze­ne?

Helen Fares: Das wäre für mich Tua, weil er mit dem Video zu "Wenn ich gehen muss" ein fan­tas­ti­sches State­ment gesetzt hat. Aber auch das Ver­hal­ten, das er an den Tag legt, fin­de ich extrem gut. Als er näm­lich bei uns im "Dei­ne Homegirls"-Podcast zu Gast war, habe ich ihm Kri­tik ent­ge­gen­ge­bracht und er hat dar­auf sehr gut geant­wor­tet.

MZEE​.com: Von wel­chem New­co­mer 2019 wird man in den nächs­ten Jah­ren noch viel hören?

Helen Fares: Ich hof­fe, dass man in Zukunft sehr, sehr viel von Künst­le­rin­nen wie Mas­han­da hören wird. Fand ich span­nend die­ses Jahr!

MZEE​.com: Wel­che Emp­feh­lung aus dem Jahr 2019 kannst du unse­ren Lesern vor Ende des Jah­res noch geben?

Helen Fares: Das Video von Tua zu "Wenn ich gehen muss" mit Sea-​Eye.

MZEE​.com: Mit 2019 endet auch gleich­zei­tig eine Deka­de. Was waren dei­ne liebs­ten drei Alben aus den 2010er Jah­ren?

Helen Fares: Das ist sehr schwer! Ich wür­de sagen, das wären für mich ein­mal "My Beau­ti­ful Dark Twisted Fan­ta­sy" von Kanye West, das ist glau­be ich sogar 2010 erschie­nen und somit gera­de noch drin. Dann "To Pimp A But­ter­fly" von Kendrick Lamar. Und weil es so aktu­ell und geil ist: "Tua" von Tua.

 

Johann Voigt

MZEE​.com: Wel­ches Album aus die­sem Jahr war dein abso­lu­ter Favo­rit?

Johann Voigt: "UBOOT" von Yung Kafa & Kücük Efen­di, "Per­ro­quet" von Hai­y­ti und "Ener­gie 2" von Rob­an­zee, "1019" von Lucio 101 & Nizi 19, und, und, und. Ich fin­de es komisch, sich immer auf das eine Release beschrän­ken zu müs­sen, weil: Hängt von der men­ta­len Ver­fas­sung ab, was gera­de der Favo­rit ist. Die ändert sich stän­dig, die Favo­ri­ten dem­entspre­chend auch.

MZEE​.com: Und wer ist dei­ne Per­sön­lich­keit des Jah­res der deut­schen Rap­sze­ne?

Johann Voigt: Shou­tout an alle Rap­per und Jour­na­lis­ten in der soge­nann­ten Rap­sze­ne, die sich gegen Ras­sis­mus, Sexis­mus, Homo­pho­bie, jeg­li­che grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit aus­spre­chen – und zwar nicht nur ein­mal im Jahr in einem Alibi-​Statement in Soci­al Media, son­dern tag­täg­lich.

MZEE​.com: Von wel­chem New­co­mer 2019 wird man in den nächs­ten Jah­ren noch viel hören?

Johann Voigt: Zum Bei­spiel von Kasimir1441, wenn er noch auf sei­nen stump­fen Sexis­mus ver­zich­tet, Lucio 101 & Nizi 19, Pas­h­anim und von allen Ero­tik Toy Records-​Künstlern sowie­so.

MZEE​.com: Wel­che Emp­feh­lung aus dem Jahr 2019 kannst du unse­ren Lesern vor Ende des Jah­res noch geben?

Johann Voigt: Wahr­schein­lich jedes Meme mit Deutschrap-​Bezug, das in die­sem Jahr ent­stan­den ist. Grin­det ein­fach Twit­ter von oben bis unten durch. Deutschrap 2019 und vor allem das Drum­her­um war wirk­lich ein ein­zi­ges Meme. Oder die gan­zen ALL GOOD-​Podcasts mit Jan Wehn. Oder lest die aller­letz­te JUICE-​Printausgabe. R.I.P. JUICE. Oder hört die vier, fünf guten deut­schen Rapal­ben, die die­ses Jahr erschie­nen sind. Oder macht irgend­was ande­res. Aber mel­det euch nicht für ein bestimm­tes Coaching-​Programm eines bestimm­ten deut­schen Rap­pers an.

MZEE​.com: Mit 2019 endet auch gleich­zei­tig eine Deka­de. Was waren dei­ne liebs­ten drei Alben aus den 2010er Jah­ren?

Johann Voigt: "City Tarif" von Hai­y­ti, "808" von Ufo361 und "Miet­wa­gen­tape" von Celo & Abdi. Ich wür­de nicht mal sagen, dass die drei Alben bezie­hungs­wei­se Mix­tapes die bes­ten Deutschrap-​Releases des Jahr­zehnts sind. Aber ich fin­de, dass Celo & Abdi, Ufo361 und Hai­y­ti alle auf ihre Art den Sound und den Umgang mit Spra­che von und im Deutschrap geprägt haben. Mit all ihren Releases eigent­lich. Die­se drei fin­de ich aber am wich­tigs­ten.

(Kris­ti­na Scheu­ner & Sven Aumil­ler)
(Foto von M. Mar­ti­ni (Johann Voigt))
(Gra­fik von Dani­el Fersch)