PTK

"Und auch mei­ne Tex­te ret­ten nicht die Welt, doch mein Album reißt sein Maul auf, wenn ihm etwas nicht gefällt!" – Zei­len von sei­nen "100 Bars", die PTK nicht tref­fen­der beschrei­ben könn­ten. Der Bombenprodukt-​Künstler fängt genau da an zu rap­pen, wo ande­re nur an der Ober­flä­che krat­zen wol­len: Reli­gi­on, Poli­tik, Gen­tri­fi­zie­rung. Das selbst­er­klär­te Ziel sei­ner Tex­te lässt sich dabei recht ein­fach fas­sen: Rap end­lich wie­der eine Messa­ge geben. Wie die­se aus­sieht und war­um vie­le Men­schen sie falsch inter­pre­tie­ren, war unter ande­rem The­ma in unse­rem Inter­view – neben etwai­gen Dis­kus­sio­nen über Reli­gi­on, poli­ti­sche Kor­rekt­heit und PTKs neu­es Album "Unge­räch­te Welt". 

MZEE​.com: Auf dem Cover dei­ner neu­en Plat­te stehst du vor einer Kulis­se, die du als "den kras­ses­ten Ort, den du je besucht hast" bezeich­nest. Was macht die­sen Ort für dich so beson­ders?

PTK: Ich woll­te das Cover in einem sehr weit­räu­mig wir­ken­den, von Men­schen geschaf­fe­nen Raum machen. Das soll­te dann im Kon­trast zu mir und mei­ner Per­son ste­hen. Dann haben wir uns auf die Suche nach die­sem Ort bege­ben, über zwei Mona­te lang, bis wir ihn an der hol­län­di­schen Gren­ze gefun­den haben. Was genau das ist, will ich aber noch gar nicht ver­ra­ten. Wir sind jeden­falls über­haupt nicht dar­auf klar­ge­kom­men – eigent­lich hat es gereg­net, doch auf­grund der Archi­tek­tur hat man nicht mal das gemerkt. Dann noch die unglaub­li­che Akus­tik, die­ses Hell­hö­ri­ge. Das hat mei­nen Kame­ra­mann und mich wahn­sin­nig geflasht. Völ­lig ver­rückt, die­se 150 Meter hohen Mau­ern. Des­halb woll­te ich unter ande­rem nur so klein auf dem Cover sein, um die Dimen­sio­nen zu ver­deut­li­chen. Aber auch, weil es da nicht um mich geht, son­dern um etwas viel Grö­ße­res.

MZEE​.com: Du hast im Track "Wenn mein Album kommt" Ehr­lich­keit als dein Allein­stel­lungs­merk­mal beti­telt. Was macht für dich denn bedin­gungs­lo­se Ehr­lich­keit aus und wie bringst du sie in dei­ne Songs ein?

PTK: Ich habe immer schon Musik gehört, die ich gefühlt habe. Meist über die Lyrics, weil ich das Erzähl­te ken­ne oder die Aus­sa­gen nach­voll­zie­hen kann. Ansons­ten lebt vor allem Hip­Hop für mich durch das Fee­ling – selbst wenn ich die Spra­che nicht ver­ste­he. Genau das habe ich auch ver­sucht, zu schaf­fen: Indem ich das erzäh­le, was ich erlebt habe und was in mei­nem Kopf so pas­siert. Das mein­te ich mit Echt­heit und Ehr­lich­keit. Mir geht es um die Denk­an­stö­ße und die Inhal­te. Das kann man auch auf Fil­me oder Bücher über­tra­gen. Ich sehe lie­ber eine Doku als einen belang­lo­sen und frei erfun­de­nen Action­film. Das fin­de ich ein­fach span­nen­der. Und so gehe ich eben auch an mei­ne Musik ran. Tex­te schrei­ben ist bei mir fast wie Tage­buch füh­ren: Ich will Din­ge auf den Punkt brin­gen und mir nichts aus­den­ken, auch wenn ich mal die ein oder ande­re Zei­le über­spitz­ter dar­stel­le.

MZEE​.comDu stellst die Messa­ge über alles – eine Idee, die tief im Hip­Hop ver­wur­zelt ist. Wie ist denn dei­ne Ver­bin­dung zur Sze­ne im All­ge­mei­nen? Hast du zu ande­ren HipHop-​Elementen eine genau­so enge Ver­bin­dung wie zum Rap?

PTK: Es ist auf jeden Fall wich­tig zu wis­sen, wo das alles her­kommt. Aber selbst wenn es nicht so wäre, wür­de ich Rap so nut­zen. Ein­fach, weil das die best­mög­li­che Form für mich ist. Ich wür­de immer Inhal­te ver­mit­teln wol­len. Für mich per­sön­lich zählt der Inhalt sowie­so schon als wich­ti­ge Ein­heit, auch im Pri­vat­le­ben. Ein Mensch ohne Mei­nung oder Hal­tung ist für mich todes­lang­wei­lig – und so ist das bei ober­fläch­li­cher Musik auch. Vie­les davon ist auch wack und ziem­lich plas­tisch und … (über­legt) Sor­ry, ich woll­te nicht wie­der anfan­gen zu haten. (lacht) Was ich sagen will: Das gibt mir halt ein­fach nichts. Die Inhal­te ver­bin­den mich mit Hip­Hop. Ich sehe mich aber mehr als Künst­ler statt nur als Musi­ker. So musi­ka­lisch bin ich ja gar nicht – ich wür­de eher sagen, Schrei­ben ist mei­ne Stär­ke … Wenn man das so sagen kann, ohne arro­gant zu wir­ken. (lacht) Ich bin nicht der kras­ses­te Rap­per, hab' nicht die kras­ses­te Stim­me oder den hef­tigs­ten Flow, aber schrei­ben kann ich. Ansons­ten bin ich lei­der auch kein Sprü­her oder guter DJ – wobei ich Graf­fi­ti über­trie­ben fei­er'!

MZEE​.comHast du auch eine Con­nec­tion zur Graffiti-​Szene?

PTK: Klar, ich will auch immer mal wie­der befreun­de­te Spray­er in Vide­os ein­bin­den. Ein Kum­pel von mir malt zum Bei­spiel kei­ne Namen, son­dern aus­schließ­lich poli­ti­sche Aus­sa­gen. Das mag ich sehr ger­ne. Beim Video zu "Anti Turis­ta 2" sind schon zwei Züge von ihm drin, unter ande­rem das Pie­ce mit "Money­pula­ti­on". Brea­ker und DJs ken­ne ich lei­der kaum – ich bin froh, wenn ich Leu­te ken­nen­ler­ne, die noch anstän­dig scrat­chen kön­nen. Mei­nen größ­ten Bezug hab' ich aber auf jeden Fall zu Rap und Graf­fi­ti. Sol­che Con­nec­tions sind für mich auch immer geil für gemein­sa­me Pro­jek­te. Das müs­sen nicht immer nur Fea­tures sein, man kann ja auch auf ande­ren Ebe­nen zusam­men­ar­bei­ten. Der hat mich irgend­wann mal ange­schrie­ben, als er Zei­len von mir gemalt hat. Und er hat ein wahn­sin­ni­ges Talent dafür.

MZEE​.com: Willst du künf­tig noch mehr mit Leu­ten aus ande­ren Sub­kul­tu­ren zusam­men­ar­bei­ten?

PTK: Auf jeden Fall! Ich mag es, dass es die­ses Uni­ver­sum um die Musik her­um ergibt. Man weiß ja auch nicht, wohin die Rei­se genau führt und wo man sich künf­tig gegen­sei­tig unter­stüt­zen kann. Ich habe das Gefühl, dass ich Leu­te mit Kön­nen und ähn­li­chen Ansich­ten qua­si anzie­he. Rap ist mir da nicht genug. Ich kann mir zum Bei­spiel auch vor­stel­len, mal ein Buch zu schrei­ben oder etwas Jour­na­lis­ti­sches zu machen. Da erge­ben sich dann ganz ande­re Mög­lich­kei­ten der Zusam­men­ar­beit.

MZEE​.com: Stell dir vor, du wür­dest mal ein Buch ver­fas­sen: Über wel­ches The­ma wür­dest du schrei­ben?

PTK: Ich wür­de auf jeden Fall nicht mei­ne Memoi­ren schrei­ben. Im Sin­ne von "PTK – Das war mein Leben", das braucht kei­ner. (lacht) Das mache ich sowie­so schon mit mei­ner Musik. Ich müss­te also über etwas schrei­ben, was ich im Rap nicht ver­ar­bei­ten kann. Etwas Grö­ße­res, Län­ge­res. Das Pro­blem ist ja: Wenn du einen Text schreibst, bist du trotz allem ein wenig befan­gen. Ob man sich nun rela­tiv kurz­fas­sen muss in einem Song, etwas auf den Punkt oder es in Reim­sche­ma­ta brin­gen muss – das sind alles Struk­tu­ren, die dir vor­ge­ge­ben sind. Wenn ich jetzt etwas schrei­be oder nur bei Face­book etwas pos­te, habe ich die­ses Kor­sett nicht und errei­che trotz­dem Leu­te damit. In einem Buch wür­de ich genau das nut­zen, um mei­ne Gedan­ken­gän­ge rich­tig aus­zu­for­mu­lie­ren. Viel­leicht sogar mit vie­len klei­nen Tex­ten zu einem Über­the­ma. Wobei … Ich könn­te mir auch vor­stel­len, dass ich Gesprä­che mit Leu­ten fest­hal­te. Ich bin der Mei­nung, vie­le inter­es­san­te Men­schen zu ken­nen und die­se auch oft zu con­nec­ten. Deren Geschich­ten gehö­ren eben­so erzählt. Das ist die­ses Uni­ver­sum, von dem ich spre­che.

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MZEE​.comErst an Ostern hast du dich mit einem Text auf Face­book an dei­ne Fans gewandt. Der Post ist auf der Zei­le "Der Mensch ist Got­tes letz­te Pla­ge" vom Titel­song dei­nes neu­en Albums auf­ge­baut. Bist du ein gläu­bi­ger Mensch? Fas­zi­niert dich Reli­gi­on?

PTK: Ich dach­te mir: "Wann, wenn nicht an Ostern die­sen Text pos­ten?" (lacht) Jesus ist ein span­nen­des The­ma, mit dem ich mich durch­aus befas­se. Egal, ob ich das jetzt glau­be oder nicht, die Messa­ge der Geschich­te ist inter­es­sant. Da geht es um die kom­plet­te Auf­op­fe­rung zum Woh­le aller. Das kann ich mir gar nicht vor­stel­len. Die Mensch­heit ist so fürn Arsch – als wür­de ich für all die­se Leu­te ster­ben wol­len! Das unter­schei­det mich übri­gens auch von vie­len Lin­ken, die ja häu­fig anti Reli­gi­on sind. So sehe ich das gar nicht. In mei­nem engen Freun­des­kreis fin­den sich zum Bei­spiel Athe­is­ten wie streng gläu­bi­ge Mus­li­me glei­cher­ma­ßen. Das sind wahn­sin­nig sozia­le und lie­be Men­schen, die mir ihre Reli­gi­on auch nicht auf­zwin­gen wol­len. Wenn ich bei­spiels­wei­se beim Essen dort zu Gast war, wur­de vor der Mahl­zeit gebe­tet, damit war ich natür­lich auto­ma­tisch Teil davon – genervt hat mich noch nie jemand mit sei­nem Glau­ben. Da merkt man: Reli­gi­on an sich ist gar nicht schlimm, nur das, was die Men­schen dar­aus machen. Des­we­gen hat mich das auch immer schon inter­es­siert. Es ist krass fas­zi­nie­rend, dass Reli­gi­on schon immer exis­tiert hat, selbst bei den kleins­ten Amazonas-​Völkchen. Ich fin­de es aller­dings ganz schwie­rig, zu sagen, eine Reli­gi­on sei die ein­zig rich­ti­ge. Damit stellt man sich auto­ma­tisch über ande­re. Was rich­tig und falsch ist, das kann kei­ner hier sagen. Das funk­tio­niert auch von der Logik her über­haupt nicht: Wenn nur eine Reli­gi­on Recht hät­te, kann doch der rest­li­chen Welt nicht der Him­mel ver­wehrt blei­ben. Immer­hin kann es gut sein, dass ich die "rich­ti­ge" Reli­gi­on nie ken­nen­ge­lernt habe … Aber lan­ger Rede kur­zer Sinn: Ich glau­be auch an etwas, aber eher dar­an, dass jeder Mensch selbst für sich weiß, was rich­tig und falsch ist.

MZEE​.com: Du glaubst also weni­ger an etwas Über­ir­di­sches, mehr an einen inne­ren Kom­pass?

PTK: Ja, teil­wei­se. Ich fin­de, Wör­ter wie "Gott" oder "Uni­ver­sum" bis hin zu "See­le" oder "Moral" bedeu­ten alle irgend­wie das Glei­che. Nenn es mei­net­we­gen ein Gewis­sen. Du kannst beur­tei­len, was jetzt nicht rich­tig oder gar falsch ist. Du machst es viel­leicht trotz­dem, aber du weißt, dass es nicht kor­rekt ist. Vie­le wür­den jetzt sagen, dass es Erzie­hungs­sa­che ist, aber da bin ich nicht dabei. Wenn du ein reflek­tier­ter Mensch bist, ist es auch egal, wer dei­ne Eltern und dei­ne Freun­de sind, du hast die­se inne­re Stim­me. Des­halb brau­che ich auch kein Buch, das mir erklärt, was Glau­be ist – die Kraft habe ich schon in mir.

MZEE​.comGlaubst du denn, dass das in Reli­gio­nen tat­säch­li­cher Glau­be ist? Oder ist "Gott" nur die Flucht vor etwas, das man nicht wirk­lich ver­steht?

PTK: Das mei­ne ich, ja. Es ist immer die leich­tes­te Erklä­rung, zu sagen, es gäbe etwas Grö­ße­res als uns. Das wer­den wir lei­der nie erfah­ren, dafür sind unse­re Sin­ne zu beschränkt. Wir sehen nicht wie ande­re Tie­re, hören nicht wie sie, viel­leicht fehlt uns dafür ein­fach der ent­spre­chen­de Sinn. So eine Amei­se hat ja auch einen viel klei­ne­ren Hori­zont und erfasst gar nicht, dass sie auf dei­ner Hand sitzt. Ich kann mir aber auch vor­stel­len, dass es Leu­te gibt, die wirk­lich kei­nen Glau­ben haben. Doch selbst die glau­ben ja wie­der­um an die­ses Nichts.

MZEE​.comEben­falls biblisch kon­no­tiert ist dein Track "Baby­lon City", benannt nach der Stadt der Sün­de und Deka­denz. Wo exis­tiert die­se Stadt für dich noch heu­te wei­ter und wie­so?

PTK: Na ja, um ehr­lich zu sein: Mit "Baby­lon City" ist nichts ande­res als Ber­lin gemeint. Ich nen­ne das Kind aber extra nicht beim Namen. Durch die­ses feh­len­de Nen­nen kann jeder für sich selbst sei­ne Stadt der Sün­de fin­den und bestim­men. Die Anrei­ze, den Song zu schrei­ben und die Bil­der, die ich im Track beschrei­be, habe ich aber alle hier ein­ge­fan­gen. Die ein­zi­ge Refe­renz dazu fin­det sich in einer "Wir Kin­der vom Bahn­hof Zoo"-Zeile. Ansons­ten ist eben jede Groß­stadt ein klei­nes Baby­lon. Auch wenn Stutt­gart viel­leicht ein biss­chen weni­ger Sün­de hat als Ber­lin. (lacht) Im Ernst: Über­all, wo es vie­le Men­schen gibt, gibt es Pro­ble­me. Und die­se Sün­de trägt der Mensch selbst in sich, das ist ja orts­un­ab­hän­gig.

MZEE​.com: Du spielst also eher mit dem bibli­schen Zusam­men­hang.

PTK: Ja! Ich mag das total. Sol­che Redens­ar­ten – auch aus der Bibel – umzu­funk­tio­nie­ren und ihnen einen neu­en Sinn zu geben. Vor allem die­se Orte und Gege­ben­hei­ten aus dem Buch der Chris­ten sind ja im all­täg­li­chen Sprach­ge­brauch tief ver­wur­zelt. Des­we­gen ver­glei­che ich auch immer Geld mit Reli­gi­on, weil ich öfter sage, dass sie eben nur die­ses anbe­ten. Und die Schei­ne brin­gen die Sün­de nun in Form von Neid oder Gier mit sich.

MZEE​.comSchaut man in dei­ne Kom­men­tar­spal­ten, hat man den Ein­druck, dass sich die Leu­te mit dei­nen Inhal­ten sehr viel dif­fe­ren­zier­ter aus­ein­an­der­set­zen als bei einem Mainstream-​Rapper. Wie wich­tig ist es für dich, dass dei­ne Fans dei­ne Tex­te objek­tiv und kri­tisch betrach­ten?

PTK: Das Pro­blem ist, dass nie­mand mei­ne Inhal­te genau­so ver­ste­hen kann, wie ich sie mei­ne. Du musst nur ein Wort anders deu­ten und bekommst viel­leicht ein ganz ande­res Bild von mir. Das habe ich schon 2013 bei "Anti Turis­ta" gemerkt. Unter dem Video habe ich genau drei ver­schie­de­ne Arten von Kom­men­ta­ren bekom­men: "scheiß Nazi", "scheiß Zecke" und "scheiß Kana­ke". Für jeden bin ich etwas ande­res, jeder inter­pre­tiert in mei­ne Tex­te das hin­ein, was er möch­te. Die Leu­te ken­nen mich halt nicht kom­plett – und das geht ja auch gar nicht.

MZEE​.comUnd selbst wenn sie dich ver­ste­hen, muss ihre ja nicht mit dei­ner Mei­nung über­ein­stim­men.

PTK: Genau! Das ist eben der Punkt: Du kannst den Inhalt nach­voll­zie­hen, aber das bedeu­tet ja kei­nes­falls, dass du ihn gut fin­dest. Ich gehe damit in vie­len Fäl­len aber sehr offen um. Häu­fig ver­schre­cke ich Leu­te, aber das sind die Leu­te, die ich auch gar nicht anspre­chen will. Es haben sich schon Men­schen bei mir gemel­det, die mir nur Gutes für mei­ne Kar­rie­re gewünscht hät­ten, wenn ich "nicht so links wäre". Einer hat sich selbst eher rechts der CDU ein­ge­ord­net. Und wir haben bei The­men wie der Flücht­lings­de­bat­te die glei­chen Pro­ble­me und Ansät­ze gese­hen, aber sie völ­lig anders bewer­tet. Wir haben ganz ande­re Schlüs­se gezo­gen und ich mein­te zu ihm auch, dass ich kei­ne Ahnung habe, wie er dann mei­ne Musik mögen kann. Aber er zieht da wohl etwas ganz ande­res her­aus. Das ist alles Ansichts­sa­che. Mir ist es aber viel wert, dass ich Leu­te zum Nach­den­ken anre­ge, auch wenn mich nicht alle fei­ern für das, was ich sage. Ich wür­de mich auch nicht ändern, um das zu errei­chen. Ich will nur, dass mei­ne Musik die Leu­te erreicht, die sich durch die Inhal­te ange­spro­chen füh­len und nicht, dass irgend­wel­che Nazis mei­ne Musik hören.

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MZEE​.com: Willst du denn von einer brei­te­ren Mas­se wahr­ge­nom­men wer­den?

PTK: Mich wür­de es krass freu­en, wenn die Musik, die ich mache, mehr Leu­te anspre­chen wür­de. Aber die Mensch­heit ist nicht so. Die will dum­mes Enter­tain­ment, nicht nach­den­ken. Die wol­len Talkshow-​Formate, wo irgend­wer irgend­wen betro­gen hat und dann strei­ten sich bei­de live im Mit­tags­fern­se­hen. Da reden sie über die Din­ge, bei denen du dir als intel­li­gen­ter Mensch an den Kopf packst und dir wünschst, du wärst selbst so däm­lich. Das benei­de ich manch­mal, weil unre­flek­tier­te Men­schen gar nicht sehen, wie schei­ße alles im Gan­zen ist. Inner­lich geht es denen wahr­schein­lich bes­ser.

MZEE​.com: Du erhältst ja nicht nur Zustim­mung. Glaubst du, die Kri­tik kommt von Leu­ten, die sowie­so schon etwas gegen dich oder dei­ne Musik haben?

PTK: Die gibt es mit Sicher­heit. Ich wür­de jetzt aber nicht so arro­gant sein, das zu behaup­ten. Ich glau­be, da sind sehr vie­le Leu­te dabei, die gar kei­ne Ahnung haben und mich viel­leicht auch gar nicht ein­schät­zen kön­nen. Für die kommt das dann so rüber. Die wol­len viel­leicht auch etwas zu meckern haben, das ken­ne ich zumin­dest aus ande­ren Krei­sen. Ein Bei­spiel: Bei mei­ner Band waren frü­her auch ein paar Mädels dabei. Aktu­ell besteht unse­re Beset­zung aus sechs Män­nern. Bei einem Kon­zert in Cel­le neu­lich kam tat­säch­lich eine Dame an und mein­te, wir sei­en wirk­lich gut, bräuch­ten aber unbe­dingt eine Frau in der Grup­pe. Ich dach­te zuerst, das wäre ein Ange­bot und habe sie gefragt, ob sie eine coo­le Sän­ge­rin kennt, aber da kam als Ant­wort nur: "Nein, ihr braucht ein­fach Frau­en". Ja, war­um haben wir kei­ne Frau in der Band?! War­um haben wir kei­nen Ele­fan­ten dabei?! Es hat sich halt ein­fach zu dem Zeit­punkt nicht erge­ben. (lacht)

MZEE​.comWie gehst du damit um, wenn jemand dei­ne Ansich­ten hin­ter­fra­gen möch­te? Zum Bei­spiel bei The­men wie der AfD oder der Flücht­lings­de­bat­te, bei denen du klar Stel­lung beziehst.

PTK: Also erst ein­mal krie­ge ich das ja offen­siv mit, in Dia­lo­ge tre­te ich auch von mir aus. Auf Face­book zum Bei­spiel, wenn wie­der irgend­wel­che Fake News ver­brei­tet wer­den. Die tei­len dann irgend­wel­che Idio­ten und alle het­zen gemein­sam in den Kom­men­ta­ren. Dann klickst du auf die Sei­te und siehst eine Home­page, die auch mit Paint gebas­telt wer­den könn­te. Du siehst ein­fach auf den aller­ers­ten Blick, dass da nur Bull­shit steht. Da habe ich wirk­lich täg­lich Leu­te aus mei­ner Freun­des­lis­te gestri­chen, weil die so einen Müll gepos­tet haben. Ich habe dort ja auch vie­le Fans ange­nom­men und ich habe kei­ne Ahnung, wie die mit sol­chen Ansich­ten auf mei­ne Musik gekom­men sind. Viel­leicht haben die "Deut­scher als du glaubst" ein biss­chen falsch ver­stan­den. (lacht) Am Anfang habe ich noch ver­sucht, mit denen zu dis­ku­tie­ren. Ich habe gefragt, ob sie gar nicht che­cken, dass das kom­plet­ter Dreck ist. Aber da kamen dann auch nur dum­me Ant­wor­ten zurück, des­we­gen lösche ich die mitt­ler­wei­le direkt. Mir ist die­ses "Bekeh­ren" auch ein­fach zu anstren­gend. Wenn du schon so denkst, dann bist du es gar nicht wert, dass ich mei­ne Ener­gie an dir ver­schwen­de.

MZEE​.com: Die Mei­nun­gen kannst du ja auch häu­fig gar nicht ändern, da sind die Men­schen in ihrem Welt­bild zu fest­ge­fah­ren.

PTK: Na ja, das kann man bei mir umge­kehrt ja auch nicht. Mit mir kannst du nicht reden. Ich bin in mei­ner Mei­nung kom­plett gefes­tigt, auch wenn ich nicht weiß, ob es die rich­ti­ge ist. Aber in mei­nem Uni­ver­sum ist sie das eben. Das ist bei sol­chen Leu­ten dann auch so. In den sel­tens­ten Fäl­len kannst du ja Men­schen in ihrer Mei­nung ums­wit­chen, da muss eini­ges zusam­men­kom­men. Mei­ne Mei­nung ist halt, dass die­se Flücht­lings­geg­ner ein­fach sehr unre­flek­tiert den­ken und nicht das gro­ße Gan­ze sehen. Die suchen nur den bil­ligs­ten Sün­den­bock. Ich fin­de es geil, dass es so vie­le ver­schie­de­ne Kul­tu­ren gibt, selbst wenn du halt über­all auch Arsch­lö­cher fin­den kannst. Die kannst du aber nicht alle über einen Kamm sche­ren. Es gibt so vie­le, die aus der Not her­aus hier­her­ge­kom­men sind. Deren Fami­li­en vor ihren Augen erschos­sen wur­den oder die ein­fach nur die­se irre Fahrt übers Mit­tel­meer gemacht haben. Die sind zu Fuß aus Grie­chen­land her­ge­lau­fen teil­wei­se, das macht man ja nicht aus Spaß. Kei­ner tut das. Kei­ner ver­lässt ger­ne sei­ne Hei­mat. Da muss man doch den Grund sehen. Nazis den­ken da viel zu ver­kürzt und suh­len sich lie­ber in Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Die beschäf­ti­gen sich lie­ber damit, wie das "arme deut­sche Volk" unten gehal­ten wird. Was denkt ihr denn, wer ihr seid? Führt die Welt nichts Bes­se­res im Schil­de, als Deutsch­land zu ver­nich­ten, oder was?

MZEE​.comNach­dem du eben schon dei­ne Akti­vi­tät bei Face­book ange­spro­chen hast: Dort liegt dein Fokus ein­deu­tig nur auf der Musik – nichts soll vom Rap ablen­ken. Ist das auch eine gewis­se Art "Selbst­schutz"? Wie sehr willst du die Pri­vat­per­son hin­ter PTK von der öffent­li­chen Wahr­neh­mung tren­nen?

PTK: Gute Fra­ge. Natür­lich erfährt nie­mand alles, aber in mei­ner Musik las­se ich schon extrem tief bli­cken. Bei mei­nem letz­ten Album "Typisch deutsch" haben Freun­de durch die Songs Din­ge erfah­ren, die ich ihnen nie erzählt habe. Bei Soci­al Media ist das anders. Ich habe mir schon mal über­legt, ob ich mir so aus der Lau­ne her­aus ein Smart­pho­ne hole und jeden Tag alles pos­te – wo ich bin, was ich mache, wen ich weg­get­in­dert habe – ein­fach, um auf­zu­zei­gen, wie hän­gen­ge­blie­ben das alles ist. Ich weiß, dass vie­le Rap­per die­se Video­blogs krass nut­zen, um ihre Reich­wei­te zu stei­gern. Damit die Leu­te sehen, dass der ja real ist und gera­de wirk­lich kifft, wäh­rend die Poli­zei vor­bei­fährt. Viel­leicht soll­te ich auch mal live gehen auf einer Demo oder so. Aber ab dem Moment, in dem man den Witz erklä­ren muss, ist er auch nicht mehr wit­zig.

MZEE​.comEigent­lich ein schö­nes Schluss­wort, auch für etwai­ge Realness-​Debatten. Aber die letz­ten Wor­te gehö­ren dir.

PTK: Da bringst du mich jetzt noch auf was mit dem Begriff. "Real­ness" heißt bei den Kids heut­zu­ta­ge ja irgend­wie nicht mehr "echt", son­dern eher "cool". Aber nur, weil jemand real ist, ist er doch eigent­lich nicht gleich­zei­tig auch ein guter Typ? Wenn jemand dar­über rappt, in den Knast zu müs­sen, spricht das zwar für sei­ne Echt­heit, aber ist das denn auto­ma­tisch cool? Mir ist nur eines krass wich­tig: Egal, was für ein Mensch du bist, rapp ein­fach dar­über, was du bist. Wobei, das ist nicht nur auf Rap bezo­gen: Ver­stell dich nicht, son­dern steh zu dir. Ich has­se es, wenn Men­schen so tun, als wären sie etwas ande­res. So. Das ist doch ein noch schö­ne­res Schluss­wort, oder? (lacht)

(Sven Aumil­ler)
(Fotos von Jakob Till­man)