Rino Mandingo

"Also, so könnt' ich nicht sein!" – Ein Satz, den so ziemlich jeder schon einmal gesagt oder zumindest gedacht haben dürfte. Und außerdem der Titel von Rino Mandingos aktuellem Album. Der Name ist gleichzeitig auch Programm – so beschreibt der Rapper auf Beats seines Kumpels HawkOne die Lebenslagen verschiedener Personen, in deren Haut er selbst so nicht unbedingt stecken wollen würde. Gleich im Intro macht er etwa klar, sich nicht vorstellen zu können, um sieben Uhr morgens bereits im Studio zu stehen und aufzunehmen. Ein paar Stunden später ein Interview zu geben, ist dagegen kein Problem. Deshalb unterhielten wir uns mit Rino Mandingo um zehn Uhr morgens über sein Album, seine Meinung zur aktuellen Szene, Frauen im Battlerap und die Angst davor, selbst jemand zu werden, von dem andere sagen: "Also, so könnt' ich nicht sein!"

MZEE.com: Bevor du vor Kurzem gemeinsam mit HawkOne deine neue Platte "ASKINS" rausgebracht hast, hattest du nur Tapes und EPs veröffentlicht.  Ein ganzes Album ist meistens noch mal ein größerer Schritt für einen Künstler. Bist du an "ASKINS" anders herangegangen als an vorherige Werke?

Rino Mandingo: Wie du schon sagst, ist das halt ein wichtigeres Release für mich – mein erstes Großes. Deswegen hat's wahrscheinlich auch so lange gedauert. (lacht) Man will ja irgendwie, dass es gut wird. Am Anfang kamen eben ein paar Sachen dazwischen. Als wir damals beim #MOT mitgemacht hatten, war das Album eigentlich schon so gut wie fertig. Aber dann war eben ein halbes Jahr vergangen, das komplett Zeit gefressen hat, und ich fand auch die Songs nicht mehr so dope. Darum habe ich mir dann mehr Mühe gegeben, bin mehr ins Detail gegangen. Wir haben die Tracks auch richtig ausproduziert, während das auf meinen EPs größtenteils Ein-Part-Songs ohne richtige Hook und einfach nur mit Scratches hinten dran sind. Den Flavour feiere ich zwar auch, aber für das Album wollte ich mal Songs machen. "ASKINS" vertreiben wir jetzt auch zum ersten Mal digital, die "Schwesternmacher"-EP war nur als Tape und die anderen Releases nur auf Vinyl erwerbbar.

MZEE.com: Du hast gerade das #MOT erwähnt – auch im Turnier hast du schon mit HawkOne zusammengearbeitet. Warum genau hast du dich dafür entschieden, das komplette Album von ihm produzieren zu lassen?

Rino Mandingo: Das habe ich auf meinen Releases schon immer so gehalten, denn ich finde, es ist einfach ein schönerer roter Faden. Es wirkt auf mich immer so puzzlemäßig, wenn ein Album von mehreren Leuten produziert ist. Ich finde es besser, wenn das ein Dude komplett durchproduziert, so steht eine Vision hinter dem Album. Ich fand das schon damals bei der ersten Platte von Huss & Hodn dope – das ist einfach dieses "back to the roots"-Ding. Dieses "ein Team"-Ding. Natürlich bin ich als Rapper ein wenig die Galionsfigur, aber mir geht es dennoch auch um dieses Gang-Gefühl. Das ist eine Familie und deswegen kommt auch die Produktion aus einer Familie.

MZEE.com: Lass uns vom roten Faden des Sounds mal auf den inhaltlichen roten Faden kommen. "ASKINS" steht für "also so könnt ich nicht sein" und beschreibt damit den Gedanken, dass Eltern und Kinder ihre Lebensstile gegenseitig oft nicht nachvollziehen können. Was hat dich dazu bewegt, daraus das komplette Album zu entwickeln?

Rino Mandingo: Ich finde es immer am interessantesten, wenn Rapper nicht versuchen, mir etwas mit Zeigefingerhaltung zu erklären. Ich will den Typen kennenlernen. Und ich glaube, das vermittelt er mir am ehesten durch seine Weltsicht oder dadurch, dass er mir erzählt, welche Fehler er gemacht hat. Ich will mich mit dem Dude identifizieren können. Und diesen Generationenkonflikt, gerade mit unseren Eltern ... den haben wir alle, denke ich. Deshalb war das einfach eine gute Möglichkeit für mich, das Album persönlich zu halten. Der Hauptkonflikt ist schon der zwischen den Generationen allgemein, aber in einzelnen Songs geht es dann schon auch mal um die älteren und die jüngeren Rapper. Das ist von Song zu Song immer sehr bipolar gehalten. Das eine Extrem gegen das andere. Der Leitfaden ist aber natürlich dennoch der Generationenkonflikt.

MZEE.com: Du schlüpfst in einzelnen Tracks in unterschiedliche Rollen und nimmst beide Haltungen ein. Mal sind es die Eltern oder  die jüngere Generation, mal ein der Newcomer oder der alteingesessene Rapper. Gibt es aus deiner Perspektive denn auch Ansichten, von denen du absolut sagst: "Also, so könnt' ich nicht sein"?

Rino Mandingo: Da fällt mir jetzt speziell eine Stelle aus dem Song "e-sport-zigarette" ein, den ich aus der Perspektive einer Mutter rappe, deren Sohn den Arsch nicht hochkriegt. Da gibt es viele Aspekte, die man verstehen kann, in denen man sich auch wiedererkennt. Aber es gibt eine Zeile, die lautet: "Sagst du zu deiner Frau auch: 'Hau ab und verpiss dich!', bis du deine Frau dann schlägst – wenn du überhaupt auf Frauen stehst?!" Da steckt diese latente Homophobie drin, die unseren Eltern irgendwie noch genauso innewohnt wie ein latenter Rassismus. Bei uns im Osten ist das wahrscheinlich ein bisschen stärker ausgeprägt als bei Leuten, die aus dem Westen kommen. Man kannte schwarze Leute und Schwule halt nur aus Filmen und Zeitungen, aber niemand kannte persönlich einen. Und so hat sich dann so eine rassistische, homophobe Haltung manifestiert, die vielen selbst wahrscheinlich gar nicht mal richtig bewusst ist. Das sind eben so Sachen, bei denen ich mich dann auch mit meiner Eltern-Generation streite.

MZEE.com: Werden nachfolgende Generationen deinen Lebensstil nicht irgendwann einmal auch für veraltet oder spießig halten?

Rino Mandingo: Ganz genau. Und darum geht's mir auch – davor habe ich große Angst. Deswegen zeige ich immer diese beiden Extreme auf und versuche, mich dann irgendwo in der Mitte einzuordnen. Ich finde es extrem wichtig, dass man in regelmäßigen Abständen reflektiert, ob das eigene Bild der Rapszene nicht inzwischen schon ein wenig zu hängengeblieben ist. Ich will nicht irgendwann diesen Fehler machen, den Falk Schacht mal ganz gut beschrieben hat. Damals, als die Aggro-Geschichte aufkam, hat er das zuerst voll abgelehnt und meinte: "Das macht die Kultur kaputt! Das ist nicht mehr mein HipHop!" Dann hat er aber auch gemerkt, dass er mit dieser Meinung ein bisschen gegen die Wand gefahren ist. Das ist halt was Neues gewesen und du bist damit vielleicht nicht einverstanden, aber es macht deinen HipHop ja nicht kaputt. Du kannst die Songs, auf die du Bock hast, ja dennoch hören und das Neue sich trotzdem entwickeln lassen. Es bringt nichts, gegen Neuentwicklungen zu haten, absolut nicht. Auch wenn ich hauptsächlich über Boom bap-Beats rappe – was habe ich davon, Leute wie die KMN-Gang oder Ufo zu haten? Das ist doch Bullshit. Es ist natürlich nicht alles geil, was die neuen Rapper machen. Ich finde es zum Beispiel nicht cool, wenn mir Nachwuchsrapper ihre Songs zeigen müssen. Früher hat man sich noch vorgestellt, da gab's noch so ein bisschen: "Hi, ich bin der, ich find' deine Mucke cool. Hier, check mal aus" – heutzutage kriegst du nur noch 'nen Link. Nicht mal 'ne Nachricht. Das ist halt auch nicht geil. Aber diese neuen Einflüsse totzuhaten ist andererseits auch schwierig. Sorry, wenn ich mich da so ein bisschen auslasse. (lacht)

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MZEE.com: Heute scheinen mehr Rapper denn je kommerziell so erfolgreich zu sein, dass sie davon auch leben können. Das scheint für einige Newcomer mittlerweile auch ein realistisches Ziel zu sein. Vergrößert dieser Wandel das Unverständnis zwischen den Generationen noch zusätzlich?

Rino Mandingo: Also, ich finde nicht, dass es einfacher geworden ist, mit Rap Geld zu verdienen. Allerdings sind die Möglichkeiten leichter geworden, Rap zu machen und sich via YouTube oder so zu vermarkten. Durch Social Media ist einfach nur die Masse größer geworden. Das Verhältnis von Dopeness zu Wackness und die Frage, wer in der Szene Geld verdient und wer nicht, ist gleich geblieben. Da passt auch der Anfang des zweiten Parts aus meinem Song "deisler": "Ich rapp' nur für die Statistik – in der Hoffnung, dass man einen wacken Rapper nicht mitkriegt." Weil alles größer wird, wird es schwieriger, sich durch diesen riesigen Wald an Wackness durchzuwühlen.

MZEE.com: Findest du es denn zumindest positiv, dass HipHop überhaupt ein gewisses Standing in der Gesellschaft bekommt? Oder hättest du lieber die Außenseiterrolle, in der aber zumindest Werte vertreten werden, die die Szene auch intern ernst nehmen kann?

Rino Mandingo: Im Prinzip ist das ja eine gute Entwicklung, dass sich die Szene dem Mainstream quasi aufdrängt, damit der nicht mehr dran vorbeisehen kann. Schade ist es dann, wenn das durch diese Blödelkonzepte passiert. MC Fitti und Kay One zum Beispiel, die ich im Song "tsubasa" anspreche, waren, glaube ich, mit ihren TV-Formaten Marionetten oder Figuren. Die Intention des Establishments war schon, die Szene in den Dreck zu ziehen, weil die ungern was von ihrem Kuchen abgeben. Und da war das ein gutes Mittel, zwei Berufsrapper zu nehmen, sie vor die Kamera zu stellen und sie dann lächerlich zu machen. Ich prangere einfach nur an, dass man sowas mit sich machen lässt. Das ist ein Kampf, in den jeder Rapper, der was auf sich hält, eintreten muss. Gute moralische Werte – je nachdem, wie das für ihn aussieht – zu vertreten. Ich glaube, dass es die Szene nicht weiterbringt, wenn sich dieser Kreislauf von Koksticken, Weibern, großen Autos und "ich will Geld haben" einfach immer wiederholt. Also, ich pump' jetzt nicht den ganzen Tag Chefket, Marteria oder Casper, aber die haben zum Beispiel gute Pionierarbeit geleistet. Die sorgen dafür, dass sich meine Eltern doch mal mit Rap auseinandersetzen. Da kommt dann mal ein Satz wie: "Ach, im Radio hab' ich da was gehört – ist ja eigentlich doch keine so blöde Musik." Unsere Eltern-Generation hält diese HipHop-Szene schon immer noch zum Großteil für verkifft und dumm.

MZEE.com: Das Video zu "tsubasa" spielt ein wenig mit den Stilunterschieden in der Szene. Da gibt es sowohl untergrundiges "Rumalbern und Mit-der-Kamera-draufhalten" als auch fast spielfilmreife 4k-HD-Optik, wie wir sie von Chartrappern kennen. Was sagt dir persönlich eher zu?

Rino Mandingo: (lacht) Gemeine Frage. Gelegentlich gehen ja beide so ein bisschen ab. Ich habe aber auf jeden Fall weniger mit der Kollegah-Farid Bang-Bodybuilderrap-Szene zu tun als mit der Freestylejam-Retrogott-Hippie-HipHop-Szene. Ich bin durch die letztere so ein bisschen sozialisiert worden. Das erste Album, das ich sehr gepumpt habe, war "Kein Zufall" von Blumentopf. Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, auf einem Festival mit einem der beiden Camps zu chillen, würde ich dann wohl doch eher zu den Freestylern gehen.

MZEE.com: Und wenn du einen Blankocheck für dein absolutes Wunschvideo bekommen würdest, wie würde das am Ende aussehen?

Rino Mandingo: Ich finde dieses Video von Yung Hurn von dem "Love Hotel"-Dingsbums nahezu perfekt. Das ist eines der wenigen Werke, bei dem ich sage, das Lied ist perfekt, das Video ist perfekt, der Humor ist perfekt, der Sarkasmus, der mitschwingt, und so weiter ... Perfekter als dieses Video kann's eigentlich nicht werden. Stilistisch finde ich die Richtung, die er vorgibt, großartig.

MZEE.com: Du bist ab und an auch in der Written Battle-Szene anzutreffen. Da bist du als einer von wenigen Künstlern auch schon gegen einen Gegner des anderen Geschlechts angetreten. Bist du der Meinung, dass sich mehr weibliche MCs in die Battleszene trauen sollten?

Rino Mandingo: Das habe ich damals gemacht, weil ich das reizvoll finde. Der Schwanzvergleich zwischen Männern auf der Bühne ist ja wohlbekannt, das machen wir ja schon seit Ewigkeiten. Die Themen "Frauen" und auch "Gleichberechtigung" sind eigentlich schon immer ein großer Bestandteil meiner Texte. Gerade durch dieses Battlerapding ist Provokation ja vorprogrammiert und ich finde, das es eine wunderbare Chance ist, wenn sich Frauen in diesen Ring trauen. In diese Männer-Vorherrschaft. Man sieht ja, dass die Leute auch wollen, dass die Frau gewinnt oder dass sie sich zumindest profilieren kann. Es ist ja nicht so, dass da ein Haufen nackter Typen mit dem Schwanz in der Hand warten und sich einen wichsen, weißte? Dieses Battle zwischen Nedal Nib und Pilz zum Beispiel, das jetzt kürzlich auf der Tapefabrik war ... ganz, ganz großes Kino. Sie war halt auch dope und hat da echt ein riesiges Tor aufgemacht. Und ich hoffe, dass es da noch mehr Frauen gibt, die darauf Bock haben. Weil ich da diesen Geschlechtervergleich, der ja auch in unserer Gesellschaft omnipräsent ist, in diesem Battle, in diesem Kreis, schön auf eine Diskussion runterbrechen kann. Da kriegt keiner irgendwie weniger Gehalt als der andere, weißte? Da kann man sich gnadenlos alles schön an den Kopf schmeißen. Ich glaube, in dieser ganzen kollektiv verkopften gesellschaftlichen Debatte kann es gar nicht dazu kommen, dass Meinungen ordentlich und direkt geäußert werden. Also, ich würde es mir wünschen, dass sich Frauen daran ein Beispiel nehmen.

MZEE.com: Denkst du denn, dass es noch andere Möglichkeiten für die Szene gibt, offener zu werden?

Rino Mandingo: Es muss halt auch immer ein wenig von einem selbst kommen. Ich hab' ja in meinem letzten Battle gesagt, dass ich es reizvoll finde, mich mit einer Frau auseinanderzusetzen und dass ich jederzeit bereit wäre, eine zu battlen, die darauf Bock hat. Es ist genauso wie bei Frauen, die in einer Beziehung geschlagen werden und ständig mit blauen Flecken auftauchen – das muss von denen selbst kommen. Die müssen den Typen verlassen können. Du kannst da per Gesetz nichts machen. Du kannst zwar immer wieder die Bullen hinschicken, aber solange die da nicht ausziehen will, kann man einfach nichts tun. Ist ein hartes Beispiel vielleicht, aber genauso wenig kann man Frauen dazu zwingen, zu battlen. Es braucht halt einige, die sich dafür einsetzen. Und das hat Pilz gemacht. Ich kann mir nur wünschen, dass viele Frauen sich das ansehen und sagen: "Okay, krass. Hätte ich mir nicht vorgestellt, dass 'ne Frau so ihren Mann stehen kann." Aber es muss dann natürlich auch aus ihr selbst kommen. Ich wüsste jetzt keine Konzepte außer Workshops oder so, in denen man Frauen das Battlen beibringt, aber das ist ja Bullshit.

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MZEE.com: Dazu hast du vor Kurzem in einem Interview gesagt, dass du "mit chauvinistischen Stilmitteln für mehr Gleichberechtigung sorgen willst". Wie genau stellt man das an?

Rino Mandingo: Das klingt erst mal irgendwie paradox, wenn man das sagt: Man setzt sich für Gleichberechtigung ein, wenn man in Texten von Groupiehoes redet, die man im Backstage weghaut. Aber meiner Erfahrung nach funktioniert genau das am besten: Provokation. Also, wenn du zum Beispiel auf 'ner Party 'ne Frau rumkriegen willst, kommst du nicht weit, wenn du neben ihr stehst und ihr die ganze Zeit Komplimente machst. Das wird sie nämlich schon ständig gehört haben. So langweilst du sie. Sie wird eher skeptisch, wenn du ihre offensichtlich nicht ganz so hübsche Freundin angräbst, sie so links liegen lässt und ihr vielleicht auch noch sowas sagst wie: "Was ist mit deinen Haaren los? Irgendwie liegt deine Frisur heute nicht so, oder?" Das wurmt sie doch viel eher. Das ist Provokation und dann fängt es bei ihr an, zu arbeiten. "Warum ignoriert der mich? Ich bin doch heiß!" Und ich glaube, dass das halt auch am besten funktioniert, wenn man Leuten direkt eine Meinung drückt, die vielleicht auch ein wenig überzogen ist. Dann fühlt sich derjenige am ehesten angepisst und ist bereit, sich irgendwie mit dieser Thematik zu beschäftigen. Ich find's auch nicht schlimm, wenn man mich da falsch versteht oder denkt, man hat einen anderen Standpunkt als ich. Man ist ja trotzdem provoziert und dann in dieser Diskussion drin. Denn ich glaube, dass Provokation das größte Potenzial für einen Diskurs birgt. Und darin sehe ich auch die Verantwortung meiner Kunst.

MZEE.com: Also möchtest du mit der Provokation eher die Eigeninitiative der weiblichen Rapwelt antreiben? Damit sie selbst eintritt, wenn da jemand über die Stränge schlägt?

Rino Mandingo: Ja, ich mache das mit Absicht. Ich stelle mich auf 'ne Bühne und sage herablassende Dinge, teilweise auch lustig verpackt – so "Männerhumor". Und ich mache das in der Erwartungshaltung, dass dann 'ne Frau irgendwie nach dem Konzert zu mir kommt und sagt: "Bist du eigentlich bescheuert?" Und dann kann man sich darüber unterhalten. Wenn ich mich jetzt auf die Bühne stellen würde und in Reimen verpackt sage: "Die Gleichberechtigung ist immer noch nicht in der Gesellschaft angekommen." – Das wäre doch todeslangweilig. Das wäre so: "Wow, okay, er rappt Zeitungsartikel vor." Nein, ich provoziere lieber. Der perfekte Verlauf wäre, dass sie ankommt und sagt: "Was bist'n du für 'n Spast? Hast du auch noch intelligentere Texte?" So hat man dann ein Gespräch und am Ende trinkt man zusammen Bier und sie hat verstanden, warum ich das mache. Und ich habe ihr gesagt, dass ich kein chauvinistischer Trottel bin, sondern das als Stilmittel benutze.

MZEE.com: Von der Zukunft der Frau im Battlerap noch mal zurück zur Zukunft deiner Musik: Für den Mai ist ein Album deiner Crew Forcki9ers angekündigt, nicht wahr?

Rino Mandingo: Ja, genau. Also, die Scheibe ist jetzt im Presswerk. Wir hoffen auch, dass sie zeitig kommt, und dann würde das Ende Mai veröffentlicht werden. Auf jeden Fall zeitnah. Wenn das im Mai nicht klappt, dann im Juni. Also, das Album ist fertig.

MZEE.com: Die meisten Rapcrews bestehen aus zwei oder drei Mitgliedern – die Forcki9ers sind aber sogar siebenköpfig. Kriegt man so viele Leute problemlos auf einer Platte unter oder ist das eher ein chaotisches Unterfangen?

Rino Mandingo: Das läuft überraschend harmonisch und nur aus dem Grund haben wir uns auch zusammengerauft. Wir sind jetzt alle nicht mehr die Jüngsten, kennen uns auch schon ein Weilchen und sind Freunde, also das ist jetzt keine zusammengecastete Crew aus Nachwuchsrappern. Wir wissen, wie wir miteinander funktionieren. Und gerade bei diesem Musikding ist es so, dass nicht immer sieben Leute mit der gleichen Energie in so ein Projekt reingehen. Mal ist es der Rapper, der 'nen Part vorgibt ... dabei ist es unter den MCs immer so ein Competitionding: Wenn jemand einen dopen Part vorlegt, will man halt möglichst doper sein und das befruchtet sich immer gut. Mal haut Hawki 'nen neuen Beat rein, der irgendwie alle flasht. Und mal ist es der Videomann, der schon eine komplette Vision vorgibt, in die man sich gut reindenken kann und auf die man dann schreibt. Es sind meistens so drei Leute, die ein Projekt vorantreiben, und die anderen vier ergänzen dann. Also, es ist nie so, dass zu viele Köche den Brei verderben. Sondern eigentlich ein sehr schönes, ausgewogenes Verhältnis zwischen uns allen.

MZEE.com: Wenn man gemeinsam an einem Album arbeitet, lernt man ja die positiven, aber auch die negativen Seiten aller Mitglieder besser kennen. Gibt es da jemanden in der Gruppe, von dem du sagst: "Also so könnt ich nicht sein"?

Rino Mandingo: Unser DJ. Der trinkt weder, noch kifft er. Das lehne ich auf jeden Fall grundsätzlich ab.

(Daniel Fersch)