Das W – Wegweiser EP

Er sagt: 'Heu­te ist nicht mein Tag.'
Und das wochen-, monate- und jah­re­lang.

Die ers­ten Töne set­zen ein: Pia­no­k­län­ge. Das W beginnt, über sein Leben als Voll­zeit­pes­si­mist und Teilzeit-​Alkoholiker zu sin­gen, ehe ein vol­les Set an Instru­men­ten in der Hook pom­pös die eher tris­ten Zei­len unter­malt. So viel sich auch im Leben von Das W seit dem Signing bei Timi Hen­drix' Label Life Kills Slow­ly ver­än­dert hat, so ver­traut fühlt sich die Musik doch wei­ter­hin an. Am Kon­zept des Flens­bur­gers scheint sich auf der "Weg­wei­ser EP" also nicht viel getan zu haben – zumin­dest auf den ers­ten Blick.

Doch hört man ein wenig genau­er hin, wer­den Unter­schie­de erkenn­bar. Bereits der Ope­ner "Antriebs­los" wirkt pop­pi­ger als die letz­te EP – run­der, fein geschlif­fe­ner. Gene­rell scheint der ers­te Song so gar nicht stell­ver­tre­tend für den Rest der Plat­te zu ste­hen – aus dem simp­len Grund, dass alles künst­lich auf eine fröh­li­che­re, iro­ni­sche­re Stim­mung run­ter­ge­bro­chen wird. Der "Weg­wei­ser" deu­tet danach aller­dings in die Rich­tung, wel­che die Fans seit Jah­ren fas­zi­niert: die leicht melan­cho­li­sche, nach­denk­li­che Ader von Das W. Und genau hier zei­gen sich eben auch sei­ne Stär­ken. Der Rap­per phi­lo­so­phiert, rappt und singt über das Allein­sein, die "Geis­ter" von ges­tern, die ver­flos­se­ne Lie­be. Mögen die­se Inhal­te doch recht dra­ma­tisch und über­emo­tio­nal klin­gen, weiß der Flens­bur­ger den­noch, sie rich­tig in Sze­ne zu set­zen. Hier wirkt alles deut­lich homo­ge­ner und stim­mi­ger als noch auf frü­he­ren LPs wie "Wei­nen­der Clown", bei denen der Kitsch qua­si schon aus dem Namen trief­te. Die Mischung aus tief­grün­di­gen Zei­len und iro­nisch ver­pack­ten All­tags­ge­schich­ten reißt den Hörer heu­te mehr mit als noch auf vor­an­ge­gan­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen.

Wer sich von Das W einen musi­ka­li­schen Stil erhofft, den ihm Label­chef und Rap­per Timi Hen­drix vor­gibt, wird bit­ter ent­täuscht. Viel­mehr folgt der Flens­bur­ger nach wie vor sei­nem eige­nen "Weg­wei­ser". Und der zeigt eben in eine melan­cho­li­sche, sehr emo­tio­na­le Rich­tung. Eine Rich­tung, die sehr gut gefällt und der er ger­ne wei­ter fol­gen darf.

(Sven Aumil­ler)

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(Ama­zon mp3)

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