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August 2015: MC Bomber & MecsTreem und Chefket

"Okay – was ha­be ich ver­passt?" Eine Frage, der wohl je­der von uns schon ein­mal begeg­net ist. Egal, ob man sie selbst ge­stellt hat oder mit ihr kon­fron­tiert wur­de. Manch­mal kommt ein­fach der Zeit­punkt, an dem man si­ch vor al­lem ei­nes wünscht: "Bringt mi­ch doch mal auf den neu­es­ten Stand!" Doch wie ant­wor­tet man dar­auf? Was hält man für beson­ders erwäh­nens­wert? Es ist schwer, ei­ne kur­ze, aber voll­stän­dige Ant­wort dar­auf zu fin­den. Wie misst man über­haupt Rele­vanz? An media­lem Hype? Am Über­ra­schungs­fak­tor? Oder doch an dem musi­ka­li­schen Anspruch? In "Hört, hört!" geht es um das al­les, redu­ziert auf zwei Ver­öf­fent­li­chun­gen. Ein Release, das vor al­lem im Unter­grund auf Zuspruch gesto­ßen ist, und ei­nes, das in der brei­ten Öffent­lich­keit wahr­ge­nom­men wur­de. Zwei Werke, die wir nicht unbe­dingt gut fin­den müs­sen, aber ei­ne ge­wis­se Rele­vanz oder ei­ne Bedeu­tung jeg­li­cher Art für die hie­sige Rapland­schaft besit­zen. Zwei Werke, die am Ende des Monats vor al­lem ei­nes aus­sa­gen: "Hört, hört! Genau das habt ihr ver­passt!"

 

MC Bomber & Mecstreem

MC Bomber & MecsTreem – Storch oder Affen EP

"MCB wur­de ge­bo­ren, rapp­te und starb" – die wohl kür­zes­te Facebook-​Biografie ei­nes Rappers, der de­fi­ni­tiv sei­nes­glei­chen sucht. Doch mit dem Produzenten MecsTreem scheint er sein Pendant im August ge­fun­den zu ha­ben. Die lo­gi­sche Konsequenz al­so: Die "Storch oder Affen EP".

Der Berliner ist ein Phänomen für si­ch und das ist wohl un­be­streit­bar. Genauso we­nig wie die Tatsache, dass er mehr als nur ein klein we­nig ver­rückt ist. Wer son­st wirft Fragen auf wie: "Was will­st du dar­stel­len? Ein' Storch oder Affen?" Für all die­je­ni­gen, die die­se Frage auch er­st ein­mal ver­wirrt, er­klär­te MC Bomber be­reits: "Ist halt die Frage – will­st du ein Idiot sein oder will­st du ein Vollhorst sein?" MCB zeigt kei­ner­lei Respekt für nichts und nie­man­den und wirkt am Ende des Tages oft­mals ein­fach wü­tend. Das zeigt si­ch auch in der Art und Weise, wie er rappt. Alles er­in­nert an nicht ganz so ma­kel­lo­sen Rap, wie er no­ch vor zehn Jahren war, oh­ne da­bei ver­al­tet oder gar ein­ge­staubt zu wir­ken. In ge­wis­ser Weise ist die­ser Bruch von der ak­tu­el­len Norm so­gar mehr als er­fri­schend und durch­aus un­ter­halt­sam.

Mit MC Bombers ei­gen­wil­li­gem Humor bie­tet die "Storch oder Affen EP" ein Werk, an dem si­ch de­fi­ni­tiv die Geister schei­den wer­den. Entweder lässt man si­ch dar­auf ein und kann gna­den­los mit­fei­ern oder man wird völ­lig kalt ge­las­sen. Nichtsdestotrotz bie­tet ge­ra­de die­se spe­zi­el­le Eigenart ei­nen mehr als def­ti­gen Grund da­für, der EP ei­ne Chance zu ge­ben.

(Lukas Maier)

 

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Chefket – Nachtmensch

Wir er­le­ben der­zeit ei­ne Hochphase von deut­schem Rap. Sprechgesangsartisten sind mit ih­rer Musik er­folg­reich wie nie und set­zen si­ch fast im Wochentakt auf den oberen Plätzen der Charts fest. Doch in ge­wis­ser Weise ist der Mainstream auch der Feind der Kunst: Viele ver­öf­fent­lich­te Alben wir­ken wie lieb­los zu­sam­men­ge­wür­fel­te Produkte für den Massenmarkt.

Nicht so "Nachtmensch" von Chefket. Der Wahlberliner liebt und lebt die Musik – und das ist auf sei­nem ak­tu­el­len Album kaum zu über­hö­ren. Beeinflusst von Jazz, Neo-​Soul und Rap webt er zu­sam­men mit sei­nem Produzenten Farhot ei­nen stim­mi­gen Klangteppich, der si­ch kon­se­quent durch die zwölf Songs zieht. Hierbei ist das Talent des Rappers schein­bar gren­zen­los: Astreine Rapskills, cle­vere und mit­rei­ßen­de Lyrics und ei­ne tol­le Gesangsstimme – ein der­art run­des Gesamtpaket wie das von Chefket hat der deut­sche Rap sel­ten ge­se­hen. Doch ist es nicht nur das Skillset des Musikers, das "Nachtmensch" so be­son­ders macht. Es ist die sym­pa­thi­sche Verträumtheit, mit wel­cher der "glück­lichs­te Rapper" sei­ne Weltansicht prä­sen­tiert und die ei­nen in ru­hi­gen Momenten tat­säch­li­ch "flie­gen" lässt.

Nachdenklich, schlau, dann wie­der wun­der­schön und bei­na­he kit­schig: Chefket ist zwar ein "Nachtmensch", sei­ne Denkweise ist aber al­les an­de­re als fins­ter. Er prä­sen­tiert fa­cet­ten­reich die gan­ze Palette an mensch­li­chen Emotionen und gibt Denkanstöße – im­mer mit ei­nem hoff­nungs­vol­len Lächeln auf den Lippen. Das – und die dich­te Atmosphäre der durch­ge­hend stim­mi­gen Produktionen – macht die Platte zu ei­nem lie­be­vol­len Projekt, das man ge­hört ha­ben soll­te.

(Florian Peking)