Schaufel & Spaten

Schaufel und Spaten – Unterm Untergrund 3 78

"Was?! Du kenn­st das nicht? Sekunde, ich su­ch' dir das mal raus." – und schon öff­net si­ch die Plattenkiste. Wer kennt die­sen Moment nicht? Man re­det über Musik und auf ein­mal fällt ein Name – egal, ob von ei­nem Song, ei­nem Künstler oder ei­nem Album –, mit dem man nicht so recht et­was an­zu­fan­gen weiß. Und plötz­li­ch ha­gelt es Lobpreisungen, Hasstiraden oder Anekdoten. Gerade dann, wenn der Gesprächspartner ins Schwärmen ver­fällt und of­fen zeigt, dass ihm das Thema wich­tig ist, bit­tet man nicht all­zu sel­ten um ei­ne Kostprobe. Die Musik setzt ein und es be­ginnt, was der Person so sehr am Herzen zu lie­gen scheint. In die­sem Fall – was uns so sehr am Herzen liegt: Ein Auszug aus der Musik, mit der wir et­was ver­bin­den, die wir fei­ern, die uns be­rührt. Ein Griff in un­se­re Plattenkiste eben.

 

Würde mi­ch ein Kumpel fra­gen, was ich ihm in Sachen Untergrund emp­feh­len kann, wür­de ich Schaufel und Spaten neh­men und ihm ei­nes der "Unterm Untergrund"-Releases aus mei­ner Plattenkiste aus­gra­ben. Wie der Zufall so will, muss ich zu­min­dest zeit­li­ch nicht so tief gra­ben, denn die­ses Jahr kam mit "Tu es kund Unrumpf Mundbumszunft bum­st um si­ch her­um bis si­ch der Untergrund ge­sund schrumpft" Teil "3 78" ih­rer "Unterm Untergrund"-Reihe her­aus. Nach dem vor­an­ge­gan­ge­nen Beat-​Release gibt es die­ses Mal wie­der zehn Tracks von Bjorn Eric Schaufel und Jay Spaten auf al­ler­feins­ten Instrumentals von Zweitgenanntem.

Es ist re­la­tiv egal, wel­chen der bis­her sechs er­schie­ne­nen Langspieler der bei­den man si­ch zu Gemüte führt – sie sind für mi­ch ein­fach der Inbegriff von Freshness und Untergrund. Die bei­den Magdeburger be­kom­men viel we­ni­ger Aufmerksamkeit als sie ver­dient ha­ben, ste­chen sie doch enorm her­aus durch ih­re ganz ei­ge­ne Betonung beim Rappen und durch Beats, bei de­nen man stel­len­wei­se no­ch das Knarzen von Schallplatten hö­ren kann. Denn Jay Spaten packt wie­der jaz­zi­ge Samples aus, die son­st kei­ner fin­det. Selbst das Instrumental von "Venus" weiß zu über­zeu­gen, ob­wohl die dar­in vor­kom­men­den Flöten-​Töne für mi­ch eher we­ni­ger auf HipHop-​Beats ge­hö­ren. Doch als wä­re Jays Talent als Producer nicht ge­nug, be­kommt man von ihm und Bjorn Eric auch no­ch star­ke Lines zu hö­ren, die ein­fach hän­gen blei­ben. "Was wird, wis­sen nur die Verben – Futur I" (B. E. Schaufel auf "Dandy") ist zum Beispiel ei­ne so sim­ple Line und doch fas­zi­niert mi­ch der Gedankengang da­hin­ter, zu­mal ich das auch no­ch nie in ir­gend­ei­ner Form ge­hört ha­be.

Und wenn du nach die­sen Argumenten no­ch was ge­gen die SuS Gang hast, dann dau­ert es nicht lang und du "kriegst ihn hin­ten rum tro­cken rein wie beim Bordeaux“ (B. E. Schaufel auf "Venus"). Also hol dir die­se Platte lie­ber jetzt als spä­ter und tu es kund, Unrumpf: SuS Gang steht für Freshness im Untergrund!

(Lukas Päckert)

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