Fler & Jalil – Epic

Wir leben schwarz-weiß, doch die Scheine machen farbenfroh.

Fler kann man mittlerweile getrost als Berliner Urgestein bezeichnen. Seit nunmehr anderthalb Jahrzehnten veröffentlicht er bereits Musik. Zum anhaltenden kommerziellen Erfolg kam letztes Jahr – für viele überraschend – allgemeines Szene- und Kritikerlob hinzu. Es folgten Friedensschlüsse mit alten Feinden und gefühlte Immunität im Angesicht ellenlanger Disstracks. Nun schickt er sich mit seinem Schützling Jalil an, darauf aufzubauen.

"Epic", so lautet der Titel des Kollabo-Albums, das in eine ähnliche Kerbe schlägt, wie Flizzys letztes Solorelease "Vibe", dessen Name hier erneut Programm ist. Wer Tiefgang sucht, ist hier an der falschen Adresse. Stattdessen werden durchgehend ignorante Zeilen gespuckt, die das eigene "Standing" in der Szene untermauern und den abschätzigen Blick auf die vermeintliche Konkurrenz offenbaren. Während Fler für die pointiertesten Ansagen sowie einen Großteil der Hooks zuständig ist, glänzt Jalil besonders durch Flowvariationen und den Einsatz seiner markanten Stimme. Das Ganze geschieht auf minimalistischen Beats von Produzenten wie Iad Aslan, Nico Chiara und Fler selbst. Dass hierbei US-Produktionen, wie auf Drakes "If You're Reading This It's Too Late", als Vorbild dienten, ist augenscheinlich. Einen Innovationspreis wird "Epic" wohl kaum gewinnen. Allerdings ist das Niveau hier so hoch, dass man Fler, Jalil und den Produzenten des Albums gerne verzeiht, dass sie lediglich den State of the Art amerikanischen HipHops reproduzieren. Aussetzer gibt es dabei keinen einzigen. Stattdessen machen Tracks wie "Gang für immer" mit Remoe, "Sollte so sein" mit Mortel oder "Paradies" und "Predigt" eine Menge Spaß und laden zum Viben ein.

Auf "Epic" spielen die beiden Berliner ihre Stärken bestens aus. Während Fler neben "Carlo Cokxxx Nutten" und "Vibe" seiner Diskografie das wohl stärkste Release seiner Karriere hinzufügt, beweist Jalil, dass er sich keineswegs hinter seinem Mentor zu verstecken braucht. Dieses Album wird dem "Hype" gerecht.

(Steffen Bauer)