Sookee – Mortem & Makeup

Wie lang' kann, was dir wichtig ist, dich entertain'?

Letztlich kann man für HipHop nur Hassliebe empfinden – zu sehr hängt die Szene noch an archaischen Geschlechterrollen und Diskriminierung als Stilmittel. Zum Glück gibt es Künstler wie Sookee. Künstler, die ein Zeichen gegen Rassismus, Homophobie und Menschenhass im Allgemeinen setzen, bisweilen aber leider völlig unverdient ein Nischendasein führen mussten. Mit "Mortem & Makeup" könnte sich das für Sookee nun endlich ändern.

Das neue Album wirkt leichter, erzählerischer, anschaulicher – und das ist auch gut so. Denn selbst als langjähriger Fan musste man sich eingestehen, dass Sookees Inhalte – so positiv und lobenswert sie auch stets waren – bisher oft viel zu verschachtelt und kompliziert schienen. Raptechnik und Klangbild dagegen waren stets einwandfrei. Und sie bleiben es auch jetzt: Ansprechender Flow, gepaart mit einem Soundbild, das noch immer auf früheren "Zeckenrap" anspielt, sich aber auch zu eingängigen Musikstücken aufschwingt. Die Produktionen, die neben LeijiOne und Majus auch von Riffsn und Danger Dan stammen, bieten der Künstlerin die Grundatmosphäre, die sie für ihr vielschichtiges Themenspektrum benötigt. So setzt sie sich schmerzhaft selbstkritisch mit ihrer Vergangenheit auseinander, als sie nur "die Freundin von" war, oder erklärt, dass auch "queere Tiere" ein wundervoll natürliches Leben führen. Und beschreibt zudem in "Hüpfburg" das Leben aus der Sicht eines Kindes, das in einer Nazifamilie aufwachsen muss. Die grandios spielerische Art, mit der Sookee über wichtige persönliche, politische wie soziale Themen spricht, bietet neben inhaltlicher Überzeugung zudem großartige Unterhaltung und absoluten Hörgenuss.

Aktuell ist Rap mit politischer oder kritischer Message meist noch Nischenprodukt, doch Sookee gibt der Szene mit "Mortem & Makeup" wieder ein wenig Hoffnung. Hoffnung, dass die breite Masse sich von den zugänglichen Sounds anziehen lässt und so auch ein offenes Ohr für die Inhalte entwickelt. Und selbst wenn damit wohl nicht aller Hass aus der HipHop-Welt verbannt wird, trägt Sookee zumindest zu der Liebe bei, die man nach wie vor dafür empfindet.

(Daniel Fersch)