Lemur – Die Rache der Tiere

Ich wer­fe den Bal­last über Bord.
Und auf ein­mal hab' ich dop­pelt so viel Kraft wie zuvor.

Es ist inzwi­schen schon eini­ge Zeit ver­gan­gen, seit sich Herr von Grau getrennt haben. Nach dem anfäng­li­chen Schock soll­te inzwi­schen jedoch auch der letz­te Fan dar­über hin­weg­ge­kom­men sein. Nicht zuletzt, weil Ben­ny wei­ter­hin Musik macht – nur eben allein unter dem Namen Lemur. Und als sol­cher star­tet er mit sei­nem zwei­ten Solo-​Album nun "die Rache der Tie­re".

Wer aller­dings ein Kon­zept­al­bum rund um die Tier­welt und das Leben als Lemur erwar­tet, liegt falsch. Ein gewis­ser Rah­men scheint trotz­dem vor­han­den zu sein. Denn der Ber­li­ner rech­net auf sei­nem neu­en Album mit vie­lem ab: sich selbst, sei­ner ver­flos­se­nen Lie­be, dem Tod und auch der Gesell­schaft. Beson­ders deut­lich wird dabei immer wie­der, wie zwie­späl­tig er den The­men gegen­über­steht. So wohnt dem Track "Bal­last" durch den eher melan­cho­li­schen Beat eine gewis­se Ver­bis­sen­heit inne, obwohl Ben­ny inhalt­lich sei­ner Tren­nung eher posi­tiv gegen­über­steht. Ähn­li­ches gilt für das "Ster­ben", denn auf­grund des pop­pig anmu­ten­den Instru­men­tals und den im Text auf­ge­zähl­ten absur­den Todes­ur­sa­chen wirkt die eher erns­te Mate­rie fast schon harm­los. Der Rap­per fin­det auf "Die Rache der Tie­re" immer die rich­ti­gen Wor­te. Dabei steckt er in jedes der zum Nach­den­ken anre­gen­den The­men sei­ne vol­le Ener­gie und gewinnt mühe­los die "Rein­stei­ger­cham­pi­ons­league" gegen Mar­ten McFly. Doch auch musi­ka­lisch geht Lemur erneut aufs Gan­ze und pro­du­ziert aus Vocals und inter­es­san­ten Sam­ples ein­gän­gi­ge wie bedroh­lich wir­ken­de Beats. Die Kom­bi­na­ti­on aus Lyrics und der stets pas­sen­den Instru­men­tie­rung bie­tet dem Hörer genü­gend Raum, um alle Facet­ten auf sich wir­ken las­sen zu kön­nen.

Kurz­um über­zeugt die eins­ti­ge Herr von Grau-​Hälfte erneut auf gan­zer Linie. Sowohl in Ton als auch Inhalt hat Lemur nichts von sei­nem Kön­nen ein­ge­büßt. Nur eines wirkt auf "Die Rache der Tie­re" über­ra­schend: Trotz gewohnt tief­grün­di­ger The­men klin­gen die Tracks die­ses Mal ein­gän­gi­ger als je zuvor, was aber nur ein wei­te­rer Grund ist, in sein neu­es Werk rein­zu­hö­ren.

(Lukas Päck­ert)