Mavo – Hello, my name is Mavo, du Arsch

Es gibt den Scheiß for free – reicht schon …
Wenn du dir mein Nummer-​eins-​Release direkt auf dein iPho­ne ziehst.

Für einen guten ers­ten Ein­druck soll­te man sich idea­ler­wei­se von sei­ner bes­ten Sei­te zei­gen. Daher ist es sinn­voll, Tabu­la rasa zu machen. Man bemüht sich dar­um, Leu­te völ­lig wert­frei an die eige­ne Per­son her­an­zu­füh­ren. Wie hilf­reich ist es da, wenn sich Bes­tes von Town-​Mitglied Mavo mit sei­nem Solo-​Release erst­mals einem grö­ße­ren Publi­kum prä­sen­tie­ren will und dabei direkt betont, wie er nach außen hin wei­test­ge­hend bekannt ist? Dürf­te der nega­ti­ve Ein­druck bei einer Begrü­ßung wie "Hel­lo, my name is Mavo, du Arsch" nicht schon vor­ge­prägt sein?

Eigent­lich ist die­ser Mavo ja ein Net­ter. Und auf besag­tem Werk gibt er zudem so ziem­lich alles, um zu gefal­len. Dar­aus resul­tiert, auch wenn man ihm jeden Text abkauft, lei­der zum Teil viel Kli­schee­haf­tes. Denn "HMNIMDA" bie­tet so ziem­lich alles, was das Standard-​Debüt von heu­te braucht. Hier der tech­nik­fo­kus­sier­te Rep­re­sen­ter, um das eige­ne Kön­nen zu zei­gen, da die nost­al­gi­sche Reka­pi­tu­la­ti­on der eige­nen Raper­fah­run­gen für die Boden­stän­dig­keit. Einer­seits nach­denk­li­cher, ruhi­ger Sound zum Allein­sein, ande­rer­seits smoot­hes Klang­am­bi­en­te für die gesam­te Crew, inklu­si­ve ein­gän­gi­ger Cal­li-Hook. Zum Abschluss noch ein wenig Gesell­schafts­kri­tik ("Smart­pho­ne" feat. Pimf), aber auch die nöti­ge Selbst­re­fle­xi­on, um sich Feh­ler ein­zu­ge­ste­hen ("Licht aus"). Obwohl man all das woan­ders schon dut­zen­de Male gehört hat, zeich­net Mavo doch vor allem eines aus: unbe­ding­ter Spaß an der Sache. Jeder Titel beweist Eupho­rie, Elan und Mavos Lie­be zu Rap. So kann man sich letzt­lich sicher sein, dass es hier gar nicht dar­um geht, bei frem­den Hörern einen guten Ein­druck zu machen. "HMNIMDA" ist ein­fach eine run­de Plat­te für die eige­nen Jungs. Soll­ten den­noch ein paar ande­re dar­an Gefal­len fin­den – umso bes­ser.

Und plötz­lich passt der Titel doch ganz gut. Denn die Hörer, die er damit begrüßt, ken­nen ihn schon längst. Und wer erst durch die­ses Release auf den Flens­bur­ger sto­ßen soll­te, der lernt ihn direkt als ehr­lich und authen­tisch ken­nen. Letzt­lich dann wirk­lich ein ziem­lich posi­ti­ver, ers­ter Ein­druck.

(Dani­el Fersch)