Katharsis-Hemightbe-Kathedrale-Album-Cover

Katharsis & HeMightBe – Kathedrale

Fick die Stories, hör auf de­in Herz.
Jede Zeile muss sit­zen, als wär' es die er­s­te.

Der Begriff "Katharsis" steht in der Psychologie für die see­li­sche Reinigung durch das Ausleben ver­dräng­ter Gefühle. Im Fall des gleich­na­mi­gen Funkverteidiger-​Künstlers hät­te man sein Rapper-​Alias gar nicht pas­sen­der wäh­len kön­nen. Denn ge­n­au mit die­sen Emotionen ver­sucht der Leipziger zu punk­ten, als die ers­ten Töne in sei­ner "Kathedrale" er­klin­gen: Melancholie mit der nö­ti­gen Prise Aggression.

Ein Konzept, das nicht nur auf­geht, son­dern si­ch auch durch al­le elf Anspielstationen des Releases zieht. Ob mit schwe­ren, dunk­len Gitarrenriffs ("Sylvester") oder 8-​Bit-​Bass-​Samples ("Nilpferd") ver­se­hen – Katharsis wirkt auf den Beats von HeMightBe im­mer leicht an­ge­säu­ert und nach­denk­li­ch. Leichte Kost ist "Kathedrale" da­mit ge­wiss nicht: Zwischen me­lan­cho­li­schen Gedanken über den Sommer des Lebens und Superheldentum im Drogenrausch ist wirk­li­ch kein Song gut ver­dau­li­ch. Schlecht ist die neu­es­te FV-​Veröffentlichung des­we­gen aber no­ch lan­ge nicht – ganz im Gegenteil. Mit sei­nem leich­ten Hang zum Sarkasmus prägt Katharsis ei­nen in Deutschland schier ein­zig­ar­ti­gen Stil, bei dem man si­ch fühlt, als wür­de der Rapper elf Tracks lang per­ma­nent auf ei­nen nie­der­schrei­en. Vor al­lem durch die oft schräg wir­ken­de Gesangsstimme fällt es nicht leicht, si­ch an die­sen Flow zu ge­wöh­nen. Findet man al­ler­dings ein­mal ei­nen Zugang, zeich­net der Leipziger sei­ne Welt un­glaub­li­ch de­tail­liert, düs­ter und bild­haft, so­dass man voll­ends dar­in ein­tau­chen kann. Erst wenn Exodus mit ei­nem eng­li­schen Part um die Ecke kommt, wird man recht un­char­mant aus dem Film der "Kathedrale" ge­ris­sen.

Insgesamt ist das, was Katharsis auf sei­nem ers­ten Kollabo-​Projekt mit HeMightBe zu bie­ten hat, durch­aus be­ein­dru­ckend. Die klei­ne Rap-"Kathedrale" er­strahlt in dunklem Glanz, voll von de­pres­si­ven Bildern und grau­en Eindrücken. So trau­rig das klin­gen mag, so be­ein­dru­ckend wirkt die Musik auf den Hörer. Lernt der selbst­er­nann­te Funkverteidiger nun auch no­ch, dass er si­ch für Gesangseinlagen lie­ber Gäste ein­la­den soll­te, dürf­te si­ch sei­ne "Kathedrale" schon sehr bald mit Rap-​Begeisterten fül­len, die mehr von sei­nem Sound for­dern.

(Sven Aumiller)

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