Jinnez

Kaum eine Sze­ne hier­zu­lan­de scheint so facet­ten­reich zu sein wie die Deutschrap­sze­ne. Wäh­rend es bereits jetzt schon fast unmög­lich erscheint, jeden ein­zel­nen, eta­blier­ten Ver­tre­ter zu ken­nen, steigt die Zahl neu­er, noch unbe­kann­ter Künst­ler expo­nen­ti­ell wei­ter an. Den Über­blick zu behal­ten, gleicht einer Her­ku­les­auf­ga­be: Hat man sich ein Gesicht der HipHop-​Hydra gemerkt, tau­chen schon wie­der min­des­tens zwei neue auf. Gleich­zei­tig ist es für unbe­kann­te, jun­ge Talen­te über­aus schwer, aus der über­wäl­ti­gen­den Mas­se an Musi­kern her­aus­zu­tre­ten und sich einen Namen zu machen.

Bei­den Sei­ten soll unser Mic Check eine Hil­fe­stel­lung bie­ten. Rap­pern, die bis­her noch in den Tie­fen des Unter­grunds unter­ge­gan­gen sind, eine Platt­form geben, auf der sie sich kurz, aber prä­gnant prä­sen­tie­ren kön­nen. Und Hörern und Fans ermög­li­chen, sich einen schnel­len Über­blick über nen­nens­wer­te Künst­ler zu ver­schaf­fen, die sie bis­her viel­leicht noch gar nicht auf dem Schirm hat­ten.

 

MicCheck_Jinnez_Checkliste

MZEE​.com: Ende 2007 hast du dei­nen aller­ers­ten Track auf­ge­nom­men. Kannst du dich noch dar­an erin­nern, wann und wie du Hip­Hop zum ers­ten Mal begeg­net bist?

Jin­nez: Schwer zu sagen. Ich glaub', das war damals noch in der MTV- und TRL-​Zeit. Das hab' ich schon sehr gemocht und es hat mich stark beein­flusst. Es war damals auch mei­ne größ­te Moti­va­ti­on, ein­mal dort in den TRL-​Charts zu lan­den, aber dann wur­de irgend­wann aus MTV etwas ganz ande­res …

MZEE​.com: Mitt­ler­wei­le sind zu dem ers­ten natür­lich vie­le wei­te­re Tracks hin­zu­ge­kom­men. Wel­cher ist dabei der per­sön­li­che Lieb­lings­track von dir selbst?

Jin­nez: Da fällt mir jetzt auf die Schnel­le kei­ner ein – gene­rell ver­bin­de ich die meis­ten Tracks immer mit dem Abend, an dem sie ent­stan­den sind und ich stock­be­sof­fen die Sachen geschrie­ben habe. Oft­mals kommt dann wie­der das alte Gefühl hoch, wenn ich die alten und auch die neu­en Sachen höre. Des­we­gen bin ich selbst kein gro­ßer Fan mei­ner Musik. Nicht, dass ich sie schlecht fän­de, aber sie berührt mich noch mal anders als die Musik ande­rer Künst­ler. Wobei das, glau­be ich, nor­mal ist.

MZEE​.com: Du arbei­test sehr eng mit einem klei­nen Kreis von Leu­ten zusam­men und so stam­men dei­ne Beats in den meis­ten Fäl­len von dei­nem Pro­du­zen­ten bX. Suchst du dir zuerst einen Beat von ihm aus und schreibst dann dei­nen Text oder anders­her­um?

Jin­nez: Zuerst such' ich mir ein Sam­ple, auf das ich wahl­los Rei­me und Ide­en samm­le. Dann gebe ich das an bX wei­ter. Ich sag' ihm kurz das The­ma und er kann irgend­wie immer das Gefühl aus der Luft grei­fen und trifft somit stets mei­nen Geschmack.

MZEE​.com: In dei­nem Pri­vat­le­ben gab es so eini­ge Hochs und Tiefs, die sich oft auch auf dei­ne Tex­te aus­wirk­ten. Gibt es einen Track bezie­hungs­wei­se eine Zei­le von dir, die dir mitt­ler­wei­le unan­ge­nehm ist oder an die du nur unger­ne zurück­denkst? Wenn ja, wel­che?

Jin­nez: Es gibt vie­le Din­ge, die ich viel­leicht anders gesagt hät­te … Vor allem Sachen über mei­ne Kind­heit, mei­ne Ver­gan­gen­heit oder die "Ekel wie mein Vater"-Zeile – heu­te, vier Jah­re spä­ter, ver­ste­he ich sein Han­deln und Den­ken und bin sehr stolz auf ihn. Aber im End­ef­fekt ist es dafür zu spät und ich kann dar­an heu­te nichts mehr ändern. Ich hab' mich aber mit allem soweit abge­fun­den. Die pro­vo­kan­ten Sachen las­se ich mal außen vor, die waren eben nur Enter­tain­ment.

MZEE​.com: Was sind dei­ne Zie­le?

Jin­nez: Ich will jedem das Gefühl geben, ver­stan­den zu sein. Men­schen bewe­gen und ihnen die Per­spek­ti­ve geben, den Kopf oben zu behal­ten, auch wenn es nicht leicht ist. Ich hab' vie­le schreck­li­che Tage erlebt, wur­de von den engs­ten Men­schen in mei­nem Umfeld belo­gen, aus­ge­nutzt und ver­arscht und habe ver­sucht, immer mei­nen Weg zu gehen – auch wenn ich dabei 300 Mal in zwei Metern Weg­stre­cke auf die Fres­se gefal­len bin. Ich möch­te als Vor­bild fun­gie­ren für alle, die es eben nicht so leicht haben im Leben und die sich an die The­ke set­zen, kei­ne Flo­cken haben, von den Pro­ble­men des All­tags erdrückt wer­den oder ein­fach nur ein­sam sind. Es gibt bestimmt vie­le, die mei­ne Musik ver­ste­hen. Mir geht's nicht um Geld, Reich­tum und Frau­en, son­dern um Ver­ständ­nis und Zusam­men­halt.

 

Ein Exclu­si­ve von Jin­nez könnt Ihr Euch ab sofort auf dem YouTube-​Channel von MZEE​.com anhö­ren:

Jin­nez – Solan­ge es noch schlägt (MZEE​.com Exclu­si­ve Audio)

 

Jin­nez auf Face­book

(Dani­el Fersch)
(Gra­fi­ken von Dai­ly Puffy Punch­li­nes, Logo von KL52)

 

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