esta-mzee-besta-02

EstA

Nur we­ni­ge MCs, die das Internet her­vor­ge­bracht hat, kön­nen auf ei­ne sol­ch re­ge Karriereentwicklung zu­rück­bli­cken wie der Saarbrücker EstA: Nachdem er si­ch jah­re­lang in der RBA ei­nen Namen auf­bau­te und im Anschluss mehr­fach am VBT teil­nahm, über­rasch­te er vor ei­ni­gen Jahren mit ei­nem Signing bei Baba Saads Halunkenbande, dicht ge­folgt von ei­nem – für ei­ni­ge sei­ner Battlerap-​geprägten Fans – ver­mut­li­ch et­was zu som­mer­li­chen Debütalbum. Schwamm drü­ber: "Damals woll­ten wir die­sen Vibe mit­neh­men. Das neue klingt or­ga­ni­scher", er­zählt EstA in un­se­rem Interview über sei­ne neue Platte. Die hört auf den Namen "BestA" und er­scheint in we­ni­gen Tagen über die auf­stre­ben­de Plattform Nur! Musik. Was si­ch für den Act in den letz­ten Jahren son­st no­ch so ge­tan habt, er­fahrt Ihr in un­se­rem Gespräch mit ihm …

MZEE​.com: Du ver­öf­fen­lichst in Kürze de­in zwei­tes Soloalbum "BestA". Zu Beginn des Interviews wür­den wir von dir des­halb ger­ne mal hö­ren, in was du al­les "BestA" bist!

EstA: In was bin ich "BestA" … (grin­st) Das ist 'ne sehr gu­te Frage. (über­legt) In Fußball na­tür­li­ch. In "FIFA" bin ich "BestA", da woll­ten mi­ch ei­ni­ge Fans schon her­aus­for­dern, aber ich sag' mei­nen Online-​Namen nicht – na­tür­li­ch nicht aus Angst, dass ich da ver­lie­re, das kommt nicht in Frage. (lacht) Nee, Quatsch, ich hab' da im­mer ein biss­chen 'ne gro­ße Klappe. In was bin ich no­ch "BestA" … Zuhörer! Ich kann sehr gut zu­hö­ren. Ansonsten müs­sen an­de­re be­ur­tei­len, in was ich "BestA" bin, ge­ra­de wenn's um mensch­li­che und per­sön­li­che Sachen geht.

MZEE​.com: Hat dir denn schon ein­mal je­mand ge­sagt, in was du sei­ner Meinung nach be­son­ders gut bist?

EstA: Das Ding ist, ich über­hör' so­was ger­ne mal, weil ich gar nicht der Typ bin, der Komplimente be­kom­men will. Deshalb war das an­fangs auch sehr un­ge­wohnt, als es mit Rap lang­sam ab­ging. Teilweise ist mir das im­mer no­ch et­was un­an­ge­nehm.

MZEE​.com: Es ist dir un­an­ge­nehm, wenn man dir für dei­ne Musik Komplimente macht?!

EstA: Jetzt nicht rich­tig un­an­ge­nehm, aber schon ein biss­chen un­ge­wohnt – im­mer no­ch. Das letz­te Album kam vor zwei Jahren, da ging die gan­ze Sache los. Ich find' es na­tür­li­ch cool, dass mei­ne Fans mi­ch so sup­por­ten, aber das ist nach wie vor ir­gend­wie neu für mi­ch.

MZEE​.com: Was war in Bezug auf dei­ne Musik denn das Schönste, das du von an­de­ren je zu hö­ren oder le­sen be­kom­men hast?

EstA: Erst vor­ges­tern hat mir wie­der je­mand ge­schrie­ben, dass mei­ne Musik ihn schon län­ger be­glei­tet und ihm auch durch ei­ne schwe­re Zeit ge­hol­fen hat. Sowas ist halt schön – du merk­st, dass das, was du sagst, an­kommt und die Fans ih­ren Teil rein­in­ter­pre­tie­ren. Dass mei­ne Musik ein Teil ih­res Lebens ist und ih­nen in ir­gend­ei­ner schlech­ten Situation oder Lebenslage wei­ter­hilft oder sie auf­baut. Darauf bin ich schon ein biss­chen stolz.

MZEE​.com: Wenn wir uns mal das Cover dei­nes neu­en Albums an­se­hen, stellt si­ch uns die Frage: Wo ziehst du Parallelen zwi­schen dir und Muhammad Ali?

EstA: Das wür­de ich mir jetzt doch nicht an­ma­ßen, da ei­ne Parallele zu dem gro­ßen Muhammad Ali zu zie­hen! (lacht) Nee … Wie du schon rich­tig er­kannt hast, war es die Intention, die­se Szene nach­zu­stel­len, weil er ein­fach der Beste war. Auf dem Cover lieg' ich ja auch no­ch selbst am Boden – da war der Hintergedanke, dass ich mi­ch nur selbst schla­gen kann. Aber auch, dass ich mein al­tes Ich hin­ter mir las­se und in Anführungszeichen ka­putt­schla­ge.

MZEE​.com: Wir ha­ben hier zu­sätz­li­ch ein Zitat von ihm für dich her­aus­ge­sucht, das heißt: "Ich weiß nicht im­mer, wo­von ich re­de. Aber ich weiß, dass ich Recht ha­be." Kennst du das auch von dir selbst?

EstA: (lacht) Das un­ter­schreib' ich auf je­den Fall! Ich hab' sehr ger­ne recht und dis­ku­tie­re auch ger­ne mit Hatern. Ihr wisst gar nicht, wie oft ich es schon ge­schafft ha­be, de­ren Meinung zu än­dern, nur weil ich sie an­ge­schrie­ben und ge­sagt ha­be: "Erklär doch mal dei­nen Standpunkt." Dann ha­ben die ir­gend­was ge­fragt, ich hab' ih­nen Argumente hin­ge­bal­lert und am Ende ha­ben sie ge­sagt: "Ja, stimmt. Bist ja doch nicht so ein Wichser, wie ich ge­dacht hab'." (lacht) Ich wür­de jetzt nicht sa­gen, dass ich recht­ha­be­ri­sch bin, aber ich hab' auf je­den Fall ger­ne recht.

MZEE​.com: Nervt es nicht auf Dauer, im­mer die­sel­ben Diskussionen mit sol­chen Leuten füh­ren zu müs­sen? Gerade auch in Hinblick auf dei­ne VBT-​Vergangenheit …

EstA: Ach, die VBT-​Zeit … das konn­test du ir­gend­wann nicht mehr ern­st neh­men mit die­sem gan­zen Shitstorm. "EstA ar­bei­tet an der Tanke", dies, das … Das war ir­gend­wann nur no­ch lus­tig. (lacht) Aber man­che neh­men si­ch da­für echt Zeit und bal­lern dir ein­fach so 'ne hal­be DIN A4-​Seite als Kommentar drun­ter. Das ist dann meis­tens kom­plet­ter Bullshit, bei dem ich mir nur den­ke: Woher ha­ben die das?! Und da muss ich dann schon her­ge­hen und die mal an­schrei­ben. Es ist jetzt nicht so, dass ich je­den ein­zel­nen Hater an­schrei­be – um Gottes Willen. Aber ein paar Leuten muss ich dann doch mei­nen Stempel auf­drü­cken.

MZEE​.com: Reden wir mal kon­kret über die Inhalte dei­nes neu­en Albums – das ist im Gegensatz zum letz­ten viel viel­schich­ti­ger und we­ni­ger pop­pig ge­ra­ten und er­in­nert uns auch we­sent­li­ch mehr an die Zeit vor "EstAtainment". Wieso hört si­ch de­in Album jetzt so an, wie man es von "EstAtainment" viel­leicht ein Stück weit er­war­tet hät­te?

EstA: "EstAtainment" war ja ein kom­plett som­mer­li­ches Album – da­mals woll­ten wir die­sen Vibe mit­neh­men. Es war auch sehr di­gi­tal. Das neue klingt or­ga­ni­scher, mit li­ve ein­ge­spiel­ten Instrumenten wie E-​Gitarre und Drums. Das jet­zi­ge Album ist viel mehr die Richtung, in die ich ge­hen möch­te. Warum das vor­her an­ders war, kann ich dir gar nicht sa­gen … Ich fin­de, "BestA" klingt teil­wei­se schon no­ch sehr pop­pig, aber mit Eiern. Es macht ein­fach viel aus, wenn Live-​Drums und so ein­ge­spielt wer­den – da bal­lert al­les mehr. Es ist na­tür­li­ch im­mer no­ch Rap und ich werd' jetzt kein Clueso. (lacht) Auf Rap liegt der Fokus, aber ich hab' ger­ne ein paar pop­pi­ge Akzente drin. Aber ja: Das Album wär' als Debüt gei­ler ge­we­sen. Den Schuh muss ich mir auch selbst an­zie­hen und sa­gen: Ich hät­te mir fürs er­s­te Album mehr Zeit las­sen sol­len. Im Endeffekt kam "EstAtainment" na­tür­li­ch auch gut an. Gut, die ei­nen haben's nicht ge­fei­ert, weil sie zu­vor nur die­se 50 Battlerunden von mir kann­ten, in de­nen ich 180 Mal "Hurensohn" ge­sagt hab' – und dann kam ich mit so 'nem sof­ten Sommeralbum um die Ecke. Aber das hat­te ich mir so aus­ge­sucht. Nach 40, 50 Battlerunden, in de­nen du die Leute oh­ne Ende pro­vo­zier­st, hast du ir­gend­wann kei­nen Bock mehr dar­auf. Dann will­st du ein­fach nur ein rich­tig schö­nes Album mit Sommervibe ma­chen. Und so ist es dann auch pas­siert.

MZEE​.com: Wenn du da­mals Bock auf ein Sommeralbum hat­test – wor­auf hat­test du dann Bock, als du mit den Arbeiten an "BestA" an­ge­fan­gen hast?

EstA: In ers­ter Linie woll­te ich mir viel Zeit las­sen – an­ge­fan­gen mit dem Schreiben der ers­ten Songs hab' ich vor zwei Jahren. Das war so ein Prozess. Ich wuss­te am Anfang auch gar nicht ge­n­au, wo's hin­geht, hab' mir ein­fach mal blind Beats schi­cken las­sen und mei­nen Produzenten SINCH & TYPHOON ei­ne Liste ge­schickt, was ich mir vor­stel­len kann. Das hat si­ch mit der Zeit dann ein­fach dar­aus ent­wi­ckelt.

esta-mzee-besta-01

MZEE​.com: Du hast in ei­nem an­de­ren Interview er­wähnt, dass "BestA" in dei­nen Augen sehr au­to­bio­gra­fi­sch ge­wor­den ist. Bist du je­mand, der in sei­ner Musik pri­va­te Probleme ver­ar­bei­tet?

EstA: Auf je­den Fall. "Freundeskreis" ist zum Beispiel ein sehr per­sön­li­cher Song, aber "So bin ich nicht" auch. Wenn du die Tracks hör­st, kriegst du auf je­den Fall nicht nur ein Stück von EstA, son­dern auch von Eike mit. Ich hab' ja auch mal ei­nen Song über ei­nen ver­stor­be­nen Freund von mir ge­schrie­ben. Rap ist auf je­den Fall ein Katalysator für mi­ch. Früher war ich da ein biss­chen wil­der drauf – hab' zu viel Alkohol ge­trun­ken und mi­ch in Schlägereien ge­stürmt. Keine Ahnung. (lacht) Heute mach' ich das mit Musik, was der we­sent­li­ch bes­se­re Weg ist.

MZEE​.com: War das schon im­mer so oder kam das er­st mit der Zeit?

EstA: Das war auf je­den Fall schon im­mer so. Ich sag' ja auch im Outro, dass ich mei­nen ers­ten de­epen Song für mei­ne Ex ge­schrie­ben hab'. Das Bittere war nur, dass mi­ch die Leute im VBT so gar nicht wahr­ge­nom­men ha­ben. Da hast du nur die­sen "Hurensohn" sa­gen­den EstA ge­se­hen, was auch nicht schlimm war, aber des­halb war viel­leicht auch die­ser Clash zu "EstAtainment" so groß, weil's da schon mit die­sen de­epe­ren Songs an­ge­fan­gen hat. "Lass dich ge­hen" zum Beispiel – so­was hat­ten die Leute von mir no­ch nie vor­her ge­hört. Aber dass ich ir­gend­wel­che Eindrücke ver­ar­bei­tet hab', war schon im­mer so.

MZEE​.com: Du hast vor­hin er­wähnt, dass es dir teil­wei­se im­mer no­ch ein Stück weit un­an­ge­nehm ist, zu über­schwing­li­ches Lob zu be­kom­men. Wie sieht das aus, wenn du sol­ches Lob für ei­nen sehr per­sön­li­chen Song be­kommst? Das ist ja noch­mal et­was an­de­res, als zu hö­ren, dass man die kras­ses­ten Punchlines hat …

EstA: Das Ding ist: Es ist al­les cool, wenn die Leute den Song rich­tig in­ter­pre­tie­ren. Aber "Club 27" vom neu­en Album zum Beispiel … Da wur­de ich von der Dani von laut​.de auch ge­fragt, ob ich wirk­li­ch psy­chi­sche Probleme hät­te und das so ern­st mei­nen wür­de. (grin­st) Dem ist na­tür­li­ch nicht so. Ich hab' das ex­tra so ma­ka­ber dar­ge­stellt. Bevor sie ir­gend­was Falsches rein­in­ter­pre­tie­ren, sol­len mi­ch die Leute lie­ber fra­gen. Aber na­tür­li­ch ist das was an­de­res, wenn je­mand sagt: "Geile Punchline, du hast ihm rich­tig ge­ge­ben", als wenn je­mand zu mir kommt und sagt: "Alles klar? Hast du 'ne schwe­re Zeit hin­ter dir?" (lacht)

MZEE​.com: In die­sem Interview wur­de di­rekt da­na­ch ja auch ei­ne Parallele zum nächs­ten Song ge­zo­gen, in dem du "Meine Zeit ist ge­kom­men" rappst …

EstA: Das Lustige ist: Ich hab' mir da gar kei­ne Gedanken drü­ber ge­macht. Ich weiß nicht, ob ich das hät­te ma­chen sol­len, aber ich hab' auch über die Tracklisterstellung nicht viel nach­ge­dacht. Im Prinzip hat der ei­ne Song gar nichts mit dem an­de­ren zu tun, das war ein­fach rei­ner Zufall. Von da­her: al­les gut. (grin­st)

MZEE​.com: Lass uns mal ein we­nig über dei­ne Anfänge spre­chen: Was war über­haupt dei­ne Motivation, mit 15 Jahren mit Rap an­zu­fan­gen? Hat si­ch das mit der Zeit ge­än­dert?

EstA: Mit 15 hat­te ich da­mals mei­ne Aggro Berlin-​Zeit – Sektenmuzik, "Ansage Nr. 3" … Damit hat's bei mir an­ge­fan­gen, das hab' ich tot­ge­hört. Wahrscheinlich war ich des­halb auch im­mer so auf Aggrorap fi­xiert. Irgendwann ha­ben mei­ne Jungs und ich ge­sagt: "Wir ha­ben Bock, selbst mal was auf­zu­neh­men." Damals hat­ten wir ein Headset und den Windows 95 Recorder. Wir hat­ten kein Programm, um den Beat rein­zu­zie­hen, und ha­ben ein­fach die Boxen hin­ge­stellt, das Headset in die Hand ge­nom­men und das im­mer wei­ter­ge­ge­ben. (lacht) Jeder hat dann sei­nen Part ge­rappt und wenn ei­ner ver­kackt hat, muss­ten wir al­les no­ch mal neu auf­neh­men. Also, wirk­li­ch kom­plett ama­teur­haft. Schade war halt nur, dass ich der Einzige war, der kom­plett drauf hän­gen ge­blie­ben ist. Ich hab' mir dann auch ein Mic ge­kauft und 'ne Booth ge­baut. Dann kam die RBA, dann das VBT und so wei­ter.

MZEE​.com: Hattest du da­mals nicht auch Kontakt zu Syntheciser?

EstA: Ja! Ich hab' er­st vor­ges­tern wie­der an ihn ge­dacht, weil ich ihn ei­gent­li­ch aus der Versenkung her­aus für mei­ne Releaseparty ak­qui­rie­ren woll­te, weil der Junge im­mer so ein biss­chen ab­taucht. Das Lustige ist: Wir ha­ben uns er­st voll spät ken­nen­ge­lernt. Er war ja auch in der RBA, aber da­mals schon mit die­sem Legendenstatus un­ter­wegs. Da hat­te ich ge­ra­de mein Battle ge­gen Mavel. Er kann­te mi­ch aber nicht und wuss­te auch gar nicht, dass ich aus dem Saarland kom­me. Dann ha­ben wir uns auf ir­gend­ein­ner Jam ken­nen­ge­lernt – das war zu der Zeit, als das VBT an­ge­fan­gen hat. Ich hab' ihn dann ein biss­chen ge­pusht und zu ihm ge­sagt: "Mach doch no­ch mal was, du Legende." Er war da­mals ja auch bei "Feuer über Deutschland" am Start. Jetzt hab' ich lei­der lan­ge nichts mehr von ihm ge­hört. Ich hab' auch no­ch zwei Tracks mit ihm rum­lie­gen – viel­leicht hau' ich die mal raus, muss ich ihn mal fra­gen.

MZEE​.com: Du bist durch Online-​Battles be­kannt ge­wor­den, hast dann ein som­mer­li­ches, et­was main­strea­m­i­ge­res Album ge­macht und legst jetzt mit ei­ner Mischung aus Storytelling, Autobiografie und Battle nach. Würdest du dei­ne Entwicklung auch so se­hen?

EstA: Wenn du das jetzt po­si­tiv ge­meint hast – auf je­den Fall. Ich den­ke mal, man wird den Sprung von "EstAtainment" hin zu "BestA" krass hö­ren. Das fängt schon bei der Produktion an, geht bei den Texten wei­ter und hört bei Themen auf. Ich fin­de, ich hab' mi­ch in jeg­li­cher Hinsicht krass wei­ter­ent­wi­ckelt und bin sehr ge­spannt, wie die Leute das an­neh­men. Ich hab' auf je­den Fall sehr ho­he Erwartungen an mi­ch selbst ge­habt und bin zu­frie­den mit dem Endprodukt.

MZEE​.com: Gibt es Dinge, die dir bei die­ser Entwicklung ge­hol­fen ha­ben?

EstA: Ich fin­de, dass man deut­li­ch hört, dass ich äl­ter ge­wor­den bin. Das klingt jetzt so nach „Okay – wer will schon alt wer­den“. Aber man ent­wi­ckelt si­ch ein­fach auch als Mensch wei­ter. Der gan­ze Freundeskreis ent­wi­ckelt si­ch wei­ter, man lebt si­ch aus­ein­an­der, fin­det neue Bekanntschaften … Ich hab' al­les mög­li­che, was mir in den letz­ten zwei Jahren und auch da­vor pas­siert ist, in die­ses Album ge­packt und ver­ar­bei­tet. Mich ein biss­chen trei­ben las­sen.

MZEE​.com: Du hast auch we­sent­li­ch län­ger dar­an ge­ar­bei­tet, als an "EstAtainment", oder?

EstA: Ja. In dem Song "Hinter den Kulissen" hab' ich das auch er­wähnt. Ich weiß gra­de nicht mehr, wie die Line geht, aber "EstAtainment" hat­te ich knapp in ei­nem Monat ge­schrie­ben. Und wäh­rend­des­sen hat­te ich auch no­ch Klausuren – du kann­st dir al­so vor­stel­len, was da los war. (lacht) Wen das in­ter­es­siert, der soll­te si­ch auf je­den Fall "Hinter den Kulissen" an­hö­ren. An dem jet­zi­gen Album hab' ich mehr als zwei Jahre ge­ar­bei­tet – na­tür­li­ch nicht kon­ti­nu­ier­li­ch, ich hab' zwi­schen­d­rin auch no­ch mei­ne Bachelorarbeit ge­schrie­ben und war da mal ein paar Monate raus. Dann kam ja auch no­ch der Ausstieg von HB …

MZEE​.com: Fehlt dir das Battlen denn manch­mal? Die al­ten RBA- und VBT-​Zeiten?

EstA: Da hab' ich mir neu­li­ch Gedanken drü­ber ge­macht – was ich ei­gent­li­ch mehr ver­mis­se, RBA oder VBT. Ich war halt bei bei­dem krass in mei­nem Film und hab' mir das rich­tig ge­ge­ben. In der RBA hab' ich 50 Battles ge­macht, am VBT drei­mal teil­ge­nom­men und rich­tig viel Zeit in­ves­tiert … Das Geilste für mi­ch war, so viel mit mei­nen Jungs dran zu ar­bei­ten. Gerade bei die­ser VBT-​Geschichte, weil du al­le zwei Wochen ein Video raus­hau­en muss­test und si­ch da wirk­li­ch je­der rein­ge­hängt hat. Da wur­de aus dem Freundeskreis im­mer je­der ak­qui­riert und mus­s­te ir­gend­was zu­sam­men­bau­en oder si­ch Gedanken über das nächs­te Set ma­chen. Wenn du 40, 50 Runden drehst, mus­st du dir ir­gend­wann na­tür­li­ch auch über­le­gen, wo du no­ch hin­ge­hen könn­test – ich wuss­te gar nicht mehr, wo wir in Saarbrücken über­haupt no­ch dre­hen kön­nen, weil wir je­de ver­damm­te Graffitiwand schon mit­ge­nom­men hat­ten. (lacht) Das war so 'ne in­ten­si­ve Zeit mit den Freunden – das ver­miss' ich auf je­den Fall.

esta-mzee-besta-03

MZEE​.com: Könntest du es dir auch vor­stel­len, mal an ei­nem Live-​Battle teil­zu­neh­men?

EstA: Für "Rap am Mittwoch" wur­de ich schon mal an­ge­fragt. Das hät­ten da­mals ver­mut­li­ch vie­le ge­se­hen – ge­gen Atzenkalle. Aber zu der Zeit ging gar nichts bei mir. (über­legt) Nee, bin ich nicht so der Typ da­für. Das lass' ich lie­ber an­de­re ma­chen, die das drauf ha­ben. Das ist nicht mein Metier. Ich bin auch nicht der kras­se Freestyler – ich kann free­sty­len, aber so gut bin ich dar­in jetzt auch nicht. Da hab' ich, glau­be ich, ei­ne re­la­tiv gu­te Selbsteinschätzung. Ich bin aber auch kein Studiorapper, das darf man jetzt auch nicht sa­gen – li­ve wird schon ab­ge­ris­sen. Aber Acapella-​mäßig seh' ich mi­ch da ein­fach nicht.

MZEE​.com: Reden wir mal über das Box-​Set, das Käufer der Premium-​Edition von "BestA" be­kom­men: Kopfhörer, ein Kondom, Autogrammkarten und ei­ne EP … Wer kam auf die Idee die­ser ver­rück­ten Mischung und wes­halb?

EstA: Jeder hat in sei­ner Box im­mer so 'ne Fahne drin, 'nen USB-​Stick … kei­ne Ahnung.

MZEE​.com: Ein T-​Shirt.

EstA: Ein T-​Shirt hat so­wie­so im­mer je­der drin. Das war das er­s­te, was ich ge­sagt hab': In mei­ne Box wird kein T-​Shirt kom­men. Das war mir schon von vor­ne­her­ein klar. Wir woll­ten ein­fach weg von die­sem Standard. Dann hat­te ich die Idee mit dem "Sex mit der Ex"-Kondom, weil uns da schon klar war, dass wir die Single als Video aus­kop­peln. Irgendjemand mein­te dann no­ch: "Du brauchst Kopfhörer." Da hab' ich ge­sagt: "Ja, okay, kön­nen wir ma­chen, aber ich will kei­nen Ramsch ha­ben. Dann muss das vom Sound her schon was Annehmbares sein." Wir ha­ben uns da­na­ch ein biss­chen be­ra­ten las­sen und im Endeffekt sind's dann eben ein Kondom, Kopfhörer und die EP ge­wor­den. Wer hat so 'ne kras­se Box? Die an­de­ren ha­ben im­mer nur Shirts drin. Die kann­st du dir auch im Merchstore kau­fen. Aber die Box ist jetzt eh schon weg, des­halb: Tut mir leid für je­den, der si­ch we­gen die­ses Interviews no­ch ei­ne hät­te gön­nen wol­len. Sorry. Ich den­ke mal, die Fans wer­den auch ei­ni­gen Spaß mit dem Kondom ha­ben … gu­ck mal, ich tu' so­gar no­ch was für die Gesundheit.

MZEE​.com: Aber ein T-​Shirt kann­st du halt im­mer an­zie­hen …

EstA: An die­ser Stelle soll­te ich viel­leicht er­wäh­nen, dass man das Kondom nur ein­mal be­nut­zen soll­te. (lacht)

MZEE​.com: Wir ver­spü­ren in der Rap-​Szene teil­wei­se et­was Widerstand ge­gen Album-​Boxen un­ter den Fans. Wie siehst du das als Künstler?

EstA: Ich hab' so ei­ne "EstAlationsgruppe", in der ein paar hun­dert Leute drin sind – und da war der Tenor, dass die auf je­den Fall 'ne Box wol­len. Ich hab' al­so mehr auf die Fans ge­hört. Was Boxen an­geht, bin ich auch im­mer ein biss­chen … (über­legt) Jetzt nicht un­be­dingt an­ti, aber Deutschrap ist schon 'ne kras­se Promophase ge­wor­den. Da denk' ich mir ein­fach: Macht doch Musik! So ganz an­ti wie ein Lakmann find' ich auch zu krass, aber der Fokus soll­te schon auf der Musik lie­gen. Deshalb war es mir auch wich­tig, dass in mei­ner Box no­ch die­se Battle-​EP drin ist. Generell hät­te ich die Box auch für 50 ver­kau­fen kön­nen – wir ha­ben sie no­ch re­la­tiv preis­wert ge­hal­ten. Wenn ich se­he, wie an­de­re Leute ei­ne Box für 70 Euro raus­hau­en …

MZEE​.com: Das ma­chen dann aber auch nur Künstler mit ei­nem sehr ho­hen Bekanntheitsgrad.

EstA: Ja, die kön­nen si­ch das na­tür­li­ch er­lau­ben, das ist ja wie­der was ganz an­de­res. Wenn ich auf so ei­nem Level wä­re … Da darf ich mi­ch jetzt gar nicht so weit aus dem Fenster leh­nen, falls ich ir­gend­wann mal da sein soll­te. (lacht) Dann würd' ich auch 'ne 70 Euro-​Box raus­hau­en. Im Endeffekt hab' ich aber schon ge­guckt, dass si­ch die Kosten für die Box in Grenzen hal­ten, ich will da nie­man­den ab­zie­hen. Mir ist ein­fach wich­tig, dass die Leute das Album hö­ren und fei­ern.

MZEE​.com: Was Kritik an­geht, be­kommt man in der Rapszene ge­ne­rell viel ab – du hast das un­ter an­de­rem auch durch Reviews zum letz­ten Album oder dei­ne frü­he­ren Battles er­lebt. Aber wie­so ist es im Deutschrap so schwer, sei­nen mu­si­ka­li­schen Stil zu än­dern, oh­ne oft­mals viel Kritik zu ern­ten?

EstA: Das ist 'ne gu­te Frage. Aber die­ses Antisein, Hatekommentare-​Verfassen und Sich-​im-​Internet-​Aufspielen – ich fin­de es scha­de, dass das mitt­ler­wei­le so eng zu deut­schem Rap ge­hört. Du mus­st auch mal gu­cken, wel­che Seiten am kras­ses­ten funk­tio­nie­ren – das ist dann eben Rapupdate. Das ist halt die BILD-​Zeitung des Raps. Respekt an die Jungs, die ma­chen 'ne kras­se Arbeit – die Leute wol­len halt die­sen Beef und Hate. Ich find's ein­fach ein biss­chen scha­de, dass das so über­hand nimmt. Es gibt so kras­se Künstler, die nur die Hälfte der Aufmerksamkeit ei­nes Money Boys be­kom­men. Ich hof­fe, das wird si­ch no­ch mal än­dern und die wirk­li­chen Künstler set­zen si­ch durch, aber mal schau­en.

MZEE​.com: Wenn du dei­nen Stil no­ch mal än­dern wol­len wür­dest – wie wür­dest du das an­stel­len? Nehmen wir mal an, du wür­dest jetzt ein Rockalbum ma­chen …

EstA: Da bin ich ganz ehr­li­ch: Wenn ich jetzt no­ch mal ein Album wie "EstAtainment" raus­brin­gen wür­de, nach­dem ich zwei Jahre lang nichts ge­macht hab' … Ich wür­de gar nichts ver­kau­fen. Da hab' ich, glau­be ich, so ei­ne gu­te Selbsteinschätzung, das sa­gen zu kön­nen. Damals war der Hype no­ch da, die Leute ha­ben nicht da­mit ge­rech­net, ha­ben si­ch die Singles an­ge­hört und das Album ge­kauft. Jetzt wä­re das wie­der was ganz an­de­res. Ich per­sön­li­ch fin­de, dass "BestA" ein­fach von der Musik, den Inhalten und der Produktion her über­zeugt. Das nächs­te Album, das ich ma­chen wer­de, wird si­cher nicht no­ch so ein "EstAtainment"-softes Sommeralbum. Es wird schon in dem Stil blei­ben und Mucke mit Eiern sein.

MZEE​.com: Zum Abschluss darfst du uns jetzt no­ch sa­gen, was dich in der deut­schen Rapszene im letz­ten Jahr am meis­ten über­rascht hat.

EstA: Dieses Ding von Casper & MontanaMax. Wie hieß das no­ch mal?

MZEE​.com: Gloomy Boyz.

EstA: Genau. Das hat mi­ch über­rascht. Ich mein' – das kann­st du ja ma­chen. Trap ist auch im Kommen und die Leute ha­ben ei­ni­gen Erfolg da­mit, aber: Warum so spät? Und mi­ch wür­de mal in­ter­es­sie­ren, ob die das ge­macht ha­ben, weil sie wirk­li­ch Bock drauf hat­ten oder ob das eher nach dem Motto „Wir ma­chen jetzt Trap und neh­men das auch no­ch mit“ war.

MZEE​.com: Soweit ich weiß, ist Casper auf je­den Fall Fan da­von. Er war ja zum Beispiel auch auf dem LGoony-​Tape ver­tre­ten.

EstA: Ja. Das ist to­tal cra­zy. Das hat mi­ch viel­leicht nicht un­be­dingt über­rascht, aber auf je­den Fall ir­ri­tiert. Ansonsten … Was über­rascht denn heu­te no­ch? Diese Promobeefs über­ra­schen ja nie­man­den mehr, das ist im­mer das Gleiche. Wenn du was ver­kau­fen möch­test, mus­st du ei­nen Disstrack ma­chen.

MZEE​.com: Die letz­ten Worte ge­hö­ren na­tür­li­ch dir.

EstA: Erst mal vie­len Dank an eu­ch für das Interview! Und ja … Am 12. Februar kommt das Album, die Releaseparty wird in der Garage in Saarbrücken statt­fin­den. Hört eu­ch das Album an – ihr müsst's nicht kau­fen, hört's eu­ch ein­fach an und wenn ihr es geil fin­det, kauft und sup­por­tet mi­ch. Ich wün­sch' eu­ch was, Ihr seid die Geilsten!

(Pascal Ambros & Fabian Thomas)