ODMGDIA – Eat Shit Or Try Dying

Wie, ich geh' nicht Top Ten? Eine Träne aufs Lacoste-Hemd.
Wofür willst du Geld, Mann? So ein Beat kann doch nichts kosten!

Wer sich bei dem mehr als komischen Akronym "ODMGDIA" unweigerlich an Tyler the Creators "OFWGKTA" erinnert fühlt, liegt gar nicht so verkehrt. Denn auch der ausgeschriebene Name der Crew von Duzoe und Dollar John bedeutet etwas ganz Ähnliches: "Obdachlose Müllgang Drink It All". Es bleibt aber zunächst offen, ob sich die beiden mit ihrem gemeinsamen Debüt auch in Sachen Sound am amerikanischen Pendant orientieren.

Produktionstechnisch geht Dollar John dann allerdings doch in eine andere Richtung, wie bereits im ersten Track zu hören ist. Denn "Eat Shit Or Try Dying" besteht zu neunzig Prozent aus Techno-Versatzstücken mit hartem Bass und psychedelischen Synthie-Effekten, die besser ins Ohr gehen, als man anfangs erwartet. Bei den restlichen zehn Prozent handelt es sich übrigens um ein Sample aus Galas bekanntem Hit "Freed from Desire", das auf dem Bonus Track neu interpretiert wird. Beattechnisch ist Dollar John also wieder voll in seinem Element und schafft die richtige Atmosphäre für seine und Duzoes Texte. So bekommt man hier dreißig Minuten lang den maximalen Hass der beiden Rapper zu spüren. Auf ihre dreckige Art zerstören die beiden die deutsche Rapszene mal indirekt, mal offensichtlich: "Alter, Deutschrap ist ein Rattenkönig, jeder hat sein' Schwanz mit drinnen, alle ham die Patte nötig." Und wenn es nicht um Rapper geht, sind die eigenen Drogenexzesse sowie deren Folgen Thema. Dabei halten sie stets die Waage zwischen überspitzter Darstellung und erschreckend ehrlich wirkenden Aussagen wie: "Ich hustle so viel, für mich wär' Knast sowas wie 'n Upgrade."

Kurzum haben ODMGDIA mehr als nur einen Odd Future-ähnlichen Namen. Die Texte sind ebenso hart, abgefuckt und hasserfüllt wie die des amerikanischen Gegenstücks. Trotzdem bringt die deutsche Version durch eigenen Humor und die erfrischenden, sehr vorantreibenden Produktionen von Dollar John ihre ganz eigene Note mit ein. Die Beats wirken zwar leider manchmal etwas zu laut abgemischt, aber das ist letztlich auch das einzige Manko des Albums.

(Lukas Päckert)