Takt32 – ID

Was wär, wär jeder gleich im System?

Takt32 macht Trap. Jedoch nicht den Trap, den man zumeist von Codein schlürfenden Fischerhutträgern zu hören bekommt. Bei ihm geht es nicht darum, das gute Leben zu zelebrieren, sondern viel mehr um das Aufzeigen von Missständen verschiedenster Art. Bleibt er dieser Linie auch auf seinem neuen Werk "ID" treu?

Die Grundlage für ein gutes Album kann Takt als versierter Rapper mit druckvoller Stimme schon einmal vorweisen. Seine Fähigkeiten setzt er für gewöhnlich nicht ein, um sich in stilistischen Spielereien zu verlieren, denn Technik scheint für ihn eher sekundär zu sein. Stattdessen steht bei ihm ganz klar die Message der einzelnen Tracks im Vordergrund. In seinen Texten geht es um Themen wie soziale Notstände und mangelnde Gerechtigkeit. Takt32 selbst fungiert dabei als Beobachter und Reporter der Geschehnisse des Milieus. Manchmal wirken seine Aussagen ein wenig phrasenhaft, zumeist jedoch scharf pointiert und durchdacht. Dazu passen die Beats, die Jumpa für "ID" produziert hat, hervorragend. Diese haben allesamt eine ähnlich düstere Klangfarbe, sodass ein stimmiges Soundbild entsteht, aus dem es keine Ausreißer gibt. Auch die Featureparts von FX und Liquit Walker auf "Hungrig" sowie Chima Ede und Lü Rique auf "Dis wo ich herkomme" fügen sich organisch ins Gesamtbild des Albums ein. Skippen muss man hier also nichts – echte Höhepunkte sind allerdings auch rar gesät. Zu nennen wären da die wütende Anklage gegen polizeiliche Willkür "110" und die emotionalen Titel "Von mir/Von hier" und "Was wäre", die mit guten Hooks und einer ordentlichen Portion Pathos aufwarten. Manchmal wünscht man sich jedoch, Takt würde zwischen all dem Frust und seiner Kritik mal ein wenig nüchtern oder auch humorvoller an die zweifellos wichtigen und unterrepräsentierten Themen herangehen. Ein wenig mehr Abwechslung hätte dem Album bei aller Kohärenz sicherlich gutgetan.

Auf "ID" findet man keine Musik zum Abschalten. Takt32 zeichnet darauf ein düsteres Bild von Gesellschaft, Politik und der Rapszene, was einen zum Hinschauen und -hören animiert. Alles andere als leichte Kost also. Durch Takts klare und unmissverständliche Ansagen und Jumpas Trapbanger entsteht dennoch eine gewisse Zugänglichkeit – reinhören lohnt sich hier definitiv.

(Steffen Bauer)