Rosa Rand Gäng – Jetzt ist Ente

"Was?! Du kenn­st das nicht? Sekunde, ich su­ch' dir das mal raus." Und schon öff­net si­ch die Plattenkiste. Wer kennt die­sen Moment nicht? Man re­det über Musik und auf ein­mal fällt ein Name – egal ob von ei­nem Song, ei­nem Künstler oder ei­nem Album – mit dem man nicht so recht et­was anzu­fan­gen weiß. Und plötz­li­ch ha­gelt es Lobpreisungen, Hasstiraden oder Anekdoten. Gerade dann, wenn der Gesprächspartner ins Schwärmen ver­fällt und of­fen zeigt, dass ihm das Thema wich­tig ist, bit­tet man nicht all­zu sel­ten um ei­ne Kostprobe. Die Musik setzt ein und es be­ginnt, was der Person so sehr am Herzen zu lie­gen scheint. In die­sem Fall – was uns so sehr am Herzen liegt: Ein Auszug aus der Musik, mit der wir et­was ver­bin­den, die wir fei­ern, die uns be­rührt. Ein Griff in un­se­re Plattenkiste eben.

 

Ja, es gibt da eine Rap-Crew, die sich Rosa Rand Gäng nennt. Mit dem eigentümlich wirkenden Namen hat es allerdings eine ganz einfache Bewandtnis. Denn die Videos von der Geile Vater, Henry Mustache, Fußballmann und Don Senilo sind stets mit einem – Überraschung! – rosafarbenen Rand versehen. Darüber hinaus hebt sich die Gruppe durch ihr meist spezielles Auftreten von anderen Szenekollegen ab. Dies stellte die RRG auch vor vier Jahren mit "Jetzt ist Ente" unter Beweis – einem Release, das für mich völlig zeitlos ist.

Das liegt vor allem am Konzept des Tapes: Wortwitze in jeder zweiten Zeile, selbstetablierte Memes wie die Bezeichnung jeder weiblichen Person als "Mandy" – und dazu völlig trashige Themen. Die Jungs "ficken die Charts mit 'ner Free EP", rappen über die "Kruppstahl"-Kette als Statussymbol oder ihren – 50 Cent lässt grüßen – "Mandy Shop". Manchen mag das ziemlich bekannt vorkommen. Glamour-Affinität, Texte über Dinge, die man gar nicht besitzt, und ein gewisses Proll-Gehabe – klingt stark nach dem Style einzelner, aktuell erfolgreicher Movements. Mag schon sein, aber während sie damit im Jahr 2016 durchaus angekommen sind, bekamen sie damals noch starken Hass zu spüren. Die RRG hingegen wusste sich da besser in Szene zu setzen. Denn trotz aller Parallelen und Zeilen über große Genitalien und Cash hatten sie vielen anderen etwas ganz Entscheidendes voraus: Skills und Humor. So hat jeder der vier Rapper einen ganz eigenen Stil, im Gesamten harmonieren sie aber perfekt miteinander. Und genauso verhält es sich auch mit den ausgewählten Instrumentals. Neben dem von Peet produzierten Titeltrack sind fast alle Beats von bekannten Hits gepickt und maximal mit kleinen Anpassungen versehen worden.

Alle Mitglieder der Rosa Rand Gäng hatten definitiv enormen Spaß daran, Klassiker wie Falcos "Junge Römer" neu zu interpretieren, wie man in jeder Zeile hören kann. "Jetzt ist Ente" bereitet Spaß, hat ein enormes Ohrwurmpotenzial und bietet liebevoll versteckte Gimmicks und Samples von Fard oder Savas. Da ist es fast selbstverständlich, dass ich auch heute noch jede Zeile mitrappen kann und das Tape weiterhin pumpe, bis vielleicht nächstes Jahr endlich ein Nachfolger erscheint.

(Lukas Päckert)