Gedanken zum Jahresende: Was wir uns für 2017 wünschen …

So, nun ist es soweit: Ein wei­te­res Jahr geht zu Ende, 2016 ist vor­bei. Und wie man in den unzäh­li­gen Jah­res­charts, -rück­bli­cken oder ähn­li­chen For­ma­ten lesen kann, waren die letz­ten 365 Tage auch für die deut­sche Rap­sze­ne wie­der ein­mal sehr ereig­nis­reich. Wenn man sich die vie­len guten Chart­plat­zie­run­gen und Aus­zeich­nun­gen bei gen­re­über­grei­fen­den Ver­lei­hun­gen anschaut, wohl auch beson­ders erfolg­reich. Und zählt man die zahl­rei­chen New­co­mer und Trends sowie posi­ti­ve wie nega­ti­ve Begleit­erschei­nun­gen hin­zu, vor allem sehr abwechs­lungs­reich. Doch es bleibt kaum Zeit, um lan­ge in Erin­ne­run­gen zu schwel­gen, denn 2017 steht bereits vor der Tür. Des­halb möch­ten wir lie­ber unse­ren eige­nen, redak­ti­ons­in­ter­nen Aus­blick dar­auf geben, was wir uns – aus­ge­hend von ver­gan­ge­nen Gescheh­nis­sen – im neu­en Jahr von der Rap­sze­ne wün­schen …

Da wären zual­ler­erst Bonez MC und RAF Camo­ra zu erwäh­nen. Die bei­den haben im ver­gan­ge­nen Jahr mit ihrem inno­va­ti­ven Sound qua­si kei­ne Wün­sche offen­ge­las­sen und sich die gro­ße Aner­ken­nung red­lich ver­dient. Aller­dings wäre es schön, wenn sie nach "Pal­men aus Plas­tik" und "Tan­nen aus Plas­tik" in 2017 mit einem wei­te­ren Release nach­le­gen könn­ten. Viel­leicht heißt es dann "Buchs­baum aus Plas­tik" oder wird nach irgend­ei­nem ande­ren Gewächs benannt, das sich aus Plas­te nach­bil­den lässt. Der Name ist dabei eigent­lich sekun­där. Haupt­sa­che ist, das Release erscheint die­ses Mal zum Anfang und nicht erst wie­der kurz vor Ende des Som­mers. So hät­te ganz Deutsch­land die Mög­lich­keit, zu den pas­sen­den Klän­gen bei 30 Grad min­des­tens zwei Mona­te am Stück ordent­lich abzu­fei­ern. Und da wir gera­de bei Relea­ses sind, soll­ten wir auch über das Beginner-​Comeback spre­chen. Denn trotz aller Freu­de und des Charterfolgs wur­de deren neu­es Werk von vie­len Hörern recht unter­schied­lich wahr­ge­nom­men und zum Teil kon­tro­vers dis­ku­tiert – so auch von uns. Viel­leicht kön­nen Eizi Eiz, Den­yo und DJ Mad die Kri­ti­ker aber doch noch über­zeu­gen. Und zwar mit der Ankün­di­gung, dass "Advan­ced Che­mi­stry" nur ein ers­ter Vor­ge­schmack gewe­sen und ein wei­te­res Album nach alt­be­währ­ter Beginner-​Manier schon in der Mache ist.

Für ähn­lich gro­ßes Auf­se­hen könn­te auch Kol­le­gah sor­gen. Ein High­light des anste­hen­den Jah­res könn­te mit Sicher­heit die Bekannt­ga­be sein, dass der Boss sich ab sofort der Booth ab- und der alt­be­währ­ten RBA wie­der zuwen­det. Und wenn er dann schon in Sachen Batt­lerap unter­wegs ist, könn­te er auch direkt bei einem neu­en For­mat die­ses Sub­gen­res mit­wir­ken. Nach Acapella-, Audio- und Videobatt­les wäre es in unse­ren Augen end­lich an der Zeit, ein Hologramm-​Battle-​Turnier an den Start zu brin­gen. So könn­te man sei­ne Geg­ner nicht nur jeder­zeit an jedem Ort zum Duell her­aus­for­dern, son­dern auch gegen Grö­ßen wie Tupac und Big­gie antre­ten. Wäre doch schön, wenn zum Bei­spiel DLTLLY und RAM nach einem erfolg­rei­chen Jahr die Vir­tu­al Rea­li­ty sinn­voll ein­set­zen und die­sen nächs­ten Schritt gehen könn­ten.

Neben span­nen­den Batt­les freu­en wir uns auch auf die kom­men­de Fes­ti­val­sai­son und gute Live-​Musik. Dabei ste­hen die Neu­auf­la­ge der Tape­fa­brik sowie die 20. Aus­ga­be des Splash! Fes­ti­vals für uns ganz oben auf der Lis­te. Und die bereits öfter dis­ku­tier­te Mög­lich­keit einer gemein­sa­men Tour der US-​Größen Dr. Dre, Snoop Dogg, Emi­nem und Ken­d­rick Lamar klingt ver­hei­ßungs­voll. Aber wir war­ten noch viel gespann­ter auf die Tour-​Ankündigung eines ande­ren Ami-​Rappers. Nie­mand Gerin­ge­res als Puff Dad­dy soll­te sich mal wie­der auf gro­ße Solo-​Deutschlandtour bege­ben – inklu­si­ve einem klei­nen "Abste­cher" nach Frank­furt zu Hany­bal. Viel­leicht gelingt es denn bei­den dann auch, ihre Pro­ble­me bei einer guten Packung Koa­las an der Tank­stel­le aus dem Weg zu räu­men.

Um das musi­ka­li­sche Paket fürs neue Jahr abzu­run­den, muss sich im Bereich des Fan Ser­vice sei­tens der Rap­per noch etwas mehr bewe­gen. Des­halb soll­te auch in punc­to Delu­xe Boxen trotz der erfolg­rei­chen Eta­blie­rung von Ruck­sä­cken und Raub­tier­zäh­nen das nächs­te Level ein­ge­läu­tet wer­den. Wir hät­ten dazu bereits eini­ge Vor­schlä­ge: Der 187 Strassenbande-​Ofenhandschuh, das Animus-​Kräuterschaumbad, die KC Rebell-​Gummistiefel oder die Beginner-​Anti-​Rutschmatte für die Dusche. Die ulti­ma­ti­ve Lösung wäre aller­dings eine ande­re: eine Delu­xe Box, in der eine klei­ne­re Delu­xe Box mit Schleif­chen als Gim­mick bei­liegt. Dann muss nur das Album extra gekauft wer­den – weil ledig­lich das Wich­tigs­te in der Box Platz fand.

Zuge­ge­ben: Vie­le die­ser Wün­sche sind recht uto­pisch und nicht unbe­dingt ernst zu neh­men. Aber nach einem so lan­gen Jahr wird man doch mal kurz abschwei­fen und träu­men dür­fen … Und trotz­dem haben wir noch ein paar beschei­de­ne­re, rea­lis­ti­sche­re Wün­sche für 2017 im Gepäck. Zum Bei­spiel wäre ein grö­ße­rer Fokus auf Krea­ti­vi­tät bezie­hungs­wei­se pro­gres­si­ve Künst­ler in unse­ren Augen erstre­bens­wert. Deut­scher Rap hat 2016 bewie­sen, wie facet­ten­reich er sein kann und dass er in vie­len Rich­tun­gen funk­tio­niert. Da ist es wich­tig, die­se Viel­falt noch stär­ker zu unter­stüt­zen – denn Ein­heits­brei schmeckt ein­fach nicht. In Sachen Krea­ti­vi­tät ist vor allem die Pro­du­cer­sze­ne zu nen­nen, für die wir uns eben­falls mehr Aner­ken­nung wün­schen. Wir möch­ten mit For­ma­ten wie unse­rem Sound­check eben­falls ger­ne wei­ter­hin dazu bei­tra­gen. Aber vie­len Rap­pern wür­de es auch nicht weh­tun, wenn sie die Pro­du­zen­ten ihrer Beats in den Credits angä­ben, um ihnen den nöti­gen Respekt für ihre Arbeit zu erwei­sen. Denn ohne ihre Instru­men­tals wären vie­le Rap­t­racks ein­fach nur die Hälf­te wert.

Neben die­sen nöti­gen gibt es aller­dings auch eini­ge unnö­ti­ge Din­ge, die sich im kom­men­den Jahr unbe­dingt zum Guten ändern soll­ten. Bei­spiels­wei­se, dass Beef und Diss­tracks wie­der als etwas Sport­li­ches, als Teil die­ser Wett­be­werbskul­tur ange­se­hen und von Künst­lern – aber auch von den Fans – nicht immer gleich zu Bluts­feh­den hoch­ge­schau­kelt wer­den. Lie­be Rap­per, beweist Eure Krea­ti­vi­tät und klärt Pro­ble­me bit­te mit Lyrics oder per Holo­gramm, aber nicht mit Schuss­waf­fen und Äxten. Aber: Macht nur Diss­tracks gegen­ein­an­der, wenn es tat­säch­lich ein Pro­blem gibt, statt irgend­wen zu dis­sen, der mal einen bösen Tweet geschrie­ben hat. Und auch die hie­si­gen Rap­me­di­en könn­ten ihren Bei­trag dazu leis­ten und zum Bei­spiel weni­ger Name­drop­ping betrie­ben. Inter­views mit einem Titel à la "XY über den Beef mit YZ" mögen zwar Klicks brin­gen, ver­mit­teln aber ein fal­sches Bild die­ser viel­fäl­ti­gen Sze­ne. In ihr könn­ten sich dann auch eini­ge Rap-​Urgesteine wie­der­fin­den, die im kom­men­den Jahr Come­backs fei­ern, die den Legen­den­sta­tus recht­fer­ti­gen. Vor allem von Den­de­mann erhof­fen wir uns da ein High­light, wenn er schon nicht mehr bei Jan Böh­mer­mann die Büh­ne rocken wird. Und auch über neue Relea­ses von Tua, Mar­te­ria oder Cas­per wür­den wir uns sehr freu­en – zumal wir bei Letz­te­rem sogar die Gewiss­heit haben, soll­te er sein Release nicht noch mal um ein wei­te­res Jahr ver­schie­ben.

Uns ist bewusst, dass unse­re Wunsch­lis­te nicht mal einen Bruch­teil des­sen umfasst, was 2017 auf uns zukom­men wird. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie sich die deut­sche Rap­sze­ne wei­ter­ent­wi­ckelt und wel­che Höhe- und Tief­punk­te sie durch­le­ben wird. Bevor wir von MZEE​.com uns aller­dings fro­hen Mutes dar­auf ein­las­sen, gehen wir erst mal in den Win­ter­ur­laub. Des­halb bleibt unse­re Redak­ti­on vom 31. Dezem­ber 2016 bis ein­schließ­lich 15. Janu­ar 2017 geschlos­sen. In die­ser Zeit könnt Ihr Euch ja Gedan­ken zu Euren eige­nen Wün­schen für die kom­men­den 365 Tage machen, wäh­rend wir noch mal die bes­ten Plat­ten aus 2016 auf­le­gen und genie­ßen. Wir wün­schen Euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr und freu­en uns auf ein erleb­nis­rei­ches 2017 – mit Euch zusam­men.

(die Redak­ti­on von MZEE​.com)