Muso - Amarena

Muso – Amarena

Glaub mir: Mein Wunsch war nie, den ei­nen Treffer zu lan­den.
Nur, sie zu be­frei­en, um sie fest­zu­hal­ten, mei­ne bes­ten Gedanken.

Muso scheint Süßspeisen zu mö­gen – könn­te man zu­min­dest mei­nen, wenn man si­ch die Namen sei­ner Releases an­sieht. Seinem Debütalbum "Stracciatella Now" aus dem Jahr 2013 folgt nun das Zweitlingswerk na­mens "Amarena". Was es ge­n­au mit den Titeln der ein­zel­nen Werke auf si­ch hat, wird auch nach mehr­ma­li­gem Hören nicht ganz klar. Denn der Heidelberger be­wegt si­ch in abs­trak­ten Gefilden, in de­nen der Hörer si­ch durch die Interpretation der sprach­li­chen Auswüchse ei­nen Großteil der Zusammenhänge selbst er­ar­bei­ten muss.

Komplex ist auf "Amarena" im­mer no­ch al­les, was die Lippen des Rappers ver­lässt. Allerdings wirkt das neue Album im Vergleich zu "Stracciatella Now" et­was we­ni­ger ver­kopft, da­für je­doch ge­rad­li­ni­ger und di­rek­ter. Das liegt nicht nur an Musos in­brüns­tig und tech­ni­sch ver­siert vor­ge­tra­ge­nen Raps, son­dern zu ei­nem gro­ßen Teil auch an den Instrumentals von LO und Gianni Brezzo. Diese er­in­nern stre­cken­wei­se stark an Future Garage à la James Blake und strot­zen nur so vor schö­nen Melodien. Dadurch bie­ten sie den ge­eig­ne­ten Boden für die Inhalte des Rappers, die si­ch um all die sub­ti­len Abstufungen zwi­schen­mensch­li­cher Beziehungen dre­hen. Aus die­sen Zwischenräumen schöpft Muso sei­ne kom­pli­zier­ten Geschichten. Nichtsdestotrotz hat man häu­fig das Gefühl, dass man gar nicht lo­gi­sch nach­voll­zie­hen muss, was die ein­zel­nen Zeilen be­deu­ten, um de­ren Kern ver­ste­hen zu kön­nen. Und auch das ein­zi­ge Feature des Albums – Ali As auf "Ultimatum" – fügt si­ch her­vor­ra­gend in das au­ßer­ge­wöhn­li­che Gesamtbild ein. Alis Strophe ist ein kon­kre­ter, un­miss­ver­ständ­li­cher Text in ei­nem abs­trak­ten Gebilde. Damit bie­tet sie ein in­ter­es­san­tes Gegengewicht zu Musos Gedankenwelt.

Auch mit "Amarena" wird Muso si­cher­li­ch nicht der gro­ße Durchbruch ge­lin­gen. Das ist mit die­ser Art von Musik auch kaum mög­li­ch, denn die brei­te Masse will kei­ne Raptexte de­chif­frie­ren, son­dern größ­ten­teils über­haupt nicht nach­den­ken beim Musikhören. Dennoch kann an die­ser Stelle ei­ne Empfehlung für Musos neu­es­ten Streich aus­ge­spro­chen wer­den. Denn es han­delt si­ch hier vor al­lem um ei­ne Sammlung sehr schö­ner Musikstücke, die man auch ge­nie­ßen kann, oh­ne sie voll­ends zu ver­ste­hen.

(Steffen Bauer)

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