MoTorres_JungUsmVeedel

Mo-​Torres – Jung us'm Veedel

Ihr reißt Bäume aus mit Marketing und Promo-​Beefs …
Ich pflanz' Bäume ein mit der EP, bis ihre Krone sprießt.

Lokalpatriotismus ist in der Rapszene un­ge­mein stark aus­ge­prägt. Ob die eins­tige Raphauptstadt Berlin, der Ruhrpott oder Hamburg City: Jeder hält für seine Gegend die Fahne hoch. Besonders be­liebt ist dies in Kombination mit dem Bild vom Jungen aus dem Viertel. Einerseits noch im­mer mit den Kumpels an der Ecke tref­fen, an­de­rer­seits be­reit, die Charts zu stür­men. Auch der Kölner Mo-​Torres sieht sich selbst als "Jung us'm Veedel". Doch kann eine EP voll Heimatliebe auch aus­wär­tige Hörer an­spre­chen?

Die ers­ten Takte las­sen es zu­min­dest ver­mu­ten: Pianoklänge, die sich lang­sam zu epo­cha­lem Sound auf­schwin­gen, und Mo-​Torres' stimm­ge­wal­ti­ger Einsatz bie­ten ein mit­rei­ßen­des "Intro". Trotz Liebe zur Heimatstadt, Fußball und Rapmusik – die Kernthemen der EP – gibt sich der "Jung us'm Veedel" viel­sei­tig. Mal mo­ti­viert er dazu, zwi­schen "Scheinwelt & Maskenball" durch­zu­hal­ten, mal mimt er die "ärmste Sau der Welt" mit ver­meint­li­chen Luxusproblemen. Selbst "Kein Leidgesang", das Pendant zu sämt­li­chen "Only 90s kids will remember"-Memes, fin­det dank at­mo­sphä­ri­schem Beat noch ir­gend­wie seine Berechtigung. Ein ent­schei­den­der Aspekt da­für ist letzt­lich wohl vor al­lem die kraft­volle Stimme des Rappers. Auch wenn diese selbst al­lein in al­len Stimmungslagen zu über­zeu­gen weiß, wird das Klangbild durch den Gesang Darius Zanders den­noch an­ge­nehm auf­ge­lo­ckert. Somit kön­nen dann auch Nicht-​Fußball- oder Köln-​Fans Gefallen an "Heimat", "JUV" und "Mein letz­tes Hemd" fin­den, die sich mit eben­je­nen Themen be­fas­sen.

Der "Jung us'm Veedel" zeigt, dass er mehr ist als Geißbock und Kölsch, er aber auch nie ganz ohne könnte. Der Sound ist an­spre­chend, die Stimme kräf­tig, die Texte über­zeu­gend. Ob man Fußball-​Liebe und Lokalpatriotismus nun nach­voll­zie­hen kann oder nicht, ist für den Hörgenuss der EP nicht zwangs­läu­fig aus­schlag­ge­bend. Denn letzt­lich zählt die Frage, was man für ein Mensch ist, ir­gend­wie eher als die Herkunft.

(Daniel Fersch)

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