Lemur – Geräusche

Und keiner hat's gesehen – außer der Keks.

Lemur alias Benny hat schon einen interessanten Werdegang hinter sich. Mir ist, als wäre es erst gestern gewesen, dass Herr von Grau Spenden sammelten, weil ihnen ihr Equipment abhanden gekommen ist. Und kurz darauf war es das dann plötzlich vorbei mit Herr von Grau. Kraatz und Benny gingen getrennte Wege – ein Schock, der für viele Fans völlig unerwartet kam. Doch glücklicherweise hat sich Lemur rasch wieder aufgerappelt, mit Kreismusik ein – wie ich finde – passendes, neues Label gefunden und Anfang 2015 sein erstes Album herausgebracht.

Ein gewohnt düsteres, stellenweise nachdenkliches Album. Das geht mit dem "Anfang vom Ende" schon los, wo Lemur seine künstlerische Karriere infrage stellt und seine Skepsis der eigenen Musik gegenüber für den Hörer offenlegt. Doch neben seiner Tiefgründigkeit – unter anderem auch beim Thema Drogen ("Mein bester Freund") – bleibt bei Benny eben auch immer dieser gewisse Wahnsinn erhalten. Das spiegelt sich nicht nur in Texten wie der mehr oder minder gelungenen (aber definitiv witzigen) Scatman-Hommage wider, sondern auch in seinen Beats, die er diesmal komplett alleine arrangiert hat. Bestes Beispiel dafür ist der aus mehreren hundert Einzeltönen bestehende Beat von "Geräusche". Völlig neben der Spur, aber trotzdem ungemein stimmig.

Kurz und knapp beweist Benny mit seinem Lemur-Projekt, dass sich auch ohne Kraatz ein rundes Release schaffen lässt, welches die wichtigsten Aspekte der alten "Herr von Grau"-Projekte beibehält. Alternativer Electrosound, eine fast Erzähler-ähnliche Art zu rappen und eine gehörige Portion Absurditäten lassen sich auch hier finden. Schade, dass die LP scheinbar gar nicht mal so viele gehört haben – "außer der Keks".

(Lukas Päckert)

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