rickjames schrieb:
betrachten wir das problem doch mal von der anderen seite: jedes unserer 16 bundesländer hat in etwa einen gleichgroßen verwaltungapparat wie ganz frankreich, der auf unsolidarische weise von einem teil der bevölkerung zwangsfinanziert wird.
Frankreich ist ein Beispiel für ein hervorragend funktionierendes System. Der Zentralismus, wo der regionale Aspekt nicht außer Acht gelassen wird. Desweiteren hat die französische Gesellschaft eine viel emanzipierteres Verständnis von Solidarität. Alles was dir fehlt also. Aber zu Frankreich komme ich später wieder
Zu dem Märchen der hohen Lohnnebenkosten
"Lohnnebenkosten sind zu hoch, sie müssen runter, weil Deutschland sonst nicht wettbewerbsfähig ist" Das ist die typische neoliberale Argumentation. Doch leider ist dieses, fast schon Stammtisch Argument, nicht durchdacht. Zunächst scheint diese Vorurteil bestätigt : Ein Arbeiter, der über ein durchschnittliches Einkommen von 2000 Euro verfügt, muss derzeit 54 Cent an den Staat abgeben. Deshalb plädieren Menschen wie du für Steuersenkungen. Doch solche populistischen Versprechungensind mit großer Vorsucht zu genießen. Man sollte sich die Steuer und Sozialabgaben der Deutschen Wirtschaft im internationalen Vergleich ansehen.
Man betrachtet zunächst die Abgabenquote, das ist die Relation von Steuern und Sozialabgaben zum Bruttoinlandsprodukt
. Da findet man Deutschland mit einer Quote von 43,5%
unter dem Durchschnitt aller alten EU Länder, der 44,2% beträgt. Wie bei den Staatsquoten sind die skandinavischen Länder auch bei der Abgabenbelastung führden, gefolgt von Frankreich und Österreich. Du hast von Frankreich gesprochen, Rick. Die französische Wirtschaft entwickelt sich sehr dynamisch, obwohl die Abgabenquote um 4,7 % höher ist als bei uns.
Diese Argumentation dürfte den kleinen Arbeitnehmer wohl nicht wirklich überzeugen, hat er doch den Eindruck, dass die Abgabenlast , die auf seinem Lohn liegt, zu hoch ist. Ist meine Argumentation jetzt über den Haufen geworfen? Ich glaube nicht

Um näher zu verstehen muss man die Abgabenquote nach der Steuer und Sozialabgabe seperat betrachten. Hierzu wieder ein internationaler Vergleich : Die Sozialabgabenquote liegt in Deutschland ( auch in Frankreich, Ricki) bei 18,5% Damit liegen die beiden Länder an der Spitze. ( Eu Durchschnitt liegt bei etwas 14,5%) Gaanz anders dagegen die Steuerquote. Hier befindet sich Deutschland mit 22,3% bei den alten EU Ländern gaaaanz am Ende, nur noch in japan und die USA werden vom Staat noch geringere Steuereinnahmen relativ zum Bruttoinlandsprodukt erziehlt.
Das ist die eigentliche Erklärung für den scheinbaren Widerspruch zwischen der sehr hohen Abgabenbelastg des Arbeiters und Angestellten und einer im int. Vergleich unterdurchschnittlichen Abgabenquote unserer Volkswirtschaft. Der Deutsche Staat finanziert sich in ungewöhnlich starken Maße durch Abgaben auf den Faktor Arbeit, was eine wesentliche Ursache für die allseits bejammerten hohen Lohnnebenkosten darstellt. Aber es ist keinenfalls zwingend, die Lohnnebenkjosten zu senken, lieber Rick. Es wäre durchaus auch mörglich, dass sich der Staat mehr über Steuern finanziert, oder andere Wege der Finanzierung geht.
Natürlich wirst du dich über unsere im internationalen Vergleich so geringe Steuerqoute wundern ( Wenn nicht, word up^^) Wenn du das Gefühl hast wirklich genug Steuern zu zahlen, dann ist das nicht falsch. Denn die Steuereinnahmen werden seit Jahren mehr und mehr aber die Lohnsteuer und v.a. die indirekten Steuern bestritten.( Aktuelles Beispiel ist die im nächsten Jahr anstehende Mehrwertsteuererhöhung, die absolut kontraproduktiv und die Nachfrage weiter schwächen wird. ) Der Anteil der indirekten und Lohnsteuern hat sich von 59% im Jahr 1970 auf 85% im Jahr 2003 erhöht. Wie sich diese Zahl erhöht hat, die v.a. von der arbeitenden Klasse getragen wird, hat sich der Beitrag der Unternehmen und der Selbstständigen zur Finanzierung öffentlicher Leistungen von 31% auf 15% deutlich vermindert.
Also summa sumarum : Der internationale Vergleich zeigt, dass man mit einer Staatsquote von 48% und einer Abgabenquote von 41% durchaus ordentliche Wachstumgsraten erzielen kann. Es wäre viel sinnvoller, ein neues Modell für die " Lohnnebenkostenberechnung" zu versuchen. Die Wertschöpfungsabgabe. In Zeiten des wirtschaftlichen Fortschritts ist es einfach nicht mehr zeigemäß, die Sozialabgaben an der Anzahl der Angestellten und Arbeiter zu errechnen. Aber das ist ein anderes Thema
Desweiteren wird in der Lohnnebenkostendebatte immer wieder vergessen, dass die weitaus wichtigere Größe für die Wirtschaft, die Lohnstückkosten, im internationalen Vergleich deutlich günstig liegen
Diese legten zwischen 95 und dem 2. Halbjahr 2004 um 3,4 Prozent zu. Gegenüber 2003 stagnierte die Entwicklung sogar. Im Vergleichszeitraum 95 bis 04 stiegen die Lohnstückkosten in Frankreich wie in den USA um 12,3 Prozent, in den Niederlanden um 26 Prozent und in Großbritannien gar um 28,9 Prozent. Auch im gemeinsamen Eurowährungsraum lag die Entwicklung der Lohnstückkosten in Deutschland weit unter dem Durchschnitt von 13,1 Prozent.
don hobo