Solidarität mit Israel

S

SebS

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Boah nee ey, ich war ein Tag net da, jetzt musste ich erstmal 10 Seiten nachlesen :oops:

Vor hin gab es die Diskussion zu Vergangenheitsbewältigung:

Original geschrieben von SebS

Deutschland ist in Sachen Vergangenheitsbewältigung und -Aufklärung den andren Nationen einen sehr großen Schritt voraus.
Das wird auf Frankreich, England, Russland, Usa usw. auch noch zu kommen.

Original geschrieben von hauseingang

was heißt erfolgreiche vergangenheitsbewältigung...
wäre sie erfolgreich dürfte es keine nazis mehr geben und auch keinen antisemitismus...
Also wirklich, das sind Vorstellung, die einfach nicht zu realisieren sind. Das kannst ja wohl nicht wirklich erwarten? :rolleyes:
Original geschrieben von hauseingang

auch das die deutschen selber opfer waren dürfte nicht mehr auftauchen..
Es gab sicherlich auch solche "Opfer"... Dass man das deutsche Volk als ganzes nicht als Opfer hin stellen darf, ist klar...

Original geschrieben von hauseingang

also erfolgreich wurde nichts verarbeitet, es wurde/wird verarbeit und zwar zu gunsten der deutschen großmachtspolitik...
Es wurde erfolgreich verarbeitet!!! Und dies war sicherlich auch zu gunsten der "deutschen Großmachtspolitik"... was ist daran nun so schlimm?

Original geschrieben von hauseingang

dagegen spricht für mich, das ohne die augen auf die vergangenheit zu richten und zwar richtig, ein enormes risiko von deutschland ausgeht.
Jaja, "...ein enormes Risiko von Deutschland ausgeht" Das ist jawohl ein Witz. Deutschland ist ein absolut, ohne Zweifel, gefästigter, demokratischer Staat!!!
Das ist der totale Shizzim was du da geschrieben hast... Denn in Ger haben die Rechtsextremen nicht so erfolgreiche Wahlergebnisse wie in Frankreich.
Das ist krass was dort abgeht... In Deutschland gammeln die Rechten irgendwo bei 2% rum...
In Frankreich waren sie zweit stärkste Partei und haben im Großraum Paris über 10%.
Die Italenische Regierung ist ja wohl alles andere als links...
Da kannst du ja wohl nicht sagen, dass von DL ein enormes Risiko ausgeht... so ein Schwachsinn...

Original geschrieben von hauseingang

z.B sprechen schon einige große firmenchefs von "den guten seiten des nationalsozialismus"
mit so einer vergangenheitsbewältigung kann das nur in die hose gehen.....

Klar, es gibt immer schwarze Schaafe. Immer und überall...
Aber deshalb ist nicht gleich die komplette Vergangenheitsbewältigung fürn Arsch... Denk mal darüber nach
Du kannst ja nicht von ein paar Spinnern ausgehn...

Original geschrieben von hauseingang

....vorallem nicht mit führenden nazis in den führungsreihen von industrie und auch politik....

Aha... hört sich ja schrecklich an.... ist aber nicht realität... also wieder Schwachsinn

Klar Hohmann Rede war scheisse... er hat aber auch die Quittung erhalten. So geht es eben NICHT in Deutschland...

achja:
Original geschrieben von H aka N

Wie ich in diesem Thread schon bewiesen habe - gruß an SebS - bin ich jederzeit bereit, meine eigenen Fehler zuzugestehen und mich dafür zu entschuldigen.

H aka N

DAS STIMMT ;)

peazen
 

hajlok

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@ DeutschLen (Teil 1)

Politische Psychologie des Antisemitismus

Von Tobias Jaecker

Die Wurzeln der Politischen Psychologie des Antisemitismus liegen vor allem in der Kritischen Theorie der "Frankfurter Schule" und damit in der psychoanalytischen und marxistischen Theorie.

Die Politische Psychologie untersucht die subjektiven (psychischen) Bedingungen des Antisemitismus ebenso wie die gesellschaftlichen Bedingungen sowie deren Verhältnis zueinander.

Kritische Theorie über den Antisemitismus

Die Kritische Theorie geht von einer repressiven Dialektik der modernen Vergesellschaftung aus, die Autoritarismus im Innersten der sozialen Subjekte befördert und sie ihrer Autonomie beraubt. An die Stelle von unabhängigem Bewusstsein und Gewissen treten autoritär-aggressive Charakterdispositionen und stereopathische Mentalitäten. Das Subjekt verfügt mithin über eine ausgesprochene Ich-Schwäche, die mit der autoritaristischen Anerkennung jeglicher gegebener Ordnung einhergeht. Als Reaktion auf die politischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen und Verhältnisse greifen die autoritär zugerichteten Subjekte (in den Worten Theodor W. Adornos: die "autoritären Charaktere") auf antisemitische Vorurteilsbilder zurück. Die herrschenden Verhältnisse dagegen lassen sie unhinterfragt.

Der moderne Antisemitismus, der auf dem traditionellen christlichen Antijudaismus aufbaut, wird zur geschichtsmächtigen ideologischen Denkform und Welterklärung, zur rationalisierten Paranoia mit psychosozialen Funktionen. Denn für den "modernen" Antisemiten repräsentieren die Juden nicht mehr nur den äußeren Feind, den Fremden, sondern ebenso die undurchschaubare widersprüchliche kapitalistische Moderne und die gesellschaftlich nur unzureichend verwirklichten Ideen von Freiheit, Gleichheit und Emanzipation. Oder, in den Worten Horkheimers und Adornos: Glück ohne Macht, Wohlstand ohne Arbeit, Heimat ohne Grenzstein, Religion ohne Mythos. Die Juden scheinen, z.B. als Bankiers und Intellektuelle, von den Zwängen der Arbeit befreit zu sein. Als angebliche Profiteure des Kapitalismus werden sie für dessen Auswüchse und Übel verantwortlich gemacht. Juden und ihre Allmacht werden überall vermutet. Auf die Juden werden verdrängte, verhasste und destruktiv verzerrte Wünsche nach Macht- und Triebentfesselung projiziert, Wünsche nach Glück, Freiheit und Sexualität. Diese Projektion gelingt gerade deshalb, weil die bürgerlich assimilierten Juden äußerlich nicht als Juden erkennbar sind. Mit der Realität hat das ideologische Bild vom Juden nichts mehr zu tun.

Die Bedeutung der Ich-Schwäche

Die Abgrenzung gegenüber den Juden verspricht eine kollektive Selbstaufwertung der ich-schwachen Individuen. Die Kritischen Theoretiker beziehen sich hier auf die Freudsche Theorie des Subjekts und konstatieren beim Antisemiten eine unzulängliche Internalisierung des Über-Ichs, der (väterlichen) Autorität und damit eine gescheiterte Ich-Bildung (Freuds Theorie wird dabei durchaus kritisch gesehen, Erich Fromm z.B. betont den repressiven Charakter dieser Verinnerlichung). Das narzisstische Verlangen nach Allmacht, das destruktive Streben kann so über die ödipale Phase hinaus fortleben. Das Subjekt ist auf Grund seiner Ich-Schwäche weiterhin von äußeren Autoritäten abhängig und entwickelt unter dem gesellschaftlichen Druck eine bedrängende Angst vor Abweichung. Es wird von unbewussten Schuldgefühlen getrieben, muss unliebsame Es-Ansprüche verleugnen und diese aggressiv verdrängen. Da das autoritäre Subjekt die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Ich und Außenwelt verliert, richtet es seine unverarbeiteten Aggressionen überwiegend direkt nach außen, auf den Anderen, den Juden, der die verhassten und verleugneten Selbstanteile zu repräsentieren scheint. Nur im Sinne dieser projektiven "Ersatzverschiebung" (Otto Fenichel) fungieren die Juden als "Sündenböcke".

Eine große Bedeutung wird hier der frühkindlichen Autonomieentwicklung zugeschrieben. Christel Hopf macht dem entsprechend Störungen der sozialen Beziehungen im Kindesalter sowie die Abwesenheit verbindlicher Bindungen und Zuwendungen für die Entwicklung autoritärer Züge verantwortlich. Paul Parin betont die Notwendigkeit einer "natürlichen" Autorität der Eltern, an der sich der Jugendliche quasi abarbeiten müsse, um ein gesundes Selbstwertgefühl zu erlangen. Der Kritischen Theorie nach können die innerfamiliären Verhältnisse jedoch nicht isoliert betrachtet werden, da sie letztlich mehr oder weniger durch die gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmt werden. Demnach entspricht der familialen Autorität des Vaters im entwickelten Kapitalismus keine gesellschaftliche bzw. ökonomische Machtposition mehr. Das Kind kann sich schon deshalb nicht wahrhaft mit dem Vater identifizieren und erhält vielmehr die abstrakte Vorstellung einer willkürlichen Macht. Dadurch entwickelt sich ein veräußerlichtes Über-Ich und ein schwaches Ich. An die Stelle einer rationalen Vermittlung von Realität, Über-Ich und Es durch das Ich können pathische, d.h. der Ich-Kontrolle entzogene Projektionen treten, die zu wahnhaften Vorurteilen führen. Der Autoritarismus geht also wesentlich aus den gesellschaftlichen Verhältnissen hervor und kann keinesfalls nur als individuelle (oder gar pathologische) Abweichung von der bürgerlichen Subjektivität verstanden werden.

Die Auswirkungen moderner Vergesellschaftung

Die Dialektik der bürgerlichen Subjektivität steht laut Kritischer Theorie immer in der Gefahr, in antisemitische Subjektivität und Ideologie umzuschlagen. Denn die moderne Vergesellschaftung erfordert die totale Anpassung des Subjekts unter die Ideologie der Selbsterhaltung. Das Wirkliche erscheint als natürlich und vernünftig. Alles wird austauschbar und erhält Warencharakter. Was scheinbar keinen Wert mehr hat, fällt heraus. Auch die sozialen Beziehungen werden verdinglicht. Das bürgerliche Subjekt verliert seine Autonomie. Im Gegenzug nimmt die soziale Kontrolle durch Schule, "peer groups", Massenmedien, soziale Organisationen und den Staat zu. Die Vorurteilsbilder des modernen Antisemitismus, die vagen Ressentiments, die ein Anderes, der Gesellschaft Fremdes konstruieren, können unter diesen Voraussetzungen durch politische Institutionen, populistische Agitation und soziale Krisen aktiviert und verstärkt, in massenpsychologische Regression und judeophoben Wahn transformiert und somit wirkungsmächtig werden.

Moishe Postone bezieht sich bei seiner Erklärung des Antisemitismus fast ausschließlich auf die Marx'sche Kritik der politischen Ökonomie. Er sieht die Besonderheit des modernen Antisemitismus in seinem systemartigen Charakter und dem Anspruch auf Welterklärung. Postone verweist auf die gleichzeitige Verbreitung des modernen Antisemitismus mit der Entwicklung des industriellen Kapitalismus und zeigt auf, dass ausschließlich das Handels-, nicht aber das Industriekapital zum Objekt antisemitischer Angriffe geworden ist. Das Handels- und Finanzkapital, also die Zirkulationssphäre der kapitalistischen Vergesellschaftung, sei von Beginn an mit dem Judentum personifiziert worden – auf Grund der historischen Ausgrenzung und Sonderstellung der Juden, die vielen einen gesellschaftlichen Aufstieg im Zusammenhang mit der Durchsetzung der kapitalistischen Gesellschaft ermöglichte. Postone weist (anknüpfend an Marx’ Begriff des Fetischs) nach, dass die antikapitalistische Variante des Antisemitismus einseitig das Abstrakte, das "parasitäre", "raffende" Finanzkapital angreift und es in einen Gegensatz zum "natürlichen", "organischen" und "schaffenden" Industriekapital stellt. Der Doppelcharakter des Kapitals als Arbeits- und Verwertungsprozess wird dabei verkannt. Die Juden erscheinen als Personifikation des Kapitalismus schlechthin. Zudem falle die Expansion des Industrikapitalismus mit der Emanzipation der Juden zusammen, wodurch sich die Darstellung der Juden als Profiteure noch leichter realisieren lasse.

Stärker noch als Postone knüpft Detlev Claussen an die Traditionslinie der Frankfurter Schule an. Er kritisiert die "fatale Illusion" eines "ewigen" Antisemitismus und betont die von Adorno vernachlässigte spezifische historische Differenz. Claussen unterscheidet dabei noch stärker zwischen einem traditionellen und dem modernen Antisemitismus. Zu letzterem gehöre nicht das Pogrom, sondern das Versprechen darauf. Für Claussen ist der Antisemitismus den gesellschaftlichen Verhältnissen seit der Aufklärung eingeschrieben und zu einer "Alltagsreligion" geworden. Die Barbarei von Auschwitz markiere die "Grenzen der Aufklärung". Nach Auschwitz sei der Antisemitismus des "faschistischen Tickets" (diesen Begriff übernimmt er von Horkheimer/Adorno) durch den Philosemitismus (in Westdeutschland) bzw. den Antizionismus (in Ostdeutschland) ersetzt worden. Claussen hält es im Sinne der Kritischen Theorie für notwendig, die objektiven Bedingungen mit dem Prozess der Subjektkonstitution zu vermitteln. Von psychologistischen Sichtweisen wie etwa bei Ernst Simmel (der vom Antisemitismus als Massen-Psychose spricht) grenzt er sich dabei ab: Die Neurose isoliere, die Psychose mache fast handlungsunfähig, der Antisemit dagegen handele. Claussen ist zu Gute zu halten, dass er nicht auf eine Handlungsperspektive verzichtet. So müsse Aufklärung darauf hinarbeiten, die antisemitischen Zuschreibungen in kritischer Reflexion aufzulösen und auf die Triebkonflikte der Individuen und die realen gesellschaftlichen Verhältnisse im Tausch zurückzuführen.
 

hajlok

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@ DeutschLen (Teil 2)

Auch Elisabeth Brainin betont die Bedeutung der gesellschaftlichen Strukturen und Bedingungen für die Entstehung antisemitischer Persönlichkeiten. Die Produktionsformen entfremdeter Arbeit ließen Sublimierung und Triebbefriedigung nicht zu und verstärkten dadurch regressive Tendenzen wie die Befriedigung von Omnipotenz- und Allmachtswünschen. Die psychische Struktur des Antisemiten werde von einer ausgeprägten Triebhemmung und Gefühlsabwehr bestimmt. Brainin hat keine schlüssige Erklärung dafür, warum ausgerechnet der Jude zum Feind wird. Sie vermutet jedoch, dass es gerade die "unheimliche" Vertrautheit der Juden sei, die sie für den Antisemiten in besonderem Ausmaß zur Projektionsfläche unbewusster, verdrängter Strebungen prädestiniere.

Besonderheiten der deutschen Geschichte

Lars Rensmann kritisiert die These der Frankfurter Schule, dass es keinen spezifischen deutschen Antisemitismus gegeben habe, und verortet hier den "eigentlich blinden Fleck der Kritischen Theorie". Die Frankfurter Schule habe es weit gehend versäumt, den Besonderheiten der deutschen politischen Kultur und Geistesgeschichte, ihrer Mentalitätsbestände und spezifischen Vorurteilstraditionen Rechnung zu tragen. Die dominanten Traditionen in der deutschen politischen Kultur wie die geistesgeschichtliche Ablehnung von demokratischen und aufklärerischen Ideen, obrigkeitsstaatliche Orientierung und Staatsfixierung sind demnach entscheidend für die Wirkungsmächtigkeit des Antisemitismus in Deutschland.

Der "sekundäre" Antisemitismus nach Auschwitz

Ein wichtiger Diskussionspunkt ist auch der gegenwärtige deutsche Antisemitismus, der ja ein Antisemitismus fast "ohne Juden" ist. Dieser Antisemitismus ist in besonderer Weise mit dem Umgang mit der NS-Vergangenheit verknüpft. Die Frankfurter Schule hat für diesen Motivationskomplex den Begriff des "sekundären" Antisemitismus geprägt. Nach Margarete Mitscherlich hat die notwendige "Durcharbeitung" der deutschen Vergangenheit nie stattgefunden. Statt dessen wurde die NS-Zeit verleugnet, verdrängt und derealisiert. Antisemitische Ressentiments, die oft mit tradierten Stereotypen über die "Macht" und die "Rachsucht" der Juden verbunden sind, entzünden sich dem entsprechend zu einem großen Teil daran, dass "die Juden" den Holocaust nicht vergeben und vergessen können oder wollen. Dies hat Hajo Funke am Beispiel der Bitburg-Affäre nachgewiesen. "Die Juden" erinnern schon qua Existenz an das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte, an Auschwitz, und verhindern auf diese Weise die von vielen Deutschen erstrebte geschichtsrevisionistische "Normalisierung" der Vergangenheit. Die Schulddynamik zwischen Tätern und Opfern ist somit zentral für die Analyse des gegenwärtigen Antisemitismus. In einer Abwehraggression werden die Opfer zu unversöhnlichen, rachsüchtigen (allmächtigen, geldgierigen, ...) Tätern gemacht. Die Abwehr richet sich gegen alles, was an lebende oder tote Juden erinnert, sei es auch nur ein Grabstein oder Mahnmal, und geht einher mit der Restauration nationalistischer Ideologie. Der israelische Psychoanalytiker Zwi Rix hat dies mit folgendem Satz auf den Punkt begracht: "Auschwitz werden uns die Deutschen nicht verzeihen".

Die Normalisierungsbestrebungen äußern sich auch in der Relativierung oder gar Gleichsetzung von Auschwitz mit anderen Ereignissen (etwa mit der Bombardierung Dresdens durch die Alliierten). Eine ungebrochene Identifikation mit einer nationalen deutschen Identität ist erst möglich, wenn sowohl der große kollektive Zusammenbruch (die Zerschlagung des Nationalsozialismus) als auch die Scham über das deutsche Verbrechen der Ermordung der europäischen Juden nicht mehr ins Bewusstsein dringt. Dies gelingt jedoch erst dann, wenn Auschwitz überall verortet wird – im Kosovo, in Palästina und anderswo. Micha Brumlik verweist in diesem Zusammenhang auf die Ausrottungsangst von Mitgliedern der Umwelt- und Friedensbewegung in den 80-er Jahren, die sich zum Teil als potenzielle Opfer eines "atomaren Holocaust" sahen und auf diese Weise mit den Opfern der nationalsozialistischen Massenvernichtung identifizierten. Es habe sich hierbei nicht um zufällige Entgleisungen gehandelt, sondern um eine systematisch rekonstruierbare Weltanschauung, die als Spätfolge des Nationalsozialismus zu erklären sei. Im Mittelpunkt dieser Weltanschauung stehe projektiver Neid. Auch von einem Teil der 68-er Studentenbewegung sind Abwehrhaltungen bekannt, die sich etwa in der ausschließlichen Beschuldigung der elterlichen Täter bei gleichzeitiger Selbstimmunisierung gegenüber den deutschen Verbrechen äußerten oder in teils indirekten Gleichsetzungen von "Völkermordverbrechen" der USA mit dem Holocaust.

Henryk M. Broder konstatiert, die deutsche Identitätsfindung finde vorzugsweise auf dem Rücken der Juden statt – "die Frage: 'Wie hältst du es mit den Juden?' ist die deutsche Schicksalsfrage".

Antisemitische Codes und Chiffren

Die ungebrochene Tradition antisemitischer Stereotypen suggeriert Kontinuität, doch ist dies im Post-Holocaust-Deutschland "nur" für die kulturelle Ebene zutreffend. Auf der politischen Ebene ist offener Antisemitismus verpönt. Primäre und offen-extreme Formen der Judenfeindschaft sind tabuisiert. Der Antisemitismus tritt meist "versteckt", d.h. über tradierte Kategorisierungs- und Sprachformen hervor und kann dabei auf teils ungebrochene vorurteilsbegründete Alltagsdiskurse zurückgreifen. Dabei sind solche antisemitischen Konstrukte nicht einmal von der konkreten Anwesenheit von Juden abhängig. Das Gerücht über die Juden lebt in Anspielungen fort, die vom Antisemiten dennoch sofort verstanden werden. Oft äußert sich der Antisemitismus dabei codiert und chiffriert, etwa mittels Kritik an der Politik des Staates Israel bzw. als aggressiver Antizionismus. Herbert A. Strauss spricht in diesem Zusammenhang vom "außenpolitischen Element" des Antisemitismus. Als agitatorische Verstatzstücke mit Stellvertreterfunktion für den modernen Antisemitismus können einerseits Antiamerikanismus und Antiintellektualismus fungieren (bis zum Zerfall der Sowjetunion auch der Antikommunismus) sowie andererseits das Bild vom ("kriminellen", "faulen", "dreckigen" etc.) Flüchtling.

Dennoch sind Xenophobie und Antisemitismus nicht identisch, denn es ist gerade die Verbindung der Stereotype des "minderwertigen" Gegners und des potenziellen "Herrschers", die den Juden zum ambivalenten Objekt von Verachtung, aber eben auch Neid und Begierde macht. Der Jude ist dem Antisemiten fremd und vertraut zugleich – und er wird nicht nur dem eigenen, sondern den "Völkern" insgesamt entgegen gesetzt. Insofern ist ein Zusammenhang von Antisemitismus und Nationalismus offenkundig. Klaus Holz erachtet den Nationalismus für den modernen Antisemitismus gar als konstitutiv, da das antisemitische Bild vom Juden stets als Gegenbild zum Selbstbild von "Völkern" und "Nationen" ("Wir-Gruppen") entworfen werde. Die kollektive, überhöhte und homogenisierte "nationale Identität" werde gegen das judenfeindliche Fremdbild abgegrenzt.

Die ambivalente Projektion von Hass und unbewussten Wünschen auf das Fremde, das zugleich so nah ist – damit lassen sich abschließend die vielleicht wichtigsten Elemente einer politischen Psychologie des Antisemitismus zusammenfassen. Die wirksame Bekämpfung des Antisemitismus kann nur gelingen, wenn diese Ambivalenzen entwirrt und auf ihre realen psychischen und gesellschaftlichen Ursachen zurückgeführt werden.


http://www.antisemitismus.net/antisemitismus/theorie/texte/jaecker.htm
 

Attaphek

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ja, da geb ich dir recht, gleiches gilt auch für rassistische tendezen im allgemeinen..

jedoch domlen sowas vorzuwerfen is schon übertrieben....
vielleicht besitzt er unterschwellige antisemithesche züge, diese wären aber nicht über forenbeiträge erroierbar, sondern über sine alltagsverhalten..
 

Orbit

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Original geschrieben von Attaphek

jedoch domlen sowas vorzuwerfen is schon übertrieben....

Ich les hier seit längerem mit und ich find das beschissen, der Junge kann ja kaum Luft holen und muss sich für jeden Scheiss rechtfertigen. Wir sind hier doch nicht beim Erbsenzählen. Das ist fast wie unhöfliches Nicht Ausreden Lassen, weil man einem die Lust nimmt überhaupt zu diskutieren.
Vielleicht schafft ihr es mal nicht so überempfindlich zu sein. Das Israel unter Sharon viel Scheisse baut, liegt doch wohl auf der Hand und nein icih bin kein Antisemit, denn das hat wenig damit zu tun, ein Regierungsoberhaupt zu kritisieren oder die Politik desselben.
 
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SebS

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Das geht mir auch aufn Sack...
Man muss sich alles vorher 10 mal überlegen und seinen Beitrag 5 mal korigieren, dass ja keine antisemitschen Züge hineininterpretiert werden können.
DAS NERVT :rolleyes:

peazen
 

hajlok

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ok, domlen is kein bewusster antisemit.
aber seine argumentation strotzt vor antisemitischen ressentiments (siehe zb das drama in 9 akten).
das is jedoch nix außergewöhnliches, sonder weit verbreitet.
antisemitsmus is eben nich einfach nur plumper hass auf juden.
und NEIN, kritik an der israelischen regierungspolitik muss nich per se antisemitisch sein. wenn sie sie sich aber in der form präsentiert wie sie's bei domlen tat, dann is sie's.
lest mal den eben von mir geposteten text.
 
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SebS

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Und wenn gesagt wird:
"Man ey, die Amis marschieren da einfach so im Irak ein"
Da wird nichts gesagt... da wird nicht rumgemeckert....
Nochmal:
Man kann den Juden doch jetzt keine Freikarte zum morden geben, weil sie eine (zweifelsohne) schreckliche Vergangenheit haben. Du kannst die Verbrechen der israelischen Regierung nicht mit dem Holocaust verharmlosen oder gar legimentieren.

peazen
 

hajlok

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achso, das wollte ich auch nochmal klarstellen:
wenn ich mich mit israel solidarisiere, bedeutet das nicht dass ich die politik sharons - welcher durchaus ein idot is - gutheißen muss.
ich halte die liquidierung von hamas-führern und anderen wahnhaften antisemiten, die eine gefahr für israel darstellen, zwar für richtig, jedoch muss sie natürlich verbunden sein mit einem rückzug aus den besetzten gebieten.
gleichzeitig muss der hamas auch ihre soziale basis bei den palis entzogen werden, was durch reine militäraktionen der idf natürlich nich getan is.
auf jeglichen antisemitischen terroranschlag muss jedoch weiterhin militärisch geantwortet werden.
mit eventuellen bemühungen für den frieden is von seiten der palästinenser wohl kaum zu rechnen - hier kann halt nur auf israel gesetzt werden.
 

Attaphek

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Vorwürfe hin - Vorwürfe züruck

Position auf 5 Seiten festigen und wieder anfangen aneinander vorbeizureden
 

H aka N

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Original geschrieben von Attaphek
jedoch domlen sowas vorzuwerfen is schon übertrieben....
vielleicht besitzt er unterschwellige antisemithesche züge, diese wären aber nicht über forenbeiträge erroierbar, sondern über sine alltagsverhalten..

Genau das habe ich gesagt. Ansonsten gebe ich ein Word @koljah. An DomLen habe ich eine PM geschrieben, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass DomLen sicher kein Antisemit ist und ich mit ihm darüber reden will und bei ihm auch die Bereitschaft zur Reflexion erkenne.

H aka N
 

Slowmo

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Original geschrieben von Attaphek
hat der slowmo seinen post gelöscht oder bin ich jetzt total irre????
die letzten posts klangen alle vernünftig... und was soll noch unnötig Salz in die Wunden gestreut werden, oder rumgehakt werden......zumal es mit dem Thema auch nichts zu tun hatte.... insofern..passt schon.. ;)
 

hajlok

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ich finds übrigens knorke, was ein simples "antisemit." für ne diskussion auslösen kann! was wären wir bloß ohne die gute alte polemik! :cool:
 

H aka N

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@Slowmo: Der entschiedene Fehler, der begangen worden ist - aufgrund einer Trotzreaktion zwecks der "uneingeschränkten Solidarität zu Israel - bleibt die Tatsache, dass die Leute zwar hinterfragt haben mit wem ein Antifaschist solidarisieren muß - und genau an diesem Punkt stoßen sie auf eine Nation, die einen inherenten Rassismus mit sich trägt (aufgrund des Daseins der illusionierten "Volksgemeinschaft!) - aber es durch die Bank weg vermieden haben warum sie sich mit Israel solidarisieren müssen.

Deswegen nochmal: Antifaschismus = Israel, da Israel jenes Land ist, dass als Konsequenz des Faschismus gilt. Natürlich gab es mehr Gründe, siehe Herzl und seine Werke, aber es ist ein Fakt, dass Israel durch die Beendigung des Zweiten Weltkrieges ins Leben gerufen wurde. Das alleine ist die Solidarität. Es heißt keineswegs staatliche Instutionen oder Rassismus oder die Politik gutzuheißen, davon hat aber weder hauseingang, noch koljah noch ich gesprochen. Die darauffolgenden "Fehlschlüsse" waren/sind eindeutig antisemitisch und deren grundlegender Charakter wurde eigentlich auch geklärt. Daher habe ich ja auch dieses Angebot an DomLen unterbreitet, weil ich ihn eben für klug - und vor allem für gesprächsbereit - halte.

MfG
H aka N
 

beetown

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Original geschrieben von hajlok
ich finds übrigens knorke, was ein simples "antisemit." für ne diskussion auslösen kann! was wären wir bloß ohne die gute alte polemik! :cool:
und was wären manche ohne antisemiten..
 

Attaphek

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aja, das sind ja die hauptprobleme und werden vielleicht nicht von einem größerem übel in iniziert?
 
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