Rapper und Empfindsamkeit v. Groupies, Artikel

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Helden der Großstadt

Die Rapper



Von Harald Peters

Da sitzen sie nun in ihrer Steglitzer Wohnung und wissen auch nicht so recht. Die Playstation haben sie ausgestellt und die Cola- und Fanta-Flaschen nachlässig auf dem Couchtisch angeordnet; und auch sonst geben sie sich allerhand Mühe, einen nicht allzu verstörten Eindruck zu hinterlassen. Die Berliner HipHop-Formation Beatfabrik hätte sich vieles vorstellen können: dass man sie einfach nur zur Kenntnis nimmt, sie entdeckt oder übersieht; dass man ihren Einsatz für die Sache des HipHop würdigt; dass man ihre neue CD „WortShots“ kauft oder auch nicht; doch dass man sie tatsächlich beim Wort nimmt, damit hatten sie nicht gerechnet.

Aber genau das ist passiert. Und so fand sich Beatfabrik vor Gericht wieder. Der Anklagepunkt: Üble Nachrede, Verleumdung. Am 10. Dezember war der erste Termin, der nächste ist im Mai. Ausgerechnet Beatfabrik musste das passieren. „Eigentlich kennt uns ja fast keiner“, sagen sie nicht ganz zu Unrecht. In der Berliner HipHop-Szene, die je nach Stadtbezirk in zahlreiche Subszenen zerfällt, wimmelt es nur so von allerlei randständigen Gruppen, von denen Beatfabrik als eine besonders randständige gilt.

Doch auch randständige Gruppen haben offenbar Groupies und machen mit ihren Groupies so ihre Erfahrungen. Und weil Beatfabrik mit beiden Beinen fest in der Tradition jener HipHop-Philosophie steht, die auf Authentizität größten Wert legt, wundert es nicht, wenn die eine oder andere Groupie-Erfahrung auch ihren Weg in ihre Texte findet. Jedenfalls begab es sich, dass der Beatfabrik-Rapper Kobra eines Tages dazu anhob, einen Groupie-Text zu verfassen, der wohl von so mancher Erfahrung inspiriert war. Bald wurde daraus ein fertiges Stück, das später seinen Weg auf eine Mini-Disc fand, die geheimnisvollerweise in die Hände eines DJs gelangte, der das Stück wiederum aus Versehen und ohne ausdrückliche Erlaubnis spielte. Das Ganze passierte auf einer öffentlichen Party. Auf dieser Party befanden sich auch zufällig zwei junge Frauen namens Tanja und Mandy, denen das Groupie-Wesen offenbar nicht fremd war. Zunächst sollen sie Augenzeugenberichten zufolge noch versonnen zu dem Song getanzt haben, bis mit der dritten Strophe plötzlich die Namen „Tanja“ und „Mandy“ fielen und ihre Stimmung zum Sinkflug ansetzte. Wie aus dem Nichts stieg dafür Wut und Trauer in ihnen auf, denn Tanja und Mandy fühlten sich angesprochen – verleumdet und diskriminiert.

Eine Anzeige war dann das Resultat. Beatfabrik wird damit die Ehre zuteil, die erste deutsche HipHop-Gruppe zu sein, die sich wegen eines Textes vor Gericht verantworten muss – eine Ehre, die selbst weltweit bislang nur Größen wie der 2Live Crew und Eminem vorbehalten blieb und infolgedessen deren Image als ruchlose Gesellen zementierte. Doch Kobra blickt drein, als würde er gerne auf diese Ehre verzichten: „Punkt eins ist, dass der Track nicht von den Bräuten handelt, sondern von mir und meinem Leben. Und zweitens handelt er davon, wie ich ständig herumrenne und mir Bräute klar mache.“

Und jetzt sollen Freimut und Aufrichtigkeit bestraft werden? Bei Beatfabrik versteht man die Welt nicht mehr und versucht seine Ratlosigkeit mit einem großen Schluck Limonade herunterzuspülen. Bis die beiden Groupies in ihr Leben traten, lief es für sie im Grunde nicht schlecht. Vor nunmehr drei Jahren gründete sich die Gruppe in Berlin-Steglitz und versammelte um den fünfköpfigen Kern der Mitglieder Kobra, Prinz Porno, Smexer, Kick und Sash noch so einige Rapper und Produzenten. Bislang produzierte man in Eigenverantwortung einige Kassetten und kann seit kurzem auch auf eine CD verweisen. Sie sind 19 bis 23 Jahre alt und Auszubildende, Zivildienstleistende und angehende Studenten. Sie sind stolz auf ihre Unabhängigkeit. Sie sind auch stolz darauf, sich nicht an die Musikindustrie verkauft zu haben.

Sie sind sich also treu geblieben und rappen vom Leben, wie sie es sehen. Weil aber in einem Steglitzer-Mittelschichts-Jungen-Leben nicht ständig wahnsinnig aufregende Dinge passieren, widmet sich Beatfabrik mit Vorliebe jenen Themen, die den HipHop beherrschen: der eigenen Außerordentlichkeit im Speziellen und den Frauen im Allgemeinen.

Dabei ist der stilbildende Hang zur Selbstüberschätzung auch bei Beatfabrik schicksalhaft mit einem Frauenbild verknüpft, das nicht das fortschrittlichste ist. Und so kam es, dass sie dem inkriminierten Groupie- Song ausgerechnet den Titel „Freif*ckm*sch*“ gaben. Zwar geht der nicht über den genreüblichen Sexismus hinaus, doch andererseits: Wie erklärt man es seinem Richter? Wird er es zu schätzen wissen, dass der Songtitel aus einem Interview gesampelt wurde, das der besonders grimmige US–Rapper Eminem einst dem deutschen Fernsehen gab? Wird er diesen kunstvollen Querverweis verstehen? Und für wessen Interessen wird er Verständnis aufbringen? Für Tanja und Mandy, jenen vermeintlich im Namen der Kunst gedemütigten Klägerrinnen? Oder jenen Männern, die nassforsche Zeilen wie „Für mich ist jede P*ssy eine Freif*ck*m* sch*“ rappen und dabei unpassend jung wirken?

Ein Stimmungsgemisch aus Trotz, Stolz und Furcht hat den Raum erfüllt und will hinaus. Den außergerichtlichen Vergleich mit Tanja und Mandy (jeweils 500 Mark) hat Beatfabrik abgelehnt.
 

kAEy

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muahaha

na, er grosse Fresse und dann nich mehr gerade stehen dafür.. :D

aber ausgerechnet tanja und mandy, die kenn ich doch auch :cool:


oh mannsen jim pansen..
 
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