Anhang anzeigen 36958
Snoop Dogg Presents: Tha Eastsidaz
Release: 1.2.2000
Bewertung:
★★★★★★★★★
Nachdem Snoop mit seinem Album "No Limit Top Dogg" im Mai 1999 ein sowohl von Fans als auch Kritikern wieder sehr positiv aufgenommenes Projekt veröffentlichte folgte rund ein halbes Jahr später mit Dr. Dres "2001" die nächste Bombe. Über den Klassikerstatus des Chronic-Sequels muss man natürlich nicht mehr extra reden aber nicht nur dieses Album allein, sondern eine ganze Reihe anderer Veröffentlichungen leitete zu dieser Zeit eine Art „zweiten Frühling“ für Gangsta Rap von der Westküste ein. In dieser Phase erschien auch das nun vorliegende Debütalbum der „Eastsidaz“.
Denn nach „No Limit Top Dogg" und seinen Beiträgen auf "2001" brachte Snoop dann gleich zum Anfang des neuen Jahrtausends ein neues Projekt an den Start. Statt einem Snoop Dogg Soloalbum wurde jedoch mit "Snoop Dogg Presents: Tha Eastsidaz" ein Kollaboalbum über Snoops eigenes Label "Dogghouse Records" veröffentlicht. Die titelgebenden Eastsidaz bestanden dabei aus Tray Deee, welcher den meisten schon seit den Death Row Zeiten als Teil von Snoops Crew ein Begriff war und Goldie Loc, welcher auf dem ein Jahr zuvor erschienenen "No Limit Top Dogg" als Snoops Protegé seinen Einstand gab. Snoop selbst ist dabei als inoffizielles drittes Mitglied ebenfalls mit von der Partie.
Soundtechnisch handelt es sich bei dem Album um ein durch und durch nach West Coast Gangsta Rap klingendes Projekt in seiner besten Form. Vom in charakteristischem Blauton gehaltenen Cover als Farbe der Crips welcher alle drei Mitglieder angehören zu den Features welche unter anderem von den Twinz, Rappin 4 Tay, Xzibit, Nate Dogg, Bad Azz, Warren G, Kam, Jayo Felony, Kurupt oder Kokane beigesteuert werden bis hin zur Produzentenentourage bestehend aus Meech Wells, Battlecat, Warren G, Soopafly, LT Hutton, Jelly Roll, Blaqthoven und Goldie Loc selbst, ist hier ganz klar wohin die Reise geht.
Besonders erwähnenswert ist dabei, dass das Album durch seinen alles dominierenden West Coast Sound jederzeit wie aus einem Guss klingt und sich keine deplatzierten oder störenden Elemente finden die den Sound verwässern würden.
Ich persönlich habe das Album wahrscheinlich schon hundert Mal komplett durchgehört und besonders im Sommer läuft das Ding eigentlich regelmäßig bei mir. Das könnte auch daran liegen, dass das Album für mich mit einigen sehr guten Erinnerungen verknüpft ist und einige Ereignisse/Zeiten in meinem Leben begleitet hat. Gottseidank ist die hohe Bewertung des Albums aber nicht auf nostalgische Verklärung zurückzuführen sondern die Qualität spricht hier absolut für sich.
Gründe dafür gibt es mehrere:
Zuallererst einmal wäre da die Gruppenkonstellation aus Tray Deee, Snoop Dogg und Goldie Loc. Alle drei haben ihren ganz eigenen Style, die Chemie zwischen den Protagonisten passt wunderbar und somit ergänzen sich die einzelnen Gruppenmitglieder perfekt gegenseitig. Snoop kickt seine Raps smooth und lässig wie immer, Goldie Loc klingt mit seiner extrem roughen Stimme und energischen Delivery im besten Sinne wie ein Gangbanger der seine Parts irgendwo auf den Straßen von Long Beach spittet und Tray Deee verströmt einen unglaublich authentischen OG Flavour (er ist auch der älteste in der Gruppe und wenn man sich ansieht bzw. anhört wie viel der gute Mann auf dem Kerbholz hat, dürfte die entsprechende Aura keinen mehr verwundern) und flext wie immer lyrisch und raptechnisch auf höchstem Niveau über die Beats.
Auch bei den Beats ließ man sich nicht lumpen, die Produzenten liefern allesamt eine extrem starke, unverkennbar West Coast lastige Soundkulisse die den Rappern die optimale Bühne für ihre Performances gibt. Wie gesagt fällt vorallem die extrem Konsistenz auf, alles wirkt rund und aus einem Guss, egal ob es leisere Töne oder Partybanger sind.
Was die Features angeht findet hier ein Schaulaufen der West Coast Prominenz statt. Jayo Felony, Kurupt, Kam oder Kokane um nur einige zu nennen passen hier perfekt ins Gesamtbild.
Dementsprechend gibt es natürlich so einige Anspieltipps. Als erstes muss natürlich der Überhit „Gd Up“ genannt werden. Auf einem mächtig bouncenden Battlecat Beat der die Scheiben im Auto ordentlich vibrieren lässt kicken die Eastsidaz hier ihre Reime, Ohrwurm Hook inklusive. Pflicht für die heiße Jahreszeit, am besten natürlich über eine ordentliche Anlage während dem Fahren. Auf „Now We Lay Em Down“ liefert Meech Wells einen Mörderbeat auf den Snoop, Tray Deee und Goldie Loc wie angegossen passen, dazu gibts eine klassische Kokane Hook welche klasse P-Funk Throwback Vibes verbreitet. „The Big Bang Theory“ kommt mit einem für Produzent Warren G sehr untypischen, harten Beat daher auf dem vorallem Kurupt und Tray Deee ordentlich abreißen. „Dogghouse“ bringt feinste Hood Houseparty Vibes, „Tha Eastsidaz“ und „Give It 2 Em Dogg“ kommen mit ultra smoothen, langsam durch die Boxen rollenden Instrumentals und tollen Performances der Eastsidaz um die Ecke, auf „toller Typ 4 Life“ flexen Goldie Loc, Tray Deee und Bad Azz auf dem temporeichen Beat um die Wette und „Got Beef“ bietet einen unglaublich eingängigen Beat mit einer sehr coolen Melodie, eine eingängige Hook und tollen Raps (leider ist Goldie Loc nur in der Videoversion dabei). Auf dem atmosphärischen Another Day“ kann man die fiebrige, angespannte Stimmung in der Luft förmlich riechen während Goldie Loc und Tray Deee ihre Hoodstories erzählen, „Life Goes On“ von Snoop bietet zum Schluss noch eine düster-traurigen Widmung an verstorbene Freunde, während mit „Be Thankful“ versöhnlichere Töne angeschlagen werden und eine erfrischend unpeinliche Nummer über Dankbarkeit herauskommt. Auch das genial gerappte Tray Deee Solo „Tha G in Deee“ und das sommerlich-lässig groovende „LBC Thang“ sollten erwähnt werden.
Ich könnte hier eigentlich jeden Song einzeln ansprechen, skippen muss man nämlich nichts da alle Songs mindestens gut hörbar sind. Das Album lässt sich wunderbar am Stück durchhören, vorallem im Sommer während einer längeren Autofahrt mit entsprechender Musikanlage entfaltet sich der Sound ideal.
Zwei, drei weitere Goldie Loc oder Tray Deee Solotracks wären sicher noch cool gewesen da Snoop hier gleich eine handvoll selbiger auf dem Album hat, und manche Features hätten ruhig etwas prominenter eingesetzt werden können, bspw. Xzibit oder Dr. Dre welche leider keine Parts beisteuern aber das ist immernoch meckern auf hohem Niveau.
Anspieltipps: Alles
Skips: Nichts
Extras:
Hier haben wir zum einen die Videoversion von „Got Beef“ mit Goldie Loc Part (ich finde hier die Clean Version bezüglich Snoops kurzem Part tatsächlich besser).
Desweiteren wurde zum Album noch ein Film gedreht, natürlich kommen hier auch allerhand Songs aus dem Album vor.
Im darauffolgenden Jahr stieg Snoop schließlich noch sehr erfolgreich in den Erwachsenen-Filmmarkt ein und lieferte zwei Videos für Hustler ab, der erste wurde auch gleich passenderweise unter dem Titel „Snoop Doggs Doggystyle“ veröffentlicht. Auch hier kommen unter anderem einige Songs des ersten Eastsidaz Albums vor, dazu gibt es ein paar exklusive neue Tracks. Besonders cool ist dabei der Track „Lets Roll“ auf dem Goldie Loc über das geniale Michael Jackson Sample rappt.