Neue Deutsche Welle 2
VÖ: 05.09.2014
★★★
Heut gibt's die volle Dröhnung. Ein absolutes Novum im Universum: Fast eineinhalb Jahre zwischen zwei Fler Albungs! Ich verdrücke eine Träne. Ich bin kein Fan von diesem aufgesetzten, stolzdeutschen Rumgetue, aber das schadet der Platte nur wenig. Hier gibt es neben durchweg gelungenen Trap-Produktionen auch vereinzelte Beats im alten Stil, also 90 BPM und auf die Fresse. Konnte „Blaues Blut“ durch die diversen Soundreferenzen entschieden aufgelockert werden, sorgt hier die Mischung für Kurzweiligkeit. Die mehrfach eingesetzten orchestralen Synthies und Chöre werten das Soundbild gehörigst auf, da kommt Fler einfach immer gut drauf. Jetzt macht der Thread endlich mal Spaß...
Nach dem retrospektivischen „Weisser Tupac“ empfinde ich „Hipster Hass“ und „Stabiler Deutscher“, die wohl so bekanntesten Songs vom Album, eher als störend, das hätte sich Flizzard auch sparen können. Ab „Zurück aus Bonnys Ranch“, das mit einem Sample daherkommt, das auch auf CCN 2 mit Saad hätte Verwendung finden können, ist das dann aber so mit die stärke Performance vom Flizzmaster auf Albumlänge. Für mein Dafürhalten gibt es nur noch mit „Schutzengel“ einen richtigen Ausfall, ansonsten folgt – für Flir’sche Verhältnisse – eine gute Tat nach der anderen.
„Level“ ist die Flizzy-typische, leicht zurückgebliebene Interpretation eines Ami-Bangers, aber wenn das immer so klingt wie hier, bin ich sofort Fan. Gleiches gilt für „Businessman“ aka „Bei mir läuft, JUNGE, bei mir läuft, JUNGE“, sympathisch retard-ish und voller Quotables. „Drogen, N0tten und Cash“ ist auch dank Sentence und trotz der – oder gerade wegen der? – Hustensaft-Jüngling-Gedächtnis-Hook fett.
Generell muss ich mal die Features hervorheben. Neben G-Hot und einem fulminanten Sentino liefert auch Silla so gut ab wie schon lange nicht mehr. Der Part auf „Gangster Rap 2.0“ ist Bombe! Fler hatte um diese Zeit eine ausgesprochen solide Truppe am Start. Die können zwar wohl keine guten Alben rausbringen (minus Sentence natürlich), aber so als Feature-Kompagnons erfüllen sie ihre Rollen perfekt. Schade, dass das so auseinandergebrochen ist. Silla ist ja mittlerweile ein aufgedunsenes Wrack, das jedem Trend hinterher hechelt.
Abzüge gibt’s in der B-Note: Neben den oben angesprochenen, unnötigen Songs sind auch „Im Ghetto kennt mich jeder“ und „Vermischt mit dem BETONG“ ob der ausgelutschten Samples eher so semi-gut. „Ein Kugelsicherer Jugendlicher“ ist dann aber ein versöhnlicher Abschluss-Banger auf einem Rick-Ross-Type-Beat. „Junge mit Charakter“ muss natürlich auch noch erwähnt werden, der Diss in Überlänge geht straight gegen alte Weggefährten und die üblichen Verdächtigen.
Hörenswert: Weisser Tupac, Zurück aus Bonnys Ranch, Gangster Rap 2.0; Drogen, N0tten und Cash; Level, Ein kugelsicherer Jugendlicher
Vermeiden: Stabiler Deutscher, Schutzengel