hab bei rap4fame.de die review gefunden:
Review:
Menschen, die in Schubladen denken, werden Prinze Low wahrscheinlich zu Rappern wie Curse oder Pal One stecken, denn der gebürtige Mannheimer trägt, genau wie die anderen beiden, das Herz auf der Zunge. Für das ganze Drumherum wie scharfe Frauen oder schnelle Autos in Videos interressiert er sich nicht wirklich. Stattdessen beschäftigt er sich mit den wichtigen Dingen das Lebens und lässt die Gedanken, die er sich darüber macht, in sein Textbuch fließen. Nach der kürzlich erschienen Free-EP veröffentlichte Prinze Low jetzt sein Album "Fenster Zur Strooß". Dann schauen wir mal, was der Blick nach draußen so alles verbirgt.
Nach dem nicht weiter erwähnenswerten "Intro" folgt der erste wirkliche Track, der den Titel "Lärm" trägt. Hier wird representet, ohne die typischen Battlephrasen a lá "Ich ****e deine Mutter" auf die Tonspur zu spucken. Nein, der Prinz drückt lieber mit mächtiger Stimme auf einem mächtigen Beat all seine Verzweiflung, all seine Wut und all seine Hoffnung in das Mikrofon. Das kann man ohne zu übertreiben als wirklich "real" bezeichnen. Die wunderbare Laura Bellon unterstützt mit sehr überzeugender Performance den Mannheimer auf "See Me Cry". Hier werden einem die Tränen aus den Augen gepresst, nur um sie einem im nächsten Moment von der Wange zu wischen. Ebenso berührender wie gelungener Anspielpunkt. Auch "Drama" unterbricht die bisherige Kette von guten Songs nicht. Prinze Low therapiert sich selbst, wie man so schön sagt, indem er all seine Sorgen der Öffentlichkeit vorrappt und sie so an seinem Leben teilhaben lässt. "Warte und warte...../ versuch zu schlafen, nur es geht nicht, Mann, ich warte auf Schafe" ist nur eine der Lines, mit der sich wahrscheinlich Unmengen an Zuhörern identifizieren können. Auf "Seelenleben" zeigt Prinze Low, dass er sich auch rapmäßig vor keinem verstecken muss. Auf einem melancholich voran stampfenden Beat flowt er auf allerhöchstem Niveau, doch verliert auch hier nicht das wichtigste, die Lyrics, aus den Augen. Mit "Rap" wird sich das erste Mal in einem anderen Themengebiet bewegt. Auf schnellen Violinen battlen Prinze Low, Inferno und der Wuppertaler Sinuhe alles, was sich sich zu nah an ihnen befindet. Besonders der Letztgenannte kann mit Punchlines wie "und du bleibst ein Fiasko wie Lupe" überzeugen. Vom Titeltrack "Fenster Zur Stroß" gibt es mit "Fenster Zur Stroß (Screwaholic Remix)" noch eine zweite Version. Hier wird sich gefragt, was eigentlich der Sinn des Lebens ist, und wozu man die ganzen Dinge tut, die man eben tut. Die Gedanken, die der Ursprung dieser Lyrics sind, sind durchaus als düster zu bezeichnen und trotzdem bringt der Track mich dazu mit meinem Kopf zu nicken um mir nebenbei Gedanken über den Text zu machen. Die Remix-Version weiss ein wenig mehr zu überzeugen, da das Instrumental die Stimmung des Songs ein wenig besser transportieren kann. Auch von "Mein Style" ist ein Remix auf der LP enthalten. Dieser kommt in diesem Fall von Sashliq aber kann nicht an das Original heranreichen. Prinze Low stellt sich und all seine Facetten vor und wird einem dabei immer symphatischer, etwa wenn er sagt: "Ey, ich liebe Alk/ halt mich an der Flasche fest, bevor sie gegen Kiefer knallt". Einfach aber ehrlich, wie man es eben von dem Rapper gewohnt ist. Dem belanglosen "Wir Pumpen", das eher als Skit zu verstehen ist, folgt der wahrscheinlich emotionalste Track der Platte, "Bei Dir" mit Donato und Mnemonic als Featuregäste. Hier wird Beistand geleistet. Beistand geleistet für bestimmte Personen, die den dreien am Herzen liegen, aber wohl nicht mehr lange unter uns / ihnen weilen werden. Besonders Inferno trifft den Zuhörer mit der Line "Bro es ist so enttäuschend, dass es so ist, wie es gerade so ist / und ich fühle deine Schmerzen, als wärst nicht du krank sondern ich" mitten in sein Herz. Und Mnemonic ist der Poet, der er immer ist: "Gerade eben pflanzt der Frühling noch neues Leben in diese Welt / und erste Sonnenstrahlen machen dunkle Tage wieder hell..". Inferno79 wird auf "Innere Kriege" das zweite Mal gefeaturet und seine Performance und die des Prinzen sind wie gewohnt gut ausgefallen. Der Beat ist vielleicht der stärkste de gesamten CD. Eine eindringliche Pianomelodie wird von druckvollem Bass und klatschenden Snares begleitet und bleibt sofort im Ohr hängen. Das überraschendste Feature des Albums ist Timbo King, das aber leider nur durchschnittlich ausfällt. Doch das wunderbare Instrumental von "2 Sonz" und der sehr gut aufgelegte Mr. Low reißen das wieder raus. Mit einem "Outro", in dem ein wenig Regengeplätscher und Polizeisirenen zu hören sind und langsame Kicks und Snares vor sich hintraben, ist dieses Album dann an seinem Ende angelangt.
Doch ich werde wahrscheinlich sofort nach Ende der Review auf Repeat drücken. Klar, wer die irrsinnigsten Flow-Abfahrten, die vom Hocker hauenden Punchlines oder die verschachtelsten Reimstafetten sucht, der wird hier sicherlich nicht fündig. Wer sich aber länger als nur die Dauer des Albums mit der Musik beschäftigen will, der kann hier meines Erachtens nur glücklich mit werden. Prinze Low verschmelzt die Härte der Straße problemlos mit eindrucksvoller Poesie und schafft es mich zu überzeugen. Manche werden vielleicht die wenig abwechslungsreiche Themenvielfalt oder die minimale Anzahl an wirklichen Tracks zu bemängeln haben. Aber wenn man davon absieht, dann kann man nur sagen: Hammeralbum und mehr davon bitte.
Wertung: (4 von 5 Kronen)