Jogis Jungs auf Europatour - Der Thread zur Deutschen Nationalmannschaft - Merci Jogi!

Wie weit kommt die DFB-Elf?


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Fvbilous

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Da schenkt man den Letten das Tor des Monats. Sehr großzügig.
 

Sorbit

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Gosens Lobhudelei
Wo soll man bei Robin Gosens nur anfangen mit dem Erzählen? Bei seiner fantastischen Leistung gestern gegen Portugal, den zwei Vorlagen, dem Tor, dem noch schöneren Abseitstor und den circa 6234 Vollsprints auf der linken Außenbahn? Bei seiner Ähnlichkeit zu Lukas Podolski, der rein äußerlichen und der emotionalen, die Fans der deutschen Mannschaft seit Wochen wahrnehmen, wann immer Gosens vor ein Mikrofon tritt und genau das sagt, was ihm grade durch den Kopf geht und nicht das, was seine mediengeschulten Kollegen normalerweise sagen? Bei seiner Jugend? Dem verpatzen Probetraining beim BVB, den Dorfdisko-Besäufnissen mit seinen Kumpels, dem Nebenjob an der Tanke, dem „normalen“ Erwachsenwerden?
Oder in Bergamo, wo er seit ein paar Jahren zu Hause ist und den Schrecken der Pandemie so unmittelbar erlebt hat wie sonst nur wenige auf der Welt? Vielleicht am besten da. Aber nicht mit den üblichen Geschichten, die spätestens seit gestern quer durch Europa schwappen, weil sich spätestens seit gestern alle fragen, wer denn dieser deutsche Typ auf der linken Seite ist, den man gar nicht kennt von den Bayern oder Borussia Dortmund. Sondern mit einer Begegnung aus dem Februar 2019.
Damals saß Robin Gosens, 24 Jahre alt und ein zumindest in seiner Heimat weitgehend unbekannter Serie-A-Verteidiger, in einem Café in Bergamo, direkt an der Piazza Vecchia in der historischen Altstadt, neben ihm ein italienischer Berater, der kein Wort Deutsch verstand, und ein deutscher Journalist, der Autor dieses Textes. Gosens bestellte Getränke (in astreinem italienisch), unterschrieb für den Kellner eine Flasche Wein, in Bergamo kannten sie ihn ja schon, und sprach danach mit westdeutschem Einschlag und mit raumgreifenden, ausladenden Gesten. Er sollte erzählen, wie er in Italiens höchster Spielklasse gelandet war, obwohl er nie für einen größeren deutschen Verein gespielt, geschweige denn eine professionelle Ausbildung genossen hatte.
Und Gosens erzählte.
„Die hatte Angst, dat ich mein Abi verkacke“
Allerdings nicht so, wie man das aus Erfahrung mit anderen Fußballern erwartet hätte, vorsichtig etwa oder zurückhaltend, mit angezogener Handbremse oder mit sorgenvollen Gedanken bei den Reaktionen, die das Erzählte eventuell würde auslösen können. Sondern so, wie er auch Fußball spielt und gestern Zuschauer in aller Welt begeisterte: mit Schmackes und Leidenschaft, mit Überzeugung und Mut, manchmal derb, aber immer unterhaltsam und ehrlich. Als er zum Beispiel davon sprach, dass seine Mutter einst skeptisch gewesen war, als er es in Holland mit dem Fußball hatte versuchen wollen, da sagte er nicht: „Ihr war wichtig, dass ich auch in der Schule weiterhin Leistung bringen würde.“ Er sagte: „Die hatte Angst, dat ich mein Abi verkacke.“ Als es um das Thema Urlaub ging, und ob er diesen noch immer mit seinen Kumpels von früher verbringen würde, da sagte er nicht: „Es ist wichtig, auch mal abzuschalten, aber ich bin eher ein ruhiger Typ und achte auch im Urlaub auf meinen Körper.“ Er sagte: „Ich trink mir mein Bierchen, wenn ich da Bock drauf habe.“ Als es um die Feiern seiner Jugend ging, da wiegelte er nicht ab mit den Worten: „Es war eine tolle Zeit damals, aber wichtiger ist das, was im Hier und Jetzt passiert.“ Er erzählte im Detail von seinen Freunden und den Abläufen der Nächte, wo sie sich getroffen und wo sie danach hingeradelt waren, er summte den Song vor, den sie zu der Zeit immer gehört hatten und sagte: „Am nächsten Morgen um 11 Uhr war dann Spielken. Da war der ein oder andere noch ein bisschen am Kotzen.“ Und als der offizielle Teil des Gesprächs vorbei war, da erzählte er einfach weiter.
Über die furchtbare Parkplatzsituation in Bergamo, die ihn fertig machen würde, über mehrere Dutzend Strafzettel, die sich mittlerweile angesammelt hatten. Über Zweikämpfe gegen Cristiano Ronaldo. Über sein Psychologiestudium. Über die Liebe, die ihm die Leute in der Stadt entgegen brächten. Zwischendurch schüttelte er im Vorbeigehen Hände von Fans, die ihn erkannten, und den Kopf über sein eigenes Leben. Beziehungsweise über den Verlauf seines Lebens, das eigentlich nicht darauf ausgerichtet gewesen war, dass er irgendwann mal als Serie-A-Profi von fremden Italienern in der Innenstadt Bergamos erkannt werden würde. „Dat is schon Wahnsinn alles“, sagte er immer wieder, „wie im Film.“ Nach dem Treffen hatte man zwei Gedanken im Kopf. Hoffentlich kann er sein Niveau noch ein paar Jahre halten, hoffentlich ist sein Film noch nicht zu Ende. Und hoffentlich bleibt er als Typ so, wie er ist.

Der, der um sein Leben rennt​

Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Also zumindest nicht so richtig. Als Typ, das war sowohl in späteren Gesprächen zu bemerken als auch in Interviews, die er aktuell gibt, als Nationalspieler und EM-Fahrer, ist er sich zwar treu geblieben, er ist immer noch direkt, ehrlich, unzensiert, mutig und unterhaltsam. Doch sein Niveau, das hat er nicht gehalten. Nein, er ist viel, viel, viel, viel besser geworden. Mittlerweile ist er von dem Spieler, der er im Februar 2019 war, ungefähr so weit entfernt, wie es der 18-jährige A-Jugend-Dorffußballer 2012 vom Serie-A-Profi aus dem Februar 2019 war. Denn der aktuelle Robin Gosens ist nicht weniger als eine Sensation. Schon 2019 war er körperlich durchaus beeindruckend, groß und breit, kräftige Beine, kräftiger Oberkörper. Doch jetzt, zweieinhalb Jahre später, ist er eine Maschine, gefühlt größer, ganz sicher breiter, noch kräftigere Beine, ein noch kräftigerer Oberkörper. Wenn man einem aktuellen Nationalspieler zutraut, einen Ringkampf gegen Leon Goretzka zu überleben, ohne danach monatelang ganzkörperbandagiert in einem Krankenhaus zu liegen, dann ihm.
Schon 2019 hatte Gosens Vorwärtsdrang, spielte schnörkellos Fußball, mit Zug zum gegnerischen Strafraum. Jetzt ist er einer der torgefährlichsten Außenbahnspieler der Welt, sucht immer den direkten Weg zum Tor, schießt oder flankt oder passt scharf nach Innen, sprintet hinter die gegnerische Kette, und das im Minutentakt. Schon 2019 machte er die fehlende NLZ-Ausbildung, die sich ab und zu andeutenden technischen Mängel, durch große Einsatzbereitschaft und unbändigen Willen wett. Jetzt, bei der Europameisterschaft, rennt er um sein Leben.

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Imago Images
Nicht alles, was er macht, sieht schön oder gar elegant aus. Im Gegenteil, man merkt recht schnell, dass Gosens im Gegensatz zu seinen Kollegen keine Eliteschule des Fußballs besucht hat, nicht schon als Jugendlicher auf 10.000 Übungsstunden gekommen ist. Bälle springen ihm manchmal etwas zu weit vom Fuß weg, seine Pässe holpern manchmal übers Feld. Aber: Man merkt auch recht schnell, dass da einer einen anderen Antrieb hat als die restlichen Spieler auf dem Platz, einen anderen Drive, andere Beweggründe. Dieses Turnier ist in seinem Fall nicht die logische Konsequenz eines im detailliert so geplanten und am Reißbrett entworfenen Fußballerlebens, nicht einfach nur ein vierwöchiger Termin im eng getakteten Profikalender, sondern etwas wirklich Besonderes, eine einmalige Chance.
Es kommt nicht von ungefähr, dass ausgerechnet er, der Spieler also, der im Gegensatz zu seinen 25 Nationalmannschaftskollegen nicht von kleinauf darauf programmiert worden ist, große Fußballspiele vor einem Millionenpublikum zu entscheiden, gestern ein großes Spiel vor einem Millionenpublikum entschieden hat. Er wollte es, das war in jeder seiner Einsatzminuten, bei jedem Sprint, jeder Grätsche, jedem Abschluss zu spüren, einfach noch ein bisschen mehr als alle anderen. Und so waren sie sich auch nach dem Spiel alle einig, die Experten Prince Boateng, Bastian Schweinsteiger, seine Mitspieler, sein Trainer, die UEFA: Gosens? Bester Mann! „Er liefert das, was wir brauchen“, sagte etwa Joachim Löw. Er bezog sich wohl auf das Spiel selbst. Doch der Satz hat Allgemeingültigkeit.
Denn Robin Gosens liefert das, was die Nationalmannschaft auch Abseits des Platzes braucht. Er ist ein echter Mensch, kein Hochglanzprodukt, das man mit seinem eigenen Videospiel-Avatar verwechseln könnte. Er rennt und schießt und grätscht und flankt, so wie wir rennen und schießen und grätschen und flanken würden, wenn man uns denn ließe. Viel besser zwar, klar, aber eben als eine Art Stellvertreter, als einer, der den Fußball in diesem Land wirklich repräsentiert. Es ist lange her, dass sich die Fans oder auch Sympathisanten der Nationalmannschaft auf einen Spieler einigen konnten. Bei Robin Gosens stehen die Chancen nicht schlecht. Wenn einer aus dem Produkt „Die Mannschaft“ wieder einfach nur - im bestmöglichen Sinne wohlgemerkt – eine Mannschaft machen kann, dann er. Und wenn es erstmal so weit ist, dann wird man sich in Bezug auf ihn vermutlich nicht mehr fragen, wo man bloß anfangen soll. Sondern nur: Wo soll das Ganze eigentlich noch enden?
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David Husselhoff

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Die System Umstellung von Jogi auf 3er Kette ist auch gar nicht so unklug:

Den teils dramatischen Defensivschwächen durch einen zusätzlichen IV entgegenwirken und gleichzeitig einen absoluten Unterschiedsspieler genau mit seinen Offensiv Stärken in das für ihn passende System einzubinden, ohne das dessen Defensiv Schwächen durch den absichernden IV zum Tragen kommen.

Generell waren Einsatzfreude und -wille von Gosens und Havertz gestern wirklich herausragend. So musst du auftreten wenn du etwas reißen willst - insbesondere wie Havertz in der Anfangsphase 2 mal einfach seinen Gegenspieler weggenagelt hat, ohne das es unfair und Gelb gefährdet war, war einfach nur geil :thumbsup:.
 

O.Gebannter.

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Erhalten da nicht eh nur geimpfte Einlass? Falls nein, warum nicht? Falls ja, was soll der Humbug mit den Masken überhaupt?
 

Marek Prollski

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In Rostock haben sich bei der Aufstiegsfeier im Stadion und später in der Innenstadt sage und schreibe 0 Menschen angesteckt.
 
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