Film Diskussionen [Kino, TV]

Bagabi

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Dicaprio hat ür noch zusätzlich mit James Cameron, Tarantino, Nolan, Scorsese, etc gedreht...
 

_Bear_

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Die deutsche Blu-ray soll im Februar '21 erscheinen, bis dahin werde ich mich noch gedulden.
Schade, hätte sonst Eindrücke teilen wollen. Hab den gestern im Kino gesehen und fand ihn großartig. Schöner Kommentar über das Erzählen und das Kino.
 

BuddyHolly

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Teile deine Eindrücke. Das erleichtert die Kaufentscheidung, obwohl mich der Trailer schon angefixt hat. :)
 

_Bear_

Altgedient
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Teile deine Eindrücke. Das erleichtert die Kaufentscheidung, obwohl mich der Trailer schon angefixt hat. :)
Nun gut. Ist etwas lang geraten und nicht frei von Spoilern, einzelne Plotelemente habe ich jedoch in Spoiler verpackt.
Der Trailer zeigt ja vor allem die "obskuren Geschichten" in einer eher zusammenhangslosen Aneinanderreihung. Hier ein Verschwörungstheoretiker, da ein schreiender Neurotiker und dort der kühl distanzierte Psychiater, der einer fremden Person vertrauliches Material erzählt. Wie es im Trailer aber auch schon steht, ist das ein Film über das Erzählen (dort heißt es: "Eine Geschichte über Geschichten in einer Geschichte") und auf dieser Ebene spielen wohl alle Geschichten eine systematische Rolle. Dazu nur zwei Beispiele.

Der Film beginnt mit einer Erzählstimme, welche die weibliche Hauptfigur einführt. Diese setzt sich daraufhin in einen Zug und der vor ihr sitzende Psychiater fängt an zu reden. Er erzählt von einem Paranoiker und zitiert eine Definition dieser Krankheit: verzerrte Wahrnehmung, in allem wird ein Anzeichen für das große Ganze gesehen etc. Während er von dieser Krankheit erzählt, dreht er seinen Kopf mehrmals nach hinten, um sich umzuschauen. Uns wird also unmissverständlich klar gemacht, dass dieser Erzähler gleich von einer paranoischen Wahnvorstellung sprechen wird und dass er eventuell selbst nicht ganz zuverlässig ist. Trotzdem wird man in die darauffolgende Geschichte hineingezogen und ist engagiert dabei. Dies gelingt, weil der Film ein entsprechend sensibles Thema wählt
(ein bis zur Nato reichender Pädophilen-Ring)
. Die Distanz wird uns vom Film abrupt wieder aufgezwungen, da er auf die mehreren Erzählebenen aufmerksam macht, indem er uns nacheinander die verschiedenen Erzähler zeigt, wie sie ihre Geschichte abschließen. Auf einer der vielen Erzählebenen antwortet sodann der Vater dieses Erzählers wütend: "Ich glaube dir kein Wort!"

Die im Trailer auch bereits angeschnittene Geschichte über die Sexualität zweier behinderter Menschen bekommt dadurch einen schönen formalen Twist. Im Trailer sagt der männliche Protagonist dieser Geschichte: "In den Büchern, die ich gelesen hatte, waren die verliebten Frauen immer perfekt". Er verzweifelt nahezu an dieser Differenz von Fiktion und Realität. Seine Gefühle für die Frau konnte er nicht als Liebe und sexuelles Interesse interpretieren, da in all den gelesenen Gedichten und gesehenen Pornos keinerlei Makel an den Frauen vorhanden ist. Behinderte Sexualität existiert nicht in der Fiktion und deshalb hat der Protagonist Mühe, diese in der Realität zu erkennen. Der Film macht nun zweierlei. Erstens zeigt er die Sexualität behinderter Menschen, er macht also genau das Gegenteil von dem, was der Protagonist der Fiktion vorwirft. Beließe der Film es dabei, wäre das wohl Kitsch und abgeschmackte Selbstbeweiräucherung ("Ich mache das, wozu alle anderen nicht im Stande war!"). Zweitens jedoch bekommt das Verhältnis, das der Protagonist dieser obskuren Geschichte zur Fiktion und zur Realität unterhält, im größeren Rahmen des Films eine ungeahnte Wendung. Was nämlich ins Auge stößt, ist die fehlende Distanz zur Kunst. Der Protagonist namedropped alle möglichen Namen der Hochliteratur und der Filmgeschichte (z.B. Truffaut) – ein wahrer Cineast und Literat. Er nimmt diese Erzählungen und auch Pornos für bare Münze. Nur deshalb ist er so verwundert über die Differenz von dem, was er in Filmen und Büchern mitbekommt und der Erfahrung, die er mit einer wirklichen Frau macht. Er konnte auf die Filme nicht, wie der Vater aus dem obigen Beispiel, mit den Worten "Ich glaube dir kein Wort!" reagieren. Er konnte sie also nicht als Kunstwerke anerkennen.

Der Film endet quasi mit einem Monolog über das Erzählen. Hier spricht die Figur im Grunde das aus, was der Film uns die ganze Zeit vorgeführt hat: woher dieser Anspruch an das Kino, es müsse authentische Personen und Verhältnisse auf die Leinwand holen, müsse akkurat abbilden, müsse glaubwürdig sein? Insofern stimmt der im Trailer zitierte Satz von "Cineuropa", der Film ist "politisch inkorrekt". Zumindest vor dem Hintergrund der Forderungen, Filme müssen sich einzig und allein Gedanken über die akkurate Repräsentation von Minderheiten machen. Diese Forderung der akkuraten Abbildung wird natürlich völlig abgelehnt. Gleichzeitig behandelt der Film sehr ähnliche Themen wie die sogenannte "political correctness" und das eben nicht auf eine abschätzige Weise: eben Sexualität von behinderten Menschen oder auch häusliche Gewalt. Letzteres wird wunderbar in einem tragikomischen Szenario verarbeitet, das einen trotz der Surrealität noch mehr hineinzieht, als es die erste Geschichte über
den Pädophilen-Ring
getan hat. Das Lachen blieb dem Publikum hier öfters im Halse stecken. Und wenn
die Frau von ihrem Mann zum Hund gemacht wird
, dann wird man hier tatsächlich an Bunuel erinnert und zwar an den Würgeengel.
 

BuddyHolly

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Ja, klingt hervorragend. :) [Auch wenn du ruhig etwas über das Aussehen und den Klang des Filmes hättest schreiben können. Das bewegt sich fast alles auf Inhaltsebene. ;)]
 

BuddyHolly

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Bleiben wir bei Fiktion und vermeintlicher Realität. Ich sah zuletzt:

Sehr amüsant.
 

skosko

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Gerade zum ersten Mal Wolf of Wall Street geschaut.
Fand ihn richtig gut und unterhaltsam.
Einzige Mankos sind die krasse Überlänge und die letzten 5 Minuten.

War voll perplex, dass der schon 7 Jahre alt ist:eek:
 

Alhambra

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Vllt. wäre Lynchs Dune nicht so scheisse, wenn wir irgendwann die wirklich ungeschnittene Fassung gekriegt hätten.

Lynch hat ja ab da entschieden, nie wieder den Schnitt irgendjemand anderem zu überlassen.
 

Keine Liebe

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Gerade zum ersten Mal Wolf of Wall Street geschaut.
Fand ihn richtig gut und unterhaltsam.
Einzige Mankos sind die krasse Überlänge und die letzten 5 Minuten.

War voll perplex, dass der schon 7 Jahre alt ist:eek:
der is baba. aber hab eh nen unnormalen crush auf Leo. Departed liebe ich
 

_Bear_

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Gestern und heute meine ersten Pedro Costas gesehen: Casa de Lava (1994) und Vitalina Varela (2019). Letzterer war unglaublich beeindruckend.
 
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