Mit der Logik würden
Anhänger der Kirchenmusik alle ins Kloster gehen,
Krimi- Leser müßten alle zur DNA- Registrierung, weil sie potentielle Mörder wären und
Boxer würden allen Leuten in die Ohren beißen und
hätten selbst ein ausgefranztes Ohr.
Bundeswehrsoldaten wären alle Mörder, weil sie
schießen gelernt haben.Lächerlich!
Eines kann aber passieren: Wenn sich ein Mensch vorgenommen hat (sich) zu töten, so kann es vorkommen, daß durch ein Film, ein Buch oder Theatherstück oder Zeitgeschehen, was weiß ich sonst noch, ein bestimmtes Verhaltensmuster übernommen und kopiert wird.
Viel schlimmer sind die permanenten Presse-, TV- oder Radioberichte. Sie suggerieren labilen Menschen eine Superlative der Möglichkeiten, sich medienwirksam umzubringen.
Dieser Jungerwachsene hatte Probleme, das wurde offensichtlich. Er scheint auch nicht gerade die beste Beziehung zu seiner Mutter gehabt zu haben; denn sie wußte nicht, daß er nicht zur Prüfung zugelassen war.
Er scheint auch vorher schon geltungsbedürftig gewesen zu sein, was er jedoch nicht durch besondere Leistungen oder Leistungsbereitschaft zeigte oder zeigen konnte. Damit war auch ein schulisches Problem vorhanden.
Wenn ich dann über das Schulsystem in Thüringen
nachdenke, so ist der Täter "Barfuß auf einem Scherbenhaufen" gestellt worden.
Wer dort sein Abi nicht schafft, hat weder einen Hauptschul- noch einen Realschulabschluß oder Fachhochschulreife.
Er wird von Nachbarn als zurückhaltend und in sich zurückgezogen geschildert. Also wird er auch seine Gefühle gut versteckt haben.
Da kann die Auswahl der Musik ein Zeichen für nicht ausgesprochene Gefühle sein, wie eine Art Notsignal, aber ich glaube nicht, daß diese Art der Musik zum Töten animiert.
Ballerspiele können vom Denken, besonders, wenn es zwanghafte Formen annimmt, ablenken, weil man sich konzentrieren muß.
Ballerspiele können auch eine Identifikation mit einer Figur bieten, die man am liebsten sein würde, aber das heißt nicht, daß man sie im realen Leben auch sein will.
Beweis:
Millionen haben sich die Moorhuhnjagd runtergeladen und schießen auf Morrhühner. Die erschießen auch nicht die Nachbarn oder Arbeitskollegen.
Was mir die meiste Sorge bereitet, sind die Sprüche, die von Medien verbreitet werden: "Der schlimmste Amoklauf..., die höchste Zahl der Toten usw."
Wenn dieses Verhaltensmuster kopiert wird, so wird sich der nächste Täter eine höhere Zahl Opfer aussuchen, um noch mehr Eindruck zu hinterlassen, um "Bestandteil der Zeitgeschichte" zu werden.
Des weiteren kann passieren, daß nun eine Reihe Selbstdarsteller sich als Trittbrettfahrer Geltung verschaffen wollen, um Aufmerksamkeit zu erzielen und Schulen zu Festungen verwandeln.
Man kann nur hoffen, daß dieser Amoklauf nicht zum Wahlkampfthema wird oder plan- u. kopflose Gesetze produziert, die ohnehin ins Leere gehen.
Compterspiele können zwar verboten und auf Index- Listen gesetzt werden, aber dadurch werden Index- Listen zu Bestellern und verbotene Spiele werden teurer und auf dem Schwarzmarkt und über das Internet verbreitet, also sinnloses Unterfangen.
Man kann natürlich den Besitz von Waffen einschränken, aber es sind ca. 2-3/000 der Täter, die mit legalen Schußwaffen Straftaten begangen haben, die restlichen Täter hatten sich die Waffen ohnehin illegal besorgt.
Obwohl ich mit der politischen Einstellung des Bundesinnenminister in vielen Punkten nicht übereinstimme, so stimme ich mit ihm darin überein, daß Personen, die das 21. Lebensjahr vollendet haben, erst in den Besitz von Waffen gelangen dürfen.
Wenn man einerseits sagt, daß Heranwachsende, zwischen dem 18. u. 21. Lebensjahr noch ziemlich viele Lebenskrisen zu überwinden haben, daher oft Reifedefizite vorweisen und deshalb noch nach dem Jugendstrafrecht abstraft, kann man ihnen nicht
gleichzeitig die Reife bescheinigen, daß sie mit 18 Jahren eine Waffe eigenverantwortlich führen dürfen. Ausnahmen, für bestimmte Berufe, müßte das Gesetz regeln.
Ich bin auch dafür, daß die Waffenscheine nicht in Orts- u. Bezirksämtern abgelegt werden, wo die Polizei nur von 8- 16 Uhr Zugriff hat, sondern das es ein Waffenregister gibt, was zentral, beim BKA, geführt wird, damit die Polizei rund um die Uhr Zugriff hat.
Ich habe das Geschehen mit großer Betroffenheit zur Kenntnis genommen und habe große Bewunderung für die Schüler, Lehrer und Eltern, weil die durch ihre Besonnenheit nicht zu überzogenen Reaktionen, anstacheln, sondern zusammenhalten, um gemeinsam zu trauern.
Damit haben sie die Solidarität ihrer Stadt und der ganzen Republik gewonnen. Dieses Verhalten hat Vorbildcharakter.
Udu