Drum Patterns & Memories - auf der Suche nach der musikalischen Essenz

3headed Monkey

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Ich würde gern mal probieren, hier nen Thread zu starten, der über die üblichen technischen Detailfragen hinausgeht. Auch wenn mein Interesse eher der elektronischen Tanzmusik als Hiphop gilt, ist das hier vermutlich der beste Ort dafür (wenn nicht, können wir den Thread auch gern zu mir in den Non-Hiphop-Bereich schieben, aber ich denke hier sind mehr Leute am Start, die auch ein tieferes Interesse an Musik haben).

Aber zum Thema: Ich frage mich, was die Elemente sind, die den Charakter von Musik (und damit die Definitionen von Subgenres) ausmachen. Woher weiß ich beim Anhören eines Tracks, ob das jetzt eher House oder Techno ist (und diese Entscheidung kann man beim anhören eines beliebigen Tracks aus diesem Bereich ohne mit der Wimper zu zucken in Sekunden treffen)? Wo liegt die Grenze zwischen Deep House und Tech House? Und was unterscheidet beide Genres voneinander (die BPM-Zahlen mögen zwar normalerweise minimal andere Bereiche abdecken, aber das ist in keinem Fall ein Ausschlussmerkmal und auch nichts, was diese Richtungen tiefergehend definiert)?

Ich denke als elementarsten Bestandteil muss man zu allererst die Drum-Spuren betrachten. Denn auch wenn große Teile der elektronischen Tanzmusik vom guten alten 4-to-the-floor-Rhythmus dominiert werden, wird dieses Pattern doch so unterschiedlich realisiert, dass man eine relativ klare Einteilung in Subgenres vornehmen kann (dass dabei immer Grauzonen übrig bleiben, liegt natürlich dennoch auf der Hand). Aber was genau macht diese Unterschiede aus? Sind es klangliche Kriterien? Sicherlich - die viel stärkere Präsenz der Snaredrum hebt quasi jeden beliebigen Housetrack von einem Technotrack ab. Doch auch der Rhythmus an sich dürfte seinen Anteil haben (allerdings habe ich da kein explizites Beispiel zur Hand, das bedürfte erstmal einigem analytischen Musikhören von meiner Seite), auch wenn im Prinzip nicht von der Grundstruktur des 4-to-the-floor abgewichen wird:

--h- --h- --h- --h-
---- s--- ---- s---
k--- k--- k--- k---

Wie setze dieses simple Pattern durch das Hinzufügen von Elementen distinktiv von anderen 4-to-the-floor-Rhythmen ab?

Natürlich sind auch die Auswahl der "Instrumente" und ähnliche Dinge wichtige Punkte für die vorliegende Frage (wie man schon an so simplen Feststellungen, wie der Tatsache, dass sich bei Trance das Geschehen zum Großteil im Bereich der Höhen, bei House/Techno dagegen eher im Bereich der Mitten und Bässe abspielt, sehen kann). Aber ich denke, dass diese Punkte weit weniger grundlegend für den Charakter der Musik sind, als man auf Anhieb vermuten würde. Daher bin ich aktuell auch eher an der ersten Fragestellung interessiert.

Tut mir leid, falls ich euch durch meine Beispiele aus dem Bereich der elektronischen Musik gelangweilt haben sollte, ihr könnt die ganze Fragestellung natürlich auch auf Rap übertragen, z.B. 90er Westcoast-Gangsta-Rap vs. NYC-Kram oder Queensbridge-Sound ala Mobb Deep vs. Native-Tongue-Sound ala A Tribe Called Quest. Aber da hätte ich mir jetzt auch erstmal ein paar Platten vorkramen müssen, um überhaupt Beispiele zu benennen, das hab ich mir mal erspart.

Ich hoffe mal, hier finden sich noch ein paar Leute, die sich für solche Fragen begeistern können. (Btw, hat irgendwer von euch "Unlocking the Groove" von Mark Butler? Da hat sich n Musikwissenschaftler mit elektronischer Tanzmusik auseinandergesetzt. Bin stark am überlegen, es mir zu bestellen, weils recht interessant klingt. Habe aber bisher noch keinen Blick reinwerfen können, weil ich zu faul bin, zur Bibliothek der Musikwissenschaftler hier in Leipzig zu laufen :D)
 

PeterPiper0815

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Mir stellt sich da als erstes die Frage ob man Lieder überhaupt in solche Schubladen packen kann bzw ob es überhaupt solche genaustens definierten Schubladen gibt und von wem wurde es definiert?
Gerade bei einem 4 on the floor Drumpattern behaupte ich jetzt einfach mal dass man nur am Pattern nicht sehen bzw hören kann in welches "Untergenre" dieser Beat gehört. Da spielt Soundauswahl meiner Meinung nach eine grössere Rolle als das Drummuster selbst. Obwohl natürlich quantisierung (bzw keine quantisierung) auch ne grosse Rolle spielt um sich abzugrenzen. Dieses "Phänomen" hat man ja auch bei der von Dilla "eingführten" späten Snare. Und es gibt zig Leute die dieses Stilmittel nachmachen. Trotzdem hab ich noch nicht von einem Genre gehört das sich DillaHipHop nennt ;)

peace
 

THoR74

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Du hast dir die Frage doch schon selbst beantwortet. Die einfachste Unterscheidung ist wohl wirklich bei den Drumpatterns zu finden. Für mich als Laie in Hinblick auf elektr. Tanzmusik ist z. B. die Snare bei der Housemusik die größte Abgrenzung zu anderen Formen von Techno (wo ja oftmals garkeine Snare vorhanden ist, korrigier mich wenn ich Scheisse labere). Wenn man die Frage auf HipHop überträgt, die Patterns sind bei den einzelnen Subgenres doch eigentlich weitgehend gleich, der Sound der Drums bzw. der "Instrumente" macht hier den Unterschied.
Vielleicht der richtige Thread für meine Theorie über Techno und Volksmusik:
"Neuartige" Volksmusik basiert auch oft auf dem von dir angesprochenen "4-to-the-Floor"-Rhythmus, was es dem durchschnittlichen Bauern einfacher macht im 4/4-Takt mitzuklatschen. Und hat auf lange Sicht die selbe verdummende Wirkung ;).

Edit: @Peter: Die verspätete "Dilla"-Snare gibt dem Groove zwar nen gewissen Charakter aber es bleibt ja trotzdem ein Breakbeat.
 
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PeterPiper0815

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Du hast dir die Frage doch schon selbst beantwortet. Die einfachste Unterscheidung ist wohl wirklich bei den Drumpatterns zu finden. Für mich als Laie in Hinblick auf elektr. Tanzmusik ist z. B. die Snare bei der Housemusik die größte Abgrenzung zu anderen Formen von Techno (wo ja oftmals garkeine Snare vorhanden ist, korrigier mich wenn ich Scheisse labere). Wenn man die Frage auf HipHop überträgt, die Patterns sind bei den einzelnen Subgenres doch eigentlich weitgehend gleich, der Sound der Drums bzw. der "Instrumente" macht hier den Unterschied.
Vielleicht der richtige Thread für meine Theorie über Techno und Volksmusik:
"Neuartige" Volksmusik basiert auch oft auf dem von dir angesprochenen "4-to-the-Floor"-Rhythmus, was es dem durchschnittlichen Bauern einfacher macht im 4/4-Takt mitzuklatschen. Und hat auf lange Sicht die selbe verdummende Wirkung ;).

Edit: @Peter: Die verspätete "Dilla"-Snare gibt dem Groove zwar nen gewissen Charakter aber es bleibt ja trotzdem ein Breakbeat.

Was ist deine Definition von Breakbeat?
Es gibt da ja unterschiedliche Auffassungen.
Ich mache den Begriff Breakbeat schon am rhythmischen Muster und dem Genre Breakbeat fest.
Ein Breakbeat nach meiner Definition hat also eine kompliziertere rhythmische Struktur und Dynamik. Das Gegenteil dazu ist eben ein straight quantisierter 4 on the floor oder ein Kick Snare Kick Snare Rhymus.
So einige von den Dilla Beats mit der verzögerten Snare haben aber gerade dieses Bum Schak Bum Schak Muster. Durch den "leicht betrunkenen" versatz bekommt das ganze natürlich etwas schleppendes (eben wie etwas angetrunken aber cool über die Strasse schlendern) aber ich würde es nicht als "Breakbeat" bezeichnen.

http://www.youtube.com/watch?v=vVYza0NiWuU
http://www.youtube.com/watch?v=3Z2vMBuOxFM
http://www.youtube.com/watch?v=AdZK0HeYkwM
http://www.youtube.com/watch?v=qh2-AXgfUoc
http://www.youtube.com/watch?v=FEHw2s2Cbok

Gibt natürlich auch andere Dilla Beats, gerade wenn man sich die 90er Sachen von ihm anhört (gefällt mir persönlich auch wesentlich besser)

Ich denke der 4 on the floor in der Schlager/Volksmusik kam durch folgende Umstände:

1. 4 on the floor kennen die älteren Leute noch von alter Marschmusik.
2. Den Erfolg von Dancemusic ab Anfang der 90er.

Man gibt den Alten etwas was sie kennen, was aber trotzdem "frisch" ist. Es erinnert an alte Zeiten und gleichzeitig fühlt man sich "modern". Und es ist so schön einfach da mitzuklatschen wie du ja schon sagtest.

Mir ist gerade noch aufgefallen dass ich mir keinen Housetrack ohne starke "Swingquantisierung" vorstellen kann. Das gehört nach meinem Empfinden einfach zusammen. Wobei ich die "elektronische Musik" nicht wirklich kenne. Hab eben in den 90ern ein bisschen was gehört aber mich nicht intensiv damit beschäftigt und auch nicht weiter verfolgt.

peace
 

xStrikerx

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@Thor
nee, harte Snares hast du auch bei Hardcore/Hakke/Gabba. nur das die dort völlig anders klingen.

im übrigen ist das songwriting auch völlig anders. ich hab z.b. eine recht große Affinität zu Hakke, HiNRG usw. und bin jedes Mal verwundert - und auch oft: gelangweilt - wie wenig "normaler" Techno/Schranz/so manch andere "härtere Gangart" auf den Punkt kommt und wie wenig "songorientiert" - manche würde wohl bösartig eher "gimmickorientiert" sagen - die Tracks sind.
 

THoR74

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Was ist deine Definition von Breakbeat?
...

Wenn man nach der Definition sucht (Google und Wiki), ist Breakbeat so definiert dass in der Musik auch wirklich Breaks verwendet werden. Wäre wohl auch mein erster Ansatz aber die Breaks sind ja (grade im HipHop aber auch bei DnB und ähnlichem) weitgehend verschwunden und durch selbst programmierte Loops ersetzt worden. Aber ich sehe es eigentlich wie du, nämlich eine (relativ) komplexe rhythmische Struktur oder wenn man den Begriff "übersetzt": ein "gebrochener" Beat (klingt imO logisch). Für mich kann dies aber auch mit dem von dir angesprochenen Kick Snare Kick Snare Rhythmus entstehen. Es ist ja schließlich (bei den meisten HipHop-Beats) nicht so

1-2-3-4
K-S-K-S

sondern viel mehr

1-e-u-e-2-e-u-e-3-e-u-e-4-e-u-e
K-----K-S---K--------K---S---K-- (Hihats etc. einfach dazudenken)

oder so (ihr wisst was ich mein oder?).
Und dadurch entsteht dann dieser "gebrochene" Groove.

@Thor
nee, harte Snares hast du auch bei Hardcore/Hakke/Gabba. nur das die dort völlig anders klingen.

im übrigen ist das songwriting auch völlig anders. ich hab z.b. eine recht große Affinität zu Hakke, HiNRG usw. und bin jedes Mal verwundert - und auch oft: gelangweilt - wie wenig "normaler" Techno/Schranz/so manch andere "härtere Gangart" auf den Punkt kommt und wie wenig "songorientiert" - manche würde wohl bösartig eher "gimmickorientiert" sagen - die Tracks sind.

Siehste schon wieder was gelernt.
Die Unterschiede in der Produktion sind vielleicht auch mit der Zielgebung zu begründen. Also wenn ich n Technotrack machen wollte, würde ich versuchen so viele Verschickungen wie möglich einzubauen um die XTC-Headz ordentlich durchzunudeln ;).
 

THoR74

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Genau.
1-e-und-e so haben wirs damals in der Schule gelernt :D!
 

xxxNova

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ich find diese westcoast beats ganz spezial von dre erkennt man an diesen kranken höhen die sich durch die beat ziehen und auch an den eher unrealistschen klängen die wohl kaum durch normale instrumente erzeugt werden können

wenn man jetz diese eastcoast dinger daneben stellt find ich sind die viel mehr um die drums aufgebaut und vor allem die drums sind anders gesetzt
 

St0nesThr0w

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Also ich als Freizeit DJ spiele ja auch elektronische Tanzmusik (Minimal, House, Psy) und Hiphop, Hiphop Beats wie zb. das typische Westcoast und Eastcoastding kann man am besten an den Instrumenten unterscheiden, da Dre und Snoop eher das G-Funk ding am start hatten (sprich bekiffter Bassline und "billig" klingenden Synths) und die Ostküste eher Jazzlines samplet. Bei elekronischer Musik kann man das meistens erst sagen um welches Gerne es sich handelt wenn man die Tracks öfters gehört hat und selbst weiß was der Künstler macht wenn man mehrere Sachen von ihm kennt. Rein vom "Aufbau" würd ich sagen ist es sehr sehr schwer genau zu sagen um was es sich handelt, wenn man nur die Drums analysiert... Da sind die BPM schon eher n "Richtwerkzeug", nur da gibts halt auch nicht so große Unterschiede.
 
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