Demographieproblem Deutschland - eine starre alternde Gesellschaft

Intergalactic

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Das Thema ist schon seit einiger Zeit in aller Munde, doch konkrete Lösungsvorschläge fehlen! Mit zunehmender Alterung der Gesellschaft wird sie zunehmend reformunfreudiger und weniger beweglich. Es fehlen neue Impulse, neue Ideen, die Jugend hat hier immer weniger Entfaltungsmöglichkeiten. Sportplätze müssen Altersheimen weichen, Cafes machen dicht und Bestattungsdienste machen sich breit. Geschäfte für Hörgeräte und Optiker verdrängen die seltener werdenden Kindergeschäfte.

Was hat dieses Land mit einer absterbenden, veraltenden Gesellschaft noch für Perspektiven, wie kann man hier als junger Mensch ein Leben führen ohne vor der zukünftigen demographischen Entwicklung resignieren zu müssen.
Jegliche Projekte, die Optimismus schaffen sollen scheitern und werden niedergerredet (z.B. Du bist Deutschland), wie alles andere auch. Deutschland gilt als eines der selbstkritischsten Länder der Welt. Die Zukunft sieht nicht rosig aus, Deutschland scheint unter den veraltenden europäischen Gesellschaften der Anführer zu sein. Damit ergebn sich auch die größten Probleme. Reformen sind nötig, doch in einer konservativen Gesellschaft unmöglich. Immer mehr Erwerbstätige müssen immer mehr Alte und Sozialhilfeempfänger versorgen. Die Kassen sind leer. Probleme über Probleme! Die Politiker trauen sich nicht die Renten zu kürzen, um den Hauptwähleranteil nicht zu vergraulen, sie können sie aber auch nciht erhöhen, da das Geld fehlt. Was bleibt als zukünftige Alternative zur Auswanderung?

Begleitartikel:http://www.n24.de/politik/inland/index.php/a2006032421093730080
 

Sherlock_Homez

Altgedient
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keine alternative!

private vorsorge is das zauberwort, die Frage nur wovon?
Ich überleg mir ernsthaft in 2 jahren auszuwandern oder vielleicht erstma 2007 ins ausland zu gehn, v.a. weil die Deutschen so ein unglaubliches Jammervolk sind. zu krass...
 

Hobo

BANNED
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Private Vorsorge ist meiner Meinung naich kein richtiger Weg. Oder andersrum : Das Umlagesystem ist besser als sein Ruf, es wurde nur ( v.a. unter Rot-Grün. Siehe die Rieser Rente, die in die völlig falsche Richtung geht) schlecht reformiert. Das Umlagesystem hat 2 entscheidende Vorteile : Es ist sehr sicher, da die Risiken sehr breit gestreut sind. Anders als der Bauer , der im Alter schlecht dasteht, wenn sein Sohn säuft oder du dumm ist, hat der Rentner beim Umlagesystem die Sicherheit, dass er an den Einkommen aller Erwerbstätigen , der erfolgreichen u. der wengier erfolgreichen, beteiligt wird. Diese geniale Beteiligungsform kann nur der Staat organisieren, da nur dieser die Möglichkeit hat, auf die Einkommen zukünftiger Generationen zuzugreifen.
Ein weiterer Vorteil ist auch noch, dass dieses Verfahren sehr billig ist. Man benötigt weder teure Analytisten noch Anlageberater, die das Risiko der Anlagen voraussagen. Bankgebühren und Provisiionen entfallen. Leute wie Herr Miegel, lehnen das natürlich ab. Wird er doch von der deutschen Bank als Lobyyist bezahlt.
Beim Thema Demographie sind sich schnell alle einig. Wir haben zu wenig Arbeiter, die die Alten versorgen. Tiefe Sozialkürzung werden als Realpolitik und Sachzwang verkauft. Kaum einer stellt sich dagegen.
Zunächst muss man betrachten, dass die zahl der Erwerbstätigen in den nächsten jahrzenten deutlich weniger zurückgehen wird als die Bevölkerungzahl insgesamt. Die Bevölkerungszahl nimmt laut Rürup Kommission im Alter zwischen 14 und 64 bis zum Jahre 2030 um Rund 7 Millionen ab, die Beitragszahler der Sozialversicherungen vermindern sich sogar nur um eine halbe Millionen. Und das trotz zunehmender Mini-Jobs. Das ist ja auch ganz logisch. Wir haben heute knapp 5 Millionen Arbeitslose. Bei der zunehmenden Überalterung ist kaum damit zu rechnen, dass die zurückgehende Bevölkerung im erwerbstätigen Alter ohne Beschäftigung bleiben wird, auch wenn die Rente mit 67 zu diesem Thema keinen Gefallen tut. Zum anderen ist zu erwarten, dass die Erwerbstätigkein bei Frauen in den nächsten Jahrzenten noch steigen wird. Die konservativen "drei Ks" werden sich nicht durchsetzen ;)
Schaut man sich die nackten Zahlen an, so nimmt die Zahl der Rentner bis 2030 zwar um 6,7 Millionen zu ( Das ist eine Statisitk mit der Rente ab 65, aber mit 67 wäre das Problem noch viel geringer) die Zahl der Kinder und Jugendliche sinkt aber um 4,1 Millionen. Für die Dynamik der Volkswirtschaft ist das freilich nicht begeisternd, für die Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme bietet sich jedoch eine teilweise Entwarnung. Der Staat wird weniger Mittel für Schulen und Unis benötigen udn auch die Leistungen für das Kindergeld ist geringer.
Eines ist klar : Wenn man die Rente auf 67 erhöht, muss man das 1. Sozial gestalten. Es kann nicht sein, dass der Gerüstbauer, der im Schnitt nur 65 Jahre alt wird bis 67 arbeiten muss ( sofern er noch lebt) oder der Arbeiter an der Autobahn. Diese Leute können nicht länger. Andererseits muss man auch dafür sorgen, dass die jungen Leute schneller in die Rentenkassen einzahlen als bisher. Derzeit liegt das durchschnittliche Alter eines Hochschul-Diplomabsolventen bei 28 Jahren . Es muss doch möglich sein, mit 23-24 erfolgreich die Hochschule zu absolvieren. Dies ist nicht nur für die Gesellschaft von Vorteil, sondern auch für die Studenten, die dann nichtmeher ihre besten jahre ( ^^) mit Klausuren und Seminararbeiten verbringen müssen. Auch über den Sinn bzw Unsinn einer Beitragsbemessungsgrenze muss nachgedacht werden, ob sie noch Sinn macht bzw ob man sie nicht erhöhen sollte
Im Ganzen zeigt sich also, dass die "Zeitbombe Demographie" keinen Sachzwang Sozialkürzung mitsichzieht. Das gilt v.a. für die Zeit nach 2030. Viele der erwerbstätigen Menschen sind heute noc hgarnicht geboren. Also ist es sinnvoll, Familien mit Kinder zu unterstützen und möglichts viel Geld in deren Ausbildung zu stecken



d.hobo
 

Don Donat

Altgedient
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Ich will nur fort von hier. Deutschland is meiner Meinung nach mehr oder minder dem Untergang geweiht und ich will nur noch vom sinkenden Schiff.

Das Demographieproblem ist eindeutig ein Produkt verfehlter Politik. Zum einen ist da das Problem der verdammt schlechten Möglichkeiten, hier n Kind hochzuziehen und Berufstätig zu sein als Frau. In Frankreich ham se bereits früh reagiert und deren Probleme sind nicht so groß wie die hier in Deutschland. (zumindest in dieser Hinsicht)
Zudem sind Kinder einfach teuer. Ich hab einfach keinen Bock, n Blag in die Welt zu setzen, für das Überleben der Gesellschaft zu sorgen und als Belohnung dafür dann kräftich ins Knie ge****t zu werden. Da Verweigere ich lieber meinen biologischen Dienst.
Außerdem bin ich wie gesagt, recht fest davon überzeugt, dass in diesem Staat schon seit langer Zeit wirklich fast alles falsch gemacht wird, was man nur falsch machen kann in Sachen nachhaltigkeit. Die Zeiten werden düsterer, wenn man hier auf dem Arbeitsmarkt bestehen will in Zukunft muss man vor allem Flexibel sein. Und das ist mit Blag anner Backe nur schwer möglich.

Das sind die gründe, wieso ich nicht vor habe Kinder zu bekommen bevor ich nicht ausgewandert bin und wieso ich vorhabe, von hier abzuhauen. Und so geht es nicht nur mir, so geht es auch vielen in meinem Umfeld. Und da helfen keine beschissenen du bist teutschland und jetz geh ****en kampagnen, damit wird man dieses Problem auf gar keinen Fall beheben können. Letztlich kann ich dazu nur sagen, da hat diese Gesellschaft selbst schuld un nu soll se sehen wo sie damit bleibt. Irgendwann nich mehr mein Problem.
 

mighty Komapatient

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Picus schrieb:
wirklich sehr gut.

erst wurde die demographische entwicklung jahrzehntelang komplett ausgeblendet und seit einigen jahren gibt es überall die große panikmache.
jetzt ist es eh zu spät, weder einwanderung noch eine extrem hohe steigerung der geburtenziffer würden den bevölkerungsschwund und den alterungsprozess wirklich aufhalten können. da müssen eben neue konzepte für viele bereiche gefunden werden - in großen teilen europas sieht die lage ja auch nicht sonderlich anders aus.
problematisch wird es nur für einige regionen, wie z.B. dem ruhrgebiet. die jungen (damit mobileren) familien ziehen zunehmend ins umland, zurück bleiben (extrem verkürzt gesagt) die alten und die armen. das potenziert die demographische entwicklung natürlich ungemein und kann schwere folgen für die region mit sich ziehen.
der ausweg zur abmilderung der probleme, die in deutschland durch die demographische entwicklung auftreten könnten ist natürlich ganz klar (und auch im interview genannt): bildung, bildung und bildung, und das für alle bevölkerungsschichten.
auch ein grund warum studiengebühren gift sind...
 
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wie schon hier und in dem interview erwähnt, sollte man die familien und die ausbildung von jungen leuten fördern...

...einwanderung wäre nur dann eine lösung, wenn der staat bzw. die gesellschaft bereit für die integration sind und die immigranten sich integrieren wollen
 

pabeluga

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Naja, so schwarz-weiß kann man das ja auch nicht betrachten. Die Arbeitslosenquote bei Ingenieuren liegt je nach Bundesland zwischen 1 und 2 %. D.h. Vollbeschäftigung und damit natürlich auch ein Ingenieursmangel, wenn man zusätzlich noch betrachtet, dass das eine Wachstumsbranche ist.
Die Arbeitssuchenden sind wahrscheinlich großteils Absolventen. Natürlich kann ein Unternehmen, das einen erfahrenen Ingenieur verliert, den nicht unbedingt mit einem Frischling ersetzen.
Zudem sind VDI und VDA natürlich Lobbyverbände, sogar die stärksten in Deutschland. Natürlich schönen die ihre Zahlen, um ihre Interessen durchzusetzen. Das haben sie auch geschafft, weil die jungen Leute wie blöd an die Hochschulen strömen.
Jetzt merken sie allerdings, dass sie sich selbst ins Knie geschossen haben. Denn jetzt kriegen sie nur noch zwischen 60 und 75 % ihrer Ausbildungsplätze besetzt. Fachkräftemangel hast du so oder so, auch im Osten übrigens. Bei den Ingenieuren konnte das einigermaßen gedrückt werden, dafür tritt es jetzt halt an anderer Stelle und in anderen Branchen auf.
Wenn du zB auf die Seite von Bosch gehst, dann siehst du da über 2000 offene Ingenieursstellen in Deutschland. Bosch kriegt die besetzt, aber der Mittelstand und kleine Firmen haben kaum eine Chance.

http://www.stuttgarter-nachrichten....len.0d66bec8-e42b-400d-a90b-f1c0e8cda6ae.html
http://www.thueringer-allgemeine.de...Thueringen-bleiben-wieder-unbesetzt-894160260
http://www.freiepresse.de/WIRTSCHAF...iele-Lehrstellen-unbesetzt-artikel9286105.php
http://www.ovb-online.de/wirtschaft/9000-lehrstellen-oberbayern-unbesetzt-5458128.html

Keine Ahnung, wie man so weit an der Realität vorbeileben kann, und so einen Film dreht. Ich kann es ja nicht beurteilen, aber die ganzen offenen Stellen sind ja wohl kein """Fake"""oder """Propaganda""".
 

--Cha\/ezz--

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Naja, so schwarz-weiß kann man das ja auch nicht betrachten. Die Arbeitslosenquote bei Ingenieuren liegt je nach Bundesland zwischen 1 und 2 %. D.h. Vollbeschäftigung und damit natürlich auch ein Ingenieursmangel, wenn man zusätzlich noch betrachtet, dass das eine Wachstumsbranche ist.
Die Arbeitssuchenden sind wahrscheinlich großteils Absolventen. Natürlich kann ein Unternehmen, das einen erfahrenen Ingenieur verliert, den nicht unbedingt mit einem Frischling ersetzen.
Zudem sind VDI und VDA natürlich Lobbyverbände, sogar die stärksten in Deutschland. Natürlich schönen die ihre Zahlen, um ihre Interessen durchzusetzen. Das haben sie auch geschafft, weil die jungen Leute wie blöd an die Hochschulen strömen.
Jetzt merken sie allerdings, dass sie sich selbst ins Knie geschossen haben. Denn jetzt kriegen sie nur noch zwischen 60 und 75 % ihrer Ausbildungsplätze besetzt. Fachkräftemangel hast du so oder so, auch im Osten übrigens. Bei den Ingenieuren konnte das einigermaßen gedrückt werden, dafür tritt es jetzt halt an anderer Stelle und in anderen Branchen auf.
Wenn du zB auf die Seite von Bosch gehst, dann siehst du da über 2000 offene Ingenieursstellen in Deutschland. Bosch kriegt die besetzt, aber der Mittelstand und kleine Firmen haben kaum eine Chance.

http://www.stuttgarter-nachrichten....len.0d66bec8-e42b-400d-a90b-f1c0e8cda6ae.html
http://www.thueringer-allgemeine.de...Thueringen-bleiben-wieder-unbesetzt-894160260
http://www.freiepresse.de/WIRTSCHAF...iele-Lehrstellen-unbesetzt-artikel9286105.php
http://www.ovb-online.de/wirtschaft/9000-lehrstellen-oberbayern-unbesetzt-5458128.html

Keine Ahnung, wie man so weit an der Realität vorbeileben kann, und so einen Film dreht. Ich kann es ja nicht beurteilen, aber die ganzen offenen Stellen sind ja wohl kein """Fake"""oder """Propaganda""".

Um den Link zur aktuellen Debatte zu schlagen: Glaubst du daran, dass ein Großteil dieser Jobs durch Flüchtlinge besetzt werden kann?
 
D

Der Affe

Gast
Naja, so schwarz-weiß kann man das ja auch nicht betrachten. Die Arbeitslosenquote bei Ingenieuren liegt je nach Bundesland zwischen 1 und 2 %. D.h. Vollbeschäftigung und damit natürlich auch ein Ingenieursmangel, wenn man zusätzlich noch betrachtet, dass das eine Wachstumsbranche ist.
Die Arbeitssuchenden sind wahrscheinlich großteils Absolventen. Natürlich kann ein Unternehmen, das einen erfahrenen Ingenieur verliert, den nicht unbedingt mit einem Frischling ersetzen.
Zudem sind VDI und VDA natürlich Lobbyverbände, sogar die stärksten in Deutschland. Natürlich schönen die ihre Zahlen, um ihre Interessen durchzusetzen. Das haben sie auch geschafft, weil die jungen Leute wie blöd an die Hochschulen strömen.
Jetzt merken sie allerdings, dass sie sich selbst ins Knie geschossen haben. Denn jetzt kriegen sie nur noch zwischen 60 und 75 % ihrer Ausbildungsplätze besetzt. Fachkräftemangel hast du so oder so, auch im Osten übrigens. Bei den Ingenieuren konnte das einigermaßen gedrückt werden, dafür tritt es jetzt halt an anderer Stelle und in anderen Branchen auf.
Wenn du zB auf die Seite von Bosch gehst, dann siehst du da über 2000 offene Ingenieursstellen in Deutschland. Bosch kriegt die besetzt, aber der Mittelstand und kleine Firmen haben kaum eine Chance.

http://www.stuttgarter-nachrichten....len.0d66bec8-e42b-400d-a90b-f1c0e8cda6ae.html
http://www.thueringer-allgemeine.de...Thueringen-bleiben-wieder-unbesetzt-894160260
http://www.freiepresse.de/WIRTSCHAF...iele-Lehrstellen-unbesetzt-artikel9286105.php
http://www.ovb-online.de/wirtschaft/9000-lehrstellen-oberbayern-unbesetzt-5458128.html

Keine Ahnung, wie man so weit an der Realität vorbeileben kann, und so einen Film dreht. Ich kann es ja nicht beurteilen, aber die ganzen offenen Stellen sind ja wohl kein """Fake"""oder """Propaganda""".

Glaubst du nicht dass es sich hier um einen künstlichen Mangel handelt um im internationalen Wettbewerb Talente anzulocken? Vorallem was den Ingenieursberuf angeht habe ich aus mehreren Quellen gelesen dass ein Fachkräftemangel nicht vorhanden ist. Die von der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen werden vom VDI einfach mit dem Faktor fünf hochgerechnet. Dass diese Stellen mit Abolventen, Teilzeitbeschäftigten oder mit Ingeneuren aus anderen Firmen gefüllt werden können wird einfach ignoriert. Et voilà, ein Mangel an Ingenueren.

Die Zulassungsvoraussetzungen für ein Studium wurden in den letzten Jahren dermaßen gelockert da braucht man sich nicht wundern wenn Hochschulen einen Ansturm haben.
 

guajiro

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Vielleicht ist es auch ein Mangel an fähigen Ingeneuren bzw Absolventen. Ein Universitäts- oder FH-Abschluss bedeutet heutzutage überhaupt nichts mehr. Den bekommt man (v.a. aus falschen Anreizgründen für Universitäten) hinterhergeworfen.
Kleine anekdotische Evidenz meinerseits (da viele meiner Studienkollegen nach dem Studium in die freie Wirtschaft gegangen sind): Leute, die wirklich was in der Birne haben, bekommen immer gute Jobs, teilweise ohne sich zu bewerben, weil durch Headhunter abgeworben. Leute, die weniger auf dem Kasten haben und sich mehr oder weniger durchs Studium mogeln, haben zum Teil deutlich größere Schwierigkeiten und müssen u.U. auch 50 Bewerbungen schreiben, um eine Zusage zu bekommen.

Diese Multiplikation des VDI ist natürlich ein schlechter Scherz, aber mir erscheint die Theorie des künstlichen Mangels auf den ersten Blick nicht besonders logisch. Wenn das Angebot an Ingeneuren deutlich höher ist als die Nachfrage, könnten Firmen ganz einfach die besten Leute einstellen und haben dazu noch die deutlich bessere Lohn-Verhandlungsposition. Die Frage ist dann, warum man noch internationale Talente benötigt. Falls die besser ausgebildet sind als die inländischen Absolventen, existiert doch tatsächlich ein Mangel an Fachkräften, oder?
 
D

Der Affe

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Oben im Spiegel-Artikel wird darauf eingegangen:
Der Markt reagiert auf Mangelsituationen normalerweise mit steigenden Preisen. Wären Fachkräfte und Ingenieure wirklich rar, müssten die Gehälter deutlich steigen. Das tun sie aber nicht. Sie stagnieren seit Jahren, und Fachkräften geht es dabei nicht besser als anderen Beschäftigten. Die Bruttostundenlöhne für herausgehobene Fachkräfte sanken preisbereinigt 2008 sogar ab (um 0,1 Prozent), stiegen 2009 um 0,5 Prozent, im 1. und 2. Quartal 2010 um 0,4 bzw. 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zahlen für 2011 liefert eine Kienbaum-Studie: Demnach steigen die Grundgehälter bei Fachingenieuren 2011 nominal um durchschnittlich 2,7 Prozent. Preisbereinigt dürften das etwa 0,5 Prozent sein.

Man sichert sich also die bessere Lohn-Verhandlungsposition, drückt die Gehälter um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.
 

guajiro

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Ok. Also es gibt den Fachkräftemangel nicht, weil die Gehälter für Fachkräfte nicht stark genug ansteigen, und gleichzeitig sollen noch mehr potentielle Ingeneure ins Land, damit die Löhne weiter gedrückt werden können? Ist nur die Frage, wie sich die Verhandlungsposition verändert, wenn man einen Mangel suggeriert, und der auch öffentlich von sämtlichen Medien aufgenommen wird.

Ansonsten etwas problematisch sich genau diesen Zeitraum anzuschauen. Die globale Wirtschaftskrise wird natürlich auch die Nachfrage nach Absolventen gesenkt und große Gehaltssprünge verhindert haben. Wäre interessant mal aktuelle Zahlen zu sehen
 
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